Kundenrezension

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Werkschau" anno 2014 ohne Kompromisse, 6. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Outsider (Digipak) (Audio CD)
Uriah Heep 2014 setzen mit dem neuen Album "Outsider" die Marschroute von "Into The Wild" (2011) fort. Rockiges und "heep - typische" Refrains ziehen sich wie ein roter Faden von Track 1 bis 11. Sauberes Handwerk ist hier angesagt. Wie schon auf den letzten Alben: Klassische Orgel- und Gitarrensounds, die allesamt "live - ähnlich" eingespielt wirken.

Ein wirklich epochaler Track mit langen Spielzeiten ist nicht dabei. Offenbar haben sie sich endgültig von Akustikgitarren und Rockballaden verabschiedet. Auch von langen epischen Werken. Zünden dafür aber ein ziemliches Feuerwerk. Rockig, melodisch, prägnant...

"Outsider" vermag es vielleicht nicht, das sehr ambitionierte Vorgängeralbum "Into The Wild" zu übertreffen. Aber es liegt absolut auf Augenhöhe. Was für die Qualität der aktuellen Uriah Heep spricht.... Manch' einer wird vielleicht ein Highlight wie seinerzeit "Trail Of Diamonds" vermissen...

Aber kein einziger Song auf "Outsider" steht qualitativ denen von "Into The Wild" nach. Weder klang - bzw. aufnahmetechnisch, noch vom Songwriting her gesehen. Teilweise rockig schnell, aber stellenweise dennoch auch mit progressiven Untertönen. Mit vielen wirklich schönen, griffigen Melodien und fulminanten Background-Chören bleiben Uriah Heep ihren "Trademarks" treu. Wie nennt man diesen umwerfenden Sound, den kaum eine andere gleichaltrige Band so frisch hinkriegt und der so gekonnt den Hörer in positive Stimmung versetzen kann ? Modern Rock ? Metal ? Classic - Rock ? Wohl von allem etwas... Aber eines ist sicher: Hier wird geradeaus gerockt.

Beide Ausgaben, die Vinyl-Version und die CD, lagen pünktlich (sogar einen Tag vor VÖ !) vor. Die Cover - Gestaltung ist sehr gelungen, das Motiv von Igor Morski surrealistisch gestaltet. Es weckt vielleicht andere musikalische Erwartungen; eher so etwas wie Pink Floyd, Marillion oder Supertramp... Aber das macht die Platte allein schon optisch umso interessanter. Noch eindrucksvoller ist das Painting auf der Rückseite, das man gleichermaßen im Innenteil erblickt, wenn man das Cover aufklappt. Fast noch besser... Das könnte wiederum von einer Metal - Band stammen.

Für den 2013 tragischerweise verstorbenen langjährigen Bassisten und Songlieferanten Trevor Bolder, der den Kampf gegen den Krebs verlor, sorgt nun Dave Rimmer für adäquaten Ersatz. Ein melodisch, ja druckvoll aufspielender Bassgitarrist, der dem Stil des ebenfalls verstorbenen Gary Thain aus den Anfangstagen sehr nahe kommt. Uriah Heep sind also wieder komplett und sehr homogen aufgestellt.

Das hört man auf dem neuen Album "Outsider" auch. Unmissverständlich... Die Band hat die Lebendigkeit, die geniale Performance und Dynamik ihrer aktuellen Live - Konzerte tatsächlich in die Studioarbeit hinein projiziert. Und hat hier ein kompromissloses Hardrockalbum geschaffen. Ohne Firlefanz. Allerdings, wie gesagt, auch ohne Ballade und längere Tracks, die man früher so geliebt hat. Kein Song erreicht die 6-Minuten-Grenze.

Ein richtiger Heep-Gassenhauer par excellence ist "One Minute". Knackig, prägnant, eingängig. Treibende Gitarrenläufe von Mick Box, zwingender Rhythmus. Eine typische Single, die mit herrlicher sehr ruhiger Klavierbegleitung beginnt. Man denkt: Oh, eine Ballade, wie früher... Klavier gab's schon lange nicht mehr. Aber weit gefehlt. Der Song startet amtlich durch... Und endet mit einem länger ausklingenden Orgelakkord (fast wie bei "Stealin" von "Sweet Freedom" 1973).

Vom Opener "Speed Of Sound" bis zum letzten Song "Say Goodbye" sind alle Songs purer Hardrock, wie man ihn von Uriah Heep seit jeher kennt. Mit markanten Riffs, massivem Hammondorgel-Teppich, fetzigen Drums, kaskadenähnlichen Chören und mehrstimmigen Melodien. Das Ganze moderat gewürzt mit einigen flotten Gitarrensolo - Einlagen und ein paar zeitgemäßeren Rockzutaten, z. B. die ultraschnellen Double - Bass - Einlagen des Drummers Russel Gilbrook in "Speed Of Sound" oder "Can't Take That Away". Der eingängige Song "Rock The Foundation" (handelt von einer Frau, die sich in ihrem Job verwirklichen möchte...) ist hier durchaus auch Programm.

"The Law" und "Is Anybody Gonna Help Me?" kokettieren mit den frühen 1970ern, bauen sich schwerer tragend und recht progressiv auf. Oder der Song "The Outsider", der ebenfalls klassischen progressiven Touch versprüht und zudem sehr temporeich daher kommt. Ähnlich auch "Can't Take That Away", das melodisch und rhythmisch mitzureißen vermag. Und dann erst "Looking At You". So als käme das Teil direkt aus den frühen 70ern.

"Jessie" wäre noch positiv hervorzuheben mit einem Anfangs - Riff, der irgendwie an "Smoke On The Water" erinnert. "Say Goodbye" ist ein toller Rocker mit rabiat rollendem Riff und extrem perfektem Orgel-Solo.

Alle Songs haben sehr hohen Wiedererkennungswert. Wirken gleichzeitig frisch und modern.

Hier die Track-List des Albums im Überblick:

1. Speed Of Sound (melodiöser Opener, mit schönem abgehenden Orgel-Solo; nicht das einzige...)
2. One Minute (Oh, eine Ballade ! Nee doch nicht... Ein absoluter Gute-Laune-Dampfhammer...)
3. The Law (Schwereres Midtempo - Prog - Rockstück. Typische "Aaah Aaaahs". Sehr gut !)
4. The Outsider (Progrock mit Höllen-Tempo)
5. Rock The Foundation (rockig lockerer, einfacher aber eingängiger Song im aktuellen Stil)
6. Is Anybody Gonna Help Me? (stark Riff- und Orgel betont mit 70er Atem)
7. Looking At You (treibend, sehr melodisch, Melodiewechsel, gute Riffs, Chöre, alles da... 70er !)
8. Can't Take That Away (ich kann da gerne öfter reinhören... herrliches Rockstück)
9. Jessie (Smoke On The Water - Riff, geiles Gitarrensolo und Ohrwurm - Potential)
10. Kiss The Rainbow (frenetisch, sehr melodisch, Orgel-Break, wie ein Hensley - Song)
11. Say Goodbye (so wie es beginnt, endet das Album, sehr rockig... superbes Orgel - Solo)

Es gibt keinen wirklichen Song - Ausfall. Alle Songs bilden hier ein Album wie aus einem Guss. Jeder mag einen anderen Favoriten bevorzugen. Eines ist sicher. Man wird fündig...

"Outsider" reiht sich nicht nur sehr gut in die letzten Werke der Band ein. Nein... Es überzeugt durch geradlinige kernige Riff-Rock-Songs, die Ihresgleichen suchen. Jedenfalls kann ich hier ehrlich nichts Vergleichbares nennen. Und die etwas altmodische, aber in diesem Fall fetzige Hammondorgel ? Das machen auch Deep Purple nicht besser. Das ist einfach nur sehr guter, positiv stimmender Hardrock. Bernie Shaw übertrift sich gesanglich und interpretatorisch selbst. Das ist wahrhaftig das "In Rock" Album von Uriah Heep.

Das gibt`s übrigens in fünf (!) Versionen. Wer möchte, kann zwei Editionen mit T-Shirt in jeweils L oder XL erwerben. Dann gibt es die normale CD-Version im Digipak und jeweils eine 180 - Gramm Vinyl-Ausgabe in "black" oder "grey".

"Outsider" ist meines Erachtens eines der besten Alben von Uriah Heep insgesamt geworden. Wer auf Balladen oder lange epische Songs verzichten kann und diese Art melodischen, frischen, aber auch traditionell verwurzelten Hard - Rock mit Hammondorgel generell mag, kann bedenkenlos zugreifen. Dafür ist es nicht nötig, ein kompromissloser Fan der Band zu sein...
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.07.2014 18:30:00 GMT+02:00
Sarandanon meint:
Super Rezi. Ich kann mich Dir nur anschließen und erspare mir eine eigene. Ich habe im Gegensatz zu Dir Heep erst relativ spät lieben gelernt (erst ab "Wake The Sleeper"), sie gehören also nicht zu MEINEN von mir so viel beschworenen "Alten Helden". Obwohl sie es objektiv gesehen natürlich sind. War "Into The Wild" schon ein Hammer-Album, haben sie hier noch einmal eine Schippe draufgelegt (zumindest nach meinem Geschmack). Und ich freue mich wahnsinnig, dass sie dem Hammond-Sound, den ich so sehr liebe, auch auf diesem Album treu geblieben sind. Ich hoffe natürlich auf weitere Werke. Nicht nur deswegen wünsche ich den Jungs allezeit eine gute Gesundheit und weiterhin Spaß an der Arbeit.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.07.2014 16:31:08 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.07.2014 16:33:40 GMT+02:00
Schreib doch eine :-) Würde mich freuen, wie andere die Musik so empfinden.

Erfreulich finde ich, nicht nur wegen Uriah Heep, dass Hörer wie Du auf Alben wie "Wake The Sleeper" aufmerksam geworden sind. Solch ein Einstieg ist eher selten...

Ich bin immer noch nicht müde, "Outsider" täglich rauf und runter zu hören. Es ist tatsächlich eine ihrer besten Platten überhaupt geworden. Und ich weiß, wovon ich rede :-)
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