Kundenrezension

14 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der "Just For Fun " Eric Clapton, 26. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Old Sock (Audio CD)
Da ich das Glück hatte, die Gnade der frühen Geburt erlebt zu haben - 1950er Jahrgang - habe ich die mehr als erstaunliche Karriere von Mr.Slowhand von den 60zigern bis heute sehr gut verfolgen können.

All diejenigen, die mit ihrer Kritik über sein neues Album allzu harsch umspringen, sind entweder einige Jährchen jünger als ich oder haben an ihrer Erwartungshaltung falsche Prioritäten gesetzt.

Kein anderer weisser Bluesmusiker hat den Blues in Europa so "gesellschaftsfähig " gemacht wie er. So wie er von einigen Bluesgrössen beeinflusst worden ist, so beeinflusst E.C. die junge Generation von heute.

Führt man sich seinen Weg bis heute einmal genau vor Augen, dann werden auch seine Kritiker ihn mit ganz anderen Augen sehen. Seit Mitte der 60ziger Jahre ist der Mann im Geschäft. Mit den Yardbirds fing alles an. Schon hier hat er seine Spuren eindeutig hinterlassen. Als es innerhalb der Gruppe zu Reibereien kam - kein Wunder, es waren fast alles Individualisten - wurde John Mayall seine nächste Station. Bei den Bluesbreakers setzte er mit seinem typischen Stil die Akzente.

Rast - und ruhelos wie er war - sein Hang zur Nichtunterordnung tat ein übriges - verliess er auch die Bluesbreakers ziemlich bald. 1967 kam es zur Gründung eines Powertrios, welches bis heute einmalig ist. CREAM war die erste Supergruppe. Was die drei Akteure auf der Bühne zelebrierten war für damalige Begriffe aussergewöhnlich und sucht bis heute seinesgleichen. Man erging sich in grossartigen z.T. uferlosen Improvisationen. 1969 war die Herrlichkeit schon wieder vorbei, da es wieder zu den üblichen Streitereien kam. Drei Individualisten, das kann nicht lange gut gehen.

Sofort danach wurde BLIND FAITH ins Leben gerufen. Wieder eine Supergruppe und wieder wegen der bekannten Probleme nicht von Dauer. Seine Mitgliedschaft bei DELANEY & BONNIE war nur eine Zwischenstation zur Gründung von DEREK & THE DOMINOS. Diese Zeit, da sind sich alle Kritiker und "Claptomanen" bis heute einig, diese Zeit war seine kreativste Phase. Nie wieder konnte er an diese Zeit anknüpfen. Den Ausschlag hierfür gaben zwei Dinge: Die Gegenwart von Duane Allman und die zunächst unerwiderte Liebe von Patty Boyd, George Harrison's Ehefrau.

Zwischen Duane Allmann und E.C. kam es zu regelrechten Duellen. Der eine trieb den anderen zu wahren Höchstleistungen. Obwohl beide von der Spielanlage unterschiedlich waren kam es zu einer unvergleichbaren Kongenualität. Es gibt einige rare Studio - Jamsessions mit den beiden, die allerhöchste Spielkunst verkörpern. Den Frust über seine unerwiderte Liebe zu Patty Boyd "bekämpfte" er, indem er sich völlig abschottete und in den Studios seinem Kummer freien Lauf lies. Was dabei herauskam wissen wir, "LAYLA AND ASSORTED LOVE SONGS" und einige andere Jahrhundert-Klassiker.

Die ersten Alkohol - und Drogenprobleme machten sich bemerkbar. E.C. schlug nun seine Solokarriere ein. Auch hier entstanden einige denkenswürdige Alben:" 416 OCEAN BOULEVARD" oder das spätere "SLOWHAND". Die Einflüsse auf diesen beiden Alben kommen übrigens auf "OLD SOCK" sehr gut zum Tragen.Und keiner würde eines dieser beiden Werke kritisieren.

Neben den Drogenproblemen kamen nun persönliche Schicksalsschläge hinzu - Der Tod seines Vaters und der tragische Unfall seines Sohnes - . Beider verarbeitete er in den 80zigern in Alben, die auch bei seinen typischen Anhängern nicht auf grosse Resonanz stießen. Claptons Musik versank teilweise im Mainstream - Pop. In den 90zigern kam er dann allmählich wieder "auf die Füsse" und spielte sein "UNPLUGGED" - Album ein. Dann kam eine unerwartete Rückkehr zum Blues. Mit dem Album "FROM THE CRADDLE" coverte er alte Bluesnummern. Ein dertiges reines Blues-Album hat er - abgesehen von seinen LIVE - Auftritten bei den CROSSROAD - Festivals - nicht wieder eingespielt.

Auch die Alben, in denen er Robert Johnson die Ehre erwies, oder mit B.B.King ins Studio ging, stießen nicht auf große Begeisterung, obwohl beide von guter Qualität sind. Das Album, welches er mit seinem alten, treuen Weggefährten J.J. Cale aufnahm, zeigte schon die Richtung auf, in welche er sich auch auf den zukünftigen Alben bewegen würde. Alles kam sehr relaxt daher. Die Puristen stieß er dann noch mit "REPTILE" wieder vor den Kopf. Allzu popppig kam er daher.

Schaut man sich nun das Cover von "OLD SOCK" genauer an, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, das E.C. bei sich angekommen ist. Er sieht zufrieden aus, sehr zufrieden. Er muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber es sind ja auch mittlerweile zwei Jahrzehnte in denen es Clapton völlig egal ist, was die Leute denken oder wollen. Was ist schlimm daran, wenn er das auf Platte bannt, was ihn inspiriert? Zu einigen Überraschungen ist er auch auf "OLD SOCK" noch fähig.

"Goodnight Irene" z.B. wird unter seinen Händen zum launigen Folkschunkler. "The Folks Who Live On The Hill" welches einige unter uns vielleicht von Peggy Lee kennen. Atmosphärisch verlegt Clapton den Song in eine rauchige Jazzbar. Die grösste Überraschung ist für mich "Still Got The Blues". Auch Gary Moore hatte sich nach vielen Jahren Hardrock dem Blues zugewandt. Damit konnten viele Fans damals nichts anfangen. E.C. verdichtet den Song zum Kammerjazz und ersetzt die schneidende Sologitarre durch heimelige Töne, unterstützt von Steve Winwoods Orgeltönen.

Nein, viele neue Songs sind wieder nicht dabei, aber "OLD SOCK" ist ein entspanntes, detailverliebtes und ein fantastisch warm aufgenommenes Album geworden.

Die Rückkehr zum alten Clapton, die ja von vielen erwartet wird, wird es wohl nicht mehr geben. Es sei denn, er würde sich nochmal unglücklich verlieben.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 28.03.2013 17:51:33 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.03.2013 17:55:30 GMT+01:00
bluesfreak47 meint:
Muddy, du bist jünger als ich und sicher nicht der einzige, der EC von den Anfängen an verfolgt hat. Vieles, was du schreibst, sehe ich auch so; aber trotzdem ist für dieses letzte Album deutliche Kritik angebracht. Bitte unterstelle hier niemandem etwas, was du nicht weisst. Bezüglich des Einflusses weisser Bluesmusiker solltest du mal an Alexis Korner, John Mayall und Johnny Winter denken....
Blues muss nicht "gesellschaftsfähig" sein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.03.2013 09:02:35 GMT+01:00
markus meint:
"Blues muss nicht "gesellschaftsfähig" sein."

DOCH. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Schließlich müssen die Protagonisten davon leben können - sonst könnten sie keine Platten,... abliefern. Also: Ein guter Mix macht´s. Wie fast immer im Leben.

Veröffentlicht am 01.04.2013 00:25:00 GMT+02:00
Eine sachlich fundierte Kritik, einige Fans von EC haben vielleicht zu hohe Erwartungen,
er wird keinen neuen Stil mehr erfinden, er spielt was ihm Vergnügen bereitet, entweder man mag es oder nicht, ich genieße es. Beweisen braucht er uns allen nichts mehr.
Es gibt zu viele Musikstücke die nur gequirlten Mist enthalten. Meine Meinung ist,
die alten können es noch am besten.
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