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5.0 von 5 Sternen Die Täter und ihre Nachfahren, 15. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen (Gebundene Ausgabe)
Als Jennifer Teege neue Literatur in der Hamburger Stadtbibliothek sucht, fällt ihr durch Zufall ein Buch in die Hände – es ist die Biographie ihrer Mutter, die sie als Kind zur Adoption freigegeben hat. Hierdurch erfährt sie, dass sie die Enkelin des durch den Film „Schindlers Liste“ bekannt gewordenen Kommandanten des KZ Plaszow ist. Fortan versucht sie mit allen Mitteln mehr über die Vergangenheit ihrer Familie und deren Auswirkungen auf ihr eigenes Leben herauszufinden.

Mit dem Thema Nationalsozialismus wird sich jeder, der in Deutschland in die Schule gegangen ist, wohl schon sehr ausgiebig beschäftigt haben. In meinem Lehrplan hatte diese dunkle Epoche jedenfalls eine sehr exponierte Position und wurde fast jährlich behandelt. Ich war deswegen der Meinung, dass ich mich schon sehr eingehend mit dem Nationalsozialismus beschäftigt habe. Dieses Buch hat mir jedoch gezeigt, dass dem nicht so ist. Dieses Buch spricht eine ganz andere Facette an – wie gehe ich damit um, was meine Vorfahren getan haben? Wer bin ich? Und wie viel von meinem Großvater steckt vielleicht in mir?

Der erste Abschnitt des Buches widmet sich Jennifer Teeges Großvater Amon Göth, der Kommandant des KZ Plaszow, der den meisten aus dem Film „Schindlers Liste“ bekannt sein dürfte. Ich habe den Film zwar vor ein paar Jahren gesehen und hatte so einen gewissen Eindruck von seinen Taten, trotzdem stiegen mir beim Lesen die Tränen in die Augen. Es ist unfassbar, wie ein Mensch solche Gräueltaten begehen kann. Desto schwerer fällt es der Autorin und dem Leser deswegen zu verstehen, weswegen Jennifers Großmutter, Ruth Irene Kalder diesen Mann abgöttisch liebte und noch weit nach dessen Tod positive Worte über ihn, seine Taten und die Zeit im KZ fand. Hierunter litt vor allem deren Tochter Monika, die Jennifer schon als Kleinkind in ein Heim gebracht und später zur Adoption freigegeben hat.

Nach dem Fund der Biographie ihrer Mutter leidet auch Jennifer Teege sehr unter ihrer Entdeckung. Neben die Zerrissenheit zwischen der leiblichen Familie und Adoptivfamilie tritt die Frage, wie sie mit den Taten ihres Großvaters und den Aussagen ihrer Großmutter umgehen soll. Gibt es eine Erbschuld? Oder ist man nur für seine eigenen Taten verantwortlich? Wie soll man mit eventuellen Taten seiner eigenen Großeltern umgehen? Wie werden Freunde damit umgehen? All diese Fragen haben mich tief bewegt und mich dazu gebracht, auch über dieses Thema nachzudenken.

Das Buch ist aus zwei Sichtweisen geschrieben – zum einen aus der Sicht von Jennifer Teege, zum anderen finden sich sachliche Einschübe, die die geschichtlichen Hintergründe noch näher erläutern. Dies unterbricht zwar den Lesefluss in Jennifer Teeges Bericht, vermittelt aber auch den Eindruck von Objektivität.

Fazit: Ein bewegendes Buch, das zum Nachdenken anregt – und sich ausnahmsweise nicht nur mit den Tätern auseinandersetzt, sondern auch mit ihren Nachkommen, die mit den Taten ihrer Eltern oder Großeltern zurecht kommen müssen.
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