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Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erste Eindrücke, 3. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Anleitung Zum Totsein (Lim 2cd Buch) (Audio CD)
Nach dem rock'n'rolligen 2009er Geburtstagsalbum gibt es vier Jahre nach dem Doppelschlag Heiliges Herz / Wenn schwarzer Regen nun endlich ein vollwertiges neues Album von Samsas Traum: Anleitung zum Totsein. Seit zwei Tagen befindet es sich in meinem Besitz und hat bereits einige Hördurchgänge hinter sich, wenn auch sicher nicht genug für ein abschließendes Urteil. Hier jedoch schonmal meine ersten Eindrücke zu den einzelnen Songs.

Was danach kommt: Spinnen
"Die Antwort auf die Frage ist das Gegenteil von Leben"
Wahnsinn! Der Opener ist mit Sicherheit einer der besten Samsas-Traum-Songs überhaupt. Sehr viele abwechslugnsreiche Parts: wunderschön melodische Strophen, ein pompöser Refrain und ein ausladend episches Ende. Was will man mehr?

Das ist Liebe
"Nichts und niemand kann uns trennen, lass uns diese Welt verbrennen"
Das Pop-Rock-Liebeslied steht im völligen Gegensatz zum anti-hoffnungsvollen Opener, aber das ist man von SAT ja gewohnt. Trotzdem geht der Song einfach super ins Ohr und lässt die Gliedmaßen im Takt wippen.

Ich sehe die Sterne bei Tag
"Ich gehöre dem Jenseits, der anderen Seite"
Nach der Liebe widmet sich das dritte Stück wieder dem Tod und plätschert dabei ein wenig belanglos vor sich hin. Es tut dem Fluss des Albums sicher keinen Abbruch, vermag jedoch - vielleicht als einziges - keine neuen Akzente beizutragen. Solide, mehr nicht.

Das vor allen Spiegeln
"All die toten Spiegelbilder wollen unser Blut"
Jetzt wird es wieder komplexer und zugleich hart und verdammt düster. Der Refrain hätte auch auf dem Black-Metal-Orkan "Heiliges Herz" Platz gehabt und kommt dank dem extrem druckvollen Sound (dem besten in der Geschichte von Samsas Traum) noch fieser rüber. Ein super Song.

Mein Versprechen
"Jene, die kein halten kennen, wird kein Ende jemals trennen"
Das von einem Saw-Soundtrack bereits bekannte Instrumental "Sequence 26" wurde hier zu einem vollwertigen Lied verarbeitet und besser hätte man das wohl nicht machen können. Die zu Beginn sehr sanften Strophen steigern sich langsam zum ergreifenden Refrain hin und schaffen Raum für einen der gefühlvollsten Texte Alexander Kaschtes.

Durch die Wand der Träume
"Ich werde kämpfen für alles was wir sind"
Den sechsten Song des Albums konnte man ja bereits vorab bei MySpace hören. Wie gesagt handelt es sich hier um ein eher poppiges Stück, das aber einige wundervolle Melodien zu bieten hat und sich als absoluter Ohrwurm entpuppt. Textlich geht es erneut um den Tod und die Rettung vor diesem durch die Macht der Liebe, was den thematischen Kern des Albums ziemlich genau treffen dürfte.

Den Wolken näher
"Der Gürtel deines Bademantels, er liebt mich mehr als du"
Nach zwei liebevollen und positiven Stücken wird es jetzt wieder düster, und zwar so richtig. Es geht um die Suizidgedanken eines vernachlässigten Kindes. Entsprechend wird man nach den hektisch-kreativen Strophen vom bitterbösen Refrain niedergewalzt. Klasse!

Im Zeichen des Wurms
"Gott behüte jenen Menschen, der uns nie begegnet ist"
Für den durchschnittlichen Musikhörer mag die Musik von Samsas Traum generell sehr abgedreht wirken, aber als alteingesessener Fan musste man nun doch schon eine Weile auf den absoluten Wahnsinn in der Stimme Alexander Kaschtes verzichten (zuletzt auf 'Der Spiegel sieht mich nicht' vom a.Ura-Album vorhanden). Dafür darf sich hier aus Aasfressersicht nun gleich so richtig ausgetobt und jede noch so durchgedrehte Stimmlage durchlaufen werden. Das machte beim Aufnehmen sicher Spaß und das macht es auch beim Hören.

A - wie "Antarktika"
"Sie tötet seit Jahrtausenden als ewigliches, blütenreines Weiß"
Ein großartiges Bassriff, das kurz darauf in den Strophen auch von der Gitarre übernommen wird, eröffnet diese Göttergabe eines Songs. Hier stimmt alles: Die Strophen bauen die Spannung auf, die Bridge führt perfekt zum Refrain hin und dieser explodiert dann in gewohnt epischen Ausmaßen und bietet geniale Melodiebögen. Hier hat Kaschte sein eigenes 'Terra Titanic' (Peter Schilling) erschaffen, welches er ja bereits 2002 auf 'Utopia' gecovert hatte. Sehr positiv (wie in fast allen anderen Songs) fallen hier auch die Gitarrensoli auf, die stets melodisch und songdienlich ausfallen.

Gott hat kein Gesicht
"Gott gibt seine Wahrheit nicht durch Worte kund"
Das zehnte Stück mutet zunächst beinahe christlich an. Bei näherer Betrachtung jedoch wird klar, welchen Gott es für Kaschte nur geben kann: Inspiration. Ausdruck verleiht er dieser Erkenntnis in einem düsteren Song mit schön schaurigen Klaviermelodien. Leider ist der dialogartige Refrain melodisch nicht der beste und macht den Song zu einem der schwächeren des Albums.

Betet für mich
"Nur Gott alleine kann mich retten"
Mit dem spirituellen Einschlag geht es hier gleich weiter. Diesmal wird es musikalisch (textlich ganz und gar nicht) jedoch etwas freundlicher, gerade der Refrain und die Bridge mit ungewohntem Backgroundgesang sind sehr poppig geraten. Doch auch diesem Song muss man gewisse Ohrwurmqualitäten attestieren. Gut. Nicht mehr und nicht weniger.

Das Lächeln eines Toten
"Diese Bürde reißt mich, wie ein Spaten Erde teilt, entzwei"
Zuletzt wird es nochmal äußerst melancholisch und atmosphärisch. Die erste Hälfte des Stückes wird geprägt durch düstere Akustikgitarren-Melodien und vertracktes Drumming. Im weiteren Verlauf wird es dann mehr und mehr schwarzmetallisch und der Heiliges-Herz-Einschlag erneut deutlich. Ein würdiger und sehr abwechslungsreicher Abschluss des Albums.

Ein äußerst abwechslungsreiches Album setzen uns Samsas Traum da vor. In gewisser Weise werden die vergangenen Stärken vereint: Es gibt märchenhaft-melodische Parts mit großzügig eingesetzten Orchester-Synthies (a.Ura), brachiale Metalgewitter (Heiliges Herz), rockige Riffs und Gitarrensoli (13), epische Refrains (Oh Luna Mein), abgedrehte Gesangseinlagen (Tineoidea) und an einigen Stellen sogar wieder akustische Gitarren (Wenn schwarzer Regen) zu hören. Das alles wird zu einem homogenen Ganzen verwoben und bewegt sich mit philosophisch bis provokativen Texten (wie immer bei SAT eine Klasse für sich) thematisch zwischen Liebe und Tod und deren Untrennbarkeit. Qualitative Totalausfälle gibt es dabei gar keine. Lediglich zwei, vielleicht drei nicht vollends überzeugende Songs befinden sich auf dem Album, finden jedoch im Gesamtkontext auch ihre Daseinsberechtigung.
"Anleitung zum Totsein" ist ein richtiger und wichtiger Schritt der Weiterentwicklung nach der Auslotung der eigenen Grenzen und Extreme mit den letzten drei Alben. Und auch wenn es noch zu früh ist, ein vollwertiges Urteil über dieses Album zu fällen, bin ich mir doch relativ sicher, dass ich mein Album des Jahres hiermit gefunden habe. Weniger hatte ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Vermessen? Nein, Samsas Traum.
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