Kundenrezension

26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht der Film, sondern Dickens schwächelt., 1. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Charles Dickens' Little Dorrit [4 DVDs] (DVD)
Amy Dorrit oder auch Little Dorrit genannt wurde im Schuldnergefängnis Marshalsea geboren und verbrachte dort ohne ihr Zutun das bisherige Leben. Um etwas Geld zu verdienen nimmt sie eine Stelle als Näherin bei Mrs. Clennam an. Doch diese ist alles andere, als für ihre Barmherzigkeit bekannt. Als ihr Sohn Arthur nach einer langen Asienreise zurückkehrt und Amy bei seiner Mutter arbeiten sieht, will er dem Grund dafür und das Geheimnis seiner Mutter herausfinden. Hat die Familie Clennam etwas mit dem Leid der Dorrits zutun?

Charles Dickens verfasste "Little Dorrit" als Episodenroman und so ist aus der BBC - Verfilmung eine 14-teilige Miniserie geworden. Die Schauspieler, Schauplätze und Kostüme sind in qualitativer BBC - Manier, also ist es eher die literarische Vorlage, die mich meckern lässt. Die Fülle an Charakteren, die angeblich etwas mit dem Geheimnis der Clennams und Dorrits zutun haben sollen, es aber tatsächlich nicht haben, ist einfach zu viel. Sie sind einfach nur Lückenfüller (z.Bsp die mehr oder weniger mysteriöse Ms. Wade und Herriet) und somit eher unwichtig, ja eher hinderlich für die Entwicklung der Geschichte. Dickens musste wohl sein Geld verdienen, indem er Seiten mit belanglosen Charakteren und deren Handlung füllte, um möglichst viele Episoden veröffentlichen zu können.
Alle scheinen etwas zu verbergen und so baut sich der eher lasche Spannungsbogen über 13 Folgen auf, um sich dann in den letzten 20 Minuten der 14. Folge zu entladen. Dabei werden aber tatsächlich die ganzen Geheimnisse, Lügen und Intrigen sämtlicher Protagonisten am Stück aufgedeckt, sodass man kaum Zeit zum Schlucken hat und die grauen Zellen erst recht nicht hinterherkommen. Am Ende versteht man die ganze Geschichte, doch sehr schnell, weil sie nicht wirklich kniffelig oder ausgefeilt ist.
Die Figuren der Familie Dorrit, wie Charles Dickens sie zeichnete sind alle, Amy ausgenommen, absolut egoistisch, einfältig und unsympathisch. Wenn Amys Geschwister und ihr Vater mit ihren Ansichten auffahren, was man in der feinen englischen Gesellschaft verlangt, ist einfach nur Fremdschämen angesagt, sodass man am liebsten im Kapitel vorspringen möchte.

Der wunderbare Matthew Macfadyen war ein Grund für den Kauf dieser DVD, doch ist seine Darstellung des Arthur Clennam eher blass und kraftlos. Die Chemie zu Claire Foy (Amy Dorrit) scheint auch nicht zu stimmen, sodass man sich am Ende fragt, warum die beiden eigentlich zusammen finden und heiraten.

Dann doch positiv an der Miniserie "Little Dorrit" ist, dass die Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung in England in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgezeigt werden. Auch die dunklen Schauplätze vermitteln eine authentische Atmosphäre. Die Spannung ist insoweit vorhanden, dass man doch schon wissen möchte, wie die Handlung sich weiterentwickelt und wie das unglaubliche Geheimnis sich gestaltete. Doch am Ende bleibt eine beachtliche Enttäuschung zurück. Vielleicht haben die bisher positiven Rezensionen meine Erwartungen einfach zu hoch geschraubt. Wirklich schade! ML
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.08.2011 06:28:31 GMT+02:00
Steffi W.S. meint:
Ich muss das jetzt echt mal los werden!
Ich lese hier Rezensionen, um zu wissen, wie andere einen Film/ Serie fanden etc. und nicht, um hier schon das Ende zu lesen!
Finde ich echt bescheuert!

Veröffentlicht am 30.05.2012 08:41:24 GMT+02:00
Gunther35 meint:
Das ist eine der besten Rezensionen, die ich kenne.
Da ist doch nicht zu viel verraten, dass am Schluß zusammengefunden wird.
Und wer das ist, das habe ich schon nach einer Folge gemerkt.
Vieleicht sollte ich mich mal als Hellseher versuchen.

Veröffentlicht am 19.11.2012 09:58:09 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.11.2012 09:58:46 GMT+01:00
Die Rezension bringt auf den Punkt was ich mir auch dachte, aber: Man hätte Spoiler wirklich als solche markieren sollen. Ich persönlich fand das am Ende aufgedeckte "Geheimnis" gar nicht so spannend. Und wie bereits erwähnt: Es gibt einen Haufen Charaktere, bei den man den Eindruck bekommen sollen, sie wären auch irgendwie verwickelt, es aber gar nicht sind... Trotzdem eine tolle Serie - die BBC hat mal wieder eine tolle Leistung hingelegt - nur die Vorlage schwächelt eben etwas.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.11.2012 17:37:10 GMT+01:00
Milenn, vielleicht hätte ich ja eine Spoilerwarnung herrausgeben sollen, aber das was ich "verrate" ist ja nicht gerade das große Geheimnis, worum sich diese Serie dreht. Dass die beiden zusammenkommen, war für mich von Anfang an klar. Dafür brauchte ich die Serie nicht zu ende sehen oder eben die Romanvorlage lesen. Wenn einige beim Lesen meiner Rezension negativ überrascht wurden, tut es mir leid, aber ich habe damit eben nicht gerechnet, weil es ja für mich von Anfang an klar war.
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