Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der epochalsten Alben der Rockgeschichte überhaupt, und das definitive Dylan-Album, 11. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Highway 61 Revisited (Audio CD)
Wann genau und mit welcher Platte begann Mitte der Sechziger die neue Pop- und Rockmusik? Wann wurde die 3-Minuten-Grenze bei Pop- und Rocksongs überwunden? Wann wurden Texte implizit mehr als simple Lyrik, meistens Liebesbeziehungen betreffend?

Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind, weil es kein einziges Album zwischen 1965 und 1967 gibt, das man hundertprozentig und alleine so definieren könnte. Die Beatles erschlossen mit "Rubber Soul", "Revolver" und "Sgt. Pepper" in diesen 3 Jahren Neuland, da war 1966 "Pet Sounds" von den Beach Boys bzw. Brian Wilson, im selben Jahr brachte Frank Zappa mit seinen Mothers of Invention das irre Debütalbum "Freak Out!" heraus, 1966 nahmen Velvet Underground ihr erst 1967 veröffentlichtes Debütalbum auf, Jimi Hendrix definierte am stärksten Psychedelic und öffnete allen die Ohren für die Elektronik. Und die Namensliste ließe sich fortsetzen. Klar, dass es darüber verschiedene Theorien geben muss, und meine ist diese, dass Dylans Verdienst unter den hier Genannten einfach der größte ist - und zwar aus folgenden Gründen:

1. warf Dylan mit seinem sechsten Album alle Konventionen über Bord, die bis dahin sowohl für ihn als auch allgemein galten: Seine auf der ersten Seite der (grandiosen und musikalisch meines Erachtens gleichwertigen) "Bringing It All Back Home"-LP bereits klar durchgezogene Folk-Rock-Attacke wurde nun auf fast dem ganzen Album in verschärfter Form fortgeführt. Folkniks durften sich für ihre Geduld belohnt fühlen, wenn sie sich am Schluss der Platte 11 1/2 Minuten "Desolation Row" hineinziehen konnten, aber vom Eröffnungsriff von "Like A Rolling Stone" bis zum Ausklang von "Just Like Tom Thumb's Blues" galt die Devise: Es darf krachen, und zwar ordentlich! "Tombstone Blues", für 1965er-Verhältnisse schon fast Heavy Metal-Punk, "From A Buick 6" und der Titelsong, und die Explosivität von "Like A Rolling Stone" mit einem der genialsten wie epochalsten Riffs der ganzen Rockgeschichte! Stücke, die den lautesten Hammernummern der Who, Kinks, Rolling Stones, Pretty Things und Them näher standen als den Akustikgitarren-Folksongs, die dieser Mann bis einige Monate davor noch ausschließlich gespielt hatte. Die restlichen Songs, das von einem rollenden Piano getragene "It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry", die mittelschnell dahin rollenden, von kräftigen Orgel- und Mundharmonikasoli durchzogenen, ebenfalls Piano-getragenen Songs "Queen Jane Approximately" und "Just Like Tom Thumb's Blues" sowie das einzige langsame, aber durch Al Koopers expressives Orgelspiel eine ungemeine Dynamik erhaltende "Ballad Of A Thin Man" atmen alle den Geist des Rock'n'Roll. Es war Rock, in aller Eindeutigkeit, alleine schon die krachenden Drums sprechen hier eine klare Sprache, und dazu noch Bass, Rhythmusgitarre und Piano als bis dahin so noch nicht gehörtes Soundfundament. Und Mike Bloomfield's kurze, aber explosive Gitarrensoli (und das noch ohne Fuzz-Box, aber ein voll aufgedrehter Amp macht's auch) nicht vergessen.
2. hatte Dylan damit musikalisch etwas erreicht, wo zuvor niemand war, und er hatte bezüglich Texte und Songspielzeiten munter Grenzen überschritten. Das "Highway"-Album ist eine einzige Kompromisslosigkeit, und die vielen, die damals von einem "Ausverkauf" an die "Beatmusik" sprachen, übersahen dabei, dass Dylan hier kommerziell mehr riskierte als jeder prominente Musiker damals: Er hätte bei den Fans der Beatles, Stones und Who durchfallen können, bei den puritanischen Folkniks war er es bereits.
3. ging Dylan hier textlich im Rahmen seiner eigenen Maßstäbe noch einen Schritt weiter, indem er sich vom Protestsong, von dem er sich ab dem zweiten Album davor, "Another Side of Bob Dylan", schon langsam abgewandt hatte, einerseits noch mehr entfernte, andererseits aber den Außenseiterthemen und der kritischen Weltbetrachtung treu blieb. So wie bei "Ballad Of A Thin Man" war lyrisch noch niemand zuvor in der Musikszene mit bestimmten Journalisten umgegangen, "Like A Rolling Stone" nimmt es substanziell mit jedem Ethikkatalog auf, megalange Metaphernketten in "Tombstone Blues" und "Desolation Row" und offensichtlich Autobiografisches in "Just Like Tom Thumb's Blues" und noch viel mehr - über die Songtexte alleine dieses Albums ließe sich wohl ein Buch schreiben.

Diese LP veränderte im Sommer 1965 nicht nur Dylans Karriere und Musik, sondern die ganze Musikszene mit. Sie war wie ein Signal, das in etwa so lauten konnte: "Jetzt kannst du dir musikalisch alles leisten - nimm es auf und veröffentliche es!" Was auch geschah, siehe oben in der Erwähnung anderer Alben und Namen.

Für mich ist dieses Album das definitive Dylan-Album, aus den erwähnten Gründen, wenngleich ich "Bringing ..." und "Blonde On Blonde", also die jeweilige Vorgänger- und Nachfolger-Platte, musikalisch genauso gut finde. Und noch eine Reihe weiterer 5-Sterne-Alben gibt es für mich, ob "Freewheelin'" aus 1963 oder "Time Out Of Mind" von 1997, um nur zwei zu nennen. "Highway 61 Revisited" ist mein absolutes All-Time-Album, auf Platz 1 meiner persönlichen Liste. Gut für Amazon, dass das Sternenlimit bei 5 endet, wer weiß, was Rezensenten wie ich in diesem Fall machen würden, wenn eine beliebig hohe Zahl erlaubt wäre ...
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