Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Gruselkabinett – 84./85. Die Katze und der Kanarienvogel, 17. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Folge 84: Die Katze und der Kanarienvogel [Teil 1 von 2] (MP3-Download)
Erster Eindruck: Unheimliche Nacht im alten Gemäuer

Der exzentrische Hausherr eines einsam gelegenen Hauses ist vor genau 20 Jahren gestorben und hat seinen Notar beauftragt, genau zu Mitternacht seinen potenziellen Erben das Testament zu verlesen. Währenddessen der vergangenen Jahre hat die übersinnlich begabte Haushälterin Mammy Pleasant über das Haus gewacht und einige merkwürdige Dinge bemerkt. Bei der Verlesung dann die große Überraschung: Der Erbe muss die erste Nacht in der Bibliothek verbringen und darf dabei nicht den Verstand verlieren…

Zweiteiler haben eine lange Tradition beim Gruselkabinett von Titania Medien, schon früh wurde mit „Spuk in Hill House“ eine Geschichte über zwei Folgen erzählt. „Die Katze und der Kanarienvogel“ kehrt damit gleich doppelt zu diesen Wurzeln zurück – erstens weil es ebenfalls ein Zweiteiler ist, zweitens weil die Grundzüge der Geschichte ähnlich erscheinen: Eine Gruppe ganz unterschiedlicher Charaktere verbringt eine Nacht in einem unheimlichen Haus. Doch „Die Katze und der Kanarienvogel“ setzt dabei andere Akzente und stellt die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander in den Vordergrund. Die anfängliche Szene mit Notar und Haushälterin setzt den Grundstock für die unheimliche Stimmung und bringt gleich ein Geisterthema mit ein. Wirklich offensichtlich wird dies im weiteren Verlauf nicht aufgegriffen, bleibt jedoch immer dräuend im Hintergrund und findet im späteren Verlauf einige packende Höhepunkte. Auch der psychisch gestörte Mörder, der in der dunklen Nacht herumschleichen soll und dessen ganz spezielle Eigenschaften gut beschrieben werden. Diese unheimlichen Elemente sind hübsch eingebaut und schmücken die Beziehungen der Charaktere gelungen aus. Sei es die charmante Künstlerin Annabelle West, der großspurige Harry Blythe, der feinfühlige Charlie Wilder, der etwas unbeholfene Paul Jones, die dramatische Susan Sillsby oder die schüchterne Cicily Young, jeder bringt seine eigene Note mit ein und sorgt für ganz besondere Momente. Dabei entwickelt sich auch eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung zwischen den Charakteren, zudem geraten sie auch in Verdacht, dem Erben nichts Gutes zu wollen, um selbst das wertvolle Haus und einen geheimen Schatz zu bekommen. Jede Menge Stoff also, der auch gut und stimmungsvoll umgesetzt wurde. Es ist gerade diese Vielfalt, die das Hörspiel reizvoll macht, dennoch schleichen sich einige kleinere Längen ein. Den ganz großen Grusel sollte man hier nicht erwarten, sondern zahlreiche Verwicklungen zwischen den Charakteren sowie eine dezent unheimliche Stimmung, die ab und an zuschlägt und dann das Tempo steigert.

Einmal mehr hat Titania Medien es geschafft, wunderbare Sprecher vor dem Mikrofon zu versammeln, die ihre Rollen sehr gut verkörpern und für die nötige Stimmung sorgen. Dagmar von Kurmin ist hierbei besonders hervorzuheben, als Haushälterin Mammy Pleasant. Sie schafft mit ihren unheilvollen Ankündigungen und der rauen, dunklen Stimme immer wieder kleine, gruselige Momente. Nana Spier ist als Annabelle West zu hören und zeigt einmal mehr, wie vielfältig ihre Stimme ist. Von zarten Liebesbekundungen über Wut und grenzenlose Panik kann sie hier alle Emotionen ihres Charakters sehr treffend vermitteln. Und noch eine Dame hat mit hier sehr gut gefallen: Joseline Gassen als Susan Sillsby mit ihrer dramatischen Art und den bissigen Kommentaren sorgt für eine lockere und erheiternde Stimmung. Weitere Sprecher sind Eckart Dux, Sascha Wussow und Patrick Bach.

Akustisch wird wieder die gewohnte Kost geboten, die auch die anderen Folgen des Gruselkabinetts schon so atmosphärisch gestaltet hat. Doch dieses mal hält sich die Musik, die sonst schon mal zu einem lauten Getöse anschwoll, eher zurück und bleibt ruhig und düster – vielleicht weil die ganz großen Höhepunkte in der Handlung hier eher rar gesät sind. Die gebotene Geräuschkulisse ist wieder passend und stimmungsvoll.

Ein kleiner Vergleich in der Geschichte hat für deren Titel gesorgt – und dieser wird auch auf dem Cover aufgegriffen. Dabei sind diese beide zusammen zu betrachten, während auf dem Bild zum ersten Teil eine fauchende Katze und ein wild flatternder gelber Kanarienvogel im Käfig zu sehen sind, ist die erschrocken wirkende Katze auf dem zweiten Cover wieder zu sehen, während vom Vogel nur noch ein paar Federn zu sehen sind und der Käfig im Hintergrund offen steht.

Fazit: Eine Geschichte, die sich langsam aufbaut und neben der dezent gruseligen Stimmung besonderen Wert auf die Beziehungen zwischen den Charakteren legt. Liebesgefühle, Intrigen und offene Abneigung ergänzen sich mit der unheimlichen Nacht im Haus sehr gut und ergeben eine facettenreiche Handlung.
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