Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Fußball Fan-Artikel calendarGirl Prime Photos Philips Multiroom Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16
Kundenrezension

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bildmythisch - bildpoetisch - "archaisch" - sängerisch erstklassig, 5. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wagner, Richard - Tristan und Isolde (GA) [2 DVDs] (DVD)
Die legendäre Ponelle Inszenierung hat auch nach drei Jahrzehnten nichts von ihrer bildpoetischen Univeralpräsenz verloren. Insofern ist sie die bildmythische Manifestation des wagnerianischen Gedankens, vom schönsten aller Träume, der Utopie der Liebe, diese allerdings im eher besitzergreifenden, egoistischen Sinne, nicht im Sinne von Agape.
Wagner, der ja zeitlebens unter der Begrenztheit damaliger Bühnenmöglichkeiten litt, seine Vorstellung von der dramatisch, die Szene stützendenden Optik, nicht der illustrativen, die sich später unter Wagnerianern als das Optimum fixiert hat, nie realisieren konnte. Bühnenbildnerei war zu Wagners Zeiten ein "Entwicklungsgebiet."

So ist diese Inszenierung ein kongruenter Bildausfluss des wagnerianischen Gedankens in seiner mythischen Grundzentrierung. Nicht der einzig mögliche, aber eben schon ein großartiges Zeichen von zeitenübergreifender Bedeutung.

Ponelle läßt hier Isoldes "Ende" in einer Traumvision Tristans erscheinen. Ein schlüssiger, möglicher Ansatz. Tristan ist generell eher als Utopie der totalen Liebe zu sehen und insofern auch wieder ambivalent, weil die bedingungslose Liebesgefolgschaft sowohl dem Verbrecher als dem Schöngeist gelten kann, um mal zwei Polaritäten gegeneinander zu stellen.
Die Liebe im besitzergreifenden Sinne, wie Wagner sie hier konzipierte, ist keine allgemein segenspendende Größe, weil sie nicht bewertet sondern bedingungslos ist. Sie hat etwas von narzisstischer Geneigtheit, die eigenen Bedürfnisse im anderen zu fixieren und diesen zu vereinnahmen.
Die romantische Glorifizierung dieser Oper hat dann auch mehr mit der Kompensation eigener Bedürfnisse zu tun, dient als Projektionsfläche. Wie alles bei Wagner, ist auch hier die Ambivalenz durch und durch gegeben, was aber auch die Stärke der Libretti ausmacht, bieten sie doch den Ansatz immer neu erfahren und umgesetzt zu werden.

Die DVD ist bild-und tonrestauriert. Im Ergebnis absolut zufriedenstellend. Allerdings gibt es auch frühere Exemplare, die offenbar nicht so gut gemastert wurden. Zudem muß festgestellt werden, daß ein Abhören nur über Fernsehlautsprecher zu einem doch eher unbefriedigenden Klangbild führt, das oft als versumpft beschrieben wird.

Rein sängerisch und schauspielerisch eine exzellente Besetzung, wobei Hermann Becht als Kurwenal nicht seinen besten Tag hatte. Seine Intonation lässt zu wünschen übrig. Ich habe ihn mehrfach live gesehen, ein durchaus überzeugender Sängerdarsteller. Jeder Tag ist eben nicht gut, so ist das normale Sängerleben.

Ganz vorzüglich Rene Kollo als Tristan mit einer beeindruckenden Leistung. Seinerzeit wurde er auch von der Presse heftig attackiert, er sei nicht heldisch genug von der stimmlichen Substanz. Diese Aufnahme beweist das Gegenteil. Kollo habe ich live mit einer überzeugenden Leistung als Stolzing in den Meisteringern gesehen.
Ebenso erstklassig Johanna Meier als Isolde. Schon eine Interpretation mit Bestandskraft.

Matti Salminen hervorragend als Marke. Hanna Schwarz gestaltet die Brangäne sehr gut.

Daniel Barenboim liefert ein klangfarblich "sehrendes" Dirigat.

Insgesamt eine Aufführung der Extraklasse mit zeitenübergreifender Bestandskraft.

Das Libretto wird je nach Denkansatz, stets die individuelle, inszenatorische Positionierung möglich machen.
Zudem steht hier Liebe auch für das buddhistisch entindividulisierte Aufgehen im Einen. Hat hier eine Art Metapher Charakter oder auch Funktion.
Alle Einlassungen meinerseits verstehen sich immer als Möglichkeit des Verstehens, nie als Doktrin. Ich habe keinen Anspruch auf alleinige Deutungshoheit. Erst verschiedene Blickwinkel bieten die Möglichkeit sich selbst zu verorten. Verorten aber nie als starre Position sondern flexibel und offen, für neue Einblicke und Ansätze.

Insofern kann Wagner verheerend sein, wenn man ihn zum religiösen Übervater stilisiert. Die kritische Hinterfragung hat Thomas Mann mit "enthusiastische Ambivalenz" charakterisiert und so sollte es sein, wenn man den Komponisten und Dichter an Fakten orientiert für sich entdeckt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]

Kommentare

Kommentare per E-Mail verfolgen

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.07.2013 12:38:53 GMT+02:00
Pelleas07 meint:
@Seidel
Sehr kenntnisreiche Rezension. Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Die mytho-poetische Konzeption dieser Inszenierung dürfte Wagners Grundgedanken sicher am nächsten kommen, wenngleich dies andere Deutungen und andere ästhetische Konzepte selbstverständlich nicht ausschließt.
Es freut mich, dass Sie die Leistung Kollos, an dem ja auch immer viel herumgekrittelt wird (nach dem Motto: Melchior, Suthaus, Windgassen u. A. wären doch viel besser gewesen), ebenso hoch einschätzen wie ich. Betrachtet man Gesang und Darstellung als Gesamtleistung, dürfte man selten etwas Besseres erleben können. Von Johanna Meier, die mir vor dieser Einspielung gar nicht geläufig war, war ich (im positiven Sinne) sehr überrascht und angetan. Wie bei Kollo scheint mir auch bei ihr ein Höchstmaß an Einfühlung in die Rolle gepaart mit gesanglichem Charakterisierungsvermögen und stimmlicher Präsenz vorhanden zu sein. Es müssen eben nicht immer die ganz großen Namen sein. Zudem verkörpern beide ihre Rollen auch optisch hervorragend (dies mag nicht das oberste Kriterium sein, trägt aber zur positiven Wirkung bei). Selbstverständlich ist gerade die Bewertung sängerischer Leistungen (neben rein gesangstechnischen Aspekten) immer auch ein persönliches Urteil aus subjektivem Empfinden heraus.

Arthaus hat nun eine altbekannte sowie renommierte "Tristan"-Inszenierung aus Berlin von Götz Friedrich (ebenfalls mit Kollo), hier allerdings aus einer Tokyoter Aufführung, neu herausgebracht. Friedrichs Ansatz verbindet hier, wie auch schon in anderen seiner Inszenierungen, mythologische Elemente mit (sozial-)psychologischen Deutungsmustern.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.07.2013 22:56:32 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.07.2013 22:57:31 GMT+02:00
Danke für die "Blumen". Werde mir auch den "Friedrich" Tristan ansehen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.07.2015 20:47:13 GMT+02:00
jens meint:
Auch ich finde Kollo hier sehr stark vor allem im 3. Akt - es dürfte von den derzeit kommerziell erhältlichen Aufnahmen seine beste Tristangesangsleistung sein - und zwar obwohl später (hier 1983) als unter Kleiber (1980/1981) deutlich stimmstärker. Fast "Lorenz-like". Hut ab hier vor Rene! - Gäbe es diese Aufnahme auf CD erhältlich ich würde sie sofort kaufen - jens
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Ort: Düsseldorf

Top-Rezensenten Rang: 856