Kundenrezension

92 von 101 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gelassenheit auf 472 Seiten, 12. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Buddhistische Psychotherapie. Ein Leitfaden für heilsame Veränderungen. (Broschiert)
In der Einleitung wird die buddhistische Psychotherapie als 'neue Form der Psychotherapie ... mit den ältesten nur denkbaren Wurzeln' bezeichnet. Beides stimmt: Dem Inhalt nach hat sie ja Buddha vor recht langer Zeit erfunden. Die Wendung '"Buddhistische Psychotherapie"' ist aber neueren Datums; es handelt sich um eine Markenbezeichnung, für die der Autor, der deutsche Psychotherapeut Dr. Matthias Ennenbach, das Copyright beansprucht; er unterhält eine Website mit dieser Bezeichnung und bietet darauf Behandlungen bzw. Therapien, Vorträge, Kurse und Seminare an.
Das Buch umfasst 22 Kapitel. Die konkreteren Übungen, Maßnahmen und Techniken, die der Leser aufgrund des Buchtitels vielleicht erwarten mag, werden erst im 19. Kapitel auf insgesamt 64 Seiten dargestellt. Das beträchtliche Gesamtvolumen von 472 Seiten entsteht einerseits durch die breite Darstellung zentraler Aspekte der buddhistischen Weltanschauung. Es erklärt sich andererseits durch den sehr auf Verständlichkeit bedachten Stil. Die dadurch bedingte geringe Informationsdichte werden Leserinnen und Leser, die keine Vorkenntnisse besitzen, als wohltuend empfinden. Menschen, die mit dem Buddhismus und/oder der klinischen Psychologie vertraut sind, könnten den Text als langatmig und redundant empfinden.
Als Adressaten werden am Klappentext einerseits Menschen genannt, 'die psychotherapeutisch oder beratend tätig sind', und andererseits alle anderen, 'die sich für Psychotherapie, Buddhismus oder ganz allgemein für das menschliche Funktionieren und Weiterentwickeln interessieren'. Eine dritte Gruppe wird erst in der Einleitung erwähnt, dort aber gleich am Anfang: Menschen, 'die sich Hilfe und Inspiration erhoffen', also auch Menschen mit erheblichem Leidensdruck, die mehr oder weniger dringend einer psychotherapeutischen Unterstützung bedürfen, und häufig über Jahre hinweg Ratgeberliteratur konsultieren, weil diese niederschwelliger ist als der Gang zum Therapeuten.
Klinische Psychologen und Psychotherapeuten werden anhand des Werkes rasch erkennen, dass und warum die buddhistische Weltanschauung psychisch stabilisierend zu wirken vermag. Ob diese Zielgruppe dafür auf ein Werk dieses Umfangs zugreifen muss, ist eine andere Frage - zumal der Autor weitgehend darauf verzichtet, systematische Vergleiche mit den Grundkonzepten und Herangehensweise etablierter psychotherapeutischer Schulen anzustellen.
Für Leserinnen und Leser, die sich im breiten und komplexen Themenfeld Buddhismus orientierten möchten, bietet das Buch eine erste gut verständliche Einführung. Speziell für diese Zielgruppe bleiben die abschließenden Hinweise auf weiterführende Literatur aber wohl zu knapp und leider unkommentiert. Auch der Auswahlgesichtspunkt ist unklar. So kann man fragen, ob der Amerikaner Jack Kornfield, den Ennenbach häufig zitiert, für jene eine gute Quelle darstellt, die sich wirklich für Quellen und nicht für das interessieren, was der amerikanische Westen aus ihnen gemacht hat. Sehr problematisch ist, dass Ennenbach nicht deutlich macht, wo genau sein Standpunkt zu verorten ist - immerhin ist "die" buddhistische Linie breit genug, um darauf herumzutorkeln. Man weiß nur, worauf genau man sich einlässt, wenn die jeweiligen Traditionen und Schulen genauer benannt werden; das aber will der Autor den Leserinnen und Lesern offenbar nicht zumuten.
Für Menschen, die Hilfe suchen, ist das Buch nicht besser oder schlechter als die vielen anderen Ratgeber auch, die sich in den Buchhandlungen türmen. Die Lektüre lädt zum Nachdenken ein, sie kann helfen, mit neuer Perspektive an alte Fragen heranzugehen, und sie macht Mut, Neues zu erproben - wenn und nur wenn noch genügend Kraft da ist, und wenn und nur wenn der Leser das Lesen nicht als Ersatz für das Leben nimmt.
Das vielleicht Schönste an diesem Werk ist: Es ist, trotzdem oder gerade weil es vom Leiden handelt und auf dessen Unvermeidlichkeit hinweist, ein durch und durch positives Buch. Da hätte es der Kunstgriffe, mit denen der Autor den Ausführungen noch mehr Autorität zu geben versucht, gar nicht bedurft: Dass die Darlegungen und überhaupt der ganze Buddhismus 'wissenschaftlich' und 'exakt' sind, mag man eigentlich nicht dauernd lesen, sondern bestenfalls - sofern das überhaupt wichtig sein sollte - selber merken.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.03.2012 03:07:03 GMT+01:00
Ambi Valente meint:
Eine sehr deutliche und aussagekräftige Rezension. Ein Produkt gewinnt für mich an Glaubwürdigkeit, wenn sich unter auffallend vielen positiven Beurteilungen auch nachvollziehbare Kritikpunkte finden. Dadurch ist Ihre Bewertung eine sehr gute Entscheidungshilfe. Danke!

Veröffentlicht am 09.04.2012 07:02:16 GMT+02:00
Klaus Wiegand meint:
Eine gute und aussagekräftige Rezension, die wirklich notwendig ist, weil das besprochene Buch (leider) wirklich nicht hält, was es verspricht. Das ist sehr schade für die Materie, um die es geht, und für die Menschen, die sich eine umfassende Lösung von inneren Problemen erhoffen. Habe diese Rezension erst gelesen, nachdem ich meine eigene Rezension verfasst hatte und hätte sie mir vielleicht auch sparen können. Vielen Dank.

Veröffentlicht am 14.08.2012 16:05:31 GMT+02:00
Anton Berger meint:
sehr gut geschrieben! Danke! Ich würde Ihre Rezension mit 5 Sternchen bewerten...

Veröffentlicht am 02.02.2013 18:59:33 GMT+01:00
F. Andreas meint:
Mich verwundern die vielen positiven Bewertungen nicht. Ich hatte kurz nach dem Erscheinen des Buches eine Emailanfrage an den Autor gestellt. Einige Monate später erhielt ich eine weitere Email mit dem Hinweis, dass man für dieses Buch bei Amazon positive Bewertungen schreiben solle.

Originaltext:
" es gibt ein Angebot:
Sie erhalten zukünftig meine Neuerscheinungen kostenfrei zugesendet. (Bis April 2013 sind das mindestens noch 3 Bücher).
Dafür müssten Sie bei Amazon für mein Buch „Buddhistische Psychotherapie“ (und wenn Sie mögen, auch für das „Praxisbuch“) eine kurze (nur ein oder zwei Sätze) positive Rezension schreiben.
Damit würden Sie mir und der Buddhistischen Psychotherapie helfen.
Ganz herzlichen Dank im Voraus.
Liebe Grüße..."

Ich fand das sehr schade, weil es zeigt, dass auch Menschen mit buddh.Hintergrund fragwürdige Methoden benutzen um schneller ihre Ziele zu erreichen.
Vielleicht aber ist dies aber auch ganz legitim, denn es geht ja auch darum verzweifelten Menschen eine Hilfestellung zu geben.
Letztlich aber wird nur der Autor selber wissen aus welcher Motivation heraus er dies getan hat. Das entzieht sich wohl unserer Kenntnis.
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