Kundenrezension

260 von 347 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Auftakt einer neuen Legende, 13. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (DVD)
Eine einleitende Anmerkung: Ich möchte vorweg schicken, dass ich hier logischerweise vorerst nur den Film zu bewerten versuche, nicht seine technische Umsetzung auf einem Medium. Die DVD-spezifische Bewertung, bei der ich zum Beispiel Bezug auf die gebotenen Extras und die Bild- und Tonqualität nehmen kann, werde ich nachreichen, sobald diese erscheint. Ich werde derweilen Abstand von Vergleichen zwischen Buch und Film nehmen, da Letzterer durchaus für sich alleine stehend sehenswert ist. Zudem werde ich in der Folge dieser Rezension nach besten Möglichkeiten auf Spoiler verzichten, um niemandem den Erstgenuss zu verübeln.

Und nun zur Sache: Der lang erwartete erste Teil von "Der Hobbit" trägt mit "Eine unerwartete Reise" einen eher harmlosen Titel - was sich dahinter verbirgt, ist jedoch der beeindruckendste Film, den ich seit einigen Jahren gesehen habe.
Bevor ich etwas näher ins Detail gehe, sei gesagt, dass das Kinoerlebnis eine wahre Wucht war, die man nach dem Verlassen des Saales erst einmal recht verarbeiten musste. Ob sich dieser Effekt auch auf dem heimischen Fernseher derart entfalten wird, ist momentan noch nicht vorhersehbar. Zumindest muss man sich nicht scheuen, es darauf ankommen zu lassen - sei es nun durch einen Kinobesuch oder aber durch den Kauf des Films nach Erscheinen auf DVD oder Bluray.

Langes Warten führt derweil nicht selten auch zu hohen Erwartungen: Berührende Musik, gigantische Bildgewalt, epische Perfektion - das Erfüllen solcher Ideale ist oft schlichtweg unmöglich. Dass es dennoch gelingen kann, beweist "Der Hobbit" eindrucksvoll. Ob ein Blick in die Tiefen der Zwergenstadt im Erebor, der Gesang Thorins an Bilbos Kaminfeuer, eine Schlacht der Zwerge vor den Pforten Morias, Bruchtals malerische Schönheit, ein Kampf von Steinriesen im Nebelgebirge, ein Flug auf den Rücken der Riesenadler oder das schlichte Öffnen von Smaugs Drachenauge - die Bilder sind teilweise derart eindrucksvoll, dass es einen aus den Sitzen hebt.
Die musikalische Untermalung unterstreicht die Güte der Schauwerte und ist rundum gelungen. Immer wieder schleichen sich hier altbekannte Liedpassagen (Bruchtal, Hobbingen) in die neuen Stücke ein, von denen die heroisch-pathetische Zwergenhymne des Erebors wohl das markanteste und eingängigste ist.
So sei angemerkt, dass der Film in seiner Gesamtheit derartig viele, nahezu perfekte Szenen aufweist, dass jede Kritik erst einmal kleinlich wirkt. Doch ist es wichtig zu wissen, dass "Der Hobbit" nicht schlicht eine Weiterführung bzw. Vorerzählung zum Ringkrieg ist. Schon die Mach- und Schreibart der Bücher sind hier verschieden: Die kindgerechtere Geschichte des "Hobbits" steht an vielerlei Stelle in Kontrast zum düsteren, ernsteren und epischeren "Der Herr der Ringe". Peter Jackson hatte angekündigt, sich hier als Brückenbauer zu versuchen: Er will die drei Hobbit-Filme an seiner Ringkrieg-Trilogie orientieren, ohne das Kinderbuch seines gesamten Zaubers zu berauben. Und eben das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man "Eine unerwartete Reise" sieht: Denn dort findet man nicht Gondors verlorenen Thronerben im scheinbar aussichtslosen Kampf gegen blutrünstige Uruk-Hai, sondern vielmehr schrullige Zwerge, kochende und miteinander diskutierende Bergtrolle, Orks mit einer eigenen Sprache und verständlich sprechende Goblins mitsamt König - es erscheint also auf den ersten Blick nicht als das fatalistische Mittelerde, das wir aus Jacksons erster Trilogie kennen. Doch das Befremdende an diesem Eindruck verflüchtigt sich zügig, wenn die Reise der dreizehn Zwerge unter Thorin Eichenschild, des Zauberers Gandalfs und natürlich des Hobbits Bilbo Beutlin an Fahrt und Dynamik gewinnt. Zwar wirkt der Film an manchen Stellen etwas schizophren, wechseln sich doch kindgerechte Farbenpracht und komödiantische Einlagen mit epischen Momenten, schauriger Düsternis und brutaler Gewalt ab, doch fügen sich diese Eindrücke Stück für Stück zu einem neuen Stil zusammen, der die neue Hobbit-Trilogie wohl zu etwas anderem als den "Herrn der Ringe" machen wird. Hierbei heißt "anders" aber nicht unbedingt "schlechter". Wenn man denn Kritik ansetzen möchte, dann findet man hier vielleicht Worte wie "Unentschlossenheit" oder "Verniedlichung". Ich versuche es einmal hiermit: Der Film ist so episch wie eine Kindergeschichte sein kann - nur brutaler und düsterer. Und er ist so komödiantisch wie eine Epik sein darf - nur farbenfroher und skurriler. Was man "unentschlossen" nennen kann, sehe ich als den mutigen Versuch eines Spagats. Und in meinen Augen ist diese akrobatische Einlage absolut gelungen. Möchte man bei den wenigen Schwächen bleiben, könnte das erste Drittel des Films als solche gelten. Man kann es sehen wie man will: Die Vorgeschichte ist etwas lang oder eben reichlich gründlich, manche Szenen in ihr zu kindisch oder eben sehr kindgerecht. Vor allem wird hier der Kontrast zu "Der Herr der Ringe" noch besonders deutlich wahrgenommen. Nach weniger als einer Stunde, wenn die Reiseaufnahmen der Gemeinschaft über die Leinwand flimmern, ist man aber allerspätestens wieder in Mittelerde angekommen - und das heißt in jener Brückenversion, die "Der Hobbit" entwirft.

Die schauspielerische Leistung ist derweil durchweg erstklassig. So ist mir keiner der Schauspieler auch nur im Geringsten negativ aufgefallen, das Gegenteil ist stattdessen der Fall. Neben altgedienten Gesichtern, wie Cate Blanchett als "Galadriel", Ian McKellen als "Gandalf", Hugo Weaving als "Elrond", Christopher Lee als "Saruman" und Andy Serkis als "Gollum", gilt es vor allem Martin Freeman als den jungen "Bilbo" und Richard Armitage als den Zwergenprinz "Thorin Eichenschild" zu erwähnen. Während Ersterer schlichtweg perfekt das Gesicht des alten Bilbos verjüngt und diesen unglaublich sympathisch und glaubhaft spielt, zeichnet Letzterer ein etwas gewagtes, weniger stereotypes Bild eines Zwerges: Schwert statt Axt, Würde statt Rüpelei, Arroganz statt Kumpelhaftigkeit, Führungsqualitäten statt Sidekick-Mentalität. Die Zwerge des "Hobbits" sind ohnehin eine Geschichte für sich. Stellt dieses Volk in anderen Produktionen nichts weiter als (meist beliebte) Nebenfiguren (man denke hier nur an Gimli), stellen sie in "Eine unerwartete Reise" das Volk mit der meisten Leinwandpräsenz dar. Ihr Spiel untereinander, die raue, herzliche Art dieser ungehobelten Rabauken, ist reichlich erfrischend und ein gern gesehenes Kontrastmittel gegenüber den reinlichen, makellosen Elben. Einfache Menschen hingegen tauchen in diesem Film überhaupt nicht auf. Es geht auch nicht um dieses Volk, sondern eben um einen Zwergenkönig, sein verlorenes Erbe und eine Schar wilder Haudegen seines Volkes, die ihm die Treue halten - trotz aller Widrigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten. Und da uns "Der Hobbit" in einer Trilogie vorgestellt wird, ist wohl kaum verwunderlich, dass diese Geschichte mit diesem Film nicht ihr Ende, sondern erst ihren Auftakt erlebt. An dieser Stelle sei auch das Wiedersehen mit dem Geschöpf "Gollum" erwähnt - witzig und tragisch zugleich, ist Serkis Darstellung dieser schizoiden Figur, im Dialog mit Freemans "Bilbo", das wohl größte Kapital des Films.

Ein kurzes Wort auch noch zur Bildqualität, wurde doch viel im vornherein über die neue Kameratechnik spekuliert. "Der Hobbit" will hier neue Maßstäbe setzen, arbeitet er doch als erster großer Film mit einer höheren Bildfrequenz (48 statt nur 24 Bilder pro Sekunde) und wurde mit einer deutlich höher auflösenden Digitalkamera abgedreht. Kurzum: Die Bildqualität kann sich absolut sehen lassen. Wie viel sich davon auf den heimischen Schirm überträgt, bleibt ohnehin abzuwarten. Zumindest treten nach meiner Erfahrung beim Zuschauer keine Schwindelgefühle oder sonstige visuelle Überlastungen auf, was ich deswegen noch einmal betone, weil an mancher Stelle davor gewarnt wurde.

Das Fazit ist für mich eindeutig: "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" ist ein erstklassiger Fantasy-Film, der für alle Liebhaber des Genres ein absolutes Muss, aber auch für alle anderen Zuschauer uneingeschränkt empfehlenswert ist. Peter Jackson hat hier ein weiteres Mal das Unglaubliche geschafft: 169 Minuten prasselt sein neuester Ausflug nach Mittelerde auf den Zuschauer ein - ohne das eine einzige davon langweilig wäre. Und stört man sich anfangs an der etwas bunteren, skurrileren Umsetzung, findet man sich wenig später doch im Bann der Geschichte wieder. In Mittelerde ist also alles beim Alten - wenn manches auch anders scheint.
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Kommentare

Von 7 Kunden verfolgt

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1-10 von 37 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.12.2012 10:30:56 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2012 11:00:20 GMT+01:00
Hast Du den Film denn in einem Kino gesehen, welches die 48 Bilder pro Sekunde technisch auch zeigen kann (und nicht runterskaliert auf 24 fps)? Wenn ja, welches Kino (Name, Ort) war das denn? Ich würde den Film auch gerne mal mit 48 fps gucken.

Nachtrag: Es gibt mittlerweile (Stand: 13.12.2012) 150 Kinos in Deutschland, welche 48fps zeigen können.
Siehe Pfad:
http://www.digitaleleinwand.de/2012/11/21/uebersichtskarte-aller-deutschen-hfr-3d-kinos/

Veröffentlicht am 13.12.2012 14:26:18 GMT+01:00
Hallo Frank,
ja habe ich. Offenbar zeigen auch andere Kinos, als die auf der von dir geposteten Seite, die Filme in HFR 3D - zumindest wenn ich den Angaben meines Kinos glauben schenken darf, was ich einfach mal tat und tue. Bei mir ist es ein Cinestar nahe meines Wohnorts. Am besten immer die jeweilige Kinoseite prüfen, dort werden die unterschiedlichen Versionen (2D, 3D, 3D HFR) meist angegeben.

Veröffentlicht am 14.12.2012 14:24:46 GMT+01:00
Pünktchen meint:
Vielen Dank für diese sehr ausführliche und gelungene Rezension. Ich stimme mit Ihnen 100%ig überein. Besser kann man es nicht ausdrücken. Ein wirklich gelungener und sehenswerter Film. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten beiden Teile!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.12.2012 15:33:55 GMT+01:00
Herzlichen Dank ;)
Die Vorfreude war schon bei der vorherigen Trilogie immer das Schlimmste. Kaum aus dem Kino heraus, will man, dass es schon Weihnachten 2013 ist :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.12.2012 06:18:31 GMT+01:00
Kay Müller meint:
Das ist einmal eine Rezension, die seine Bezeichnung verdient hat! Riesengroßes Lob!!! Ich hab ihn gestern in HFR3D im LIGHT CINEMA Halle Saale gesehen... recht gewöhnungsbedürftig zu Beginn, aber super Bild für ein Kino.
Am Ende des Films hatte ich zugegebenermaßen feuchte Augen von diesem Meisterwerk... ich war schier überwältigt.

Die Rezension liest sich auch super, der Schreibstil tut gut, endlich jmd., der seine Sprache beherrscht. Danke auch dafür, bin vollends deiner Meinung!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.12.2012 21:11:24 GMT+01:00
A. Nahr meint:
Diesem Kommentar zur Rezension kann ich wiederum nur zustimmen. Habe den Film gestern in 3D mit 48 Bildern gesehen (Essen Cinemaxx) und bin begeistert. Schade, dass man auf die folgenden beiden Teile noch soooooooooooo lang warten muss.

Veröffentlicht am 18.12.2012 13:19:35 GMT+01:00
Vielen Dank Philipp Lillak für diese wunderbare und ausführliche Rezension, der man schlichtweg als grosser Fan der Tolkien-Werke, nichts hinzuzufügen hat! Vielen Dank für Ihre Mühe, diese so treffend und herrlich zu schreiben!

Um "Der Hobbit - eine unerwartete Reise" mal mit einfachen Worten zu kommentieren: Ich war am Samstag im Kino und wäre am liebsten dort eingezogen, um den Film immer und immer wieder anschauen zu können! Ich liebe ihn genauso, wie ich der Herr der Ringe Trilogie verfallen bin, die ich auch heute noch jeden Tag immer wieder aufs Neue ansehen möchte. Umso weniger kann ich glauben, dass die Kaufversion uns erst voraussichtlich in einem Jahr angeboten werden soll, da lässt man uns aber sehr lange schmoren. Nichts desto trotz, kann ich es kaum erwarten, den 2 Teil der Trilogie zu sehen und freue mich darauf, wie ein kleiner Junge auf Weihnachten!

In diesem Sinne: In der Hoffnung, dass der Weltuntergang am kommenden Freitag, 21.12. uns nicht alles verdirbt, Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest!

Veröffentlicht am 18.12.2012 15:05:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.12.2012 15:05:42 GMT+01:00
Hallo zusammen,
ersteinmal herzlichen Dank für das freundliche Lob. Was die DVD-Veröffentlichungsdatümer auf Amazon angeht, kann man davon ausgehen, dass der derzeit festgelegte Termin (31.12.2013) nur eine Art "Dummy-Termin" ist, der geupdated wird, sobald ein tatsächlicher DVD-Releasetermin fest steht. Ich habe zumindest ähnliches schon bei anderen Filmen hier auf Amazon beobachtet. Ich tippe eher auf eine Veröffentlichung der DVD Ende Frühjahr oder Anfang Sommer 2013 (also 4-6 Monate nach Kinostart).

Veröffentlicht am 20.12.2012 01:11:59 GMT+01:00
Nobody Lost meint:
Hallo Phillpp Lillak, ich finde deine Rezension auch sehr interessant und gut gelungen, jedoch hab ich persönlich ein paar Probleme damit den Film durchgängig positiv zu sehn. (und dies soll nicht kleinlich wirken, sondern ich würde einfach mal gerne deine Meinung dazu hören ;) ) Der erste Punkt wären, die von dir angesprochenen Zwerge, deren Namen ich mir leider nicht alle gemerkt habe, da im Film auch nur Wenige wirklich wichtig sind und genau das finde ich Schade. Zwar stimme ich dir zu, dass sie das Volk der Zwerge mit ihrem gemeinschafts- und frohsinn darstellen sollen, jedoch hätte ich mir wenigstens zu ein paar Charakteren mehr Hintergrund gewünscht (ist zwar im Buch auch nicht so, aber es ist ja nicht so, als wäre im Film zeitlich dafür kein Platz gewesen, dies fand ich übrigens auch am Herr der Ringe bei den Charakteren von Legolas und Gimli so, jedoch ist es mir dort nicht so stark aufgefallen). Aber das ist ja geschmacks Sache. Ein zweiter Punkt der mich gestört hat war, dass man nie das Gefühl hatte es gäbe wirklich eine Gefahr für die die Charaktere. Ja ich weiss es ist ein Kinderbuch, aber auch in so einem muss doch zumindest theoretisch die Gefahr bestehen das jemand stirbt oder sich in sonstiger Weise iwie mehr verletzt als Thorin, der nach einem kleinen Spruch von Gandalf wieder aufsteht als wäre nichts gewesen. Genau diese Tatsache hat mich im Film dann doch mehr gestört als ich zunächst dachte. Die Zwerge fallen Schluchten runter und werden von Orkscharen angegriffen, doch Niemandem stößt auch nur im entferntesten etwas zu. Naja es ist halt nicht das düstere Herr der Ringe. Der letzte Punkt der mich wohl am meisten gestört hat, war die geradezu lächerliche Animation des weißen Orks, die mich mit Abstand am meisten gestört hat. In den Herr der Ringe Filmen waren die Okrs und Uruks geschminkte Schauspieler und genau das fand ich das Geniale, sie sahen viel echter aus als jede Animation, weil sie echt waren. Dadurch wurde der Bösewicht des Films für mich eher zu einer Lachnummer, was ich persönlich schade fand, da es ohne Animation wahrscheinlich anders ausgesehen hätte. Aber auch die neue Technik (3D, HFR) allgemein hat MICH eher gestört als erfreut. Klar sah es in den Minen-szene wirklich genial aus, aber besonders in Kampfszenen fand ich es teilweise übertrieben. Slomos durch das Schlachtgetümmel sind zwar ganz nett, aber dadurch sieht man halt leider wirklich sehr, dass alles animiert ist, was mich sehr gestört hat. Da erinnere ich mich lieber an Szenen wie in Herr der Ringe die Gefährten als sie am Schluss im Wald gegen die Uruks gekämpft haben, dass war auch ohne andauernde Kamerafahrten und Slomos episch. Weniger ist manchmal mehr, ist meine Meinung dazu. Aber wie gesagt: Geschmäcker sind eben verschieden. Und ich will auch nochmal sagen, dass ich den Film in keinem Fall schlecht fand, ich fand ihn nur leider nicht so gut wie ich erhofft habe (vllt waren die Erwartungen auch zu hoch). Daher würde ich, wenn ich sage: Die Herr der Ring 1=(5 Sterne), 2= (4,5 Sterne), 3=(5 Sterne), dem Hobbit teil 1 mit guten gewissen 4 Sterne geben.
Hoffe du kannst was mit meiner Meinung anfangen. Gruß Nobody

Veröffentlicht am 20.12.2012 03:37:26 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.12.2012 03:38:46 GMT+01:00
Hallo Nobody Lost,

klar kann ich was mit deiner Meinung anfangen ;-) Einige der Punkte, die du ansprichst, sind auch mir aufgestoßen, letztlich aber durch den positiven Gesamteindruck übertüncht worden. Ich fange einfach mal an, deine Punkte chronologisch zu besprechen, auch wenn der Text dieses Kommentars dadurch etwas fülliger wird.

Das Thema mit den 13 Zwergen und ihren Namen war für mich ebenfalls ein Problem. Nicht, dass ich glaubte, dass sie schlecht dargestellt waren, doch konnte ich mich nach dem ersten Kinobesuch auch beim besten Willen nur an 8 der 13 Burschen wirklich erinnern. Was mir da geholfen hat, war ein zweiter Kinobesuch (diesmal zum Vergleich in 2D) - klingt banal, wirkte aber Wunder. Der Film ist mit seinen 169 Minuten ein dermaßen dichter Streifen, bis zur Volltrunkenheit abgefüllt mit Effekten, gewaltigen Bildern und nicht wenig Plot, dass ich erst beim zweiten Mal jedem Zwerg auch eine bezeichnende Szene (oder zumindest ein bezeichnendes Aussehen) zuordnen konnte. Ich denke, dass es, nach nur einmaligem Sehen des Films, tatsächlich sehr schwierig ist, sich alle Namen zu merken und auch nur ungefähr angeben zu können, was den jeweiligen Zwerg auszeichnet (immer vorausgesetzt, man kennt die Bücher nicht). Dies ist vielleicht auch zu viel erwartet: 13 Nebenfiguren auszugestalten, dass ist selbst in fast 3 Stunden Film kaum zu machen (beachtet man auch, dass die Zwerge bei weitem nicht die einzigen Nebenfiguren sind). Es mangelt deshalb wohl auch an "Alleinstellungsmerkmalen" unter den Zwergen: Bei den Ring-Gefährten waren die Rollen stereotyp, aber klar verteilt: Bogenschütze (Legolas), Zweihandkämpfer (Aragorn), Axtkämpfer (Gimli), Schwert- und Schildkämpfer (Boromir) und Zauberer (Gandalf). Die Zwerge des "Hobbits" haben es hingegen nicht so einfach, sich ähnlich scharf voneinander abgegrenzt in Szene setzen zu können. Für mich gibt es daher unter den 13 einige Lichtblicke (allen voran "Balin", der weißhaarige "Berater"), aber auch einige, die noch recht blass wirken. Der Buchvorlage geschuldet mussten es nun mal so viele sein und für diesen Umstand wurde, meiner Meinung nach, das Maximum an Charakterzeichnung herausgeholt. Notgedrungen blieb diese aber bei einigen der Dreizehn stark beschränkt. Ich hoffe einfach mal, dass es bei Teil 2 und 3 deutlich mehr in dieser Richtung zu sehen gibt. Z. B. ist Gloin (Gimlis Vater) mit von der Partie, der aber in dem wilden Haufen sehr untergeht (eigentlich verwunderlich, wurde doch sonst fast jede Möglichkeit genutzt, an die HdR-Trilogie zu erinnern oder anzuknüpfen). Ich nehme auch an, dass die Extended Version (die es irgendwann wohl auch vom "Hobbit" geben dürfte) hier einiges mehr liefern wird. Viele Szenen, die "nur" Charakterschau betreiben, fallen ja oft der Kürzungsschere zum Opfer, um die Kinofassung für alle Zielgruppen tauglich zu machen.

Weiterhin bemängelst du, dass Thorins Reisegemeinschaft zu selten in echte Gefahren kommt. An dieser Stelle erweitere ich diese Kritik einmal: Die Kämpfe der Gefährten der HdR-Trilogie wirkten zudem dichter, drängender und bedrohlicher - einfach weil die Uruk-Hai schrecklich gut gemacht waren - vom Balrog mal ganz abgesehen. Doch hier hat der Herr der Ringe auch einen taktischen Vorteil: Er richtet sich an ein älteres Publikum, ist düsterer und schonungsloser. Es kommt zu Verletzungen, Scheintoden und echten Todesfällen - und so seltsam das klingt, genau das adelte "Die Gefährten". Man denke nur an Boromir. An dieser Stelle trifft man somit auf die größte Schwäche der "Unwarteten Reise" - doch kann der neue Film für diese Schwäche eigentlich am wenigsten. Die Buchvorlage gibt an dieser Stelle einfach nicht mehr her. Dennoch hoffe auch ich, dass der zweite und dritte Teil in dieser Hinsicht dramatischer und tragischer wird. Dreizehn Zwergencharaktere, die zum Teil sympathisch angerissen sind und prinzipiell Identifizierungspotenzial haben - da drängen sich ein oder gleich mehrere dramatische Todesfälle schon auf. Man wird sehen, ob Jackson in den nächsten Filmen hier etwas mutiger wird. Bisher zeigt sich an dieser Stelle die kindliche Seite dessen, was ich in meiner Rezension die "Schizophrenie" des Films genannt habe. In den z. T. brutalen Kampfszenen (in denen aber eben nur das Böse zu leiden hat) hingegen die erwachsene Komponente.

Die Animation des weißen Orks fand ich persönlich nicht sonderlich schlimm - bis du mich an die geschminkten Uruk-Hai erinnert hast. Zugegebenermaßen wirkten diese reichlich authentischer und bedrohlicher. Als Lachnummer sehe ich Azog deshalb nicht an, aber er wirkt doch deutlich "cleaner" als der dreckbesudelte, blutbespritzte, weißbehandete Lurtz.

Zu den Kampfszenen: Als ich den Film das erste Mal sah, hielt ich die Kampfchoreographie für gut, aber für etwas schlechter als in der HdR-Trilogie. Beim zweiten Anschauen änderte sich diese Einschätzung aber. Dabei kann ich nicht sagen, ob es daran lag, dass ich ihn diesmal in 2D gesehen habe (und das 3D HFR zuvor schlicht zu viel und zu ablenkend war, um alles wahrnehmen zu können) oder daran, dass beim zweiten Anschauen viele Dinge einfach einsichtiger werden, weil man nicht so überflutet wird. Auf jeden Fall konnte ich den zweiten Kinobesuch mehr genießen als den ersten. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Kämpfe des "Hobbits" an sich sehr gut gemacht sind, besonders die Kooperation der Zwerge untereinander ("Ich stoße mich auf meinem Kumpel ab, hau den Bösen, befreie damit meinen andern Kumpel, der wiederum den Kerl aufhält, der mich sonst gehauen hätte" etc.). Doch auch hier wird der kindliche Charakter deutlich: Denn ohne Blut, Verwundungen, heftiges Leid oder gar Tod, ist es zwar ein fesselnder Rausch, der aber eben nicht so (be)rührend wie der Endkampf "Der Gefährten" ist.

Man wird sehen, was die weiteren Teile bringen. Es ist und bleibt ein Kinderbuch. Und davon ausgegangen, wird in meinen Augen eine gute Brücke zum Stil des "Herrn der Ringe" gebaut.
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