Kundenrezension

21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genreklassiker!, 14. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Leichen pflastern seinen Weg (DVD)
Schon die allererste Filmeinstellung präsentiert genreuntypisch als Totale eine winterliche Landschaft. Spätestens dann aber, wenn sich wenig später Silenzio nach dem ersten blutigen Shoot-out zu Morricones gar nicht so optimistisch aber dennoch einzigartig klingender Titelmusik durch einen verschneiten Wald müht, während die Filmcredits über den Bildschirm laufen, ahnt man dass dieser Italo-Western etwas anders wird als man es von einem Italo-Western bisher gewohnt war.

Utha, im Winter 1896. In den Bergen rund um den verschneiten Ort Snow Hill verstecken sich Outlaws, keine Schwerverbrecher, sondern Männer die aus purer Not als Diebe - um nicht zu verhungern - mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und auf die nun ein - meist geringes - Kopfgeld ausgesetzt ist. Sie hoffen auf eine von Gouverneur versprochene Amnestie. Währenddessen werden sie von Kopfgeldjägern gnadenlos gejagt und getötet. Den Kopfgeldjägern ist es egal dass auf den Steckbriefen die Option "Tot ODER Lebend" angeführt ist, das durch das Gesetz legitimierte Töten erscheint ihnen einfacher, so können die Gejagten nicht mehr davon laufen. Unterstützt durch Pollicut (Luigi Pistilli) dem örtlichen Bankier und Friedensrichter ist Loco (Klaus Kinski) einer der aktivsten und skrupellosesten der Kopfgeldjäger. Loco führt dabei über die Getöteten, wie ein Kaufmann über seine Ware, genau Buch.

Silenzio (Jean-Louis Trintignant) ist ein stummer, schwarz gekleideter Revolverheld der Kopfgeldjäger jagt. Er schießt seinen Kontrahenten entweder in den Kopf oder die Daumen ab. Auch er tötet im weitesten Sinne im Rahmen des Gesetzes. Er provoziert seine Opfer, so dass diese zuerst ziehen und erschießt sie dann quasi in Notwehr. Er wird überwiegend von Angehörigen der von Kopfgeldjägern Getöteten engagiert um deren Tod zu rächen. Warum Silenzio dies eigentlich tut klärt sich im Laufe des Films.

Nachdem Paulines (Vonetta McGee) Mann (den Pollicut in den Ruin trieb weil er hinter Pauline her ist) ebenfalls von Loco getötet wurde, beauftragt sie Silenzio der nun Loco töten soll. Doch Loco weiß um die Gefährlichkeit seines Gegners und lässt sich nicht so leicht provozieren.

Um dem Morden Einhalt zu gebieten wird vom Gouverneur der aufrechte Sheriff Burnett (Frank Wolff) nach Snow Hill entsandt. Doch auch er kann nach anfänglichen Erfolgen ein eskalieren der Gewalt nicht verhindern. So entlässt der Film letztlich den Zuseher betroffen mit Bildern von fallendem Schnee auf Leichen in winterlicher Landschaft.

Sergio Corbucci (Django, Mercenario) hat hier ein Hauptwerk des Italo-Western geschaffen. Brutal, zynisch und unbarmherzig. Die den ganzen Film über präsente Winterlandschaft sowie der wunderbare elegische Soundtrack von Morricone schaffen eine düstere morbide, für einen Western einzigartige, Atmosphäre. Neben der kompromisslosen Inszenierung (FSK 18 hat durchaus Berechtigung) durch den Regisseur ist vor allem das gute Schauspiel aller Beteiligten, vor allem aber das der Hauptdarsteller hervorzuheben. Trintignant spielt den stummen Revolverhelden sehr eindringlich und fungiert bald als Sympathieträger, obwohl auch sein Agieren einer moralischen Prüfung nicht ganz Stand hält. Kinskis Verkörperung von Loco ist eine seiner besten Rollen, angsteinflösend und diabolisch, jedoch im weitesten Sinne im Rahmen der Gesetze agierend, dabei auch erfreulich weit weg von seinem Klischee als unbeherrschter Wahnsinniger. Frank Wolffs Sheriff ist die einnehmende Verkörperung der gesetzlichen und vor allem moralischen Autorität, manchmal etwas linkisch und ungebildet wirkend, jedoch mit wachem Intellekt und obendrein ein ausgezeichneter Schütze, der gerade durch seine Rechtschaffenheit grandios scheitert. Vonetta McGee überzeugt in ihrem verzweifelten Bestreben das durch den Tod ihres Mannes, der Opfer gesetzlich sanktionierter Gewalt wurde, erlittene Unrecht zu rächen und dafür sprichwörtlich alles zu geben. Besonders aber das dramatische und kompromisslos-konsequente Finale wird sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Es gehört zweifelsohne zu den Italo-Western Highlights.

Die Bildqualität der DVD ist an manchen Stellen nicht mehr so gut, was die Güte des Films aber nicht schmälert. Es ist dies doch schon eine ältere DVD Umsetzung von der man sich eine Neuauflage mit digital restauriertem Bild wünschen würde.

Als Extras gibt es:
Filmtrailer
Alternatives Ende (nur ohne Ton). Lt. DVD Cover für den japanischen Markt gedreht. Interessant anzusehen, weit weniger dramatisch als die Filmfassung. Kann mir auch nicht vorstellen dass dieses Ende ernsthaft verwendet werden sollte.
Unbedeutendes Interview mit Klaus Kinski das mit dem Film nichts zu tun hat. Darin ist Kinski jedoch weitaus weniger gelassen als im Film und rastet unmotiviert aus.

Für Musikliebhaber ist übrigens die Musik-CD mit der überwiegend elegischen Musik Morricones empfehlenswert.

Resümee: Ein Hauptwerk des Italo-Western das in einer DVD Sammlung enthalten sein sollte. Ein muss für Italo-Western Fans!
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.07.2011 00:47:40 GMT+02:00
R. Pein meint:
Schön geschrieben und Ich kann nur zustimmen : ein absoluter Klassiker des italo-Westerns !!
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