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Kundenrezension

27 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Über den Verlust der Menschlichkeit, 12. Mai 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: No Country For Old Men (Limitierte Steelbook Edition) [Blu-ray] (Blu-ray)
Die Coen Brüder schufen 2007 eine ultimativ reduzierte Parabel über den Verfall der Gesellschaft. Das Geschäft der drei Akteure ist die Gewalt - Llewelyn Moss (Josh Brolin) war Vietnam-Kämpfer, Anton Chigurh (Javier Bardem) ist Auftragskiller und Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) vertritt die traurigen Reste staatlicher Ordnung.

Aber Moss ist auch der naive Normalbürger, der sich eine Chance gegen die herrschende Gewalt ausrechnet, wenn er nur smart genug vorgeht. Der Sheriff versucht, ihn zurückzuhalten, ihn vor seinem sicheren Untergang zu retten. Gleichzeitig unternimmt er alles, um den Killer noch rechtzeitig zu ergreifen. Doch in den Kampf der Drogenmafia um die von Moss "gefundenen" Millionen kann Bell letztlich nicht ernsthaft eingreifen. Längst ist die Straße fest in der Hand von Gewaltbereiten aller Couleur, die Illusion einer staatlichen Ordnung gehört der Vergangenheit an.

Der Sheriff hat eindeutig zu viel gesehen in seinem Leben, und er weiß zuviel über die anderen Zeiten vor seiner. Er musste einsehen, dass ein menschliches Miteinander, wie man es einst am Rio Grande und anderswo noch in gewissem Umfang gekannt hatte, verloren gegangen ist und keine erkennbare Chance besteht, es zurück zu gewinnen.

Die gleichgültige Rohheit des Killers steht dem Schmerz des Sheriffs gegenüber, der wie die Zuschauer hilflos Zeuge des Unvermeidlichen werden muss.

Die Erkenntnis ist schmerzlich: Längst werden wir nicht mehr von einer Politik regiert geschweige denn beschützt - schon gar nicht von einer, die unsere Interessen vertritt. Der Sheriff hat seine Munition verschossen. Die Drogengang des Films steht stellvertretend für den militärisch-industriellen Komplex, der längst alle wesentlichen Wirtschaftszweige beherrscht und ebenso kalt und gnadenlos seine Interessen durchsetzt wie Chigurh. Und all die mehr oder weniger raffinierten, hoffnungsfroh-naiven Kämpfer "um ihr eigenes Glück" haben - bis hin zu mittelständischen Konzernen - kein besseres Schicksal zu erwarten als Moss.

Eine fantastische Parabel. Großes Theater. Kongeniale Schauspieler. Bilder einer Ausstellung - aber ohne Musik. Und dennoch sehr geteilte Ansichten?

Wenn manche Zuschauer einem hoch dekorierten Film - "No Coutry For Old Men" gewann immerhin vier Oscars - verständnislos gegenüberstehen, liegt das oft an zu komplexen Handlungsabläufen oder zu tiefgründigen Dialogen. Beides kann man hier aber ausschließen.

Ein verständlicher Grund, den Film nicht zu mögen, liegt in der Frustration, die wohl jeder erleidet, weil der Schluss anders läuft als man es hofft. Ein anderes - vielleicht das wichtigste Motiv - zur Ablehnung dürfte aber die Desillusionierung über das darstellen, wofür die drei Männer stellvertretend stehen. Wenige werden die Kraft haben, der Erkenntnis ins Auge zu sehen, dass alle Hoffnungen, auf die man sich so stützt, Selbsttäuschung sind, dass letztlich jeder, der sein Leben nicht in die Abhängigkeit der "Gangs" gibt, am Ende ohne Chance bleibt. Ob bewusst oder unterschwellig - "No Country For Old Men" transportiert genau das, und solche Erkenntnisse müssen die Meisten verdrängen, um mit ihrem Leben zurecht zu kommen.

Genau das macht aber einen bedeutenden Film aus: Eine große Symbolik, die alle betrifft. Die Brüder Coen müssen und können wohl damit leben, dass eine pessimistische Aussage - auch wenn sie vielleicht als Warnung gedacht war - nicht beliebt macht. Man braucht aber ein Kunstwerk nicht unbedingt leichtverdaulich zu finden, um es zu lieben.

film-jury 3* A0603 12.5.2011 Genre: Krimi | Drama | Thriller

Ethan Jesse (* 21. September 1957) und Joel David Coen (* 29. November 1954 in Minneapolis, Minnesota, USA)
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1998 5* R0000 The Big Lebowski
....... R: Joel & Ethan Coen D: Jeff Bridges, John Goodman, Steve Buscemi
2007 5* A0604 No Country For Old Men [Blu-ray]
....... R: Joel & Ethan Coen D: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.10.2014 10:17:32 GMT+02:00
inter73 meint:
Sehr interessante Rezension - allerdings bleiben Sie die Erklärung schuldig weshalb Sie diesem von Ihnen gelobtem Kunstwerk nur drei Sterne geben.

Veröffentlicht am 10.10.2014 16:28:01 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.10.2014 17:10:32 GMT+02:00
Regenscheich meint:
film-jury schreibt: "Der Sheriff hat eindeutig zu viel gesehen in seinem Leben, und er weiß zuviel über die anderen Zeiten vor seiner. Er musste einsehen, dass ein menschliches Miteinander, wie man es einst am Rio Grande und anderswo noch in gewissem Umfang gekannt hatte, verloren gegangen ist"

Das haben Sie falsch verstanden. Das menschliche Miteinander ist nicht verloren gegangen, das wird an vielen Stellen des Films gezeigt.

Hier nur einige Beispiele: (1) Der schwer verletzte und hilflose Moss bittet Straßenmusikanten in Mexiko um ärztliche Hilfe und wird offensichtlich ins Krankenhaus gebracht. (2) Auf dem Rückweg aus Mexiko wird Moss ebenfalls geholfen, da befiehlt der Grenzbeamte: "Wilson! Get someone to help this man! He needs to get into town." (3) Der schwer verletzte Chigurh bekommt von einem Teenager buchstäblich das Hemd, das der am Leib trug, ausgehändigt. Als Chigurh ihm dafür Geld geben will, protestiert der Junge "Hell, mister, I don't mind helping someone out."

Es kann folglich überhaupt keine Rede davon sein, dass das menschliche Miteinander verloren gegangen sei. Auch die Unmenschlichkeit der Gesetzlosen ist nicht neu, wie im Dialog zwischen Ed Tom und Ellis ganz ausdrücklich thematisiert wird, als Ellis den grausamen und völlig sinnlosen Mord an einem Gesetzeshüter im Jahr 1909 (!) schildert, und dann zu Ed Tom sagt: "What you got ain't nothing new."

Es gibt immer noch Menschlichkeit, und es gab immer schon unmenschliche Grausamkeit. Es hat sich nichts geändert, außer Ed Tom selbst, der erst am Ende seines langen Berufslebens kapitulierend resümiert, dass seine Hoffnungen sich nicht erfüllt haben:

"I always figured when I got older, God would sort of come into my life in some way. He didn't."

film-jury schreibt: "liegt das oft an zu komplexen Handlungsabläufen oder zu tiefgründigen Dialogen. Beides kann man hier aber ausschließen."

Nein, kann man nicht ausschließen. Sehr frei nach Lichtenberg: Wenn jemand in einem Film keinen tiefgründigen Dialog entdecken kann, dann ist nicht immer der Film daran schuld.
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