Kundenrezension

1.0 von 5 Sternen Eine wunderbare Dokumentation, aber mit einem sehr großen Schönheitsfehler!, 18. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Lemmy - The Movie [Blu-ray] (Blu-ray)
Über Lemmy braucht man, glaube ich, nicht mehr viel zu sagen. Er ist eine Kultfigur, der Inbegriff des Rock'n Rolls, 1000mal totgesagt, nur selten wirklich krank, bei einem Lebensstil, bei dem andere ins Gras gebissen hätten. Er IST Motörhead und er IST Rock'n Roll, und Motörhead IST er. Moment, den letzten Punkt versuchen zwar auch die Macher dieses Filmes zu vermitteln, aber ob man das so stehen lassen kann, darauf komme ich später noch einmal zu sprechen.
Fakt ist auf jeden Fall: dieser Film handelt NICHT von dem Leben eines Rockstars, der in 5-Sterne-Hotels übernachtet, auf dem roten Teppich sich abblitzen lässt, ständig auf Parties ist und sich in Limousinen herumfahren lässt. Im Gegenteil - dieser Film zeigt auf eine sehr unterhaltsame und sympathische Weise, wie man trotz eines millionenschweren Erbes für die Musik ein immer noch beschauliches und einfaches Leben führen, dieses aber auf eine viel intensivere Weise genießen kann als bei vermeintlichen Stars (wie es bei den Rolling Stones, Aerosmith, Ozzy Osbourne o.ä. der Fall ist). Lemmy hat kein freistehendes Einfamilienhaus mit Einbauküche, eine feste Beziehung oder gar so etwas wie eine Familie. Er lebt alleine in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, sammelt Plattenauszeichnungen seiner Band, sowie Orden, Medaillen, Dolche aus Kriegszeiten, vornehmlich solche aus dem 3. Reich. In seiner Freizeit verbringt er Zeit im Rainbow, trinkt Jim Bean mit Cola und spielt an Glücksspielautomaten herum. Dazu kommt seine lockere Beziehung zu seinem Sohn, den er aber nicht eigenhändig großziehen konnte, sein gutes Verhältnis zu Frauen, geprägt durch die Erziehung seiner Mutter und Großmutter, die von seinem Vater sitzen gelassen worden sind und erkennbar an den zahlreichen Liebschaften, die er in seiner Musikkarriere gehabt hatte - und selbst aus diesen Beziehungen macht Lemmy in dem Film keinen großen Hehl und hängt es, wie es andere Musiker machen würden und damit ihre Anerkennung und Selbstbestätigung zu demonstrieren, nicht an die große Glocke. Auch, wenn man über die eine oder andere seiner Vorlieben streiten kann, muss man hier attestieren, dass er zu jeder Sekunde ehrlich und niemals abgehoben rüberkommen ist. Hier können sich die Macher des Filmes auf die Schulter klopfen, eine wirklich gute Dokumentation gemacht zu haben, die ohne große Effekthascherei und unverfälscht zeigt, wie man, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die harte und ehrliche Meinung anderen ins Gesicht sagen, dabei aber respektvoll und freundlich sein kann. Und vor allem zeigen sie eines: dass Lemmy trotz seines musikalischen Schaffens und seines Kultstatus am Ende des Tages ein Mensch aus Fleisch und Blut ist mit Fehlern, zu denen er auch steht - nur tickt er eben ein bisschen anders. Und vor allem hat er immer das gemacht, wozu er Lust gehabt hatte, ohne sich zu sehr von den Meinungen anderer beeinflussen zu lassen oder sich anbiedern zu müssen. Das sieht man alleine daran, dass Motörhead eine der wenigen Hard'n-Heavy-Gruppen sind (die sich in den 70er Jahren gegründet haben), die auch Mitte-Ende der 80er Jahre unbeirrbar ihr Ding durchgezogen und die Fangemeinde mit knallhartem Rock'n Roll beglückt haben - während viele andere sich dem amerikanischem Markt angebiedert haben, versuchten, in Richtung Hair-Metal/Glam Rock á la Bon Jovi zu gehen und dabei grandios gescheitert sind. Dieser Status von Motörhead und Lemmy wird in dem Film auch von zahlreichen Musikern, Crew-Leuten, Produzenten, Freundinnen und und und unterstrichen. Die meisten dieser Personen sind mit ihm schon seit über 30 Jahren befreundet und viele davon nennen Motörhead als wichtigen musikalischen Einfluss und Lemmy eine Inspiration als Persönlichkeit.

Doch soviel Mühe sich die Filmemacher gegeben haben, wieviel Arbeit sie auch in diese Dokumentation gesteckt haben, haben sie eine wichtige Person nur am Rande behandelt, obwohl sie zu allem, was ich bis jetzt positiv erläutert habe, zwangsläufig immer mit verantwortlich gewesen ist: die Rede ist von Phil Campbell.

Und damit komme ich wieder zu der Frage vom Anfang: Ist Motörhead deshalb zwangsläufig Lemmy? Die Antwort ist für mich ein klares "Nein". Das wird sicherlich viele Motörhead-Fans verärgern, aber es ist immerhin meine Einschätzung zu dem Geschehen. Ich bin seit acht Jahren Motörhead-Fan, habe die Gruppe schon zwei Mal gesehen, und ohne dabei den Kultstatus von Lemmy als Musiker und Persönlichkeit klein reden und alle Fans, die auf der Show "Lemmy" schreien, schmälern zu wollen, ist es doch das Gitarrenspiel von Phil Campbell, das ein wichtiger Grundpfeiler für die Band seit über 30 Jahren ist (so wie das Gitarrenspiel von Dimebag Darrell [R.I.P.] für Pantera ihr wichtigster Grundpfeiler war). Für mich ist Phil Campbell die eigentliche Kultfigur und DER Mann bei Motörhead, die treibende Kraft der Band und ohne ihn würden Motörhead vielleicht nicht mehr existieren. Hand aufs Herz, welcher Musiker kann schon von sich behaupten, die Musik seiner Band in so einem langen Zeitraum immer bereichert zu haben, dabei aber niemals im Rampenlicht gestanden und dazu noch den komplett gegenteiligen Lebensstil seines Mitmusikers (normales Familienleben mit langjähriger Ehe und keinem Alkoholkonsum), der hier tatsächlich die größte Alkohol- und Drogenvernichtungsmaschine aller Zeiten ist, geführt zu haben? Klar, es ist ein Film über Lemmy, aber ich bin mir sicher, dass es alle oben genannten Geschehnisse, die Lemmy zur Kultfigur gemacht haben, ohne die Einwirkung von Phil in dieser Form nicht gegeben hätte. Phil hat Lemmy zur Kultfigur gemacht, die er heute ist, denn ohne ihn wären alle Platten nach "Another Perfect Day" niemals so gut geworden und ohne ihn wären die neueren Platten nie so gut ausgefallen. Vermutlich hätten Motörhead mit wechselnden Gitarristen bis heute damit zu kämpfen gehabt, dass ihr neues Album möglichst nahe an die Klasse ihrer früheren Alben herankommt. Dass Bands wie AC/DC, Saxon oder Black Sabbath die mehr als verdiente Popularität und den Kultstatus genießen, den die Gruppen bis heute ausmacht, ist ja auch in erster Linie auf Angus Young, Paul Quinn und Tony Iommi zurückführen, die den Kultstatus ihrer Frontmänner Brian Johnson, Biff Byford oder Ozzy Osbourne geebnet haben, während Leute wie Glenn Danzig, Bobby Liebling (Pentagram), Tom Angelripper (Sodom) der lebende Beweis dafür sind, wie Kultfiguren ihren eigenen Status zerstören können, weil kein Gitarrist lange in der Gruppe bleiben kann und ihre neuen Alben immer Wackelkandidaten sind, die mit den alten Klassikeralben verglichen werden müssen (das soll jetzt aber keine negative Bewertung über die Musiker sein, die mit den Gitarristen in einer Band spielen, denn es gibt so viele Faktoren, die für eine langjährige Zusammenarbeit verantwortlich sind und von denen ich keine Ahnung habe). Für mich hat Phil Campbell dementsprechend einen Status als Musiker, dessen Einfluss auf Motörhead und Lemmy als Persönlichkeit nicht hoch genug einzuschätzen ist (Und jetzt soll mir niemand damit kommen, dass er kein Gründungsmitglied von Motörhead ist! Mann, er ist acht Jahre nach der Gründung dazugekommen, und diese liegt immerhin schon fast 40 Jahre zurück). Und deshalb bekommt der Film von mir nur einen Stern, weil es absolut inakzeptabel ist, wie der Mann in diesem Film zusammen mit Mickey Dee zum Statisten verkommt und behandelt wird, als wäre er für die Musikgeschichte total unwichtig. Eine Person, die an dem schwer erarbeiteten Erfolg einer legendären Band maßgeblich mitbeteiligt ist und diese nur in einer kurzen Stelle gezeigt wird, wie sie sich Family Guy anschaut, hätte in so einem Film deutlich mehr zu Wort kommen müssen, bzw. die anderen Musiker hätten nicht nur über Lemmy, sondern auch über ihn reden müssen. Andernfalls kommt es so rüber, als ob Lemmy's Bandkollegen bewusst wenig Spielraum in diesem Film bekommen, damit sie keine Möglichkeit bekommen, etwas negatives über den Bandboss zu erzählen. Deshalb kann ich es auch voll und ganz verstehen, wenn Phil Campbell darüber verärgert ist, dass er nur in dieser einen Stelle gezeigt wird. Da hätte man deutlich mehr rausholen können, zumal er als der langlebigste Begleiter von Lemmy sicherlich einiges über ihn hätte erzählen können. Wenn die Filmemacher wenigstens gesagt hätten: "Keine Sorge, er kommt in diesem Film nicht so viel zu Wort, dafür werden wir aber noch eine Dokumentation über ihn drehen, wo er die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient hat"... Aber nicht mal das ist Fall und die Filmemacher sehen ja auch nicht ein, dass sie damit einen großen Fehler gemacht haben (der Erfolg gibt ihnen ja auch Recht), bekommt der Film von mir nur zwei Sterne: einen, weil der Film wirklich unterhaltsam ist, den anderen für Lemmy, weil er nun einmal Lemmy ist. Abzüglich der fehlenden sieben Minuten über Lemmys Vorliebe für Nazi-Devotionalien und fehlender Untertitel auf der Bonus-DVD bleibt somit nur noch ein Stern. Schade, da hätte man wirklich mehr draus machen können :(
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.07.2014 23:01:56 GMT+02:00
G. Zilling meint:
Du solltest als Ergänzung "White Line Fever" lesen. Im Buch kommt sehr wohl rüber, wie die Arbeit, das Können von Phil Campbell von Lemmy geschätzt wird, ebenso auch die Wertschätzung für Mickey Dee. Als weiteres möchte ich Dir "Stage Fright" empfehlen, auf der Bonus DVD kommt die Roadcrew zu Wort! Ich denke mir alles zusammen ergibt ein rundes Bild.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

3.3 von 5 Sternen (9 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (4)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:
 (2)
 
 
 
EUR 19,99
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Ort: Mainz, Rheinland-Pfalz

Top-Rezensenten Rang: 4.291.205