Kundenrezension

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die satanischen Verse !!!, 29. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Infestissumam (Audio CD)
Heilig's Blechle! Diese Band ist keine Eintagsfliege...diese Band ist ein Monstrum! Das GHOST-Debüt "Opus eponymous" war vor knapp zwei Jahren eine der sonderbarsten Scheiben aus 2010, die mit ihrer Mischung aus düsterem MERCYFUL FATE-Riffing, Okkultrock-Atmosphäre und sakral-mönchsartigem Mummenschanz viele Leute vom Fleck weg begeisterte - auch ich zähle mich seitdem zum engen Kreise der "ghoul-followers". Und dennoch musste man irgendwie die Vermutung haben, dass das schwedische Sextett keinen adäquaten Nachfolger würde eintüten können. Und dass das vor dunklen Grusel-Klischees triefende Image sich vielleicht zuuu schnell abnutzen könnte.
Der nun veröffentlichte Zweitling "Infestissumam" nimmt aber allen GHOST-Nörglern unisono den Wind aus den Segeln. Denn anstatt eine einfache Kopie á la "Opus eponymous 2.0" im Setzkasten zu entwickeln, haben die sechs Maskenmänner sich teilweise komplett neu aufgestellt und wandern auf bisher unbeschrittenen Pfaden. Größtes Risiko hierbei: Die spröden Metal-Einflüsse des Debüts wurden auf "Infestissumam" etwas zurückgefahren, woran sich so manch gestandener Headbanger doch etwas stören könnte. Dafür hat sich die Band - vor allem in der Breite! - musikalisch enorm weiterentwickelt, und sich dabei hörbar dem tiefsinnigen, melodisch begeisterndem Progrock der Siebziger Jahre geöffnet. Weniger Gitarren, dafür gaaanz viel Orgel. Weniger MERCYFUL FATE, dafür eine gesunde Portion früher GENESIS. Weniger Dunkelheit, dafür gaaanz viel Schönheit. Diese neue Ausrichtung beim Songwriting muss man nicht mögen - mich persönlich hat dieser 10-Tracker jedoch ab der allerersten Sekunde überwältigt. Seitdem schwebe ich in einer musikalischen Parallelwelt, in der sich GHOST neben Rock-Dinosauriern wie RAINBOW , BLUE OYSTER CULT , BLACK SABBATH , GENESIS , THE DOORS oder THE DEVIL'S BLOOD (unvermeidbar!) spielend behaupten können.
Also, Manege frei! Mit brandneuen Gruselnummern wie "The depth of satan's eyes" (tolle Geister-Singalongs!), "Per aspera ad inferi" (geht tief unter die Haut!) oder dem elektronisch verfeinerten "Year zero" (schlichtweg unglaublich!) bestätigen die Schweden ihre "Opus eponymous"-Topform, wobei es sich die Band sogar leisten kann, mit dem schräg-zirkusartigen "Secular haze" den am wenigsten brillianten Song als erste Video-Auskopplung zu bringen. Der intrumentale Titelsong funktioniert gleich zu Beginn als fantastischer Dosenöffner im Selim Lemouchi-Breitwandformat, und hätte exakt so auch auf "Come reap" (THE DEVIL'S BLOOD) stehen können. Wunderschöne Doom-Rocker wie "Idolatrine" und "Body and blood" schrauben den Ohrwurmfaktor in schwindelerregende Höhen, und überzeugen quasi als poppiges Pendant zu "Stand by him" oder "Ritual" (beide vom Debüt!). Das abschließende "Monstrance clock" beginnt eher unauffällig, steigert sich aber mit jeder Sekunde zum anbetungswürdigen Doom/Prog-Kleinod, in dessen Verlauf sich Orgelzauberei und hymnische Choräle am Ende kongenial ergänzen. Gleiches gilt auch für das unfassbar eingängige "Jigolo har megiddo", bei dem der maskierte GHOST-Tastenmann ganz tief im epischen GENESIS-Reportoire (praktisch die gesamte Gabriel/Rutherford/Banks-Palette!) wildert, und dem Song damit einen raffinierten Artrock-Anstrich verleiht. Kein Zweifel, diese musikalische Vielfalt und Wandlungsfähigkeit wäre auf "Opus eponymous" noch komplett undenkbar gewesen. Beim zweigeteilten "Ghuleh / zombie queen" schießt der schwedische Geisterordern dann aber den finalen Vogel ab: Auch diese Nummer beginnt zunächst als ruhige, akustische Emotions-Wundertüte mit "And then there were three"-Gedächtnis-Keyboards, die beim Hörer für einen gewaltigen Schauer sorgt...nach einem Bruch gewinnen dann die heftigen Gitarren die Oberhand, um sich zu einer waschechten Hardrock-Hymne hochzuschaukeln. Hatte ich in diesem Zusammenhang schon die THE DEVIL'S BLOOD-Parallelen erwähnt? Ja? Gut, dann sag ich's eben nochmal damit es jeder kapiert!
Fantastische Spannungsbögen wie handgemalt...ein nahezu blindes Verständnis der Gitarren- und Tastenfraktion...dazu dieser spöttisch eingängige Gesang von Papa Emeritus , für den man glatt den Genrebegriff "BEACH BOYS-go-Metal" erfinden müsste, und der die besungene Satans-Huldigung voller Inbrunst in die weite Welt hinausposaunen darf, ohne das man es ihm übel nimmt.
Exakt so klingt Rockmusik am Rande der Perfektion! Haarscharf ausbalanciert zwischen Düsternis und melodiedurchfluteten Rechts- u. Linksschlenkern. Das Maskenimage ist nur Fassade...hier zählt das musikalische Ganze. Und da "Infestissumam" - wie auch bereits beim Vorgänger! - erneut kein Gramm Fett zuviel angesetzt hat, haben wir es hier mit einer der grandiosesten Rock/Metal-Scheiben 2013 zu tun. Ich lege mich fest: Über dieses Album wird man in vielen Jahren noch reden. Aber Vorsicht, is' ghoul man!
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Kommentare


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.04.2013 11:16:02 GMT+02:00
muffy666 meint:
Komischerweise erinnern mich Teile von Year Zero und Zombie Queen ausgerechnet an The Raveonettes... O_O

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.04.2013 11:20:22 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.04.2013 11:22:37 GMT+02:00
kwichybo meint:
Öhm, nie gehört. Vielleicht wäre damit aber auch geklärt, wer hinter der GHOST-Maskerade steckt ?! ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.05.2013 16:33:33 GMT+02:00
muffy666 meint:
Checks mal an Whip It on aber NUR diese EP! :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.05.2013 19:32:36 GMT+02:00
kwichybo meint:
Hmmm, könnte durchaus passen. Einige Assoziationen sind manchmal echt irre: So schwöre ich heute noch immer Stein und Bein, dass der Song "Cokane in my brain" von den TOTEN HOSEN in Wirklichkeit von ACCEPT geschrieben wurde !!! :-b

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.05.2013 18:34:35 GMT+02:00
deepsouth meint:
Super Rezi, Hut ab. TDB höre ich nicht so raus ((ist auch gut so, die orthodoxe Humorlosigkeit der Band ging mir immer mehr auf den Zeiger, musikalisch war das ( bis auf die nervige Wimmerelse) sicher sehr weit vorn)). Vor allem den tongue-in-cheek- Humor von Ghost finde ich richtig Klasse. Wer Dildos in Gestalt seines Frontmannes verkauft, der ist wirklich GHOUL. ;-)
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