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5.0 von 5 Sternen Erhebend, 3. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Stabat Mater/Laudate Pueri Dominum/Confitebor (Audio CD)
Eine neue Einspielung von Pergolesis "Stabat Mater", die endlich den aktuellen Stand der Interpretation von Barockmusik umsetzt, wurde schon dringend erwartet. Die vorliegende Aufnahme übertrifft die Erwartungen sogar; sie ist tatsächlich ein Meilenstein in der Interpretationsgeschichte dieses Werks. Die Stimmen von Julia Lezhneva und Philippe Jaroussky mit ihrem reinen, knabenhaften und außerordentlich süßen Klang harmonieren hervorragend miteinander. Die Stimme von Jaroussky zeigt in dieser Aufnahme, dass sie sich in den letzten Jahren (und Monaten, wie man in Konzerten hören konnte) in eindrucksvoller Weise weiterentwickelt hat. Sie zeigt ein weiches, rundes und farbenreiches Klangspektrum, wie es kein anderer Countertenor auch nur ansatzweise erreichen würde, und dies mit einer vollkommen natürlichen Gesangsweise ohne auch nur die geringste Anstrengung. Jarousskys Stimme schwingt sich schwerelos auf, wie es für Kirchenmusik ideal ist. Sein einzigartiges Timbre liegt dabei nach wie vor zwischen Sopran und Mezzosopran, mit einer inzwischen etwas volleren Basis im Altregister und wunderbaren starken tiefen c1s und b0s. Lezhnevas Stimme ist vibratolos, in der Höhe unglaublich klar, ohne jemals schneidend zu werden, und in der Tiefe erstaunlich voll, kräftig und dunkel gefärbt.
In der Technik überzeugen beide vollkommen. Lezhnevas Intonation ist makellos, ihre Koloraturen sind wie gestochen scharf, musikalisch gestaltet sie vollkommen angemessen und ohne jegliche Übertreibung. Jaroussky zeigt sich einmal wieder als ein hochintelligenter Musiker, der die Partitur genauestens studiert, die Stilmittel der jeweiligen Dekade und Musikgattung genau kennt und so überlegt wie hochsensibel jedes Detail jeder Phrase gestaltet. Ganz angemessen verziert er manchmal ein wenig (v.a. mit Appoggiaturen), verändert in einigen Fällen auch sanft, greift aber niemals zu stark in die Musik ein, was bei einer Kirchenkomposition schlicht nicht dem Stil entspräche. In den Details unterscheidet sich die meisterhafte musikalische Gestaltung durch Jaroussky und Lezhneva von einer nur mittelmäßigen. Auch in der Ausführung der Duette brillieren Jaroussky und Lezhneva; sie singen die vielen parallelen Verzierungen und Triller in vollkommenener, berückender Synchronizität.
Was einen an dieser Aufnahme jedoch wirklich trifft, geht über den Stimmklang und die hochmusikalische Gestaltung hinaus. Beide Solisten singen hier nicht nur die notierte Musik, sondern singen als Menschen die Bedeutung der Komposition in einer Weise, die sich in Worten nicht wirklich ausdrücken lässt. Inbesondere im Gesang von Jaroussky wird der spirituelle Gehalt dieses Stückes, das von Menschenliebe und Mitgefühl spricht, in einer bewegenden Weise fühlbar. Es ist, als singe nicht eine Stimme, sondern eine menschliche Seele diese Musik. Es scheint unmöglich, dies zu hören und davon nicht berührt zu sein. Auch Lezhneva singt mit großer Überzeugungskraft und einer Reife, die ihre eigentlichen Jahre übersteigt. Beeindruckend ist ferner, wie beide Sänger - fernab der Eitelkeit, mit der manche zur Zeit modischen Countertenöre technische Kunststücke in den Vordergrund drängen - offenkundig ihre Fähigkeiten ganz in den Dienst der Musik stellen, um diese gänzlich auszudrücken und den Zuhörer mit ihr zu erreichen.
Dies wird natürlich auch durch den Kontext unterstützt. Unbedingt erwähnt werden muss das herausragende Dirigat von Diego Fasolis, der mit seinem Ensemble "I Barocchisti" diese spirituelle Musik auch instrumental vollkommen angemessen umsetzt. Fasolis beachtet jede Angabe Pergolesis genauestens, aber stets auf reflektierte, kluge Weise. Außerdem ist der Einsatz von Theorben für den Basso continuo hervorzuheben - der exzellente Rosario Conte begleitet hier mit einem Einfühlungsvermögen und einer musikalischen Kreativität, die immer wieder positiv auffallen, bleibt dabei aber stets dezent im Hintergrund.
Das wird hier mit emotionaler Einfühlung und in Umsetzung seines allgemeinen spirituellen Gehalts interpretiert. Man braucht kein Christ oder im engeren Sinne gläubig zu sein, um die Aufforderung, das Leiden eines anderen Menschen mitzufühlen und dadurch ein besserer Mensch zu werden, tief zu begreifen. Eine höchst humane Einspielung, die außerdem, im Kontrast zu vielen anderen "Stabat Mater" nichts Deprimierendes an sich hat, sondern im Gegenteil erhebend wirkt.
Als sei dies nicht genug, enthält die CD zusätzlich zwei weitere bedeutende geistliche Werke von Pergolesi mit Jaroussky und Lezhneva, dem Ensemble und Fasolis eigenem Chor (Coro della Radiotelevisione Svizzera), den er über viele Jahre geformt und perfektioniert hat. Dass diese beiden Stücke ebenfalls technisch perfekt und wunderschön umgesetzt sind, versteht sich nach dem obigen wohl bereits von selbst.
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