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Ein interressantes Projekt, witzig beschrieben, 9. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Hab ich selbst gemacht: 365 Tage, 2 Hände, 66 Projekte: 365 Tag, 2 Hände, 66 Projekte (Taschenbuch)
Susanne Klingner hat den Trend des Selbermachens für sich entdeckt. Immer schon hatte sie eine Affinität zum Selbermachen, aber eben nur zwischendurch und das eher leidlich und auch meistens mit einem bestimmten Zweck verbunden: Kuchen backen, wenn sich Besuch angekündigt hat oder Gardinen für eine neue Wohnung nähen oder das Kochen von durchschnittlich 10 Variationen an Alltagsgerichten. Doch in den letzten Jahren hat das Selbermachen einen Aufwind bekommen. Wo man auch hinschaut gibt es Bastelforen, Handarbeitsblogs, Kochsendungen, Kurse und Seminare für alles Mögliche - Baumärkte und Handarbeitsläden hatten selten einen solchen Zulauf. Was ist der Reiz am Selbermachen? Das fragte sich auch Susanne Klingner und startete ein Experiment: ein Jahr lang wollte sie produzieren, nicht bloß konsumieren. Dafür legte sie fünf einfache Regeln fest: 1. Meinen Lebensstandard will ich beibehalten. 2. Dinge, die ich selber machen kann, kaufe ich nicht, sondern mache sie auch selber. 3. Was einfach geht, mache ich grundsätzlich und das ganze Jahr über. 4. Was schwieriger ist, probiere ich und lasse mir eventuell helfen. 5. Nur was mich wirklich unglücklich macht, darf ich sein lassen. Und an diese fünf Regeln hat sie sich im Grunde gehalten, wobei Regel Nr. 3 größtenteils aus selbstgebackenem Brot besteht, denn das zieht sie eisern ein ganzes Jahr durch. Sie traut sich aber auch an gewagtere Experimente heran, wie zum Beispiel die Herstellung von Käse oder Schuhen, die sie während eines Schuster-Workshops hergestellt hat und seither mit Stolz trägt. Und so wird ein Jahr lang gebacken, gekocht, gestrickt, genäht und gegärtnert was das Zeug hält, sogar die Weihnachtsgeschenke gestaltet sie alle selbst, ohne auch nur ein einziges Teil fertig zu kaufen. Ihr Bericht über das Selbermachjahr liest sich flüssig, Susanne Klingner hat eine sympathische und ehrliche Art zu schreiben, die mir sehr gefallen hat. Einzige Kritikpunkte von meiner Seite sind die fehlenden Fotos und ihr Standpunkt, das Selbermachen sei etwas typisch Ostdeutsches. Alles, was sie aus ihrer Kindheit schildert und als typisch ostdeutsch tituliert, kenne ich aus meiner Kindheit nicht anders. Auch bei uns wurde unheimlich viel selbst gemacht. Ich kann mich nicht an einen einzigen gekauften Kuchen erinnern, meine Schwester und ich liefen als Kinder in selbstgenähten Röckchen rum, die in ihrem ersten Leben mal ein Kleid meiner Mutter waren, es wurde gekocht, gebacken, gegärtnert und eingekocht und ebenso hielt ich es bis zu meiner Hochzeit im Grunde immer noch für unnötigen Luxus, mit einem Auto in die Werkstatt zu fahren, da man das doch alles selber machen kann. "Man" meint in dem Fall meinen Vater, der erst jetzt im Alter und mit einem Auto, das vermehrt auf Elektronik setzt, mal eine Autowerkstatt von innen sieht. Ich bin mir sicher, dass in der ehemaligen DDR viel selbst gemacht wurde, das war einfach aus der Not geboren und das würde ich nie abstreiten oder die Leistungen schmälern wollen, doch kann ich eben von meiner Warte aus nicht sagen, dass es typisch ostdeutsch ist. Ich kann dieses Buch wirklich allen empfehlen, die gerne Dinge selbst machen. Besonders, da sich am Ende des Buches ein kleiner Anhang mit Literaturtipps und nützlichen Links und Tipps befindet, die Susanne Klingner in ihrem Selbermachjahr geholfen haben. Bei einigen ihrer Projekte bekommt man Lust, auch endlich mal wieder etwas mit den eigenen Händen zu gestalten, doch es gab definitiv auch Sachen, die ich nie würde machen wollen: ich werde ganz sicher nie meine eigenen Schuhe machen, das klang nun wirklich sehr mühsam. Aber wer weiß, vielleicht mache ich es wie die Autorin auch und beginne mit einem Brot - was kann da schon schief gehen?
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Hab ich selbst gemacht: 365 Tage, 2 Hände, 66 Projekte: 365 Tag, 2 Hände, 66 Projekte 3462042858
Susanne Klingner
KiWi-Paperback
Hab ich selbst gemacht: 365 Tage, 2 Hände, 66 Projekte: 365 Tag, 2 Hände, 66 Projekte
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Ein interressantes Projekt, witzig beschrieben
Susanne Klingner hat den Trend des Selbermachens für sich entdeckt. Immer schon hatte sie eine Affinität zum Selbermachen, aber eben nur zwischendurch und das eher leidlich und auch meistens mit einem bestimmten Zweck verbunden: Kuchen backen, wenn sich Besuch angekündigt hat oder Gardinen für eine neue Wohnung nähen oder das Kochen von durchschnittlich 10 Variationen an Alltagsgerichten. Doch in den letzten Jahren hat das Selbermachen einen Aufwind bekommen. Wo man auch hinschaut gibt es Bastelforen, Handarbeitsblogs, Kochsendungen, Kurse und Seminare für alles Mögliche - Baumärkte und Handarbeitsläden hatten selten einen solchen Zulauf. Was ist der Reiz am Selbermachen? Das fragte sich auch Susanne Klingner und startete ein Experiment: ein Jahr lang wollte sie produzieren, nicht bloß konsumieren. Dafür legte sie fünf einfache Regeln fest:
1. Meinen Lebensstandard will ich beibehalten. 2. Dinge, die ich selber machen kann, kaufe ich nicht, sondern mache sie auch selber. 3. Was einfach geht, mache ich grundsätzlich und das ganze Jahr über. 4. Was schwieriger ist, probiere ich und lasse mir eventuell helfen. 5. Nur was mich wirklich unglücklich macht, darf ich sein lassen.
Und an diese fünf Regeln hat sie sich im Grunde gehalten, wobei Regel Nr. 3 größtenteils aus selbstgebackenem Brot besteht, denn das zieht sie eisern ein ganzes Jahr durch. Sie traut sich aber auch an gewagtere Experimente heran, wie zum Beispiel die Herstellung von Käse oder Schuhen, die sie während eines Schuster-Workshops hergestellt hat und seither mit Stolz trägt. Und so wird ein Jahr lang gebacken, gekocht, gestrickt, genäht und gegärtnert was das Zeug hält, sogar die Weihnachtsgeschenke gestaltet sie alle selbst, ohne auch nur ein einziges Teil fertig zu kaufen. Ihr Bericht über das Selbermachjahr liest sich flüssig, Susanne Klingner hat eine sympathische und ehrliche Art zu schreiben, die mir sehr gefallen hat. Einzige Kritikpunkte von meiner Seite sind die fehlenden Fotos und ihr Standpunkt, das Selbermachen sei etwas typisch Ostdeutsches. Alles, was sie aus ihrer Kindheit schildert und als typisch ostdeutsch tituliert, kenne ich aus meiner Kindheit nicht anders. Auch bei uns wurde unheimlich viel selbst gemacht. Ich kann mich nicht an einen einzigen gekauften Kuchen erinnern, meine Schwester und ich liefen als Kinder in selbstgenähten Röckchen rum, die in ihrem ersten Leben mal ein Kleid meiner Mutter waren, es wurde gekocht, gebacken, gegärtnert und eingekocht und ebenso hielt ich es bis zu meiner Hochzeit im Grunde immer noch für unnötigen Luxus, mit einem Auto in die Werkstatt zu fahren, da man das doch alles selber machen kann. "Man" meint in dem Fall meinen Vater, der erst jetzt im Alter und mit einem Auto, das vermehrt auf Elektronik setzt, mal eine Autowerkstatt von innen sieht. Ich bin mir sicher, dass in der ehemaligen DDR viel selbst gemacht wurde, das war einfach aus der Not geboren und das würde ich nie abstreiten oder die Leistungen schmälern wollen, doch kann ich eben von meiner Warte aus nicht sagen, dass es typisch ostdeutsch ist.
Ich kann dieses Buch wirklich allen empfehlen, die gerne Dinge selbst machen. Besonders, da sich am Ende des Buches ein kleiner Anhang mit Literaturtipps und nützlichen Links und Tipps befindet, die Susanne Klingner in ihrem Selbermachjahr geholfen haben. Bei einigen ihrer Projekte bekommt man Lust, auch endlich mal wieder etwas mit den eigenen Händen zu gestalten, doch es gab definitiv auch Sachen, die ich nie würde machen wollen: ich werde ganz sicher nie meine eigenen Schuhe machen, das klang nun wirklich sehr mühsam. Aber wer weiß, vielleicht mache ich es wie die Autorin auch und beginne mit einem Brot - was kann da schon schief gehen?
Ailis "Leseturm"
9. August 2011
- Insgesamt:
5

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