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Kundenrezension

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das nenn ich mal Comeback!, 28. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Pariah's Child (Audio CD)
Ich kenne Sonata Arctica seit ihrem Debut „Ecliptica“. Melodischer Power Metal vom Feinsten, damals noch extrem beeinflusst von Stratovarius. Die Scheibe hat damals eingeschlagen wie eine Bombe und bescherte den damaligen Newcomern aus Finnland super Kritiken. „Silence“ und „Winterhearts Guild“ waren stilistisch größtenteils immer noch pfeilschneller Powermetal aber es kamen schon erste Anzeichen von Veränderungen. Songs wie „The End Of This Chapter“, „Sing In Silence“, „The Power Of One“, „Broken“ und “Gravenimage” unterschieden sich deutlich von den typischen Powermetaltracks. Eingängig waren diese natürlich nach wie vor und konnten mit starken Melodien trumpfen, zeigten aber auch andere Facetten der Finnen. Qualitativ kamen die beiden Alben, trotz überwiegendem Powermeta-Anteil, nicht an „Ecliptica“ ran.

2004 kam dann „Reckoning Night“ auf den Markt. Das erste Album mit deutlich progressiverem Songwriting. Dieses Album machte zwar einige Dinge anders, trotzdem überzeugte es auf ganzer Linie. Sonata entwickelten mehr ihre eigene Note und lösten sich stilistisch immer mehr von ihren Stratovarius-Wurzeln. Songs wie „Misplaced“, „Ain’t Your Fairytale“, „Don’t Say A Word“, „Wildfire” und “White Pearls, Black Oceans” gehören zum stärksten Material was die Band jemals veröffentlicht hat und haben einen ganz eigenen Charakter. Für mich persönlich gehört das Album zusammen mit Ecliptica zu den absoluten Meisterwerken von Sonata Arctica. „Unia“ war 2007 erstmal ein Schlag in die Fresse jedes Fans. Die einzigartige Melodieführung, die Eingängigkeit aber dennoch schlüssig verbaute Progressivität wich komplexen Vocal Arrangements, sperrigem Songwriting und grenzenloser Progressivität. Ja sogar das coole Sonata Arctica Logo wurde anders gestaltet um die Veränderung auch äußerlich darzustellen. Damals war ich darauf einfach nicht vorbereitet und das Album enttäuschte mich auf ganzer Linie. Die Genialität des Albums erschloss sich mir erst einige Jahre später nach unzähligen Durchläufen. Aber es war ein ganz schön harter Brocken. „The Days Of Grays“ blieb verspielt und komplex, fügte allerdings Musicalähnliche Elemente hinzu. Im Gegensatz zu „Unia“ waren die Songs allerdings extrem Lustlos komponiert und versprühten in erster Linie Langeweile. Auch fand ich die damalige Singleauskopplung „Flag In The Ground“ sehr frech gewählt und es schien, als wolle man Fans der alten Sonatas locken das neue Album zu kaufen. „Stones Grow Her Name“ machte die Sache wieder etwas besser und auch wurde die Komplexität etwas runtergefahren. Leider musste man schlimme Experimente wie das Banjo in „Cinderblox“, die künstliche Härte in „Shitload Of Money“ oder die extrem fragwürdigen Fortsetzungen „II“ und „III“ von „Wildfire“ ertragen. Auf der anderen Seite atmeten Songs wie „Only A Broken Heart Makes You Beautiful“, „I Have A Right“ oder „Losing Your Insanity“ wieder den alten Sonata-Spirit und versöhnten alte und neue Fans mit einem durchschnittlichen Album.

Und nun liegt uns hier „Pariah’s Child“ vor. Tony kündigte im Vorfeld bereits eine Rückkehr zum alten Stil der Alben „Ecliptica“ bis einschließlich „Reckoning Night“ an. Unterstrichen wird das ganze vom Album-Cover. Der Wolf ist zurückgekehrt und auch das alte Logo feiert ein Wiedersehen. Schön und gut aber letztlich kommt es ja auf die Musik an. Ist der musikalische Rückschritt auch passiert? Nun, es gibt definitiv wieder die eingängigen Power Metal Songs die wir alle so an den Jungs lieben. Die Singleauskopplung „The Wolves Die Young“ zum Beispiel. Leider mussten die Jungs in den Strophen wieder etwas rumexperimentieren und diese sind extrem zuckersüß klebrig geraten. Man könnte diese ohne Probleme in der nächsten Coca-Cola Weihnachtstruck Werbung laufen lassen. Hart an der Grenze zum Erträglichen. Dafür trösten aber das coole Solo und der arschgeile Refrain drüber hinweg. Auch „Running Lights“ und „Cloud Factory“ versprühen den alten Sonata Spirit und hätten ohne Probleme auf eines der Pre-Unia Alben gepasst. „Half A Marathon Man“ kann man wohl auch noch zu den geradlinigeren Power Metal Tracks zählen, wobei der auch viele klassische Heavy Metal Elemente beinhaltet. Die restlichen Songs bewegen sich wieder eher auf progressiven bzw. experimentierenden Pfaden, jedoch wird das nicht so hart übertrieben wie auf den 3 Vorgängeralben. Die Melodien wurden nicht mit unzähligen Backingvocals vollgekleistert und die Gesangsmelodien sind trotz alledem sehr Eingängig geraten. Anders formuliert, die Refrains sind ohne Probleme auch wieder als diese auszumachen . Somit stellen die restlichen Songs einen guten Kompromiss dar, ähnlich wie damals „Reckoning Night“. Trotzdem finden viele ungewöhnliche und neue Elemente in den Songs Platz. Zum Beispiel das an eine Spieluhr erinnernde Intro bei „What Did You Do In The War, Dad?“, der mittelalterliche Part in „Cloud Factory“ das strange Intro bei „Half A Marathon Man“ oder der an einen Fernsehprediger erinnernde Sprechgesang in „X-Marks The Spot“. Letzterer stellt für mich sowieso irgendwie noch ein dickes Fragezeichen dar. Ich weiß nicht ob ich den total geil oder absolut Scheiße finde. Die Zeit bzw. weitere Rotationen im Player werden es zeigen, für mich definitiv der ungewöhnlichste Song auf dem Album. Wie ihr seht gibt es bisher wenig zu klagen. Einzig die obligatorische Ballade „Love“ fällt etwas zu gewöhnlich aus. Da haben wir mit „Shamandalie“, „Tallulah“, „Letter To Dana“ oder „Shy“ wesentlich bessere Balladen von den Jungs gehört. Allerdings ist sie immer noch besser als die Balladen der letzten 3 Alben.

Worauf ich aber wirklich total gespannt war, ist der abschließende Longtrack „Larger Than Life“. Dieser ist zwar nicht mit „White Pearls“ oder „The Power Of One“ vergleichbar aber was die arktische Sonate hier abzieht ist purer Wahnsinn. Ja, hier treiben sie es mit der Komplexität auf die Spitze wie noch nie zuvor aber verdammt nochmal, hier funktioniert das. Die Melodien berühren einen und die Songstrukturen sind trotzdem nachvollziehbar. Es ist einfach so wunderschön was hier auf knapp 9 Minuten zelebriert wird. Der Song ist sehr bombastisch, mit tollen Orchesterarrangements angelegt und erinnert stellenweise fast an „Nightwish“.

Die Produktion ist ebenfalls gelungen, einzig die Gitarre hätte man noch etwas mehr in den Vordergrund mischen können. An der Instrumentalen Umsetzung gibt es sowieso nichts zu meckern außer dem etwas zu penetrant eingesetzten Glockenspielsound aus „The Wolves Die Young“. Da hat man einfach wirklich das Gefühl das Santa gleich mit seinem fetten Arsch durch den Kamin kracht.

Tja, wie ihr seht ist die Frage, ob es „Back To Roots“ geht, etwas schwierig zu beantworten. Ich würde sagen es ist eine Mischung aus Altem, Progressivem und Neuem die hier aber erstaunlich gut funktioniert. Die Jungs haben wohl wieder die Kurve gekriegt und lassen den fast Totalausfall „The Days Of Grays“ und den mittelmäßigen Vorgänger „Stones Grow..“ vergessen. In Einem Punkt kann ich Tony aber zustimmen. Dieses Album hätte definitiv nach „Reckoning Night“ erscheinen können und wäre ein nachvollziehbarer Nachfolger gewesen.

Für mich bleiben „Ecliptica“ und „Reckoning Night“ die unangefochtenen Meisterwerke von den Jungs aus Kemi. Wenn mich aber jemand fragen würde, der beide Alben schon besitzt, welches Album ich ihm sonst noch von Sonata Arctica empfehlen könne, dann bliebe mir nur eine Antwort: „Pariah’s Child!“
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