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Rezension bezieht sich auf: Über die Kriegskunst: Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft (Gebundene Ausgabe)
Zweifellos können viele der Ratschläge Sun Tsus nicht mehr wörtlich genommen, sondern müssen in unsere Zeit "übersetzt" werden, auch wenn seine Leitsätze sicherlich nicht in grundsätzlichem Widerspruch zu heutiger (militärischer) Taktiklehre stehen. Sun Tsu kann -in positiver Sichtweise- als Ratgeber für den bestmöglichen Einsatz der eigenen Kräfte und für das effiziente Haushalten mit den eigenen Mitteln verstanden werden.Mit Moral aber haben die Gedanken Sun Tsus ausdrücklich kaum etwas zu tun: Es geht ihm darum, mit eben allen zur Verfügung stehenden Mitteln den "Sieg" zu erreichen. Als höchste Kunst erscheint ihm explizit diejenige des Täuschens und Betrügens, um zum Ziel, zum "Sieg" zu gelangen. Dies aber ist doch eine sehr punktuelle Sicht der Dinge, genauer gesagt, eine Weltsicht, die in der Gefahr steht, sich auf Skrupellosigkeit zu reduzieren: Der Zweck ("der Sieg") heiligt jedes Mittel, jede Hinterhältigkeit, jede Rücksichtslosigkeit, jede Brutalität. Das aber hat der Weltgeschichte schon mehrmals nicht besonders gut getan. Der (militärische) "Sieg" hat bei Sun Tsu den Anklang einer Ersatzreligion. Aber verdient es Sun Tsu deshalb schon, zum Philosophen geadelt zu werden? Das Frösteln im Angesicht seiner brutalstmöglichen Eiseskälte ist wohl nicht als Reflex auf die "Liebe zur Weisheit" zur verstehen... Und was sich bei ihm zunächst einmal in rein militärischer Dimension zeigt, findet sich 2500 Jahre später in anderen Ersatzreligionen wieder - etwa in der glaubensartigen Verehrung des (mikroökonomischen) Quartalsergebnisses, welches häufig genug im Zentrum allen Denkens und Strebens steht und ebenso mit allen Finessen verfolgt wird, selten jedoch mit den Mitteln irgendeiner Moral. Die wahren "Feinde" des Gemeinwesens sind auf Dauer diejenigen morallosen Technokraten, in deren merkwürdig verengtem, tunnelartigem Denken zuletzt jedes Mittel zur Zielerreichung recht ist. Diesen Technokraten, die im Zeichen ihrer vermeintlich absoluten Weisheiten die von ihnen Abhängigen unterdrücken, gehört ein straffes Zaumzeug eines moralischen Wertekanons angelegt. Dann fehlte ihnen auch nicht in so peinlicher Weise jeglicher Anschein einer ethischen Kinderstube, deren Nichtvorhandensein sie übrigens in keiner Weise derangiert, während sie sich wohlgefällig -"altrömisch-dekadent"- in ihren Machtpositionen suhlen. Heil dir, oh du clevere, du kaltschnäutzige, du brutalstmögliche Skrupellosigkeit. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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