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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Django? Ringo ... ? Nee, Rango!, 30. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Rango [Blu-ray] (Blu-ray)
Einen Namen gemacht hat Regisseur Gore Verbinski sich vor allem durch seine mittlerweile zur Tetralogie gediehenen "Piraten der Karibik"-Filmreihe. Mit "Rango" legt der Erneuerer des Seeräuberfilms einen Animationsfilm vor, in dem ein Chamäleon sich dazu aufschwingt, Sheriff einer Wüstenstadt zu werden. Film wie Blu-ray Disc sind uneingeschränkt zu empfehlen.

Ein bisschen hat mich die Anfangssituation von "Rango" an die 2006er Animationskomödie "Flutsch und weg" erinnert, in der es eine zahme, verwöhnte Hausratte unversehens in die Londoner Kanalisation verschlägt. Mit anderen Worten: Auch "Rango" ist das, was man in der englischsprachigen Welt wohl einen "fish out of water"-Film nennen würde.

Zum Auftakt des Films haust die noch namenlose Hauptfigur noch allein in einem ziemlich karg möbliert wirkenden Terrarium und vertreibt sich die Zeit mit allerhand Scharaden, in denen sie die Hauptrolle in selbst erdachten Heldengeschichten spielt. Schon in der Anfangssequenz konfrontiert der Film das Publikum mit der entscheidenden Frage, die den ganzen Film prägt: "Wer bin ich?", fragt sich die schauspielernde Echse und gibt auch gleich die Antwort: "Ich kann sein, wer ich will!"

Dann vollzieht der Fahrer des Wagens, in dem das Terrarium reist (in den Urlaub? Wir erfahren es nicht, und es spielt auch keine Rolle), ein haariges Ausweichmanöver, und Rango wird samt Behausung auf den Asphalt einer einsamen Wüstenstraße hinauskatapultiert. Wohlgemerkt: Der Film ist gerade mal zwei, drei Minuten alt, und schon jetzt wissen wir als Zuschauer alles, was wir wissen müssen - das nenne ich wirklich mal effizientes Erzählen!

Das Terrarium zerbirst, und der völlig verdatterte Rango schlittert erst einmal auf einer Glasscherbe die Straße hinab. Als die Schussfahrt ein Ende hat, wird auch der Grund für den Beinahe-Unfall offensichtlich: Ein in die Jahre gekommenes Gürteltier wollte offenbar die Straße überqueren. Warum nur? Na, um auf die andere Seite zu gelangen, natürlich. Und was ist die andere Seite? "Eine Metapher", erwidert das Gürteltier geheimnisvoll und orakelt dann gleich noch etwas vom Geist des Wilden Westens, der in einer von goldenen Wächtern behüteten Alabasterkutsche reise. Im Anschluss gibt's für Filmkenner noch eine kleine, wahrscheinlich der Mitwirkung von Johnny Depp an "Rango" geschuldete Anspielung auf "Fear and Loathing in Las Vegas" zu entdecken, und dann wird der Protagonist des Films im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt.

In der liegt das reichlich heruntergekommene und von allerhand Wüstengetier bewohnte Nest "Dirt", und im örtlichen Saloon erfindet sich unsere Echse jetzt erst einmal neu - gibt sich beim Gläschen Kaktusschnaps den Namen Rango und fabuliert davon, er habe Sieben (hier: Banditen) auf einen Streich (hier: mit nur einer Kugel) gekillt. Als man unserer Echse das Amt des Sheriffs andient (der letzte hat seinen Amtsantritt am Donnerstag immerhin bis zum Samstag überlebt), lässt die sich auch nicht lange bitten. Letzte Zweifel an seiner Eignung räumt das großspurig auftretende Reptil aus, indem es im Duell auf der Hauptstraße über den riesenhaften Habicht triumphiert, der das Örtchen regelmäßig heimsucht - dass der Sieg eher einem für den Raubvogel fatalen Zufall zu verdanken ist, wird dabei geflissentlich ignoriert. Wer könnte es den Einwohnern von Dirt auch verdenken? Auch ohne Habicht hat man Probleme genug und deshalb dringenden Bedarf für einen Ordnungshüter. Der muss einerseits herausfinden, wer dem Örtchen und seinen dürstenden Bürgern das Wasser abgräbt und sich außerdem noch um einen berüchtigten Revolverhelden namens Klapperschlangen-Jake kümmern.

Natürlich kommt, was kommen muss: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis herauskommt, dass unser Held sich die eigene gloriose Vergangenheit nur zusammengesponnen hat. Aber zum Glück ist die zwischendurch immer mal wieder von vier komischen Mariachi-Vögeln kommentierte Geschichte damit noch lange nicht zu Ende erzählt ...

Filmkritik

Man sollte sich von dem knuffig wirkenden Covermotiv nicht in die Irre führen lassen: "Rango" ist ein Trickfilm, und "Rango" ist zwar auch ab 6 Jahren freigegeben, aber ein Film (nur) für Kinder ist "Rango" deshalb noch lange nicht.

Verbinski setzt den kulleräugigen Kindchenschema-Trickfiguren aus dem Disney-Universum eine Riege von denkwürdigen Charakteren entgegen, die sich allenfalls bedingt für eine Vermarktung als Plüschtier eignen. Die Optik von "Rango" ist deutlich erkennbar inspiriert von den Italowestern eines Sergio Leone, das Örtchen "Dreck" macht seinem Namen alle Ehre, und alles, was darin kreucht und fleucht, wirkt ziemlich rau - so viele schlechte Zähne, Blut unterlaufene Augen und verdreckte Staubmäntel hat man bislang garantiert in keinem Trickfilm zu sehen bekommen.

Verantwortlich für den Look and Feel von "Rango" zeichnen übrigens die Spezialeffektexperten von Industrail Lights & Magic, die mit "Rango" ihren gelungenen Einstand im Bereich des reinen Animationsfilms feiern; für die Bildgestaltung hat man keinen Geringeren zu Rate gezogen als den wunderbaren Roger Deakins, der unter anderem auf eine langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit mit den Brüdern Joel und Ethan Coen ("O brother, where art thou?", "The big Lebowski", "Hudsucker - Der große Sprung") zurückblicken kann.

Sich im Westerngenre auszukennen, ist zwar nicht unbedingte Voraussetzung, um Spaß an "Rango" zu haben, aber es hilft sicher, sich ein bisschen auszukennen in der Bildsprache des Westerns im Allgemeinen und des Italowesterns im besonderen - wer irgendwann einmal "Spiel mir das Lied vom Tod" gesehen hat, wird nicht nur die Saloon-Szene besonders zu würdigen wissen, sondern in "Rango" auch die eine oder andere weitere Hommage an Leones Abgesang auf den Wilden Westen sowie auf die Filme der "Dollar"-Trilogie entdecken. Die Ehrbezeugungen beschränken sich übrigens nicht auf visuelle Gags und die passenden Sounds von quietschenden Ventilatoren und im Windhauch klingenden Glasflaschen (von Hans Zimmers Western-Score im Morricone-Klang ganz zu schweigen), sondern parallel zur Selbstfindungsgeschichte eines namenlosen Fremden entwickelt sich ein Erzählstrang, in dem es vornehmlich um die Frage nach der Ausbeutung natürlicher Ressourcen geht.

Beides verwebt Verbinski zu einem 103 bzw. 107 Minuten (neben der Kinofassung bietet die Blu-ray Disc den etwas längeren Extended Cut) langem, ebenso anspielungsreichen wie intelligenten Vergnügen, das immense, hervorragend getrickste Schauwerte bietet: Wo sonst erleben Sie mit Gatling Guns um sich ballernde Maulwürfe, die ihre Attacken auf Fledermäusen und zu Wagner-Klängen reiten?

Die Blu-ray Disc

... ist ebenfalls ein echter Glücksfall, zumal sie gewissermaßen "drei zum Preis von einem" bietet - will sagen: Der Film wird nicht nur im Blu-ray-Format angeboten, sondern außerdem auf einer herkömmlichen DVD und als digitale Kopie für PC, Mac und mobile Wiedergabegeräte. Kompliment, liebe Leute bei Paramount, das nenne ich vorbildlich und richtungsweisend; diese Art der Veröffentlichung, die dem Nutzer das größtmögliche Maß an Freiheit in der Nutzung des Inhalts gewährt, wünsche ich mir als Standard.

Zudem hat man sich bei der Ausstattung der Blu-ray Disc mit Zusatzmaterial wahrlich nicht lumpen lassen - allein das knapp 50 Minuten lange "Making of" ist Gold wert und hat nichts mit den phrasendreschenden Werbesendungen gemeinsam, für die der strapazierte Gattungsbegriff leider nur allzu oft herhalten muss. Wer Verbinski und seinen Kollegen bei der Arbeit zusieht, dem vermittelt sich sehr gut, unter welchen Bedingungen die Arbeit an einem gemeinsamen Projekt zu einem Ergebnis führt, das über den Erwartungen liegt - dem einen oder anderen deutschen Geschäftsführer sollte man einen solchen Beitrag vielleicht mal im Rahmen eines der meist sündhaft teuren, an die Zielgruppe gerichteten Coachings im Golfhotel vorführen; wer wollte, könnte aus dem, was Verbinski zum Themenkomplex "Mitarbeiterführung und Mitarbeiterzufriedenheit" glatt eine Erkenntnis ziehen.

Interessant und umfangreich geraten ist auch der rund 20-minütige Beitrag über die echten Wüstenbewohner, die Vorbild für die Einwohner von "Dirt" waren. Darüber hinaus können über die gesamte Lauflänge des Films die den Szenen zugrundeliegenden Storyboards als "Bild im Bild" eingeblendet werden, zehn zusätzliche Szenen gibt es obendrein zu entdecken, und die Auslobung des ebenfalls vorhandenen Audiokommentars auf der Verpackung hat man offensichtlich glatt verschwitzt - mit anderen Worten: Hier hält der Inhalt tatsächlich noch mehr, als die Hülle verspricht. Dankenswerterweise liegt auch das Bonusmaterial im HD-Format vor, deutsche Untertitel werden auch angeboten. Auch Bild und Ton des Hauptfilms sind vom Feinsten - wer zur Tonwiedergabe auch einen Subwoofer nutzt, darf sich über eine Reihe von Szenen freuen, in denen der Basslautsprecher sich angenehm bemerkbar macht.

R e s ü m e e

Wahrscheinlich weithin unterschätztes Trickfilm-Highlight, dessen Charaktere sich zum netten, stets anständigen Figureninventar vieler vergleichbarer Filme verhält wie die Tex Avery-Cartoons zu den Trickfilmen aus dem Hause Disney. Überraschungen bietet nicht nur die Handlung, sondern auch mancher Dialog: Kleinen Zuschauern ist zu wünschen, dass der erwachsene Begleiter, mit dem sie sich "Rango" gemeinsam ansehen sollten, ihnen erklären kann, was ein Paradigmenwechsel ist. Westernkennern wird das Herz hüpfen angesichts der Genre-Zitate, die in "Rango" so zahlreich sind, dass ich mir den Film garantiert noch ein zweites und ein drittes Mal ansehen muss, um jedes einzelne zuordnen zu können ("Wir sind jetzt keine Revolverhelden mehr, wir sind jetzt Geschäftsleute" - woran erinnert mich das nur? Und an welchen Film erinnern mich die Mariachi-Vögel?).

Unterm Strich: 5 von 5 blauen Bohnen für ein wahres Genre-Highlight auf einer vorbildlichen Blu-ray-Disc - "Rango" finde ich uneingeschränkt empfehlenswert.
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.05.2012 19:17:55 GMT+02:00
Mediaworld meint:
Wer soll das lesen? Da habe ich den Film schneller geguckt als den Text gelesen ;)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.05.2012 19:20:23 GMT+02:00
Spassprediger meint:
Ja, gucken geht schneller als lesen, Gedrucktes ist tot, und für manche Zeitgenossen muss alles auf Bierdeckel, in Glückskekse oder 140 Zeichen kurze Nachrichten passen. Für manche, aber eben nicht für alle. ;-)
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