Kundenrezension

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die schlimmste Scheibe seit der Reunion-Tour. *Gähn*, 2. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Gravitas (Audio CD)
Asia – Gravitas (2014)

Das Video zu Valkyrie lässt Übles erahnen: Ein in die Jahre gekommener John Wetton singt auf verlassenen Stränden mit halb aufgeknöpften Hemd von nordischen Sagenfiguren. Amateur-gefilmt versteht sich. Und die übrigen Bandmitglieder wurden einfach irgendwie irgendwo irgendwann hinein geschnitten. Das eigentliche Album ist dann aber doch nicht so billig geraten. Aber fast.

Der Opener Valkyrie selbst ist gar nicht so verkehrt. Eine sanfte, warme Cello-Stimme unterstützt die melancholische Harmonie-Folge, Wetton singt für sein Alter außerordentlich passabel, selbst seine typisch jaulenden Gesangspassagen halten sich in Grenzen und Jungspund sowie Neuzugang Sam Coulson spielt ein recht ergreifendes Solo. Palmer packt sogar die Double Bass aus, doch fehlt seinem Schlagzeugspiel in der Produktion leider der Saft. Dass die Band in Interviews sogar offen zugibt, dass Palmer einfach irgendwelche Schlagzeugspuren vorbereitet hat, welche dann bei Bedarf einfach angepasst und eingefügt worden (während er selbst vermutlich nicht mal im Studio war) steht Pate für das fehlende Gemeinschaftsgefühl, den fehlenden Band-Charakter des Albums. Diese Platte hätte auch ein weiteres (qualitativ schlechteres) Icon-Projekt sein können.

Neben der flachen Produktion (abgesehen von stimmigen Orgeln gibt’s auch nur käsige Akkordarbeit vom Keyboarder Geoff Downes) stößt ein weiterer Fakt den Hardcore-Fans sauer auf. Steve Howe fehlt und damit auch sein charakteristisch frickeliges (manchmal unstrukturiert herumnudelnd, manchmal enorm authentisch hervorgehobenes) Gitarrenspiel. Doch Sam Coulson macht seinen Job nicht schlecht. Er hat wahres musikalisches Talent... welches grandios vergeudet wird. Was er in dieser Band zu suchen hat, ist mir schleierhaft. Meist darf er sich auf billige, uninspirierte Powerchords beschränken. So ist ja auch der Titelsong Gravitas ach so progressiv, nur weil er lange andauert, sprich das Intro sich auf ellenlange Akkord-Teppiche beschränkt. Schon klar. Doch die Soli, die Sam hervorzaubert, sind meist außerordentlich rasant, gefühlsbetont und stimmig. Immerhin!

Viel Positives lässt sich über diese wahllose Song-Anreihung, die sich Asia-Album schimpft, nicht sagen. Überall mangelt es Kreativität, Härte, irgendwelchen musikalischen Haltepunkt oder magischen Momenten. Progressive Rock hätte selbst ein langjähriger Fan wohl nicht mehr erwartet, aber solch aussagelosen Melodiepassagen eines Russian Dolls oder kitschig kraftlose Schmalz-Songs wie Joe DiMaggio's Glove sind echt eine Beleidigung des guten Gehörs.

Und dabei gibt es sogar reihenweise gute Ansätze, welche allerdings allesamt wieder kurz darauf von irgendwelchen kruden Elementen zunichte gemacht werden. Die Akkordfolge von The closer I get to you ist nett, der Refrain führt jedoch zu nichts und zieht sich endlos hin. Text und Strophengesang von Nyctophobia machen sogar Spaß, doch wieder einmal hört dieser dann auch im Refrain auf, welcher natürlich wieder endlos wiederholt wird. Und da jault der Wetton wieder so „herzergreifend schön“. Das Synthie-Streicher-Intro von Heaven help me now ist gut arrangiert, klingt aber nach billigem Midi-Sounds während Palmer sich auf 'Teufel komm raus' kompositions- und produktionstechnisch nicht ins Lied einfügen kann. Es fehlt einfach an Wumms. Und Konzept! Was ein solch grandioses Solo in diesem Lied verloren hat, ist genauso fraglich wie die coole (kurze) Bridge von I would die for you in einem sonst erschreckend flachem Song.

Fazit: Liebhaber der neuen, alten Asia von 2006 aufwärts (recht belanglos, tut ja aber niemanden weh) dürfen gerne auf bis zu drei Sternen aufwerten, je nachdem wie sehr sie Steve Howe vermissen. Aber: Auf diesem Album gibt es keine guten Songs in Gänze (höchstens Ansätze) und die Produktion ist auch flach wie selten zuvor. Deswegen gibt es bei dem nun vierten in Folge enttäuschendem Album nur noch einen Stern. Wer mir hingegen die coolen Soli aneinander reihen kann, bekommt von mir den vollen Preis des Albums erstattet. Und wo bleibt eigentlich John Payne?
Wertung: *
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Kommentare


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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.08.2014 17:57:02 GMT+02:00
Jon meint:
Inhaltlich so ein Schwachsinn! Lest lieber Werner S.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.08.2014 01:38:47 GMT+02:00
Was immer an orthographisch und grammatikalisch richtigen Rezensionen, die einigermaßen ausführlich sind, auf musikalischen Kenntnissen beruhen und ansonsten rein subjektive (weil Musikgeschmack und so ;) ) Meinungen wiederspiegeln, Schwachsinn sein kann.

Ich find Asia seit der Reunion eben mordslangweilig, ist halt so. Warum? Das hab ich ja wohl ausführlich begründet.

Veröffentlicht am 08.09.2014 09:59:49 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.09.2014 10:13:34 GMT+02:00
Pinguino meint:
Ich muss auch sagen, die Rezi von Jan T. (auch wenn nicht jedermann ihrer Meinung sein sollte) ist ausführlich, fundiert, gut begründet und beruht - wie man heraus lesen kann - sicher auf musikalischen Kenntnissen. Von daher gut nachvollziehbar. Und Gott sei Dank sind die Geschmäcker ja verschieden. Muss zugeben, dass ich auch nicht gerade ein großer Fan der Re-Union Aera bin. Hier ist wahrscheinlich tatsächlich "Omega" noch das beste Album, denke ich. Wenn man bedenkt, welche Highlights Asia auf ihren ersten drei Alben abgefeiert haben, kann man nur wehmütig an diese Zeit zurück denken.
Von "Gravitas" habe ich nun zwischenzeitlich einiges auf youtube gehört. Das haut einen wirklich nicht vom Hocker. Ich werde mir aber bestimmt - als Die-Hard-Fan - auch das neueste Werk noch zulegen und dann ebenfalls mal eine ausführliche Rezi schreiben.
Aber meiner Meinung nach waren Asia schon streckenweise auch VOR der Re-Union "mordslangweilig" ("Aria" bis auf wenige Ausnahmen durchgehend gut, auch "Aura" mit vielen Highlights ... der Rest sehr durchwachsen).
Fakt ist: Eine Rezension, die so ausführlich und gut lesbar darstellt ist (auch wenn man inhaltlich mit seiner Meinung meilenweit davon entfernt liegen sollte), ist sicher kein Schwachsinn. Und was will uns die empfohlene Rezi von Werner S. sagen ? Mir jedenfalls nicht viel, außer dass ich die dortige Meinung nicht teilen kann (bis auf die Sache mit dem ausgelutschten Refrain in "Valkery"). Mit der Bewertung "Ein Muss für jeden Asia-Fan" wäre ich lieber etwas vorsichtig. Ich bin sogar großer Asia-Fan, aber "Gravitas" ist sicher kein "Muss" für mich. Vielleicht ein "Muss" für bedingungslose Re-Union-Aera-Fans ... :o)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.09.2014 03:49:13 GMT+02:00
Hey, danke für die Einschätzung.
Viel "Spaß" dann mit "Gravitas", wenn du dir sie endlich zulegt. (Ich kenn dieses Gefühl alles besitzen und gehört haben zu müssen.)

Leider gehen unsere Geschmäcker ja bezüglich der John Payne-Ära gehörig auseinander, sonst hätt ich dir glatt sein aktuelles Cover-Album empfohlen (wenn man völlig aufgeschlossen und keine 100-prozentig nachgespielten oder progressiven Werke erwartet). Die 90er-Platten von Asia würd ich fast als ihre besten Werke überhaupt bezeichnen. Al Pitrelli ziehe ich bei Bombast-Rock - wie Asia es nun mal spielen - vor, selbst gegenüber Steve Howe und John Payne selbst hat eine unglaublich starke, charakteristische Stimme. Für mich klingt John Wetton dagegen als würde er tagtäglich mit Weichspüler gurgeln.

Und nochmal versucht objektiv zu sprechen: "Gravitas" passt nun wirklich zu keinem Asia-Fan so gut, als dass es in irgendeiner Form ein "Muss" wäre. Die-Hard-Fans vermissen Steve Howe, die Reunion-Fans ebenfalls, die John Payne-Fans vermissen John Payne, die Bombast-Rock-Fans vermissen energische Hooks, die Debut-Fans vermissen den Prog.

Veröffentlicht am 24.09.2014 14:45:55 GMT+02:00
Pinguino meint:
Sicher hat John Payne eine ausdrucksstarke Stimme, auch mit einem gewissen Wiedererkennungswert ausgestattet. Dennoch bin ich eher ein Freund der "Vokalarbeit" von John Wetton. Zumindest damals hatte er eine klare saubere Stimme, mit einem kühlen aber dennoch nicht klinischen Touch versehen, (wer mehr die "Reibeisen-Fraktion" mag, der ist bei J.P. wohl besser aufgehoben) die mir bei "Heat of the moment" dermaßen ins Ohr ging, dass sie dort ihren Platz für immer und ewig reserviert hat ! Tja, und die "singende" Gitarre von Howe, wie sie auf den ersten beiden Alben zu hören war ... für mich nicht ersatzbar. Also meine Faves sind natürlich oben genannte Werke plus "Astra" und dann leider, qualitativ schon mehrere Meilen entfernt ... die Nachfolge-Stücke (dennoch zwischen stark und mau schwankend). Ich bin absoluter Bombastrock-Fan und von daher kann mich auch einiges gut Gemachte aus der Payne-Aera überzeugen. Man nehme z.B. ein "A Far Cry" oder "Heaven On Earth" von "Aqua", wo alte Klangfacetten durchschimmern ;o) oder auch meinetwegen noch solche Sachen wie "Feels like love" ("Aria") oder "Free" ("Aura") und und und ... Nur mit diesem "Blues-zeugs" kann und will ich mich nicht anfreunden ....(z.B. "Back in Town" / "Little Rich Boy" / "Are you big enough"). Das hat einfach nichts mit den wahren Asia und auch mit Bombastrock nichts zu tun. - Ja, unsere Meinungen mögen wohl verschieden sein und die Geschmäcker auseinander gehen. Aber bei alledem sollte man fair und objektiv bleiben und anerkennen, wenn eine Kritik gut geschrieben und dargelegt ist. So etwas ist nämlich manchmal auch interessant ...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.09.2014 17:04:56 GMT+02:00
Bezogen auf letztere Aussage: Das stimmt genau und deswegen wird auch jeder John Payne-Fan (wie ich) deine konstruktive Kritik an seinen Werten zumindest anerkennen.
Werner S. (als vermeintliches Vorzeigebeispiel von Jon angedacht) kann ich nicht viel Informationsgehalt anerkennen.
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