Kundenrezension

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 7. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Pünktchen und Anton. Ein Roman für Kinder (Gebundene Ausgabe)
Zwiespältig - das war mein Eindruck nach dem Wiederlesen des Buchs.

Einerseits merkt man natürlich, dass das Buch von einem Schriftsteller ersten Ranges geschrieben ist. Der Autor, der humorvoll und beschwingt erzählt, trifft genau den für Kinder passenden Ton.

Worum geht es in diesem 1931 erschienen Buch? Die etwa achtjährige Luise Pogge, genannt "Pünktchen", wächst in Berlin in einer reichen Oberschicht-Familie auf, in einer großen luxuriösen Wohnung und mit allem Komfort. Doch vor ihren Eltern hat sie ein Geheimnis: Abends, wenn die Eltern außer Hauses sind, geht sie mit ihrem Kinderfräulein betteln - natürlich nicht aus Not, sondern weil das Kinderfräulein von ihrem Verlobten hierzu angestiftet wurde. Warum, das erfährt man erst im Verlauf des Buches. Beim Betteln auf der Weidendammer Brücke lernt Pünktchen den gleichaltrigen Anton kennen, der ebenfalls bettelt: Dieser allerdings wirklich aus Not. Er wächst mit seiner alleinerziehenden Mutter in Armut auf und lebt in einem verkommenen Mietshaus. Die Mutter ist schon lange krank und kann kein Geld verdienen. Zwischen Pünktchen und Anton entwickelt sich nun eine ungewöhnliche Freundschaft.

Das beste, was dieses Buch zu bieten hat, ist die Figur des liebenswerten Pünktchens mit ihrem unwiderstehlichen Charme, ihrer ansteckenden guten Laune, ihrer Lebenslust und Warmherzigkeit. Anton, der wohl vom Autor als die eigentliche Positivfigur konzipiert ist, bleibt demgegenüber eigentümlich blass - dafür ist er einfach zu brav, zu musterhaft und zu vorbildlich.

Aber zwei Dinge gibt es, die mich heute vor allem an dem Buch stören:

Das eine ist das Frauenbild des Autors. Antons Mutter erscheint eigenartig passiv und indifferent. Nach all dem, was Anton für sie tut, fällt ihr nichts Besseres ein als beleidigt zu sein, weil der völlig überbeanspruchte Anton ihren Geburtstag vergessen hat. Und Pünktchens Mutter erst: Diese ist - nebem dem kriminellen Verlobten des Kinderfräuleins - die eigentliche Negativfigur des Buchs, ein träges, faules, verzogenes und verwöhntes Luxusweibchen, die ihren Mann und ihre Tochter vernachlässigt und den ganzen Tag mit belanglosen Vergnügungen vertrödelt. Geradezu kaltherzig schließlich wird das unter ihrer Einsamkeit und vermeintlichen mangelnden Attraktivität leidende Kinderfräulein abgehandelt.

Das andere, was mich stört, ist der permanent erhobene moralische Zeigefinger des Autors: Der Autor schreibt ausgesprochen routiniert und ansprechend. Dass er aber hinter jedes Kapitel eine "Nachdenkerei" überschriebene Belehrung einfügt, ist überflüssig und für Kinder eher abschreckend. Natürlich ist es richtig und wichtig, bei Kindern den Sinn für Ungerechtigkeiten zu schärfen und auch die dunklen Seiten des Lebens nicht zu verschweigen. Aber Holzhammer-Sätze wie "Das Leben ist ernst und schwer" oder "Das Leben hat eine verdammt große Handschuhnummer" sind für meinen Geschmack in einem Kinderbuch schlicht deplatziert. (Natürlich kann man die "Nachdenkereien" beim Vorlesen weglassen, aber sie stehen nun einmal da.)

Dieses Buch, so gelungen und gut gemacht es auch ist, zeigt vor allem, welch ein epochaler Fortschritt Astrid Lindgrens nur eineinhalb Jahrzehnte später erschienene "Pippi Langstrumpf" war.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.04.2013 17:33:27 GMT+02:00
sirius meint:
Die "Moral" heutiger Kinderbücher ist "politische Korrektheit". Da gibt es keinen "Negerkönig" mehr!

Natürlich sind die Frauenfiguren in "Pünktchen und Anton" eher schlicht als komplex angelegt. Trotzdem befürchte ich nicht,
dass meine 5-jährige Tochter durch das Vorlesen Schaden nimmt. Anders als bei "Pippi Langstrumpf" aber, lacht sie lauthals,
wenn der Dackel Piefke zum Beispiel mit den Eierschalen Fußball spielt. Das Buch ist ein Klassiker und nimmt uns mit in eine
Zeit, als der Großvater meiner Tochter noch ein kleiner Junge war. Es vermittelt auf überaus humorvolle Weise Eindrücke
vom Leben und der Sprache jener Zeit.
Zu den Nachdenkereien und dem Überspringen derselben hat ja der Autor im Vorwort selbst Stellung genommen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.04.2013 07:57:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.04.2013 11:05:05 GMT+02:00
Schade, dass immer gleich das Totschlagargument von der "Politischen Korrektheit" kommt. Fehlt nur noch das Schlagwort "Gutmensch". Aber davon ab: Ich glaube nicht und habe auch nicht gesagt, dass Kinder durch das Vorlesen von"Pünktchen und Anton" Schaden nehmen. Ich habe lediglich - und das ist ja wohl der Sinn einer Rezension - meine persönliche Meinung über das Buch geäußert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.06.2013 21:47:22 GMT+02:00
UncleP meint:
Was ich erschreckend fand, welche Haltung Erich Kästner zum Thema "Migräne" zeigt: "Das sind Kopfschmerzen, wenn man keine hat" und "Frau Pogge vertrieb sich die Zeit mit Migräne", um nur zwei Beispiele zu nennen...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.02.2014 14:00:38 GMT+01:00
luzi meint:
echt?! ich wollte das buch gerade in den einkaufswagen schieben. ich leide aber unter migräne...das ist in diesem falle natürlich weniger gut.
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