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Rationaler Versuch, sich einem fremden Phänomen zu nähern,
14. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Den Bann brechen: Religion als natürliches Phänomen (Gebundene Ausgabe)
Die Lektüre des Buches hinterläßt beim deutschen Leser ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits ist es eine gründliche, sehr gut verständliche Analyse der Phänomens 'Religion' aus der Sicht des rationalen Philosophen (unter denen Dennett zu den besten gehört, was die Darstellung philosophischer Themen anbelangt). Andererseits befremdet die immer wiederkehrende Rechtfertigung, warum diese Analyse überhaupt erfolgt, bzw. erlaubt ist. Natürlich ist dies dem aktuellen amerikanischen Zeitgeist (in der hoch-Zeit der konservativen 'Revolution') geschuldet, worauf Dennett insbesondere nicht-amerikanische Leser aufmerksam macht. Insofern kann man als Europäer ganz nebenbei auch noch ein wenig das Lebensgefühl derjenigen erahnen, die sich als amerikanische Wissenschaftler einem zunehmenden Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sehen, rationales Denken ohne gesellschaftliche, tabuisierende Grenzen zu betreiben.
Allerdings wäre dem Leser wohl mit einer klareren Trennung des zentralen Gegenstandes vom gesellschaftlichen Anliegen besser gedient. Die Analyse an sich stellt eine hervorragende Beschreibung des Phänomens 'Religion' dar, mit einer klaren Begründung welche Funktionen das Phänomen erfüllte und bis heute erfüllt - und wie es sich selbst erhält und fortentwickelt!
Damit gibt es dem Atheisten ein rationales Verständnis dieses Phänomens, welches wesentlich befriedigender das 'Warum' von Religion beantwortet als die oft radikalen Religionsgegner mit ihrer zu einfachen Schwarz-Weiß Sicht der Religion (aber natürlich auch befriedigender als die rationalisierenden Religionsanhänger mit ihrer naiven Weiß-Schwarz Sicht).
Denn eines ist klar: das Buch des Atheisten Dennett, auch wenn es sich explizit auch an weltoffene Religionsanhänger wendet, wird in erster Linie Atheisten ansprechen. Vielleicht den einen oder anderen religiösen Menschen über einzelne Aspekte seiner persönlichen Religion nachdenken lassen, jedoch kaum tiefer gehende Zweifel sähen, so sie nicht schon da sind - zu empfehlen somit vor allem dem unbewussten Atheisten, der sich aufgrund von Erziehung und gesellschaftlichem Kontext noch als religionsverhaftet sieht, tatsächlich aber die genannten Zweifel schon mit sich herumträgt.
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