Kundenrezension

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mir tut mein armes Geld so leid..., 2. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Götterdämmerung (3 DVDs) (DVD)
Herrje - was will uns der Regisseur denn damit schon wieder sagen! Drei haarlose Damen hüllen sich als Nornen in ein fallschirmgroßes Tuch - wer darin einen Sinn erkennt, der möge ihn mir bitte gerne zeigen!
"Inszenatorisch" ist diese Aufführung meiner Meinung nach schlichtweg - nun ja - belanglos - Was sagt uns denn das komische Herumgezappel der Gibichsmannen in III,2, was sagt uns das krampfartige sich Hin-und-Her-Winden von Herrn Rydl in I,2, und dann die Nornen und der Fallschirm...??? Mir sagt das alles nichts... Nachvollziehbare und daher akzeptable Aktionen (z. B.: Gunther nimmt sich sein Glas vom Tablett) werden leider viel zu oft abgelöst von befremdenden und daher merkwürdigen bis abstoßenden Handlungen (drei kahlköpfige Nornen spielen mit dem Fallschirm!). Ich war permanent bemüht, nach einem Sinn zu fahnden, wo ich partout keinen gefunden habe - auf die Dauer wird diese Götterdämmerung zum puren Ärgernis! Wie heißt es so schön: Den Sinn, den kennt nun keiner... Der soll dir, Zuschauerin, auf immer wohl verhohlen sein!
Nun ja, wer mehr Fantasie hat als ich, kann hier vielleicht voller Freude seiner Interpretationslust ihren Lauf lassen - dem sei sein Vergnügen natürlich gegönnt... Ich bleibe aber lieber beim Kupfer-Ring und bei der Weimar-Götterdämmerung!
Über Kostüme kann man sich streiten (wenn auch Frau Bundschuh in ihrer weißen Uniform zweifelsohne sehr fesch aussieht) - doch warum hat Herr Rydl obenrum nichts zum Anziehen? Er hat ja Muskeln, doch ästhetisch ist es nicht.
Apropos Aussehen der Sänger: Es mag ja bei allen altehrwürdigen Intellektuellen verpönt sein, Sänger (auch) nach dem Aussehen zu beurteilen, das man ihnen für die jeweilige Aufführung verpasst hat, doch zumindest die Schicht der Jungwagnerianer(innen) besinnt sich auch der optischen Ebene des Gesamtkunstwerks. In diesem Sinne ist die obige Götterdämmerung eine wahre Kuriosität: Siegfried gemahnt mich merkwürdigerweise an eine greise Frau aus der Mandschurei - man beachte den typischen Zopf der Qing-Dynastie! (wobei mir der tiefere Sinn einer Assoziation Siegfried - Mandschuren verhohlen bleibt) - und warum muss denn der Hagen-Darsteller immer, immer mit geschorenem Schädel agieren? So viel ich weiß, gibt es kein Wagner'sches Grundgesetz dafür... Aber vielleicht liegt hier ja irgendein tieferer Sinn vor, der auch erklärt, was denn diese drei haarlosen Nornen sollen...
Sängerisch ist diese Aufführung zwar keine, die ganz große Maßstäbe setzen kann; es werden zwar immer wieder von diversen Akteuren massenhaft Endsilben verschliffen (z. B. Herr Rydl), aber die unkonventionelle Betonung eröffnet zuweilen ganz neue Interpretationsansichten; zuweilen klingt es einfach merkwürdig.
Ein paar schöne Aspekte fallen mir zum Ende doch noch ein: Herr Schöne als Gunther gefiel mir total, er strahlte stets eine leicht hilflos-versnobte Aura aus - so muss ein Gibichungenkönig sein, der sich so ziemlich alles vom Halbbruder vorschreiben lässt...
Und natürlich war die schauspielerische Leistung von Kurt Rydl durchaus beeindruckend - seine halb-irren Blicke hatten absoluten Gänsehauteffekt! Die Rollenzeichnung war zwar nicht "mein Ding", aber er gab alles auf der Bühne, darum: Chapeau!

Fazit: Wer's gern kafkaesk-bizarr mag, der kann hier herrlich nach Sinn und Aussag' suchen...
Und wer sie dann gefunden hat, soll sie mir sagen, ich bitte drum! (Vor allem dieses große wallende rote Tuch lässt mich nicht mehr los...)
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.05.2011 16:53:44 GMT+02:00
Solche Anmerkungen gehen immer von dem Absolutheitsanpruch aus, die eigene Sichtweise, sei die einzig richtige. Unter diesem Aspekt wäre der Ring schon lange kein Thema mehr. Um dem eigenen Anspruch Wagners zu genügen, ist stetige Bewegung in der Sichtweise gefragt. Und sich an einzelnen optischen Aspekten aufzuhängen, ist einfach unsinnig. Es gibt kein " so und nicht anders muß es aussehen". Auch der Kupfer Ring, den ich herausragend finde, hat starke Anfeindungen erlitten wie früher der Chereau Ring. Die sogenannten Wagnerianer zeichnen sich oft durch despotische Intoleranz aus, sehen ihren pseudoreligiösen Kultus gefährdet und haben sehr oft wenig Ahnung von der philosophisch, soziologischen Substanz des Rings, vergessen das Wesentliche, das Wagner kein "schöngeistig verblasenes" Musiktheater schaffen wollte sondern konfrontatives. Keiner muß schöne Kostüme haben, schön aussehen, es geht um charakteradäquate Anmutung. Diese ständigen Anfeindungen aus der Ecke der konservativ Verharrenden, sind einfach fachlich absolutes "Dünnbier." Konservare heißt nicht die allein seeligmachende Wahrheit gepachtet zu haben. Zu jedem der optischen Aspekte könnte man Erklärungen abgeben, weil sie konzeptionell wohl durchdacht sind. Aber das würde den Rahmen sprengen. Dieser Ring ist optisch und interaktionistisch ein Glanzstück wie der Kupfer Ring. Wieso hier allerdings das Kammermusik-Basteltheater des Weimars Rings ein Thema ist, bleibt mir schleierhaft. Aber natürlich muß es auch diese Inszenierungen geben. Wem sie gefällt, in Ordnung, in der Vielfalt liegt die Kraft.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.06.2011 21:57:47 GMT+02:00
Ariadne Simon meint:
Zitat: "Lauschest Du seinem Liebesgruß?"

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.08.2011 12:02:20 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.08.2011 12:11:52 GMT+02:00
Frau Fürstin, noch eine Ergänzung. Ihre emotionale Begeisterung für den Kopenhagen Ring habe ich noch in Erinnerung. Die kann ich nachvollziehen. Umso mehr überrascht mich diese Einlassung. Aber wenn Sie das so empfinden, ist das natürlich in dieser Form geschrieben problemlos zu tolerieren. Gegen Ihre Empfindungen kann und sollte man nicht weiter argumentieren. Aus dieser Einlassung ergibt sich in gewisser Weise ein eigener Zugewinn an Information. Zu dem Kommentar von Frau Simon kann ich nur sagen, eine Debatte auf dem Niveau ihrer Beschimpfungs-Lyrik bietet sich nicht zwingend an. Wenn die Dame ihre strikte Ablehnung des Regietheaters postuliert, ist dagegen ja gar nichts einzuwenden, nur überrascht sie immer wieder in ihren haarsträubenden Ausführungen, mit einer Logik aus der Exotenkiste und sucht sich Gesinnungsgenossen je nach Bedarf. Merkt offenbar nicht, daß sie hier bar jeder inneren Logik widersprüchlich vorgeht. Überall wo sie ihren "vergötterten" Meister in Gefahr sieht, setzt sie "Duftmarken", die allenfalls dem Anspruch von schlichten Eiferern entsprechen.
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