Kundenrezension

59 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus dem All auf die Erde gefallen, 9. November 2005
Rezension bezieht sich auf: The Piper at the Gates of Dawn (Audio CD)
Leider lassen sich nicht mehr als fünf Sterne vergeben. Doch wenn eine Platte überhaupt ein non plus ultra sein kann, dann ist es diese. Weit von den Siebziger Erfolgen der Band ohne ihren frühen Songwriter Syd Barrett entfernt, stellt sie eine Welt vor, die fantastisch, kindlich-unschuldig und abgedreht zugleich ist. Jeder der Songs scheint direkt aus dem Feenreich auf einem anderen Planeten zu stammen und lässt den Hörer glauben, dass die Kreuzung aus Pop und Rock'n'Roll als Virus von dort eingeschleppt wurde. Weder vorher noch nachher gab es so etwas, und auch die Band selbst reichte nie wieder an diesen Volltreffer heran, mag er auch heute fast vergessen sein.
Die einzigen Ähnlichkeiten wiesen vielleicht die Small Faces mit ,Ogden'S Nut Gone Flake' auf und heute zehren Bands wie Radiohead oder Kula Shaker von den alten Inspirationen.
Das Werk beginnt absolut logisch mit maschinenartig dröhnenden und hämmernden Gitarren, die den Hörer in ein Raumschiff auf dem Weg ins All versetzen. ,Astronomy Domine' steht exemplarisch für die Sci-Fi Seite der Floyd-Musik, die später vor allem zum Tragen kam. Mit Barrett ist dies aber nur eine Seite der Medaille. ,Lucifer Sam' erzählt eine Horrorgeschichte, ,Matilda Mother' berichtet von einer Märchenerzählerin,,Flaming' von Zwergenwesen, die auf Telefondrähten reisen, ,Pow R. Toc H.' scheint direkt aus dem Urwald mit trampelnden Elefanten über den Hörer herzufallen. Der einzige Waters-Song auf der Platte ,Take Up Thy Stethoscope And Walk' fällt (bewusst?) etwas aus dem Rahmen, klingt aber genauso zwingend und verrückt.
Auf der zweiten Seite beginnt das Konzept zwischen All und Feenreich wieder von vorn mit ,Interstellar Overdrive' (reiner Sci-Fi-Rock), der tolkienesken Ballade ,The Gnome', dem I Ging-Kapitel ,Chapter 24' und der Vogelscheuchen-Elegie ,Scarecrow'. Der absolute Geniestreich am Schluss ist ,Bike', konsequent umgesetzt mit Fahrradklingel und sturem Pedal-Beat, gefolgt von den rätselhaften Ticken und Schlagen von Uhren (wie später bei ,Time') und dem Quaken von Enten.
Niemand weiß, was das alles bedeutet, und man soll es auch nicht wissen. Jede Erklärung würde den Genuss nur schmälern. Wer in Barretts Fantasie-Welt eintaucht, will überrascht, irritiert, entführt und verunsichert werden, aber auf fröhliche Weise.
Die Vielfalt der Assoziationen, Klänge und fantastischen Texte ist so erstaunlich, dass sie mich auch heute noch nach fast vierzig Jahren (von denen ich sie mindestens dreißig Jahre kenne) immer noch fesselt. Die Fantasiewelt Barretts ist weder mit dem Verstand zu begreifen noch mit vernünftigen Worten zu erklären.
Sicher ist das Drogen-Musik, von Drogenerlebnissen beeinflusst und durch sie forciert, wer aber weiß, welcher stumpfsinnige Lärm zur gleichen Zeit auf dieselbe Quelle zurückgeht, fühlt sich wieder auf Barrett verwiesen. Er war eine rätselhafte Persönlichkeit zwischen Hendrix, Tolkien und Bob Dylan mit der engelhaften Ausstrahlung eines Aliens. Die Musik von ,Piper' ist seine direkter Selbstentäußerung, mit der er sich in den Monaten der Entstehung völlig verausgabte. Er hat später nie wieder ein Bein auf den Boden bekommen, und altert heute zurückgezogen vor sich hin. Schade drum. Doch wenigstens haben wir diese Platte, die direkt aus dem All auf die Erde gefallen zu sein scheint.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.11.2013 18:41:01 GMT+01:00
Bernhard C. meint:
Einfühlsam beschrieben, bin auch'n Barrett-Fan. Vielleicht mal soft machine hören, da hat er auch ausgeholfen.
Oder Don van Vliet oder brain ticket oder den frühen Bowie (its a god of a small affair) oder oder oder
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