Kundenrezension

44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastischer Schwedenkrimi und gelungene Fortsetzung, 7. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen, die er kannte: Ein Fall für Sebastian Bergman (Broschiert)
Das Autorenduo Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt hat mit "Der Mann der kein Mörder war" den Auftakt zu einer Krimireihe geschaffen, die vor allem um den ebenso genialen wie soziopathischen Kriminalpsychologen Sebastian Bergman aufgebaut ist. Nachdem das Erstlingswerk in vielen Ländern die Bestsellerlisten im Sturm erobert hat, war es folgerichtig, dass zeitnah ein zweiter Band erscheinen musste. Mit "Die Frauen, die er kannte" halte ich diesen nun in den Händen. Und was soll ich sagen? Das Autorenduo hat in meinen Augen nicht nur den guten (aber nicht hervorragenden) Auftakt reproduziert, sondern sogar überflügelt.

Der Klappentext warnt: "Sein Gegner ist ihm ebenbürtig". Und schnell erfährt der Leser worum es geht: Eine Reihe von Morden erschüttert Stockholm. Die Reichsmordkomission unter Torkel Höglund - den wir schon aus dem ersten Teil als Protagonisten kennen gelernt haben - ist ratlos: Die Morde tragen allesamt die exakte Handschrift des genial-gestörten Serienmörders Edward Hinde. Doch der sitzt seit vielen Jahren bestens bewacht in einem Hochsicherheitstrakt...
Mehr oder weniger zufällig schlittert Sebastian Bergman aus privatem Interesse in die Ermittlung. Besonders pikant: Er war es, der Hinde damals hinter Gittern gebracht hat. Ist Hinde in die Morde involviert? Und wird es dem Team gelingen, weitere Taten zu stoppen?

Zugegeben, das klingt nicht sonderlich originell. Genau wie im Vorgängerband ist die Geschichte mehr oder weniger aus Versatzstücken des Genres zusammengesetzt. Bei "Die Frauen die er kannte" ist das sogar noch deutlicher. Sebastian Bergman schwimmt offenkundig auf der Welle der "genialen, aber sozial unfähigen" Ermittler, Mediziner, Detektive etc., die uns in Buch, Fernsehen und Kino in letzter Zeit so oft begegnen. Hinzu kommt Edward Hinde, der mit seiner berechnenden Intelligenz und seinem Charisma deutliche Anleihen bei Hannibal Lecter aufweist.
Die gute Nachricht ist: Die wenig originelle Idee fällt deshalb nicht sonderlich in's Gewicht, weil sie einfach herausragend gut erzählt ist. Wie bei vielen "skandinavischen" Krimis üblich wird der Leser nicht (nur) durch krasse Plottwists, sondern vor allem durch Atmosphäre, authentische Charaktere und deren Interaktion gebunden.
Besonders gut gefällt mir vor diesem Hintergrund, dass die Autoren viele "offene" Fäden des Vorgängerromans aufgreifen und geschickt weiter erzählen. Mehr noch: Viele Elemente, die vorher im Hintergrund standen, werden konsequent weiterentwickelt und in die Haupthandlung dieses Buches eingeflochten. Gleichzeitig führt das Autorenduo aber auch neue Aspekte ein. Man hat wirklich den Eindruck, dass die Charaktere eine Entwicklung durchmachen und dadurch eine gewisse Lebendigkeit erhalten. Das betrifft nicht nur Sebastian Bergman, sondern auch die anderen Mitglieder des Ermittlerteams. Egal ob Billy um seine neue Stellung im Team kämpft oder Ursula mit Torkel an ihrer Beziehung zueinander hadern - die Charaktere erhalten Farbe und Tiefe.
Die Entwicklung des Spannungsbogens gefällt mir hierbei ebenfalls. Man könnte bemängeln, dass der Anfang des mit gut 700 Seiten ordentlich langen Buches etwas schleppend verläuft... mich hat das allerdings insofern nicht gestört, als dass die Autoren sich hier ausreichend Zeit für die erwähnte Charakterentwicklung nehmen und somit die späteren Motivationen klar vorzeichnen. Und wenn es dann erst einmal "losgeht", ist auch ordentlich Geschwindigkeit in der Geschichte. Konserviert haben die Autoren auch den flüßigen und zweckmäßigen Schreibstil. Wieder ist für mich kein offensichtlicher Stilbruch/Stilkonflikt zwischen den beiden Autoren erkennbar. Prima!

Natürlich ist auch bei diesem Buch nicht alles perfekt. Wie schon im Vorgänger ist mir die Dualität der Hauptfigur Sebastian Bergman nicht ausdifferenziert genug. In meinen Augen wird weder seine angebliche Genialität deutlich (die meißten seiner Ermittlungsbeiträge wirken trivial oder zumindest nicht komplex genug, dass nur ein Mann in ganz Schweden auf sowas kommen könnte), noch ist er wirklich das Ekelpaket, zu dem er immer auf Klappentexten, Vorworten etc. hochstilisiert wird. Im Gegenteil: "Die Frauen die er kannte" bemüht sich diesmal noch umfangreicher, die menschliche, zuweilen fast weinerliche Seite Bergmans zu betonen. Unter dem Strich ist er selten gemein, und wenn, dann ist das Buch bemüht, dem leser zu erklären, wieso das so ist.

Möglicherweise könnten sich auch die Geister an der neuen Richtung des Romans scheiden: Während der Vorgänger den eigentlichen Kriminalfall fokussierte und das Privatleben der Ermittler nur Nebensache war, rückt nun vor allem Bergman in den Vordergund. Bergman ermittelt nicht nur am Fall - er IST in gewisser Weise der Fall, nicht nur wegen seiner besonderen Beziehung zu Hinde. Das kann zwar ein gewisses Potential in der Charakterentwicklung offenbaren, wird aber auch ein Stück unplausibel. Ich persönlich betrachte dieses Experiment als gelungen.

FAZIT:

Hjorth und Rosenfeldt haben mit "Die Frauen die er kannte" die Stärken des Vorgängers konserviert und viele Schwächen ausgemerzt. Sie haben sich nicht auf dem Ruhm des Erstlingswerkes ausgeruht, sondern ihre Charaktere und damit auch ihre Geschichte konsequent weiterentwickelt. Obwohl noch kleinere Baustellen bestehen, ist "Die Frauen die er kannte" in meinen Augen ein rundum gelungener Schwedenkrimi. Ich kann dieses Buch vorbehaltslos jedem empfehlen, der am Vorgänger gefallen gefunden hat. Den sollte man allerdings auch gelesen haben, denn sonst wird es schwierig, die ein oder andere Facette des Buches voll zu erfassen.
Sicherlich ist dies nicht das letzte Abenteuer von Sebastien Bergman, da wir auch hier schon wieder einige Nebenschauplätze auf dem Weg zur Hauptrolle ausgemacht haben... ich werde mir das kommende Buch sicherlich zulegen. Also unter dem Strich: 5/5 Sterne, tolles Buch, zugreifen!
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