Kundenrezension

33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wundervoll, aber diese Synchronisation!, 30. Januar 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Charlotte Brontes Jane Eyre (2 Disc Set) (DVD)
Wie üblich habe ich mir den Film im Original angesehen, und ich fand ihn zauberhaft. Nach einer halben Stunde jedoch wurde ich neugierig, wie wohl die von der deutschen Synchronisationsfirma ausgesuchten Stimmen klingen mögen. Also habe ich in dem Dialog, als gerade die Attraktivität Mr Rochesters erörtert wurde, in die deutsche Tonlage gewechselt. Und wie entsetzt ich war! Mr Rochester klingt ungefähr fünfzehn Jahre älter als er aussieht. Schlimmer noch, er klingt so handzahm, als ob er eben nicht der herrische Dienstherr aus dem Werke Bronte's ist, sondern vielmehr ein Mann, der alle Leidenschaft verloren hat, wenn er sie denn jemals gefühlt haben sollte. Jane's Stimme, im Original ruhig, recht tief und beherrscht, überschlägt sich beinahe. Und dass alles so klang - egal ob drinnen oder draußen - als ob die Sprecher eng in einem Raum zusammengefercht mehr schlecht als recht einen Film synchronisieren sollten, hat nicht gerade zur Besserung beigetragen. Dass ein Film, der so gravierend von seinen Dialogen lebt, dermaßen schlecht vertont wird, ist enttäuschend. Zu der Übersetzung kann ich nicht viel sagen, denn ertragen hätte ich die deutsche Fassung wohl nicht lange. Jedoch hatte ich den Eindruck, als wäre der Übersetzer doch recht lieblos an sein Werk gegangen. Was ich gehört habe, wurde so wortwörtlich übersetzt, dass die fehlende Anpassung an die deutsche Sprache fast schon sinnentstellend auf mich wirkte.

Ich habe also weiter das Original gesehen und war von Anfang bis Ende fasziniert. Toby Stephens beherrscht es einzigartig, die Zerrissenheit Mr Rochesters unaufdringlich darzustellen. Ruth Wilson spielt Jane auf eine so unsentimentale, gleichzeitig zurückhaltende und selbstbewusste Art und Weise, die sie, trotz fehlender klassischer Schönheit, extrem anziehend macht. Meiner Meinung nach ist es Susanna White überzeugend gelungen, die Vorlage zeitgemäß zu interpretieren und sie filmisch widerzugeben. Dass es natürlich immer ein größeres Erlebnis ist, das Buch zu lesen, ist eine selten bestrittene Wahrheit. Dass in einer Verfilmung immer Änderungen und Kürzungen getätigt werden müssen, ist auch unbestreitbar. Zwei Änderungen möchte ich hier näher betrachten. Erstens war ich immer der Meinung, dass die Szene, in der Mr Rochester sich als Zigeunerin verkleidet, stark dazu beiträgt, den Charakter Rochesters und Janes und ihre Beziehung zueinander zu verdeutlichen. Sie wurde zwar nicht ganz gestrichen, jedoch war nicht er die Zigeunerin. Dabei hat gerade die Tatsache, dass er sich nicht so ernst zu nehmen scheint, viel zu seiner Sympathie beigetragen. Die zweite Szene ist die, in der Mr Rochester und Jane in der Nacht, in der sie ihn verlassen will, auf dem Bett liegen und sie ihm beinahe nachgibt. Anstatt die Aussage des Buches zu untergraben, unterstreicht es vielmehr die Notwendigkeit einer Flucht. Denn würde sie bleiben, könnte sie nicht widerstehen. Wenn auch nicht originalgetreu, so fügt es sich doch selbstverständlich in die Handlung.

Was die Sexualität betrifft, so erinnere ich mich noch genau, wie sehr ich errötet bin, als ich, die vorher nur Jane Austen kannte, plötzlich Jane Eyre gelesen habe. Natürlich wird alles in einem schicklichen Rahmen angedeutet, aber dass die beiden Hauptdarsteller sich sehr zueinander hingezogen fühlen, dürfte keinem aufmerksamen Leser entgangen sein. Als ich mich jedoch nach dem Film entschloss, noch einmal das Happy End auf deutsch zu sehen, verstehe ich auch, warum man diese Szenen als anstößig, fast schon vulgär empfinden konnte. Die Emotionen, die im Original natürlich, und, soweit dies in einem solchen Fall möglich ist, unschuldig wirkten, wurden durch das Stöhnen der Sprecher auf das Niveau eines mittelschlechten Erotikfilms heruntergedrückt.

Fazit: Wenn man Filme sowieso lieber im Original sieht und Verständnis für gelegentliche Änderungen des Buches aufbringt, so ist diese Verfilmung den Kauf wert. Wenn man jedoch lieber Zeile für Zeile widergegeben sehen möchte, sollte man vielleicht von vornherein das Buch lesen und gänzlich Abstand von Literaturverfilmungen nehmen. Einen inneren Konflikt sind sie einfach nicht wert. Vier Sterne nur deshalb, weil die wenig überzeugende Synchronisation meinen Freund wohl niemals dazu bringen wird, sich einen Kostümfilm im Original anzusehen.
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Kommentare

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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.01.2012 13:00:58 GMT+01:00
Jutta Heller meint:
Stimme vollkommen zu, was die deutsche Vertonung angeht. Grottenschlecht. Die wortwörtliche Übersetzung im (umgekehrten) Stil von "when do I become my steak?" legt die Vermutung nahe, dass man sich keine vernünftige Firma leisten konnte oder wollte, da es sich ja "nur" um einen Fernsehfilm handelte. Es ist wirklich nicht auszuhalten, wenn man das Buch und den Film im Original kennt und erkennt, was in der Übersetzung gemeint aber sowas von falsch übertragen wurde. Das tut einfach weh. - Das Original ist ein Genuss. Wer also den englischen Ton benutzt, kann sich auf den Film freuen!
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