Kundenrezension

671 von 694 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Derzeit wohl beste APS-Spiegelreflex, Vergleich mit EOS 50D (und Nikon D300), 8. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Canon EOS 7D SLR-Digitalkamera (18 Megapixel, 7,6 cm (3 Zoll) LCD-Display, LiveView, FullHD-Movie) Gehäuse (Elektronik)
Inzwischen habe ich fast 10.000 mal den Auslöser der 7D gedrückt, habe also genug Erfahrung mit ihr und meiner älteren 50D, die ich als Zweitgehäuse weiter einsetze. Dieser bewusst ausführliche Bericht wendet sich gezielt an Fans der Naturfotografie, Schwerpunkt Tele- und Makrofotografie, "Action" mit anfliegenden Vögeln etc. Ich fotografiere viel mit einer Nikonianerin zusammen, die neben analogen SLR die Nikon D300 (ohne S) und vergleichbare Objektive benutzt. Deshalb werfe ich gelegentlich einen interssanten Blick ins Nikon-Lager ;-) (ich werde auch niemals meine gute alte, voll mechanische Nikon FM-2 hergeben...).

FOTOGRAFIE: Vergleich zur 50D (und Nikon D300)

In Haptik und Bedienung schlägt die 7D die ansich gute (und trotz fehlendem Spritzwasserschutz echt robuste) 50D. Umsteiger finden sich schnell zurecht. Das entscheidende Plus für kreative Spiegelreflexfotografie ist der größere, helle Sucher, der den vollen Bildausschnitt zeigt; super auch die per LCD einblendbaren Infos. Canon zieht hier endlich mit Nikons D300-Klasse gleich.

Autofokus: Der AF der 7D ist mit 19 Kreuzsensoren wesentlich aufwendiger als bei der 50D. In der Praxis setze ich nun auch den neuen Zonen-AF, gelegentlich sogar den vollautomatischen AF ein. Bei der 50D geht Action eigentlich nur mit manuell angewähltem zentralen AF-Feld. Anders als die 50D kann die 7D auch bewegte Objekte per AI Focus (Auto Intelligence Focus) überraschend gut verfolgen. Allerdings darf man davon keine Wunder erwarten. Bei anfliegenden Vögeln hat man vielleicht doppelt bis dreimal so viel wirklich scharfe Treffer als bei der 50D (da die 7D in solchen Extremsituationen um 2 Bilder/s schneller ballern kann, erhöht das zusätzlich die Erfolgschance). Entscheidend ist nach meiner Erfahrung das Zusammenspiel des AF mit dem Objektiv. An einem szenebekannten Vogelfelsen hatte ich kürzlich überraschend viele Treffer bei Handschüssen mit dem EF 400 mm/5,6, noch zuverlässiger ist die Paarung mit dem kleinen 70-200 mm/4 L IS USM, das aber auch an der 50D gut ist (das neue 70-200 mm/ 2,8er VR II dürfte an der 7D super sein). Die Nikon D300 ist hier - zumindest mit dem Nikkor 300 mm/4 in der aktuellen Version - drastisch langsamer, was meine Nikonianerin echt frustriert hat (wir haben gelegentlich getauscht, es ist frappierend). Nicht umsonst dominiert Canon den Sportbereich. Noch was: Das komplexe AF-System der 7D erfordert Einarbeitung, die sich aber lohnt - vor allem die Verstellbarkeit der AF-Geschwindigkeit ist für Action wichtig. Am besten gleich den Menüpunkt C.Fn III Autofokus/Transport für Schnellzugriff ganz oben in MyMenue speichern.

Bildqualität:

Grundsätzlich macht die 7D wie die 50D schöne, ausgewogen belichtete Bilder (erinnert mich an alte Diazeiten mit Fuji, Kodak & Co.). Bei viel Licht und starken Kontrasten neigen beide Kameras Canon typisch in der Automatik zum leichten Überbelichten. Wer die JPEGs direkt aus der Kamera verwenden will, korrigiert die Blende am besten 1-2 Drittelstufen nach unten. Wer eh RAW nachentwickelt, kann gezielt ausnutzen, dass der Sensor in den hellen Bildpartien enorm viel Information speichert: Durch nachträgliches Runterdrehen der Bildhelligkeit schiebt man diese ins Sichtbare und senkt das Rauschen in den Schattenpartien weiter ab. Die Weißabgleichsprogramme der Canons liefern unter Tageslichtbedingungen zuverlässigere Ergebnisse als bei der Nikon D300, die mit ihren Standardprogrammen zu etwas flauen, blaustichigen Bildern tendiert. Bei Kunstlicht ist die Nikon besser, aber da mache ich einfach einen manuellen Weißabgleich (sofern ich nicht die Warmtonigkeit gezielt nutze).

Pixelwahn? Nein. Mit einem wirklich scharfen Objektiv kann die 7D unglaublich feine Details abbilden, gerade bei Fell- und Federstrukturen (siehe "Objektive"). Sie schlägt hier klar die 50D und auch die Nikon D300, obwohl die Unglaubliches aus ihren 12 Megapixeln rausholt - Respekt! Allerdings genügen viele Objektive dem Auflösungsvermögen der 7D optisch nicht mehr (siehe weiter unten). Bei der 7D drängen sich 18 Millionen Pixel auf einer Fläche, wo bei einer Vollformat-5D Mark II etwa 8 Megapixel sitzen; im Labor erreicht die 7D damit eine optische Auflösung von umgerechnet über 130 Linienpaaren pro mm (siehe z. B. [...] Das liegt im Bereich sehr feinkörniger Diafilme, und das muss ein Objektiv erst mal optisch bringen. Also ein altes Problem (sofern man das so sehen will). Für Naturfotografie wichtig: Mit einem guten Tele und ausreichend Licht bringt die 7D den Vergrößerungsfaktor von 1,6, den ihr kleinerer Sensor verspricht, tatsächlich - zumindest bei ruhenden oder nicht allzu schnell bewegten Objekten (aus 400 mm Brennweite werden so "gefühlte deutlich über 600 mm"). Auch Ausschnittsvergrößerungen sind dann noch drin.

Rauschen: Pixelwahn? Ebenfalls nein. Bis ISO 1600 sind die 50D und die 7D gleich gut, ab 3200 schlägt die 7D tatsächlich die 50D und ist etwa gleich gut wie die Nikon D300. Das neue Sensordesign hat sich gelohnt. Trotzdem ist ist das Rauschen ab ISO 1600 doch schon sehr deutlich. Wer gerne bei wenig Licht fotografiert, sollte in die hier deutlich bessere 5D/II investieren.

Objektive:
Wer sein 7D-Schätzchen optisch mal richtig ausfahren will, setzt ein scharfes Makro an: der Hammer! Die 7D ist definitiv eine überragende Makro-DSLR, im Gegensatz zur Vollformat-Kamera gerät sie auch nicht ganz so schnell in papierdünne Schärfebereiche. Da machen feine Echsenschuppen oder bizarre Insektenhaartrachten echt Spaß! Bei Portraitfotos kann man jede Pore sehen (wenn man Wert drauf legt...). Generell sind für Schärfefans an der 7D gute Festbrennweiten die Objektive der Wahl (schön scharf z. B. ist das Canon EF 50mm/ 1,4/ USM Objektiv, abgeblendet auf mindestes 5,6). Zooms liefern dagegen schöne Fotos, für die aber 10-12 Megapixel gereicht hätten. Mit dem beliebten lichtstarken Standardzoom Canon EF-S 17-55mm/ 2,8/ IS USM Objektiv, bildstabilisiert macht die 7D nur fettere Dateien als die 50D, ohne dass ich auf den Bildern mehr Details erkennen kann. Hier ist die Optik eindeutig der limitierende Faktor. Nur gute Telezooms der optisch unkritischeren 70-200 mm-Klasse kommen dem Detailhunger des 7D-Sensors entgegen.

Teleobjektive: super scharfe Ergebnisse bringt nach meiner Erfahrung die Festbrennweite EF 400 mm/5,6 L USM schon bei Offenblende, außerdem arbeitet der sehr schnelle Ultraschallantrieb dieses Uralt-Teles in Canons Katalog überraschend gut mit AF-System der 7D zusammen. Bei meinem Canon EF 300mm/ 4,0/ L IS USM Objektiv, bildstabilisiert musste ich dagegen feststellen, dass es bei Action an der 7D leider auffallend viele unscharfe Bilder liefert; außerdem sehe ich hier das erste Mal gelegentlich störende Farbsäume (an der 50D nicht). Prima ist das 300er aber auch an der 7D als "Fernmakro". Gerade bei Action arbeitet die 7D mit dem sehr scharfen, angenehm handlichen Telezoom Canon EF 70-200mm 1:4,0L IS USM Objektiv super zusammen. Noch was: unbedingt Autofokus-Justierung der Objektive prüfen, an der 7D musste ich alle meine Teles nachjustieren, damit sie zuverlässig scharfe Ergebnisse liefern.

VIDEO:
Ich fotografiere hauptsächlich, spiele aber natürlich auch mit Video herum. Das HDTV-Potenzial der 7D ist sagenhaft - ebenso die Dateigrößen. In der Praxis muss man allerdings immer manuell fokussieren, was Übung braucht. Bei einem Zoom wählt man am besten die Brennweite vorher und lässt dann tunlichst die Finger vom Zoomring, das gibt zumindest bei Handaufnahmen nur Geruckel. Für diese finde ich die Kombination mit dem leichten und kleinen EF 50 mm/ 1,4 ideal, zumal man mit dem lichtstarken Objektiv hollywoodmäßig mit flacher Schärfentiefe arbeiten kann - toll! Die leichte Telewirkung an der 7D (80 mm Kleinbildäquivalent) kommt der Aufnahme von Menschen entgegen. Bei schwereren Objektiven ist schnell zumindest ein Einbein-Stativ fällig. Die 7D ist halt ergonomisch eine klassische Spiegelreflex und fürs Ansetzen ans Auge und Abdrücken designt. Profis bauen videofähige DSLR deshalb gerne in Schultergestelle ein.

FAZIT:
Wer viel bewegte Objekte, Tele oder Makro fotografiert und dabei maximale Auflösung will, bekommt mit der 7D die derzeit wohl beste APS-DSLR. Wer auf Video verzichten kann und sonst eine sehr gute, robuste Spiegelreflex will, erhält in der Canon-Welt mit der 50D günstig ein zuverlässiges Arbeitspferd. Im Gegensatz zu den Mini-DSLR der EOS XXXD-Reihe bietet sie schon einen Sucher mit Mattscheibe, der dem Auge genau zeigt, wo die Schärfe sitzt und so voll manuelle Fokusarbeit zulässt (also echte, kreative Spiegelreflexfotografie).
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Kommentare

Von 10 Kunden verfolgt

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1-10 von 52 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.06.2010 10:34:24 GMT+02:00
Nachtrag, denn Amazon akzeptiert leider nicht meine Korrektur, obwohl ich's zweimal versucht habe: Bei der Zahl der AF-Kreuzsensoren habe ich mich vertippt - es sind 19. Nur für die Genauigkeit...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.06.2010 07:53:48 GMT+02:00
THOMAS LEHNER meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 26.07.2010 14:14:33 GMT+02:00
Schlechte Neuigkeiten: Bei knapp 12500 Auslösungen ist das Daumenrad meiner 7D einfach ausgefallen. Entweder ist es das Rad selbst oder der zugehörige Lock-Schalter. Die Kamera ist jetzt beim Canon-Service. Da ich sie sowieso einsenden musste, habe ich bei der Gelegenheit eines meiner Teles (EF 400 mm f/5.6 L USM) zur Justage dazu gepackt. Mal schauen was dabei heraus kommt. Offenbar ist diese Panne nicht repräsentativ, also kein typischer Schwachpunkt der 7D. Auf dem Web habe ich jedenfalls keine größeren Beschwerden dazu gefunden, auch nicht im umfänglichen 7D-Forum auf www.dpreview.com. An meiner älteren 50D, die mehr Auslösungen drauf hat, funktioniert's auch noch tadellos.

Veröffentlicht am 30.07.2010 22:17:58 GMT+02:00
Lesemaus meint:
Sehr stimmiger, durchgehend fachlicher Beitrag!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.08.2010 17:33:33 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.08.2010 17:40:47 GMT+02:00
@ Lesemaus: Danke für das nette Kompliment. Ich lese auch gerne in anderen Rezensionen über Fakten und Erfahrungen aus der Praxis, die man in den üblichen Fotomagazin-Tests nicht so findet.

Übrigens habe ich nach 5 Wochen meine 7D zurück. Garantiereparaturen dauern leider bei allen großen Kameraproduzenten so lange, wie sich in einschlägigen Chats nachschauen lässt. Zum Glück hatte ich ohnehin wenig Zeit zum Fotografieren, ein Übriges tat das schlechte Wetter. Ich hatte ja eines meiner Teles, das EF 400 mm f/5.6 L USM, zur Autofokus-Feinjustage mitgeschickt. Erste Tests sind vielversprechend. Allerdings sieht es so aus, als ob meine "Heimjustage", die ich zuvor selbst gemacht hatte, nicht wirklich schlechter war. Man kann sich also auch die gut 50 Euro für diesen Service sparen, wenn man sich ein bisschen in das Thema einarbeitet. Allerdings sollte man bei Zooms doch besser den Fachservice ran lassen, Festbrennweiten sind naturgemäß einfacher nachjustierbar.

Veröffentlicht am 04.09.2010 12:10:06 GMT+02:00
H. Hans meint:
Danke für diesen tollen Bericht. Besonders gefiel mir der Vergleich zu meiner vorhandenen D300. Nach massiven Ärger mit dem Nikon-Service (als Privatkunde wirst du nur mit unhaltbaren Sprüchen abgespeist) werde ich sie verkaufen und die 7D zulegen

Gruß, Hans

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2010 19:09:29 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.09.2010 19:16:17 GMT+02:00
@ Hans: Danke, und viel Glück! Zum Canon-Service kann ich jetzt sagen, dass er auch nicht gerade schnell ist, aber zumindest in diesem einen Fall ordentliche Arbeit abgeliefert hat. Meine 7D geht wieder einwandfrei.

Meine Nikonianerin schwankt übrigens auch immer wieder mal, ob sie wechseln soll. Wegen ihrer analogen Nikons, die sie noch viel einsetzt, und recht der großen Objektivsammlung wird sie's aber nicht tun. Das ist leider auch das Teure am Umstieg: Die wirklich guten Canon-Objektive sind wie die guten Nikkors kein billiger Spaß. Allerdings ist die Auswahl an hauseigenen und Fremdobjektiven, die ordentlich bis sehr gut sind, für Canons ein kleines bisschen größer als für Nikons, haben die Nikonianerin und ich kürzlich wieder festgestellt. Wirklich kritisch ist bei der 7D allerdings die präzise Zusammenarbeit des Objektivs mit dem AF-System der Kamera, weil der hochauflösende Sensor es gnadenlos zeigt, wenn die Schärfenebene ein bisschen vor oder hinter ihm liegt. Gerade bei lichtstarken Objektiven mit Offenblende und geringer Schärfentiefe kann das zum Problem werden. Da braucht manches Objektiv, das an einer 12-Megapixel-Kamera noch gut funktioniert (ich hatte bis vor Kurzem eine EOS 450D mit 12 MP), mindestens eine Feinjustage. Am besten fährt man nach meiner Erfahrung mit neueren Objektivmodellen aus dem Hause Canon, die arbeiten in der Regel ohne Justage gut mit der Kamera zusammen.

Veröffentlicht am 09.09.2010 13:21:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.09.2010 13:27:25 GMT+02:00
MA meint:
Ich habe die Rezension mit gemischten Gefühlen gelesen.
Hier wird eine nagelneue Camera mit alten DSLR's verglichen.
Ich selber komme aus dem Roten Canon Lager (hatte 25 Jahre Canon) und habe jetzt zum Gelben Nikon Lager gewechselt und mir den Nachfolger der D300, die D300s geholt. Ich muss sagen, ich habe noch nie so viel Spaß mit einer SLR gehabt. Da ich beide Cameras mein eigen nennen kann (bei der D7 "konnte") muss ich sagen die Nikon D300s ist besser (wenn auch nur Nuancen) als die 7D. Besonders im Rauschverhalten, da aber extrem!
Hier meine Minuspunkte im Vergleich zur D300s:
- hohe Vignettierung
- realitv hohes ISO-Rauschen bei höheren ISO-Werten
- Verarbeitungsqualität
Trotzdem, schön geschrieben

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.09.2010 14:22:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.09.2010 14:34:36 GMT+02:00
@ MA: Danke für das wirklich nette Kompliment :-). Ich hatte ja nicht den Anspruch, ganz allgemein was über Nikons zu sagen. Ich habe nun mal exakt die beschrieben Nikon-Ausrüstung immer zum Vergleich vor der Nase.

Ihre Einschätzung des Rauschverhaltens ist interessant, denn wenn man sich die Vergleichstests der D300S und der D7 in diversen Fotomagazinen und auf den besseren Test-Websites anschaut, kommen die zu einem anderen Ergebnis. Und nicht allen kann man glaube ich vorwerfen, sie seien von Canon "gekauft" (Nikon ist werbetechnisch sicher nicht weniger aggressiv). Von einem Profifotografen (Nikonianer ;-) ) habe ich gelernt, dass dpreview.com eine gute Referenz ist. Schaut man sich dort den in dpreview-Manier sehr gründlichen Labor-Vergleichstest mit Probebildern an:

http://www.dpreview.com/reviews/nikond300s/page15.asp

dann ist das Ergebnis: die neue D300S hat eine ziemlich stark wirksame Unterdrückung des Farbrauschens in der Standardeinstellung, that's it. Bei der 7D ist diese Standardeinstellung moderater (man kann sie im Menü hoch setzen). Schaltet man aber die Rauschunterdrückung aus, indem man sich die Rohdaten-Dateien (RAW, NEF) anschaut (Abschnitt "RAW noise"), dann sieht zumindest nach diesem Test das ungefilterte Sensor-Rauschen der D300S, der 7D, der 50D und der Pentax K-7 ziemlich ähnlich aus. Nur: die 7D hat deutlich kleinere Pixel als die Konkurrenz. Das sagt mir als Physiker, dass Canon da ein kleines technisches Meisterstück gelungen ist. Der Gewinn ist dann die höhere Detailauflösung durch die feineren Pixel (aber eben nur wenn das Objektiv sie bringt).

Vignettierung müsste ich mal checken, das mich stört mich nicht so, weil die 7D die bei neueren Objektiven in den JPEGs automatisch korrigeren kann (sollte man aktivieren - oder man macht's nachträglich bei der RAW-Bearbeitung im Canons DPP-Programm). Aber Ihren Kritikpunkt zur Verarbeitungsqualität kann ich echt nicht nachvollziehen. Dazu müsste Nikon das Gehäuse der D300S stark gegenüber der D300 geändert haben, was nicht der Fall ist (ich habe schon mit der D300S herumgespielt). Ich finde, dass diese gehobene Amateurkameras beider Hersteller absolut gleichwertig sind. Das sind alles solide Kamerapanzer, deren Gehäuse sicher viel länger als der Sensor leben werden. Elektronik altert leider, weshalb alle diese DSLRs keine Anschaffungen "für's Leben" mehr sind. Meine alte Nikon FM-2 war noch so ein Wertstück, das ich in Ehren halte.

Was übrigens bei den Nikons echt besser ist: Die JPEG-Engine macht automatisch eine sehr effiziente Korrektur der Farbsäume (chromatische Aberration, CA), abhängig vom angesetzten Objektiv (allerdings nur den neuen Nikkors). Bei Canon muss ich das etwas mühsam bei der RAW-Nachbearbeitung im mitgelieferten Programm DPP machen. Gestern habe ich mich gerade wieder darüber geärgert, weil ein lichtstarker Standardzoom von Canon gelegentlich zu sehr störenden Farbsäumen neigt. Lustigerweise hängt Nikon dieses tolle Feature nicht an die große Glocke, weil die wohl Angst haben, das könnte so interpretiert werden, dass Nikkor-Objektive schlechter seien und diese Korrektur nötig hätten. Dabei lässt sich CA gerade bei den Zooms mit großem Zoombereich von Weitwinkel bis Tele nicht völlig ausschalten.

Aber das sind ja alles Feinheiten. In der Praxis kann man mit allen diesen Kameras super Fotos machen. Diese Lagerkämpfe zwischen den Markenfans finde ich ohnehin lächerlich. Wahrscheinlich werden auch nur Wenige den Hersteller wechseln, spätestens wenn sie eine größere Objektivsammlung haben. Das wird sonst teuer (nur Superteles kann man gebraucht fast ohne Verluste verkaufen, wenn sie gepflegt sind).

Und Danke für den hilfreichen Kommentar! :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.09.2010 15:24:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.09.2010 15:26:55 GMT+02:00
MA meint:
Danke,
ich gehöre dann wohl zu den wenigen die gewechselt haben. Und der Grund war die 7D! Meine Objektive habe ich über ein einschlägiges Forum verkauft, sehr gut muss ich sagen, so dass der Neuanfang erheblich leichter gefallen ist.

Rauschen:
Auch hier, ich habe beide Kameras 1:1 vergleichen können. Ganz klar Vorteil Nikon (sonst hätte ich ja nicht wechseln müssen)
Die Nikon greift nicht stärker ein (sonst wär der Texturverlust höher), sondern setzt auf größere Pixel bei in etwa dem gleichen Sensor (Nikon > Canon; Crop 1,5 zu 1,6)

Und noch mal: ich hatte bis Juni BEIDE Kameras!

Mittlerweile muss ich zugeben interessiere ich mich auch noch für eine Vollfomat (D700) und warte auf dessen Nachfolger. Wenn Nikon das Bedienkonzept beibehält (D300s ist identisch mit D700) ist mein Traum/Wunsch zur perfekten Kombi wahrgeworden.
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