Kundenrezension

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bizarrer Hexenspuk mit hypnothischen Bildern, 3. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Lords of Salem (DVD)
Wollen eigentlich die DVD-Anbieter mutwillig riskieren, daß dieser Film in den Regalen versauert.
Wer von diesem Coverbild eines bemaltem Hungerhakens mit kryptischer Durchfalllmimik nicht erst einmal vom Kauf abgeschreckt wird, beweist jetzt bereits gute Nerven.
Mein persönlicher Favorit für das schlechteste Motiv, das je auf eine DVD- Hülle gewürgt wurde.
Der Gruselfilm jedoch, der sich dahinter versteckt ist allemal einen gelungenen Filmabend wert, erinnert mehr an ein surreales Schauermärchen und spaltet wie man hier im Forum auch lesen kann, gewaltig die Gemüter.
Alle angesprochenen Kritikpunkte sind berechtigt, und künftige, interessierte Käufer seien rechtzeitig gewarnt.
Bis auf eine sehr dürftige Story- Grundstruktur beinhaltet Rob Zombies neuestes Werk so gut wie keine nachvollziehbare stringente Handlung. Ebenfalls ist auch die Schock-Frequenz arg übersichtlich.
Warum dennoch vier Sterne: Rob Zombie schafft etwas, was wir im heutigen Horrorfilm so gut wie gar nicht mehr erleben.
Eine Eleganz, eine schwarze Phantastik der Bilder, einen fiebernden Farbenrausch, eine alptraumhafte Magie bestehend aus Bildstrukturen, gemäldehaften, vibrierenden Phantasmagorien, atmosphärischer Ausleuchtung und Wahnvorstellungen.
Das gelingt ihm dannn doch vortrefflich und so funktioniert und berauscht, bisweilen verstört er durch eine unaufhörliche Reihe von morbiden Szenen.
Ein surreales böses Märchen, freilich ohne Logik oder innere Dramaturgie.
Langsam , schwebend, arabesk ist er inszeniert.
Wenn in einem dunklen Hotelflur mit verschlungenen unheimlichen Tapetenmustern plötzlich die Deckenleuchter anfangen zu pendeln, wenn eine Tür sich zu blutroten,dämonischen sakralen Sälen öffnet, wenn Ziegenköpfe als Satanssymbol ins Bild gerückt werden, verhüllte Priester auf monströsen Thronen mit Dildos hantieren, blutüberströmte Heiligenbilder im Kerzenlicht zucken, eine Teufelsgeburt in schillernden Farben vonstattengeht, plötzlich dämonische Fratzen, und verzerrte Gestalten in Zimmerecken unbeweglich lauern, Hexenrituale mit alten, entstellten nackten Frauen zelebriert werden, dann ist das alles eine einzige irreale Wahnvorstellung.
Fast vollkommen unblutig zitiert hier Rob Zombie fleißig aus vielen Meisterwerken der Horrorgeschichte.
Die nackten Hexen, die Teufelsgeburt kennen wir aus Polanskis "Macbeth" und "Rosemaries Baby", die phantastische, groteske Bildersymbolik aus Filmen wie "Suspiria", "Horror Infernal", "Mother of Tears", die Verhöhnung der Kreuz- und Heiligensymbolik aus Werken Ken Russels, wie "Der Biß der Schlangenfrau", oder "Gothik".
Überraschen kann uns Rob Zombie also hier nicht wirklich, noch schafft er es den Vorbildern ebenbürtig zu sein.
Jedoch die ähnliche hypnotisch, exaltierte Machart, eine Regie, die die magische Kraft der Bilder über jedwede Handlung stellt ist gerade heute außergewöhnlich und rechtfertigt aufs neue Rob Zombies Ruf als exzentrischer Regisseur, der sich ein Nichts um den aktuellen Mainstream- Geschmack schert.
Bereits mit den ultrabrutalen "Haus der tausend Leichen" und "The devil rejects" konnte er provozieren, und mit seinen eigenständigen Halloween- Neuinterpretationen reihenweise Michael Myers- Hardcore Anhänger fast in den Suizid treiben.
Um den Beifall des Zuschauers hat Rob Zombie nie gebuhlt und genau das macht ihn so sympathisch.
Man kann es als Lob oder als Kritikpunkt sehen: "Lords of Salem" wirkt mit seiner grossartigen Orchestrierung und seinen satanisch, burlesken Bildern tatsächlich wie ein langer pittoresker Videoclip aus Dantes Inferno und Hieronymus Bosch.
Um ehrlich zu sein, sehr viel mehr stringente Handlung hatte ein Dario Argento, Mario Bava oft auch nicht zu bieten.
Doch was im Gegensatz zu deren grossen Meisterwerken Rob Zombie nicht gelingt, ist wirklich treffsichere Höhepunkte in "Lords of Salem" zu inszenieren. Man hätte ihn sich kraftvoller, und auch schockierender gewünscht.
Ein Film wie ein schillernder Drogentrip alllemal, aber leider auch dahinplätschernd.
Mich hat dies dann doch schlußendlich wenig gestört, wenn man von Anfang an "Lords of Salem" als wahnhaftes Gruselmärchen einordnet.
Die Geschichte ist in drei Sätzen erzählt:
Vor 300 Jahren wurde in der finsteren Stadt Salem ein Zirkel von Hexen grausam hingerichtet. Den Teufel hatten sie beschworen, Luzifer wollte ein eigenes Kind zeugen.
Hier und heute lernen wir die junge labile Heidi (Sheri Moon Zombie) kennen, die in dem kleinen für immer verfluchten Städtchen als Radiomoderatorin und DJ arbeitet.
Eine seltsame unbekannte Schallplatte, in einer hölzernen Kiste mit heidnischen Symbolen, wird eines Tages in der Radiostation abgeliefert. Nur der Bandname "The Lords" ist zu lesen.
Als die Platte mit ihren verzerrten Klängen abgespielt wird, erwacht der grauenhafte Hexenspuk aus der Vergangenheit zu neuem Leben.
Von da an gleicht Heidis Leben eine Reise in den Wahnsinn. Dämonische Zeichen, Bedrohungen häufen sich.
Sheri Moon macht ihre Sache gut, ist bei weitem betörender als das ratzige DVD-Cover vermuten läßt, Musik und Kamera, Effekte und Atmosphäre ebenfalls hervorragend.
Fazit: eine elegante wahnhaft teuflische Bilderpracht mit grosser Sogkraft aber natürlich nicht für diejenigen, die eine stringente Horror-Story erwarten.
Für mich jedenfalls eine schöne Überraschung, die nach "Halloween 2", den ich durchaus schätze ,Rob Zombie noch mehr als Visionär der Bilder, fern ab von einem durchgängigen Drehbuch zeigt.
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