Kundenrezension

50 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Falsche FileMaker-Version? Als wären veraltete Programmier-Strategien der Version 2 für Version 10 aufgekocht wurden., 6. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Einführung in FileMaker Pro 10 Mac leicht und verständlich (Broschiert)
Ich finde dieses Buch extrem schlecht und auf keinen Fall hilfsreich und möchte im Folgenden etwas ausführlicher erklären, warum.

Das Harmloseste an diesem Buch ist der Stil. "Coole Sprüche" mögen für dem IT-Unterricht richtig sein, sie lesen sich aber nicht gut, ich finde sie hier eher unpassend und schon gar nicht "locker". Rechtschreibefehler trüben auch ein bißchen das Bild. Aber nun, selbst stetig mit der deutschen Sprache kämpfend, hätte ich dies gerne verziehen, wenn nicht ...

... Mir der Titel irreführend schiene : warum "Mac"?
Wohlwissend, daß das Programm zu 99,5% auf PC und Mac identisch ist (und zwar kann man eine Datei gleichzeitig (!) vom einem PC und einem Mac aus bearbeiten), habe ich daraufhin erwartet, daß auf die minimalen Unterschiede der Anwendung im "Mischbetrieb", oder zumindest auf die Spezifizitäten der Mac-Umgebung eingegangen wird. Fehlanzeige, das Buch könnte nach einem einmaligen "Ersetzen *Befehl* durch *Strg*" genauso gut "Einführung in FileMaker Pro 10 Win ..." heißen.
Aber das wäre nicht so schlimm, wenn nicht ...

... Tipps und Infos des Öfteren eigentlich zur normalen Anleitung gehören, so daß sich mir ehrlich gesagt die Logik hinter der hier angewandten Kategorisierung nicht ganz erschließt;
Oder ... Manche Anleitungen in ihrer ganzen Detailliertheit über Seiten unnötig wiederholt werden, obwohl in den Arbeitschritten nur Unwesentliches sich jeweils ändert;
Oder ... Die Erklärungen oft keine sind, sondern eine einfache Beschreibung dessen, was man ohnehin auf dem Bildschirm sieht;
Oder ... Die zu kleinen und somit unleserlichen Screenshots, die zum Teil zwar das richtige Dialogfeld, aber leider nicht den im Text beschriebenen Zustand zeigen, so daß der Anwender verwirrt wird. Und da alles in Graustufen gedruckt ist, zeigt sich das Bild einer (eigentlich farbigen) "Bedingten Formatierung" in seinem Grau-in-Grau nicht wirklich hilfsreich;
Oder ... So unglücklich gewählte und durcheinander gebrachte Begriffe, daß z.B. der Anwender nicht weiß, ob es sich jetzt um ein Feld oder um eine Werteliste handelt. Oder er Gefahr läuft, anstatt in einer bestehenden Datei eine "Tabelle", eher eine ganz neue "Datei" anzulegen (FileMaker kann inzwischen seit Version 7 mehrere Tabellen in einer Datei verwalten. Der Text wird dieser kapitalen Veränderung nicht gerecht);
Oder ... Die Beispiele eben überhaupt nicht zusammenpassend aufgebaut sind;
Oder ... Der Preis dieses besonders mageren Ergebnisses mitnichten ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis darstellt. Zumal das Buch von der Aufmachung her eher an einem MicrosoftWord-PrintOnDemand-Werk erinnert. Auch hier hatte ich für den Preis etwas Anderes erwartet. Nun ja, das Optische trübt eben den gesamten Eindruck und dämpft wohl die Lernfreude ... Was mich eigentlich nicht weiter groß stören würde (« is' ja 'n Sachbuch », würden manche einwerfen), aber ...

Aber am schlimmsten finde ich die unumstössliche Tatsache, daß die hier gezeigten Arbeitsstrategien aus der Zeit von FileMaker 2 stammen. Aus einer Zeit, in der es bei FileMaker keine echte Relationalität gab, dafür aber Wiederholfelder und Referenzen ...
Und damit fängt der ernste Teil meiner Kritik an, nicht zuletzt, weil die Konsequenzen für den angehenden FileMaker-Anwender fatal sind.

Als Lernbeispiel findet sich ein Rechnungsformular, bei dem die einzelnen Positionen mittels Wiederholfelder dargestellt/definiert sind -- und dies auch noch, nicht ohne Grund, ohne Mehrwertsteuer.
Wiederholfelder werden dafür nicht mehr benutzt, das ist antiquiert, viele Programmierer sind sogar der Ansicht, sie gehören "verboten". Warum wohl? Weil sie höchst problematisch sind und jegliche Weiterentwicklung der Datenbank damit so gut wie unmöglich machen. Schon allein dafür kann ich nur einen Stern vergeben.

Ferner stellt die Autorin Referenzen und Beziehungen auf die gleiche Ebene. Das ist seit dem Erscheinen der Version 3 von FileMaker schlicht und ergreifend falsch. Eine Referenz *beruht* doch auf einer Beziehung und wird *erst dann* ins Spiel gebracht, wenn Beziehungen (Relationen) schon erklärt und erstellt wurden.

Ebenfalls unverantwortlich finde ich die Art, wie mit Problemen und Stolperfallen umgegangen wird. Nämlich gar nicht.
Ein Brieflayout gibt es z.B. nur einseitig. Auf die bekannten Probleme, die sich erst beim mehrseitigen Ausdruck auftun, wird nicht eingegangen, nicht mal hingewiesen.
Oder wenn bei Dialogfeldern nicht erklärt wird, was passiert, wenn man auf "Abbrechen" statt "OK" klickt -- s. 174. Hier hat der Anwender das Nachsehen, wenn seine Anwendung in einem ungeklärten Zustand irgendwo hängen bleibt.

Besonders fatal ist das Fehlen mancher unerläßlichen Hinweise.
Zum Beispiel bei "Dateiwiederherstellung", daß man eine solche wiederherstellte Datei *nie* weiter benutzen darf, inklusive des Hinweises, daß es sinnvoll ist, zusätzlich zu den üblichen Sicherheitskopien, Clones nach jeder Strukturänderung zu erstellen (das geht sehr einfach), um die Daten aus der maroden Datei neu zu importieren.
Wer wegen dieses fehlenden Hinweises seinen kompletten Datenbestand verloren hat, wird kaum glücklich sein !!!
Übrigens, die Erklärungen, was eine Datei kaputt machen kann oder was eine "komprimierte Kopie" ist -- s. 54/55, sind schlichtweg falsch.

Natürlich und leider ist diese Liste nicht exhaustiv.

Ich meine, das Buch -- das mir wie eine schlichte Aktualisierung von "FileMaker 2"-Kursblättern vorkommt -- bietet dem Anwender grundsätzlich falsche Strategien, um die Arbeit mit FileMaker zu lernen, bzw. ernsthafter damit zu programmieren.
Zumal die Zielgruppe nicht der Privatmensch mit DVD-Sammlung ist, sondern *explizit* die wachsende kleine Firma (Zitat "Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie haben sich gerade mit einer kleinen Firma selbstständig gemacht und können sich vor lauter Kunden nicht mehr retten"), die jetzt FileMaker braucht, um die "Kundenkontakte bequem verwalten zu können" -- s. 13. Hier sei übrigens angemerkt, daß dies dem angehenden FileMaker User mehr als bloßes Herumklicken sondern Einiges an Programmierarbeit und -Strategien abverlangen wird.

Das unausweichliche spätere Heranziehen eines Profis, um die Kuh vom Eis zu holen, wird weder ein Trost noch sehr behilflich sein. Dieser wird bei der hier gefundenen Datenbank-Struktur nur den Kopf schütteln und sagen können: « Tut mir Leid, da hilft nur neu programmieren ... Kostet so und soviel ».

Fazit:
Auch und erst recht für Anfänger ungeeignet. Wer ein Buch für Anfänger schreiben möchte, trägt imho noch mehr Verantwortung als im Falle von kundigen Kunden.
Gerade für den Anfänger (der ja selbst kaum in der Lage sein wird, die Angaben zu beurteilen) muß sichergestellt sein, daß alles richtig ist -- Ob Grundschule, Fahrschule, Klavierstunde, Geigenuntericht, Schwimmkurs, Tennis oder Squash, gerade die Grundlagen sind unentbehrlich.

Wie dem auch sei, während der Installation kopiert FileMaker zusätzlich zum Programm Lehrgänge und PDFs mit auf die Festplatte. Das Programm besitzt natürlich auch eine Online-Hilfe und ermöglicht es, aus der Anwendung heraus, auf bereits stehende Web-Seiten von FileMaker zuzugreifen, um mehr Infos zu bekommen. Und dem Anwender, der nichts Großes programmieren möchte, wäre mit den zahlreichen Beispieldateien (leider nicht immer auf Top-Niveau aber gut zum Lernen), die auch mitinstalliert werden, sowie mit den kostenlosen Beispielen, die er von der Homepage von FileMaker herunterladen kann, ebenfalls sehr gut geholfen.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.11.2009 21:53:29 GMT+01:00
Arlecchino meint:
Au weia! Eine Superbeurteilung und ein glatter Durchfall... was soll man da als Interessent bloß machen? Wem Glauben schenken?
Finger von FileMaker lassen, oder sich anderweitig umschauen???

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.01.2010 14:19:15 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.01.2010 15:37:19 GMT+01:00
Keine Panik :-)
FileMaker an sich ist ein sehr gutes Programm, mit Stärken und Schwächen, Pro und Contras, die man anhand der zukünftigen Nutzung in Erwägung ziehen sollte, bevor man sich die Software zulegt.
Anhaltspunkte und Diskussionen dazu gibt es in den jeweiligen Foren.
Ich persönlich arbeite damit seit 1998 und werde noch lange damit arbeiten. Zum Teil für Betriebe mit komplexen Strukturen, bei denen mehr als 50 FileMaker Anwender die Software nutzen.
Ich kenne aber Projekte, die weit komplexer sind, für Firmen, die sich über den ganzen Globus verteilen.

Eins muß aber klar sein: um so komplexer die Aufgabe, um so genauer muß man sich mit der Software auseinandersetzen, und dies so früh wie möglich, sonst steckt man schnell in die eine oder andere Sackgasse.
Bedenke: Auch eine ganze kleine Bibliothek-Verwaltung ist schon anspruchsvoll, und erst recht die Büro-Verwaltung vom kleinen Ein-Mann-Handwerksbetrieb, die zudem überlebenswichtig für den Betrieb ist.

Kurz: mitnichten die Software, sondern das Buch fällt bei mir durch.

Merke: Die größte Stärke von FileMaker ist ihre Flexibilität, bzw. Skalierbarkeit, aber -- und auf das Risiko hin, mich zu wiederholen --, natürlich nur, wenn man sauber arbeitet, sonst ist die Bauchlandung genauso schmerzhaft wie sicher.

Ich hoffe Ihnen damit geholfen zu haben.

Ein schönes neues Jahr

Fabrice Ricker

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.10.2010 13:34:13 GMT+02:00
T. Kleemann meint:
Welches Buch würden Sie denn zum Einstieg in FileMaker Pro 11 empfehlen?
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