Kundenrezension

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anstelle des Fremden finden wir nur uns selbst, 9. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Taschenbuch)
"Das Fiasko " ist in meinen Augen einer der besten Romane zum Thema "Kontakt", der jemals geschrieben wurde.
Ich möchte die Handlung nicht noch mal durchkauen, das wurde bereits in den anderen Rezessionen erledigt, sondern jedem der das Buch bis zu Ende gelesen hat empfehlen, es noch mal zu tun, mit dem Wissen das er nach der Lektüre hat.
Ich finde es lohnt sich, denn nun erscheint die Geschichte in einem völlig anderen Licht.

Achtung, ab hier wird gespoilert.

Viele Rezensenten gehen wie die Besatzung davon aus, das es auf der Quinta einen festgefahrenen globalen Konflikt gegeben hätte, doch ich bin davon überzeugt dass dem nicht so ist.
Genau genommen war diese falsche Annahme die Ursache der Katastrophe.
Das ist es, worum es Lem ging.
Der Mensch ist nicht in der Lage das wirkliche Fremde zu erkennen wenn es ihm begegnet, er muss es verzerren und verfälschen, bis er es seiner Erfahrungswelt einpassen kann, und sei es mit dem nuklearen Hammer.
So geschieht es in "Das Fiasko" .
Die Menschen kamen voller menschlicher Erwartungen, menschlicher Erfahrungen und menschlicher Ängste auf der Quinta an und fanden dort folgerichtig nur ein Spiegelbild irdischer Verhältnisse vor.
Sie stießen auf eine Reihe rätselhafter Erscheinungen und bastelten sich daraus ein verheerend falsches Bild der Situation auf dem Planten zusammen.
Was sie nicht alles für Theorien ausbrüteten, eine ausgefeilter(und falscher ) als die andere.
Ein kalter Krieg, Militärstäbe die sich sonst wie tief eingegraben haben, Massen von Kampf Satelliten und und und.
Jede Entdeckung wurde von ihnen mit aller Gewalt in ihr von der Erde mitgebrachtes Muster gepresst und ergab so ein Zerrbild, das direkt in die Katastrophe führen musste.

Doch wird all dies erst mit den letzen Satz des Buches überhaupt klar.
Der Leser stolpert die ganze Zeit eben so im Dunkeln wie die Protagonisten, eine Glanzleistung von Lem.
Erst mit dem Wissen über die körperliche Beschaffenheit der Quintaner eröffnet sich ein völlig anderer Blick auf die Geschehnisse und die Irrtümer der Hermes-Besatzung.

Der erste und entscheidende Fehler bestand darin, dass die Menschen während der ganzen Expedition völlig selbstverständlich davon ausgingen, dass ihnen die Quintaner in irgendeiner Weise körperlich ähnlich wären.
Sicher sehr entfernt, aber doch so weit, dass sich eine ähnliche Erfahrungs- und Lebenswelt annehmen ließ.

Eine so beschränkte Sicht musste zwangsläufig in die Katastrophe führen.

Hier ein paar Dinge, die die Menschen aus Unkenntnis der Natur der Quintaner falsch einschätzten

1. Während einer genauen Untersuchung des Planeten wurden an einigen Stellen große Kalziumablagerungen unter der Planetenoberfläche gefunden.
Weil man an einen planetaren Konflikt glaubte wurden daraus Massengräber und die Quintander dadurch "böse". Der Massenmord an ihnen war daher moralisch gerechtfertigt.
Dass diese "Gräber" Ansammlungen vom höchst lebendigen Quintanern darstellten haben die Menschen nie erfahren.
Nur Parvis war dieser winzige Moment der Erkenntnis vergönnt, bevor er von der Hand seiner Kameraden starb.

2. Den Planeten umkreiste ein "unfertiger" künstlicher Eisring, an dem nicht mehr gearbeitet wurde.
Für die Menschen ein klarer Beweis für einen Konflikt, denn der Ring kühlte den Planeten ab und sorgte für sintflutartige Regenfälle
Für Wesen die "menschenähnlich" wären sicher eine unangenehme Situation
Aber für die Quintaner möglicherweise optimale Lebensbedingungen und daher vielleicht genau das Ziel der Operation.

3. Die Menschen gingen sie davon aus, dass die Quintaner sich auf der Planetenoberfläche bewegen würden (wie Menschen ), etwas wie Augen hätten und früher einmal Jagd betrieben haben mussten.
Deshalb spielten sie ihnen mit einem Laser eine Art Schattentheater auf den Wolken vor.
Hier waren gleich alle drei Annahmen waren falsch

Es lassen sich noch mehr solche "Missverständnisse" finden und es lohnt sich auf jeden Fall, das Buch mehr als einmal zu lesen.

Ps:
Ob es sich bei Parvis wirklich um Pirx handelt wird im Buch nie geklärt,
das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich ist er es.
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.02.2010 14:17:31 GMT+01:00
Michael Unger meint:
Eine sehr gute Kritik, dennoch denke ich es ist letztlich ein Fehlschluss enthalten:
Die gewaltigen, pflanzenknollenartigen Wesen, die Parvis/Pirx am Schluss zunächst für Behausungen der Quintaner hält, dürften nicht die Aliens selbst sein wie Du meinst. Schließlich sieht Parvis, bevor der Laserschlag nach abgelaufenem Ultimatum erfolgt, auf den letzten Zeilen "nackte wimmelnde Klümpchen die an den Hängen des Berges emporeilen - er sieht die Quintaner" (aus dem Gedächtnis zitiert, ich habe das Buch vor etlichen Jahren zum letzten Mal gelesen). Also bleibt die wahre Natur der Quintaner letzendlich doch ein Geheimnis, denn Parvis wie auch die Quintaner sterben, bevor der Leser mehr erfahren kann und somit bleibt die wahre Natur der Ausserirdischen nur der Phantasie des Lesers überlassen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.01.2013 22:58:38 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.01.2013 23:03:10 GMT+01:00
Sehr gut möglich. Vielleicht waren diese Knollen nur eine Art unterirdischer Bau.
Jedenfalls waren die Quintaner nicht ansatzweise humanoid.
Ich denke das es auch unter den besten Umständen kaum möglich sein dürfte, sich mit einer so fremdartigen Spezies wirklich zu verständigen.
Worüber sollte man auch "reden".
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