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Kundenrezension

20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Dilemma der rationalisierenden Mythenkritik, 1. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Einhorn, Phönix, Drache: Woher unsere Fabeltiere kommen (Sachbuch (allgemein)) (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist recht originell und enthält viele interessante Details. In einem zentralen Punkt war ich aber so überrascht und erstaunt, dass ich erst nicht sicher war, ob es sich bei dem Ganzen nicht um eine Wissenschaftsparodie handelt. Aber Herr Reichholf scheint alles ernst zu meinen und liefert in lupenreiner Form das, was man in den historischen Wissenschaften "rationalisierende Mythenkritik" nennt. Ein Verfahren, das schon seit Jahrzehnten als Irrweg, zumindest aber als sehr problematisch betrachtet wird.
Rationalisierende Mythenkritik funktioniert so: Man nimmt z. B. die Geschichte vom Rotkäppchen, schaut sich die darin erzählten Fakten an und sagt sich dann: Sprechende Wölfe gibt es nicht - also war der Wolf kein Wolf, sondern ein Mensch, wahrscheinlich ein Räuber. Ein Wolf kann auch keine Menschen verschlingen, die dann weiterleben. Also war es wohl so, dass der Räuber die Großmutter und Rotkäppchen nicht gefressen, sondern in den Keller gesperrt hat. Alles andere ist aber reale und wirklich so passiert! Oder, anders formuliert: Wenn ich einfach alles, was mir nicht realistisch erscheint weglasse oder nach meinem Gutdünken solange umdeute, bis es plausibel erscheint, bleibt die pure Realität und die letzte Wahrheit übrig, die Naturwissenschafter ja so gern haben!
Am Beispiel Rotkäppchen kann man gut nachvollziehen, dass das so einfach nicht funktioniert - und wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, wird man auch einsehen, dass diese Technik auch bei der Hydra des Herakles, Phönix, Einhorn & Co. nicht wirklich zielführend sein kann, weil dabei viel zu viel außer Acht gelassen wird; vor allem die menschliche Fantasie und Kreativität, die Lust am Fabulieren und am Erschaffen von Gegen- und Anderswelten, tiefenpsychologische Momente u. a. m.
Für mich ist das Buch auch deshalb Interessant, weil es ein schönes Beispiel dafür ist, was rauskommt, wenn sich - in ihrem Fachbereich sicher gute und verdienstvolle - Naturwissenschafter auf ein anderes Fachgebiet begeben, sich dabei aber nicht ganz mit dem dort verwendeten Handwerkszeug vertraut gemacht haben; im konkreten Fall mit den bei Historikern üblichen quellenkritischen Verfahren, die auch das jeweilige kulturelle, gesellschaftliche und ideengeschichtliche Umfeld und die vorangegangenen literarischen Traditionen einbeziehen, in denen Texte entstanden sind.
Für alle, die mehr über das Wesen der rationalisierenden Mythenkritik erfahren wollen, ist die aufschlussreiche und amüsante zweisprachige Reclam-Ausgabe des Werkes "Unglaubliche Geschichten" des griechischen Schriftstellers Palaiphatos zu empfehlen. Palaiphatos hat die griechischen Sagen und Mythen genau nach diesem vordergründig rationalen Denkmuster zerpflückt" und wird dabei mehr als einmal unfreiwillig komisch. Ihm muss man allerdings zugute halten, dass er sein Werk im 4. Jahrhundert v. Chr. veröffentlicht hat, und nicht 2012!
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.06.2012 13:17:37 GMT+02:00
Nina R. meint:
Großartige Kritik an dem leider mitunter etwas beschränkten, sich daber aber ständig im Recht wähnenden Denken der Naturwissenschafter, die obendrein für sich als einzige in Anspruch nehmen, richtige Wissenschafter zu sein. :-)
Sig.: Eine geplagte Chemietechnikerin ohne Scheuklappen.

Veröffentlicht am 13.09.2014 13:09:56 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.09.2014 13:11:36 GMT+02:00
Filk Frog meint:
Man könnte die Sache auch ganz anders sehen:
Da ist der Geisteswissenschaftler, dem u.U. hinreichendes Wissen aus den Natur- und Ingenieurswissenschaften fehlt, da er entsprechende Fächer, so möglich, bereits auf dem Gymnasium abgewählt hat.
Er sucht in allem erst einmal die Symbolik, denn so hat man es ihm ja im Studium beigebracht.
Naturwissenschaftliche und technische Bezüge schiebt er zur Seite, sofern er sie überhaupt als solche erkennt.

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