Kundenrezension

16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Shadow in the light, 12. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Ashes & Fire (Audio CD)
Es ist sehr einfach, eine Hymne auf Ryan Adams zu verfassen und sich damit dann beliebt zu machen. Ich möchte lieber das Risiko eingehen, mich unbeliebt zu machen, indem ich es wage, das neue Album des nach verhältnismäßig langer Krankheitspause ins Musikgeschäft Zurückgekehrten ein wenig zu kritisieren. Ich kann nun mal leider nicht anders als alles Neue vom Ryan an seinen früheren Outputs zu messen. Denn als ich 2000 staunend meiner ersten Ryan Adams-CD "Heartbreaker" lauschte, hatte ich einen Aha-Moment, wie man ihn nur alle Jubeljahre mal erfährt. Damals dachte ich: Da ist ein blutjunges Musikgenie gefunden worden, das den nachfolgenden Generationen souverän und voller Geschmack zeigt, wo's langgeht. Ein Debütalbum, das man in 50 Jahren als Klassiker handeln wird. Zarte balladeske weltschmerzliche Juwele, die sich mit Dampf ablassenden Rocknummern die Klinke in die Hand gaben. Irgendwie traditionell à la Bob Dylan, aber doch neu und eigen.

Bei den letzten 4-5 Adams-CDs kamen solche Aha-Momente immer seltener zustande. Es kann nicht daran liegen, dass ich mich an ihn gewöhnt habe und deswegen nicht mehr überrascht werden kann, denn wenn ich mir seine Platten der frühen 00er Jahre wieder ins Programm nehme, bin ich nach wie vor hin und weg und will einer seiner größten Fans sein. Das will ich kurioserweise nicht bei seinen jüngeren Veröffentlichungen. Auch "Ashes & Fire" ist kein richtungsweisendes Wunderwerk mehr, sondern streckenweise nur noch entspannende Beflügelungsmusik für nebenbei. Und der Titel scheint mir auch nicht zu passen: Weder nehme ich hier ein brennendes Feuer wahr, noch entdecke ich im aktuellen Ryan einen Phoenix, der nach überstandener Krankheit voller Vitalität aus der Asche ersteigt.
Um es mit einer Metapher aus dem Song "Do I Wait" zu sagen: It's like a shadow in the light. Das innere Licht überstrahlt nicht mehr alles Umstehende; irgendetwas scheint im Weg zu stehen und einen Schatten zu werfen. Sollte Ryan Adams jemand sein, der unglückseligerweise seinen Zenit schon in jungen Jahren überschritten hat und nicht mehr zu noch größerer Reife gelangen kann? Keinem meiner liebsten Musiker würde ich das wünschen, nur denen, die ich nicht leiden kann. Ich weiß nicht, inwiefern die abschließende Frage aus "Lucky Now" autobiographisch ist. Fragt Adams sich vielleicht selber: "Am I really who I was?"

Natürlich gibt es auch feine Stücke auf dem Album; schließlich kann ein guter Mann niemals richtig schlecht werden. "Come Home", "Dirty Rain" oder "I Love You But I Don't Know What To Say" machen es allemal hörenswert. Aber die fallen höchstens in die Rubrik "gewohnt gut", nicht in die Kategorie "Wow, überwältigend!" Es trübt eben das Gesamtbild irgendwo ein Schatten im Licht.
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1-10 von 16 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.10.2011 08:45:33 GMT+02:00
Valarwen meint:
Kann ich nachvollziehen. Allerdings sind die Erwartungen, ein zweites oder fünftes Heartbreaker zu erhalten, unerfüllbar. Und Ashes & Fire ist zweifellos brilliant produziert und für Menschen, die noch die 70er Jahre Platten gewohnt sind, angenehm "echt". Ich kannte die meisten Songs vor Erscheinen der Platte als Live-Solo-Acoustic Versionen und muss sagen, selten gefällt mir die Studioaufnahme dann besser. Bei diesem Album definitiv. Gerade die von Dir genannten Dirty Rain und I Love You... haben immens gewonnen. Natürlich sind die Songs häufig recht simpel gestrickt, aber, um Deine Referenz aufzugreifen, Dylans erfolgreichste Songs waren auch keine Harmoniemonster. Der Titelsong "Ashes & Fire" steht in bester Dylan-Tradition. Adams' Stärke ist das Gefühl, direkte Aufrichtigkeit, stets mal mehr mal weniger knapp am Kitsch vorbei. Und für das Jahr 2011, in Zeiten digitalen Schrotts, immer noch eine herausragende Platte.

Veröffentlicht am 13.10.2011 08:49:19 GMT+02:00
Monika meint:
Genau den gleichen Gedanken über "Lucky Now" hatte ich auch. Außerdem kam mir noch in den Sinn, dass Ryan aufgrund seiner Ohrenkrankheit wohl eine "gemäßigtere" Musik jetzt angenehmer ist. Ich will ja nicht zu weit greifen, aber eventuell hat sich auch etwas wie Resignation eingestellt - früher wollte er mit der Musik die Welt bewegen, jetzt merkt er, dass viele andere weitaus bekannter und erfolgreicher sind (z.B. Norah Jones). Oder es ist wirklich so und wie viele andere meinen, hätte er seine "Mitte" gefunden - kein Aufbegehren mehr, das sich in seiner Musik ja immer etwas gezeigt hat. Eventuell ist es ja auch eine Mischung aus allem.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2011 09:10:43 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.10.2011 09:12:50 GMT+02:00
@Valarwen

"Gold", "Demolition" und "Cold Roses" waren für mich der Beweis, das Ryan Adams durchaus ein zweites, drittes und viertes "Heartbreaker" vollbringen kann.

Ich finde Studioaufnahmen fast immer besser als Live-Aufnahmen. Live-Aufnahmen sind lediglich für den Anwesenden im Konzert von Wert, der die Atmosphäre erleben will, aber nicht für den Zuhörer, der daheim vor seinem CD-Spieler sitzt. Da sind dann ausgefeilte, gut abgemischte Studioversionen das größere Hörerlebnis.

Bei Dylan schätze ich im Übrigen immer nur die Komposition und niemals die von ihm gesungene Umsetzung derselben.

Selbstverständlich ist "Ashes & Fire" gemessen an aktuellem Industriemüll immer noch ein Meisterwerk, aber man muss es ja unter Adams-Aspekten betrachten. Würde ich alles Handgemachte nur mit Lady Gaga vergleichen, müsste ich immer 5 Sterne geben, aber das wäre nicht der Sinn der Sache.

@Monika

Wenn Ryan Adams zu denen gehören würde, die andere Künstler um ihren Erfolg beneiden und unzufrieden darüber mit allen Mitteln versuchen würde, genauso viele Alben zu verkaufen wie diverse Kollegen, dann würde er in meiner Achtung gewaltig sinken, denn er würde sich dann verbiegen lassen und versuchen einer zu sein, der er nicht ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2011 09:15:54 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.10.2011 09:32:37 GMT+02:00
Monika meint:
So streng hatte ich das jetzt eigentlich nicht gemeint, dass er andere um ihren Erfolg beneidet. Aber ich hatte trotzdem bei manchen Songs den Gedanken, dass man teilweise so etwas wie leichte Resignation heraushört, natürlich könnte das auch an seinem Zigaretten-/Kaffee- etc. Entzug bzw. Ohrenproblem liegen.

"Cold Roses" ist für mich persönlich übrigens sein bestes Album - sozusagen sein Höhepunkt (gemeinsam mit den Cardinals). Aber auch "Jacksonville City Nights" und "29" hatten viele gute Sachen drauf und auf "Easy Tiger" waren auch noch einige brillante Songs.

P.S. Der Gedanke Ryan Adams würde sich zu einem neuen Dylan entwickeln wäre nicht sehr angenehm.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2011 09:53:46 GMT+02:00
Sie führen die Hitparade der besten Adams-CDs übereinstimmend mit mir weiter. "Jacksonville City Nights" ist auch mein Platz 5, "Easy Tiger" Platz 6 und "29" mein Platz 7.
Wenn Ryan Adams ein neuer Bob Dylan würde, müsste er sich neue Stimmbänder einsetzen lassen, denn er müsste auf der Stelle damit aufhören, so wunderbar zu singen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.10.2011 16:20:43 GMT+01:00
@Hugo : Ha, ich wollte eben darauf antworten, aber Du hast mir das vorweggenommen, vor allem mit dem ersten und letzten Absatz. Auch die von Dir genannten Alben sehe ich ebenfalls als seine stärksten. Ich finde deine Rezenssion sehr gelungen und realistisch. Wobei ich eher zu 3.5 neige, und dann aufrunden würde. Aber das ist Geschmacksache.

P.S.: Bei Dylan stimme ich nicht zu, seine Stimme verleiht den Kompositionen Authentizität und Kredibilität, es kann nicht immer alles "bel-canto" sein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.10.2011 20:28:02 GMT+01:00
@S.A.
3,5 ist eine Nuance zu hoch gegriffen für meinen Geschmack. Auf 3,4 können wir uns aber gerne einigen.
Was ist Kredibilität?
Bei Dylan hab ich den Eindruck, er behandelt seine Hörer etwas allzu selbstüberzeugt, weil er sich nicht einmal Mühe zu geben scheint, so schön wie möglich zu klingen. An Halloween-Abenden wie heute ist seine Gruselstimme allerdings gar nicht so schlecht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.11.2011 15:36:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.11.2011 15:38:46 GMT+01:00
Monika meint:
Ich hätte ja bei meiner Rezension am liebsten auch 3,5 gegeben, habe mich dann aber trotzdem für 4 Sterne entschieden, weil es ja der Ryan ist (im Vergleich zu manch anderen Sängern aufgrund der Stimme immer noch exzellent) und man keine halben Sterne vergeben kann.

Warum mag meine Rezension denn keiner außer der Hugo?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.11.2011 22:14:51 GMT+01:00
Das muss wirklich bitter für Sie sein, dass ich mit meiner kleinen Kritik viel mehr Zustimmung ernte als Sie mit Ihrer vielleicht doch etwas zu nett ausgefallenen Beurteilung. Vielleicht hätten Sie doch 3 Sterne geben sollen; das ist für viele irgendwie interessanter zu lesen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.11.2011 08:51:07 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.11.2011 09:09:28 GMT+01:00
Monika meint:
Tja so ist das eben, viele interessieren anscheinend nur die Top 5 Sterne sowie die 3 Sterne und schlechter Bewertungen. Nachträglich werde ich die Sternezahl jetzt auch nicht ändern. Außerdem sollte es wohl auch um den Inhalt der Rezension und nicht nur um die Vergabe der Sterne gehen.

Aber wie Sie ja wissen, stand die Rezension sowieso von Anfang an unter keinem guten Stern (passender Ausdruck hier), schließlich wartete ich ja einen halben Tag, bis sie überhaupt veröffentlicht wurde.

P.S. Ich habe jetzt doch noch einen erklärenden ersten Absatz eingefügt, damit man weiß, von welchem Standpunkt / "Wissensstand" bezüglich dem Ryan Adams Werk ich spreche.
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