Kundenrezension

24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht ganz so gut wie die englische Originalversion, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Eiskönigin Völlig Unverfroren (Deutscher Original Film Soundtrack) (MP3-Download)
Letzte Woche startete das neue Disney-Märchen “Die Eiskönigin - Völlig unverfroren” in den Kinos (meine Film-Review findet ihr hier). Und auch in diesem Fall gilt: Kein guter Disney-Animationsstreifen ohne Musical-Nummern.

Seit dem 29. November 2013 ist der Soundtrack sowohl in einer deutschen als auch in einer englischen Fassung digital und als CD erhältlich. Darüber hinaus gibt es eine ”Deluxe Edition“ mit 2 Discs, die neben allen deutschen Tracks zusätzliche Demos und unveröffentlichte Titel enthält.

Weil ich von den schmissigen Liedern im Film sehr angetan war, habe ich den deutschen Soundtrack genauer unter die Lupe genommen:

Sagenhafte 32 Tracks finden sich bereits auf der regulären Version, was allerdings vor allem daran liegt, dass neben den Liedern aus dem Film auch der komplette Score auf der CD enthalten ist. Das finde ich schonmal positiv, gibt’s ja leider auch genügend Beispiele, wo man sich nicht nur den “Soundtrack”, sondern auch noch separat das “Score”-Album kaufen muss.

Der Score selbst stammt aus der Feder von Christophe Beck, der 1998 bereits mit einem Emmy Award ausgezeichnet wurde für seine Arbeit als Score-Komponist bei Buffy the Vampire Slayer. Inzwischen ist er in Hollywood viel beschäftigt und das verwundert nicht, wenn man sich die düsteren, stimmungsvollen Tracks auf dem “Eiskönigin”-Album anhört. Zwar hab ich ein paar etwas romantischere Stücke vermisst, aber das liegt dem Film selbst geschuldet, nicht dem Score.

Herzstück des Soundtracks sind ohnehin die zehn eigentlichen Lieder: neun Musicalnummern direkt aus dem Film sowie Demi Lovatos Pop-Interpretation von Elsas Power-Ballade “Let it go”.

Das Lied fetzt einfach und wird mit jedem Mal hören eingängiger, so dass es sehr schön ist, das dieser Titel auch auf dem deutschen Soundtrack enthalten ist.

Die anderen Lieder sind “Kaltes Herz” (eine Gemeinschafts-Nummer einer Gruppe Nordmänner, die gefrorenes Eis brechen), das fetzige, fröhliche Troll-Lied “Aufpolieren”, Kristoffs kleine “Rentiere sind besser als Menschen”-Nummer und ”Im Sommer”, eingesungen von Hape Kerkeling, der in der deutschen Fassung den Schneemann spricht.

Außerdem gibt es noch ein ungewöhnliches Liebesduett (”Liebe öffnet Tür’n”). Ungewöhnlich deshalb, weil der Song nicht schmalzig daher kommt, wie man das erwarten würde, sondern sehr fröhlich, sehr temporeich und einfach gute Laune verbreitet. Der Song, der in der deutschen Fassung von Pia Allgaier und Manuel Straube gesungen wird, ist ein heimlicher Favorit.

Im Mittelpunkt der CD stehen aber natürlich die Lieder von Anna und Elsa, der beiden Schwestern, die die Hauptfiguren des Films sind. Vier Lieder haben die beiden, die sie meist gemeinsam singen; und sie alle umweht ein Hauch von Melancholie. Sowohl “Lass jetzt los” - Elsas Lied - (die deutsche Version von “Let it go”) als auch der Reprise von “Zum ersten Mal” - ein Duett von Anna und Elsa - sind eine Wucht. Auch, oder vielleicht vor allem deshalb, weil es diesmal keine klassischen Power-Balladen sind wie z. B. bei Die Schöne und das Biest, sondern viel eher Musical-Nummern. Disney hat inzwischen mit “Die Schöne und das Biest”, dem “König der Löwen” und “Tarzan” auch den Broadway erobert; vielleicht hatte man das bereits im Hinterkopf, als man Tony Award-Gewinner Robert Lopez (”Avenue Q”) und seine Frau Kristen Anderson-Lopez damit beauftragte, die Songs für “Frozen” zu schreiben. Sei es, wie es will, die Mischung geht auf und dadurch hebt sich der Soundtrack von anderen ab und dürfte vor allem für Musical-Fans sehr interessant sein.

Jetzt zu den weniger schönen Dingen:

Obwohl Pia Allgaier (der eine oder andere wird sie vielleicht als Sing-Stimme der Titelheldin aus “Rapunzel - Neu verföhnt” wieder erkennen) und Musical-Darstellerin Willemijn Verkaik (Elphaba in “Wicked - Die Hexen von Oz”) ihre Sache wirklich gut machen, kommen sie meines Erachtens nicht ganz an Kristen Bell und Idina Menzel heran.

Schwerer ins Gewicht fallen im Vergleich deutsche Fassung vs englische Fassung aber die Texte, und sorry, die deutschen Versionen fangen meiner Meinung nach die kompletten Emotionen der Vorlage nicht ganz ein. Während das bei Songs wie “Liebe öffnet Tür’n” oder “Aufpolieren” nicht stark ins Gewicht fällt, ist das ausgerechnet bei der ganz großen Nummer des Albums - “Let it go” / “Lass es sein” - sehr deutlich spürbar. Ich kann mir vorstellen, dass Musical-Texte verdammt schwierig zu übersetzen sind, aber die schöneren Bilder malt nunmal die englische Version.

So wird z. B.

The cold never bothered me anyway

zu

Die Kälte, die ist nun ein Teil von mir

Wie ihr seht, sind die Texte zwar vom Sinn her richtig übersetzt, aber das englische Original ist meines Erachtens scharfer formuliert, griffiger, mit dramatischeren Bildern. Da dadurch die Persönlichkeit von Elsa auch stark definiert wird, halte ich das ein wenig für schade und tatsächlich stolpere ich beim Hören des deutschen Soundtracks auch immer wieder über diese Zeilen.

Trotzdem: Insgesamt ein toller Musical-Soundtrack, der zum Mitsingen und Oft-Hören einlädt. Wer den Disney-Film auf Deutsch gesehen hat und den Soundtrack haben möchte, weil ihm die Lieder im Kino so gut gefallen haben - oder aber wer ihn für ein Publikum kauft, das kein Englisch versteht - der macht mit der deutschen Version nichts verkehrt. Allen anderen empfehle ich allerdings, zur englischsprachigen Fassung zu greifen.
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.05.2014 00:21:43 GMT+02:00
In der Tat ein toller Soundtrack, aber sorry - die Beurteilung der englische Soundtrack wäre besser als die DE-Version halte ich für die bei uns übliche an­g­lo­phile Stereotype / Reflexbewegung.

Sowohl Olaf (Hape Kerkeling) als auch vor allem die deutsche Anna (Pia Allgaier) machen ihre Sache gesanglich eindeutig besser als die englischsprachigen Kollegen. Was eigentlich auch kein Wunder ist, da im EN-Soundtrack sowohl bei Tangled (Rapunzel – Neu verföhnt) als auch bei Frozen (Die Eiskönigin) die als Sprecher agierenden amerikanischen Schauspielerinnen (Mandy Moore bzw. Kristen Bell) gleichzeitig auch den Gesangspart übernommen haben, während für die DE-Version Sprecher und Sängerin bewußt unterschiedlich besetzt worden sind.

Dass ausgerechnet der renomierten Musical-Darstellerin Willemijn Verkaik (DE Elsa) bei den hohen Tönen in “Let it go” / "Lass jetzt los" spürbar die Luft ausgeht, fällt in die Kategorie peinlich bzw. Fehlbesetzung - auch wenn sie bei tieferen Tönen brillieren kann und somit in der DE-Version für einen passenderen stimmlichen Kontrast hohe/tiefe Stimme zwischen junger fröhlicher Anna / älterer ernster Elsa sorgt.
Auch Idina Menzel (EN Elsa) ist nur gehobener Durchschnitt. Nach der Prämierung von “Let it go” haben sich etliche echte Größen an diesem Song versucht und gezeigt was möglich ist ...

Und was bitte soll ausgerechnet am zitierten Textbeispiel "Die Kälte hat mich sowieso nie gestört" (EN) besser oder treffener sein als "Die Kälte ist nun ein Teil von mir" (DE)? Dies ist der Moment, in dem sich Elsa in die Eisprinzessin verwandelt und den Eispalast erschafft. Welcher Text dazu wohl besser paßt ...

Aber egal, beide Versionen sind ein toller Musical-Soundtrack, der zum Mitsingen und Oft-Hören einlädt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2014 08:04:50 GMT+02:00
Fantasy News meint:
Vielen Dank für Ihr Kommentar. Eine solche Beurteilung - gerade was Singstimmen und Text angeht - kann immer nur subjektiv sein. Für mich haben Kristen Bell und Idina Menzel in ihrer Interpretation der Lieder den Humor und vor allem die Dramatik einfach besser eingefangen. Damit sage ich nicht, dass die deutschen Stimmen schlechte Sängerinnen sind. Mir gefiel nur die Interpretation im Original besser.
Gleiches gilt für den Text.

Können sie mir noch sagen, wer neben Idina Menzel (und Demi Lovato in der Pop-Ballädchen-Version) "Let it Go" noch gesungen hat. Echte Größe klingt ja spannend. Das würde ich mir gern mal anhören.

Generell stimme ich ihnen aber zu:
Oft werden ja auch Synchronisationen stark bemängelt. Auch ich klage darüber manchmal. Trotzdem lobe ich auch ausdrücklich Synchros und es kommt durchaus vor, dass ich die deutsche Version besser finde als das Original. (Selten, aber es kommt vor).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.05.2014 14:10:24 GMT+02:00
Da der Song das Disney Copyright hat, sind das natürlich eher "inoffizielle" Cover ;-)

Z.B. Einfach mal auf youtube nach "let it go cover" suchen ... offenbar sind aber leider viele Titel (inzwischen) gesperrt/entfernt. Idina Menzel hat sicherlich eine sehr gute Stimme, aber ich finde sie etwas zu gepreßt, nasal. Kurz, für mich es geht besser, ist aber natürlich Geschmacksache.

Nach kurzer Suche würde ich die folgenden youtubes mal ansteuern (alles live!) also watch?v=
Dia "LVhGs-LGDzM" / Kim Bo Hyung "tcf6P9v3YrA" / Bri Heart "9GJnE_9Kob8" / Ailee "HohrHHTAtus"
Das Ailee Beispiel ist sicher nicht optimal. Ich liebe ihre Stimme, das geht auch besser ;-)
Hier mal ein paar youtube Beispiel
"LRMIXMFd0qU", "SpNyXtvjcgs", "kG7niC8FmWM", "Ej_RcWN-BWs", "MiScoDFW9W8", "LaU0NEu6tAg"

Schönes Wochenende

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.12.2014 11:16:46 GMT+01:00
Wirklich verglichen habe ich beide Stücke noch nicht, auch wenn mir der deutsche Test im Film wirklich gefallen hat. Vielleicht hole ich ja beide Soundtracks.

Aber eine Anmerkung zu "Und was bitte soll ausgerechnet am zitierten Textbeispiel "Die Kälte hat mich sowieso nie gestört" (EN) besser oder treffener sein als "Die Kälte ist nun ein Teil von mir" (DE)? Dies ist der Moment, in dem sich Elsa in die Eisprinzessin verwandelt und den Eispalast erschafft. Welcher Text dazu wohl besser paßt ..."

Ich verfolge gerade einen Thread in einem amerikanischen Forum und es gibt unterschiedliche Interpretationen zu genau dem Lied. In einer, dass ich persönlich für passender halte, wird das Lied eher als Selbstlüge gedeutet. "Mich hat die Kälte nie gestört" ist der verzweifelte Versuch von Elsa, sich davon zu überzeugen, dass sie alleine glücklich ist. "Die Kälte ist nun ein Teil von mir" wäre dagegen die tatsächliche Akzeptanz von ihrem Schicksal.

Aber das ist ja genau das Schöne an dem Film, dass man soviel in ihn hineindeuten kann. Dass er z.B. als Parabel für Elsas "Coming Out" gesehen werden kann, wäre mir nie in den Sinn gekommen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.12.2014 11:50:37 GMT+01:00
Fantasy News meint:
Ihrer Argumentation zur Interpretation des Liedes kann ich gut folgen - ich hätte das gar nicht so gut in Worte fassen können, aber Ihre Erklärung ist wirklich sehr einleuchtend und nachvollziehbar. Jetzt weiß ich auch, was mich bisher nur unterbewusst an dem Unterschied störte.

Danke!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.12.2014 12:02:07 GMT+01:00
Fantasy News meint:
Bzgl. "Coming Out" - das kommt wohl auch immer darauf an, was man für eine eigene Verbindung zu solchen Themen hat.

Ich kann mich erinnern, dass ich im Kino saß, und für mich persönlich Elsas Geschichte total eine Coming Out-Geschichte war. (Wobei ich nicht sagen will, dass Elsa als Figur lesbisch ist, ich meine eher, dass man ihre Geschichte, ihre Angst vor sich selbst und ihre Selbstakzeptanz später als Metapher genau dafür gelesen werden kann):

The Snow glows white on the mountain tonight, not a footprint to be seen.
A kingdom of isolation, and it looks like I’m the Queen
The wind is howling like a swirling storm inside
Couldn’t keep it in, heaven knows I tried …

Don’t let them in, don’t let them see
Be the good girl you always have to be
Conceal, don’t feel
Don’t let them know …

Ihr Leben lang hat Elsa versucht, die Macht, die in ihr wohnt, zu unterdrücken. Sie fürchtet sich vor ihren eigenen Fähigkeiten und noch mehr fürchtet sie sich davor, das andere erkennen, welche Kraft in ihr steckt. Sie ist anders als die anderen, fühlt sich als Monster und hat Angst vor dem, was die Menschen von ihr halten, wenn sie die Wahrheit über sie erfahren.

Wie könnte man nicht Mitleid mit ihr haben?

Als sich ihre viel zu lange unterdrückten Mächte Bahn brechen, ist es für sie wie ein Befreiungsschlag. Sie wendet dem Leben, das sie bisher kannte, den Rücken, und zieht sich in die Berge zurück, um sich selbst zu finden, um endlich sie selbst zu sein:

It’s funny how some distance makes everything seem small
And the fears that once controlled me can’t get to me at all
Up here in the cold thin air I finally can breathe
I know I left a life behind but I’m too relieved to grieve

Herrlich!
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