Kundenrezension

105 von 121 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Heute back ich, morgen brau ich - und übermorgen schreibe ich einen Bestseller, 7. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Schriften von Accra (Gebundene Ausgabe)
Zugegeben, wenn ich über Paulo Coelho schreibe, kann ich mich einer gewissen Prise Sarkasmus nicht enthalten. Das mag daran liegen, dass ich schon "zu viel" von ihm kenne, und auch mehr oder weniger deutlich weiß, aus welchen Quellen er sich "bedient". Es fällt mir bei diesem Autor einfach ungeheuer schwer, jedes neue Werk unvoreingenommen und "an sich" zu betrachten. Ich weiß sehr wohl, dass andere Leser von diesem Autor begeistert sind, kann diesen Enthusiasmus aber leider nicht (mehr) teilen. Daher möchte ich darauf hinweisen, dass meine eher schlechte Bewertung - auch - ein Geschmacksurteil ist. Die letztliche Bewertung muss jeder Leser für sich vornehmen.

Leider hat sich der Eindruck, den ich nach dem Überfliegen der Leseprobe hatte, bestätigt. Dies ist keines der stärkeren Werke Coelhos. Er ist immer dann gut, wenn er sein spirituelles Süppchen in eine Geschichte und fortlaufende Handlung kleidet - was ihm bislang am besten im "Alchimisten" gelungen ist. Hier jedoch hat er sich einer Handlung fast vollständig enthalten, und hat nur einen ausgesprochen dürftigen "Rahmen" konstruiert. Für mich ein allzu bequemes Mittel, um allerlei Weisheits-Schnipselchen "unterzubringen", die er aus diversen Quellen zusammengeklau(b)t hat.

Es ist ihm allerdings schwer bis gar nicht nachzuweisen. Denn im Vorwort weist er ja auf tatsächliche Funde von Schriften hin - die Funde von Nag Hammadi hat es wirklich gegeben, ebenso den britischen Forscher, den er erwähnt. Was sollen wir als Leser also glauben? Dass das nachfolgende Buch von ihm nur "übertragen" und leicht fiktionalisiert wurde? Oder dass er sich von den genannten Funden hat inspirieren lassen? Mehr Information wäre mir hier lieber gewesen.

Die Handlung, insofern sie überhaupt besteht, spielt in Jerusalem, am Vorabend der Einnahme durch die Kreuzritter im Jahre 1099 (auch dies ein historisch überliefertes Ereignis). Verängstigte Einwohner, sowie diverse Geistliche der drei in Jerusalem beheimateten Religionen, haben sich um einen mysteriösen Weisen geschart, und stellen ihm Fragen, um ihre Ängste zu überwinden. Das Buch besteht nahezu ausschließlich aus diesen Fragen und Antworten. Das erinnert vom ganzen Stil her doch sehr an Khalil Gibrans "Propheten"! Von Seiten des Verlages wurde alles getan, um diesen Text auf Buchlänge zu bringen - dickes Papier, viele leere Seiten, relativ große Schrifttype. Doch all dies kann kaum darüber hinweg täuschen, dass das Ganze eher wie ein Schnappschuss wirkt - auf mich jedenfalls in keinster Weise "rund" oder abgeschlossen.

Was ich dem Buch noch als Verdienst anrechnen würde, ist die Tatsache, dass sich Coelho mit einigem Erfolg auf die drei großen Religionen bezieht, die in Jerusalem (bis zum Einfall der Kreuzritter) friedlich miteinander zusammenlebten. Egal ob der Leser Jude, Moslem oder Christ ist, jeder wird für sich etwas aus diesen Texten mitnehmen können. Mal mehr, mal weniger offen zitiert Coelho aus Schriften der drei Religionen. Bibelzitate tauchen dabei relativ häufig auf (wie zum Beispiel die berühmten "Lilien auf dem Felde"), allerdings sind sie nicht als solche gekennzeichnet. Andere Stellen scheinen direkt dem Talmud oder dem Koran entnommen; auch diverse Dichter werden eingebaut. Ich meine, Hafis oder Rumi erkannt zu haben. Zusätzlich verwendet Coelho noch Anklänge aus anderen spirituellen Traditionen. Buddhistisches Gedankengut, sowie einige Zen-Koans, stehen dabei im Vordergrund. Und in den ersten Kapiteln, die sich vorwiegend mit dem Thema "Kampf" beschäftigen, meine ich, die Bhagavadgita wiederzufinden - denn dort preist ja ebenfalls der Gott Krishna den Kampf und den Mut.

Aber soll man das alles nun gut finden? Ich weiß einfach nicht. Mir persönlich ist das alles viel zu sehr "Süppchen", bedingt durch eine fehlende Rahmenhandlung, und dadurch schwierige Einordnung. Mir hätte das Buch wesentlich besser gefallen, wenn die persönliche Geschichte des ominösen Ich-Erzählers aus der Rahmenhandlung fortgeführt worden wäre. Und wenn die Quellen vom Autor angegeben worden wären - wenigstens in einem Anhang. So aber kann ich das ganze Buch leider nicht recht ernst nehmen.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.01.2013 14:14:17 GMT+01:00
michael f-g meint:
Ich habe das Buch gerade heute Morgen (10. Januar) zu Ende gebracht, was nicht sonderlich schwer gewesen ist, da es trotz 184 Seiten Umfang nur Lesestoff für 3 - 4 Stunden bietet. O. a. Kritik spricht mir aus der Seele: Auch ich bin durchaus der Arbeit des Herrn Coelho gewogen, würde ihn nie als "Esoterik-Kasper" abtun, doch seine wahre Stärke ist es, wenn er spirituell-humane Botschaften in stringent erzählte Geschichten integriert, für mich am Gelungensten in "Der Sieger bleibt allein". Das ist beim aktuellen Werk, das nahezu ohne Handlungsfaden auskommt, nicht der Fall - und so schwankt die Qualität der erzählten Anekdoten zwischen beseelten Weisheiten und banalen Kalendersprüchen. Darauf sollte der Leser/die Leserin gefasst sein. Manch einem reicht das; mir allerdings reicht das nur bedingt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.03.2013 12:01:06 GMT+01:00
Shanna C.J. meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.04.2013 14:53:19 GMT+02:00
Andale meint:
Also nur weil man sich nicht von Poesie-Alben-Weisheiten und Kalendersprüchen benebeln lässt, muss man ja nicht gleich zum "Krimi" greifen - wobei ich auch nicht recht nachvollziehen kann, weshalb Shanna dieses Genre in Anführungszeichen setzt, um damit die mindere Qualität ausdrücken zu wollen. Gibt sicher ganz gutgeschriebene krimis, aber da kenn ich mich nicht mit aus.

Ich muss an Coelho lassen, dass die träumerisch-bildlichen immer wieder auftauchenden Aphorismen und Besser-Lebenstipps auch Kinder verstehen. Als Lesestoff für den Nachwuchs also gut geeignet finde ich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.04.2013 18:37:16 GMT+02:00
stanislawgrof meint:
Jeder nur halbwegs gut geschriebene Krimi besitzt wesentlich mehr Qualität und Lebensweisheit als die gesammelten Seichtigkeiten eines Coelho.

Veröffentlicht am 26.02.2015 22:01:52 GMT+01:00
serosh meint:
schliesse mich dem vollkommen an. ein echtes süppchen und erinnert wirklich an khalil gibran. gebe aber nicht mal einen stern... schwafel, schwafel...diese weisheiten findet man mittlerweile als kalender, büchlein, apps .... eben "weisheiten aus aller welt" ..
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