Kundenrezension

379 von 448 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ach Gottchen, Lottchen, oder "Vom Banalen des Analen", 23. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Feuchtgebiete (Broschiert)
"Pecunia non olet". Das ist nichts Neues. Aber dass man mit Exkrementen und deren Produktionsumgebung dermaßen viele Sesterze machen kann, hätte sich auch Kaiser Augustus nicht träumen lassen.

Auf alle Fälle hat es die Autorin mit ihrem Buch zur Kleenex-Packung (das die literarische Qualität einer "Made in Taiwan"-Betriebsanleitung hat und so erotisierend wirkt wie ein Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew) auf Dauer in den Olymp der Berufsjugendlichen geschafft; sitzend zur Rechten von Thommy Gottschalk und zur Linken von Bohlen. Hunderttausende Leser spielen mit dem Schmuddelkinde, und dabei fänden sie das Ekelerregende sprachlich viel faszinierender aufbereitet in der "Blechtrommel" oder der "Mittagsfrau". Aber weder Herr Grass noch Frau Franck haben eben bei Viva moderiert.

Was hat sie der Öffentlichkeit an Neuem mitgeteilt? Dass Frauen sich höchst kreativ der Libido-it-yourself widmen? Schon Cleopatra hat Bienen in eine Papyrustüte gesteckt und sie zwecks Lustgewinnung an ihre Klitoris gehalten.
Dass Frauen ein neugierig-freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Körper haben können? Schon in den Frauengesundheitszentren der bewegten 70er haben Frauen die Selbstuntersuchung gelernt, um sich in ihrer ureigenen Weiblichkeit besser zu verstehen und unabhängig zu sein von einer männlich geprägten Gynäkologie.
Dass es cool ist, bei promiskem Sexverhalten auf das Kondom zu verzichten wie Luderchen Helen, die mit Gummi auf den Spaß verzichten müsste, die Spermareste ihrer Parttime-Lover als Kaugummi-Ersatz unter den Fingernägeln zu bunkern? Das ist zynisch angesichts steigender HIV-Neuinfektionszahlen.
Dass es revolutionär und avangardistisch ist, wenn Frauen durch praktizierte Antihygiene ihre Gesundheit nicht nur fahrlässig, sondern vorsätzlich aufs Spiel setzen? Das ist ignorant angesichts der Tatsache, dass täglich Tausende an Hygienemangelkrankheiten sterben.

Die Autorin gibt vor, einem frischen, lustbetonten Feminismus den Weg zu ebnen, und tut doch in Wahrheit das Gegenteil, nämlich ein von männlichen Interessen geprägtes und männlichen Interessen dienendes Frauenbild zu protegieren, das in ihrem Romänchen nur die zeittypische Interpretation erfährt. In der NS-Zeit war die Idealfrau die Mutter, die dem Führer möglichst viele Söhne als Kanonenfutter schenkt. In der Adenauer-Ära war es die Hausfrau, die unter Verzicht auf eigene Karriereansprüche dem Manne den Rücken freihält. Und heute ist es eben die geile kleine Sau, die den Vorgaben einer durchpornoisierten Kultur folgend ihren Körper als menschlichen Golfplatz zur Verfügung stellt: in sämtliche Löcher gepflegt einputten.

Ich bin auf die Fortsetzung gespannt und hätte auch Vorschläge: Die Autorin lässt die P(r)otagonistin Helen ein Baby bekommen. Was lässt sich alles Appetitliches anstellen mit Nachgeburt, Fruchtwasser, Kindspech und Käseschmiere!

Wirklich, verehrter Leser, da ist mir Erich Kästners "Doppeltes Lottchen" 1000mal lieber als das Poppende Lottchen Roche.
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Kommentare

Von 6 Kunden verfolgt

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1-10 von 21 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.05.2008 16:59:44 GMT+02:00
Julia meint:
5 Sterne für diese Rezension!

Veröffentlicht am 04.06.2010 15:05:24 GMT+02:00
R. Sanders meint:
Wirklich gute Rezension!

Veröffentlicht am 28.06.2010 10:41:55 GMT+02:00
Danke dafür, dass mir mit dem Leser Ihrer Rezension ein klein wenig der Tag versüßt wurde! :)

Veröffentlicht am 26.08.2010 17:57:42 GMT+02:00
Sehr gute Rezension. Lange nicht mehr so gut unterhalten worden. Meine Lieblingsrezension bis jetzt auf ganz Amazon.de. Ich finde besonders den drittletzten Absatz (Die Autorin gibt vor...) sehr realistisch und gut dargestellt. Zeigt, dass man ein solches Buch einfach nicht braucht.

Daumen hoch!

Veröffentlicht am 27.08.2010 12:22:57 GMT+02:00
lanbiya meint:
Ich habe diese Rezension 1000mal lieber gelesen als den Roman ;-)

Veröffentlicht am 29.10.2010 00:03:37 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 29.10.2010 00:06:56 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 06.12.2010 09:39:01 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.12.2010 09:59:07 GMT+01:00
Karina Behr meint:
Selbst Eloquenz und prüde anmutende Schulmeisterlichkeit gehen manchmal Hand in Hand. Eine stilistisch hochwertige, metapherreiche Rezension, die zweifelsohne historischen und kulturellen Background erkennen lässt, verdeckt geschickt, und erlaubt dennoch der mutmaßlichen Missgunst auf monetäre Wertschöpfung mittels dieser sowohl unverblümt extremen, gewagt frechen sowie gewollt ekelhaften Provokation, partiell durchzublinzeln. Manchmal sind die Details, welche man durch besonders unmittelbare Betrachtung gewinnt, im Vergleich zur Sichtweise, die sich durch eine erweiterte Beobachtungsspanne nach einem - manchmal auch zwei, drei oder mehr Schritten zurück - ergibt, der nebensächlichere Part.

Ich persönlich lese ausschließlich Bücher, von denen ich prinzipiell ausgehe, sie könnten mir zusagen, wobei die Grenzen meines Interessenskreis - frei nach dem Motto, mit Offenheit nach allen Seiten, nicht ganz dicht zu sein - dennoch aufgeweicht und fließend sind. Daher beschäftigte mich beim Lesen Ihrer Rezension die Frage, warum in Gottes Namen, Sie überhaupt zu diesem Buch gegriffen haben? Es gab im Vorfeld bestimmt diverse Meinungskundgebungen anderer Leser, sodass erahnbar gewesen wäre, ob es sich inhaltlich und stilistisch in Ihrem Favoritenkreis bewegen könnte.

Liebe Grüße
Karina

Veröffentlicht am 06.12.2010 16:45:19 GMT+01:00
die qualität der rezension wird dadurch geschmälert, indem die verfasserin ständig, fast penetrant, referenzen zu irgendwelchen anderen literarischen werken oder persönlichkeiten aufführt... anscheinend soll hier krampfhaft gezeigt werden, wie sehr sich ihre bewanderung in der literatur von dem niveau in "feuchtgebiete" abhebt... einfach nervend beim lesen.

Veröffentlicht am 05.02.2011 17:11:19 GMT+01:00
Nixe meint:
Diese Rezension verführt mich dazu, dieses Buch NICHT zu kaufen.
Ich bin sonst sehr aufgeschlossen gegenüber Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt und habe schon Vieles gelesen.
Obwohl keineswegs prüde, stößt es mich sehr ab, wenn "Neuschreiberlinge"
mit unappetitlichen Büchern Kasse machen wollen.

Lavendelgärtnerin

Veröffentlicht am 22.02.2011 00:58:50 GMT+01:00
J. Gaylord meint:
Gute Rezession, vor allem die Empfehlung am Schluss hat mich weggeworfen :-D
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