Kundenrezension

43 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sie sind zurück, 10. August 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anastasis (Audio CD)
Vorab soviel: Anastasis ist ein gutes Album, alle die befürchteten, daß hier etwas völlig anderes oder gar schräges entstanden wäre, können beruhigt werden. Vierzehn Jahre sind seit dem letzten gemeinsamen Studioprojekt von Lisa Gerrard und Brendan Perry vergangen und alles klingt fast genauso wie früher. Fast, aber bei genauerem Hinhören tun sich schon diverse Unterschiede auf. Dazu später mehr, fest steht: wer DCD seit Beginn ihrer frühen Alben verfolgen durfte, wird auch bei diesem Album voll bedient und nicht enttäuscht werden. Die Kehrseite: so richtig viel Neues hat sich nicht getan, wer revolutionäre Entwicklungssprüngwe erwartet, muß warten, es wird an Bewährtem bezüglich Sound/Melodie/Songstruktur festgehalten.

Insgesamt wird auch bei diesem Album die bewährte Arbeitsteilung zwischen Gerrard und Perry beibehalten, jedem der beiden werden exakt vier Tracks für ihre Ausnahmmestimmen zugeteilt, lediglich bei einem (aber immerhin!) Track "Return of the She-King" kommt zuletzt Perrys Stimme hinzu und mündet sogar in einem Duett der beiden (hat Seltenheitswert). So unterscheiden sich auch die musikalischen Charaktere der jeweiligen Tracks der beiden: Gerrards Anteil bewährt v.a. in der orientalischen Harmonie verhaftet, während Perrys Songs weltlicher, mehr Songwriter-Attitüde haben und letztlich auch den textlichen Inhalt liefern. Perrys Songanteil erinnert stark an sein letztes Soloalbum "ARK", sozial- und kulturkritische Texte, hymnische Melodien, ausgefeiltes Songwriting (wobei mir "ARK" vom Ideenreichtum der verwendeten Melodien und Soundcollagen besser gefallen hat, Perry hat hier sein Herzblut der zurückliegenden 10 Jahre vergossen...).

Der Opener Track Nr.1 erscheint mir entgegen anderen Rezensenten als der schwächste vom gesamten Album: etwas zu gefällige Melodieführung, zu breiter und dichter (synthetischer), eher schon schmalziger Geigenteppich, gewöhnliche Drums und salvenartige Bläserattacken, fast schon wie ein James Bond-Soundtrack. Track 2 und 3 sind Gerrard zugeteilt, könnten so auch vor 20 Jahren erschienen sein, typischer orientalischer Einschlag, mein Favorit Track Nr. 2, ruhiger als Nr. 3, hypnotisch, so richtig zum träumen und dahinschweben...Nr.3 mit einem zappeligen, fast discoiden TripHop-Rhythmus, paßt an sich nicht so ganz zur bisherigen DCD-Rhythmussprache. Track Nr.4 ist ein typischer Perry-Song, ruhig, entspannt, perfekt durcharrangiert, so kennen wir ihn, zwischendurch seine originellen (aber immer passenden) Soundfitzeleien. Track Nr.5 ist wiederum Gerrard-Terrain, orientalischer Touch, insgesamt wie bei allen Beiträgen auf diesem Album erscheint ihre Stimme gegenüber den früheren Alben ruhiger, dunkler, die früher manchmal etwas schrill rüberkommenden Einsätze fehlen. Nr. 6 ist wiederum ein gefällig bewährter Perry-Song, nichts neues was die Melodiestruktur, die Soundarchitektur und den textlichen Inhalt betrifft. Track Nr. 7 ist dagegen wieder ein Highlight, entgegen den meisten anderen Beiträgen von Gerrard hier ein keltischer Einschlag, kompositorisch kein Geniestreich, aber die Stimme machts halt...am Ende taucht dann plötzlich Perrys Stimme auf und das Ganze mündet in einem Duett, hat schon was. Der "Rausschmeisser", also Track Nr. 8, ist extrem ruhig gehalten und wird fast ausschließlich von Perrys-Stimme getragen, gefällige (synthetische...)Soundcollagen unterstützen die geniale Stimme, ideal zum Davonschweben, bitte verlassen Sie bald das Lokal....

Wo sind die Unterschiede zu den früheren Alben? Eins ist schon komisch: viele Gruppen in diesem Bereich benutzen die Elektronik ersteinmal aus Kostengründen, weil sie sich teure Mitmusiker mit akustischen Instrumenten nicht leisten konnten. Ging auch DCD so, nach den ersten paar Alben waren sie dann froh, viele Soundanteile durch realistische Klänge ersetzen zu können (Höhepunkt das Album von 1987: Within the realm of a dying sun). Nach der Trennung von Perry/Gerrard entwickelte sich Perry scheinbar etwas zum Eigenbrötler und entwickelte/spielte ein/produzierte/mischte ab seine Soloprojekte alle im Alleingang. So erscheint mir auch dieses Album: extensiver Gebrauch von Samples/Programming/synthetischen Presets und Drummings (O-Ton Perry: industrielle Soundlandschaften) und bewußtes Minimieren von authentischen Original-Akustiksounds. Warum nur diese Entwicklung? Auf dem Booklet finden sich keine hilfreichen Angaben diesbezüglich bzw. zum Equipment, nur soviel daß auch dieses Album musikalisch (und wohl auch konzeptionell) so wie das letzte Solo-Album in Perrys Hexenküche (sprich: Heimstudio in Irland) entstanden ist. Gerrards Vokalzugaben wirken ein bißchen wie eingeflogene Add-Ons als Zutat. Nur eine Vermutung....
Ein weiterer Unterschied zu den früheren Werken ist der etwas reduziertere Anteil der perkussiven Elemente. Gerade die (früher meistens originalen) Percussions zeichneten in ihrer hypnotischen Dominanz neben den beiden Ausnahme-Stimmen ein wesentliches Erkennungsmerkmal von DCD aus.

Zusammengefaßt wieder ein tolles Album von DCD, aber nach der langen Zeit leider auch kein wirklicher Geniestreich. Etwas mehr Ideenreichtum an Sounds und Melodie hätte dem Re-Union-Projekt durchaus gut zu Gesichte gestanden. Aber ich will nicht meckern, wie oft werden SOLCHE Alben heutzutage veröffentlicht???? Von mir insgesamt die Note 4,5, also aufgerundet 5 Sterne! (Aber im inoffiziellen DCD-Ranking 3 Sterne ;-).....) macht was draus!

Nachtrag Juni 2013: es wurden mittlerweile mannigfache Rezensionen zur aktuellen Platte veröffentlicht, mittlerweile auch viele sehr negative, welche v.a. die Soundqualität bemängeln. Nun, ich habe bereits in diversen Kommentaren auf diese Rezis geantwortet, mittlerweile nerven sie einfach nur noch! Ein paar handverlesene HighEnd-Fuzzies bewerten ein gutes Album mit Höhen und Tiefen in die Tonne mit zum Teil nur einen Stern weil sie mit ihrem HighEnd-Tech-Equipment irgendwo ein paar Clips gefunden haben und dann von einem Loudness War faseln. Leute, nochmal zum mitschreiben: wir bewerten hier v.a. die Musik, die kompositorische Leistung und somit den künstlerischen Output! Alle anderen die mit ihren Meßinstrumenten vor ihrer Highend-Anlage sitzen und beckmesserisch penibel jeden Clip monieren und sofort mit maximalem Punktabzug strafen sind hier fehl am Platz! Diese sog. Rezensenten würden wohl einem einfachen Funktionsgenerator an ihre Anlage gedrahtet volle Punktzahl zugestehen.....
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.09.2012 20:40:59 GMT+02:00
schöne Rezension
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