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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die unwiderstehliche Schönheit der Bewegung, 27. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Faszination Federer. Die Anatomie der Perfektion (Broschiert)
Er ist ein Tennisspieler, wie es ihn noch nie gegeben hat: Roger Federer, Sohn eines Schweizers und einer Südafrikanerin. Alle Rekorde hat er gebrochen, andere bekannte Tennisstars in den Schatten gestellt und sich weltweit in die Herzen der Fans gespielt. 70 Turniersiege gehen auf sein Konto, 16 davon Grand Slams. Er siegte fünf Mal hintereinander in Wimbledon (2003-2007; außerdem 2009) und ebenso oft bei den US Open (2004-2008). Ein Ende seiner Erfolgssträhne ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil! Kein Wunder also, dass der sympathische Schweizer bereits viermal zum Weltsportler des Jahres gewählt wurde.

Dass ausgerechnet der Journalist Dominque Eigenmann sich einmal für Tennis begeistern würde, schien allerdings unwahrscheinlich. Schon als Kind war er zwar überaus sportbegeistert und studierte akribisch regelmäßig die Sportteile diverser Tageszeitungen. Dazu genoss er es, auch selbst körperlich aktiv zu sein, sich zu bewegen. Und er probierte alles aus, manches ernsthaft und mit professioneller Hingabe, anderes nur zum Spaß. So war er als Junge auf dem Fußballfeld genauso zu finden wie auf der Skipiste, betrieb Leichtathletik im Verein, versuchte sich in Karate, spielte Badminton und Squash und alles, wozu er sonst Lust verspürte. Alles. Außer Tennis. Aus irgendeinem Grund besaß diese Sportart nur eine geringe Anziehungskraft für den sonst so sportbegeisterten Eigenmann.

Bald verbanden sich die Begeisterung für die unterschiedlichsten Sportarten und die Liebe zum geschriebenen Wort. Als ihm die Möglichkeit geboten wurde, journalistisch tätig zu werden, zögerte er nicht; er ergriff seine Chance.

Doch bis heute ist es nicht Tennis als Sport an sich, der ihn beeindruckt. Es ist Roger Federer. Es ist die Schönheit, ja, die grenzenlose Ästhetik, die in seinen Bewegungen zum Ausdruck kommt. Er ist ein starker, ein kreativer Spieler, der in Sekundenbruchteilen reagiert. Das scheinbar Unmögliche macht er möglich. Dabei gehört er zu den wenigen Tennisspielern, die die einhändige Rückhand spielen. Starallüren scheint er nicht zu kennen. Er lässt das Publikum seine Enttäuschung bei Niederlagen genauso sehen wie seine unbändige Freude bei Siegen.

Eigenmann versucht in Worte zu fassen, worin für ihn die Unwiderstehlichkeit dieses Sportlers besteht. Es ist mehr als Bewunderung, mehr als Hingabe, auf jeden Fall mehr als Begeisterung. Es ist "eine unbeschwerte und leichtfüßige Liebe", ein "Zustand fast wie im Traum. Federers Unantastbarkeit zog mich unwiderstehlich an, zumal sein Siegen spielerisch leicht und schillernd schön auftrat in einer Art, die mich verblüffte und zu Tränen rührte" (S. 29).

Wesentliche Spielzüge besonderer Turniere lässt er gekonnt wieder aufleben. Wenn er von "Federer-Momenten" berichtet, dann ist es mitreißend, bewegend, atemberaubend. Gerade so, als lausche man einem Live-Reporter.

Auch als der Tennis-Profi durch Niederlagen geht, hält Eigenmann ihm die Treue. Ihm wird bewusst, dass ein Fan immer Spielball zweier extremer innerer Zustände ist: grenzenloser Euphorie bei Siegen und quälender Paranoia angesichts der Möglichkeit einer Niederlage. Und er kommt zu dem Ergebnis, dass es sechs Tugenden sind, die die Faszination an Federer für ihn ausmachen. Jeder widmet er einen Abschnitt: Souveränität, Leidenschaft, Kreativität, Treue, Unbeugsamkeit und Leichtigkeit.

Ich bin kein Tennis-Fan. Natürlich habe ich den Aufstieg von Boris Becker und Steffi Graf zu Tennisprofis mitverfolgt. Das gehörte einfach dazu. Doch sonderlich anziehend fand ich beide nicht. Tennislegende Martina Navratilova beeindruckte mich tief, allerdings vor allem aufgrund ihres Mutes, sich als homosexuelle Frau öffentlich zu zeigen. Ihre Spiele habe ich nicht verfolgt. Natürlich habe ich auch die sportlichen Leistungen dieser und anderer professionellen Spielerinnen und Spieler durchaus gewürdigt. Aber der innere Abstand blieb. Es reichte nicht aus, um echte Begeisterung zu spüren. Das Fan-Gefühl stellte sich nicht ein. Es war und ist einfach nicht meine Sportart.

Trotzdem erliege auch ich - dank Dominique Eigenmann, der meinen Blick dafür geschärft hat - ein Stück weit der Faszination Federers. Ich erwische mich dabei, wie ich auf YouTube bestimmte Ballwechsel immer wieder ansehe. Ganz konzentriert, ganz versunken.

Es scheint, als würde er schweben, federleicht, leichtfüßig, tänzelnd, immer in Bewegung. Ein besseres Coverbild hätte für dieses Buch nicht gewählt werden können. Elegant, stilvoll fängt es eben jene Perfektion in all ihrer Ästhetik ein.

Federer ist faszinierend. Mindestens ebenso faszinierend ist jedoch Eigenmanns Art des Berichtens über sich selbst und seinen Werdegang, sowohl als Sportjournalist als auch als Federer-Fan. Leidenschaft - ein Mensch, der vor Begeisterung brennt - ist etwas ungemein Anziehendes. Der Journalist versteht es in Worte zu fassen, was ihn bewegt, berührt und beeindruckt. Er deckt die Sehnsüchte der Menschen auf und erlaubt einen tiefen Blick unter die Oberfläche.

Er teilt seine tiefe Liebe mit berührender Offenheit und philosophischen Gedanken in hoher sprachlicher Eloquenz. Das reißt mit. Das macht dieses Buch lesenswert. Fans aber auch alle, die gern Biographien lesen oder sich generell für Tennis interessieren, werden an diesem persönlichen Essay ihre Freude haben!
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.03.2012 12:46:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.03.2012 12:51:32 GMT+01:00
Norahel meint:
Frau Hoevermann, Sie haben mir aus dem Herzen "geschrieben". Ich habe das Buch verschlungen und habe so richtig mit Herrn Eigenmann "mitgefühlt. Ich kopiere Ihnen hier einen Link des Films "Spirit of a Champion" und hoffe, Sie können den Film sehen. Viel Vergnügen.....
http://www.internettv.ch/sport/ssf-live/best-of-roger-federer

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.03.2012 16:10:04 GMT+01:00
Hallo Stella Luna,
vielen herzlichen Dank für die liebe Kritik! Es ist schön, dass Sie das Buch auch so gefesselt hat!
Ich hätte den Film gern angeschaut (Danke für den Link!), aber leider ist der Stream aus lizenzrechtlichen Gründen nur in der Schweiz verfügbar...
Viele Grüße von einem Fan an den anderen
M. Hoevermann

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.03.2012 09:34:33 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.03.2012 09:38:17 GMT+01:00
Norahel meint:
Hallo Frau Hoevermann
danke für die Rückantwort. Ich habe es vermutet, das man den Film nur in der Schweiz anschauen kann. Schade, denn er ist genau so "faszinierend" wie das Buch. Ich schicke Ihnen diesen Link, den können Sie garantiert öffnen und sehen den Film hier, oder wenigstens teilweise.

http://www.youtube.com/watch?v=_lLHy7UBLfg

Ich wünsche Ihnen noch viele tolle "Tennisstunden" und grüsse Sie aus dem Tessin.
Renate Pfister
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