Kundenrezension

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Es hat sich ausge"rusht"!, 17. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Rush of Love - Erlöst: Roman (Rosemary Beach, Band 2) (Taschenbuch)
"Seine Worte überzeugten mich. Trotzdem kam es mir noch so vor, als würde etwas nicht stimmen. Er konnte das doch gar nicht wirklich wollen. Er war jung, reich und sah umwerfend aus. Ich dagegen hatte ihm nichts zu bieten. Ich würde ihn an mich binden. Seine Welt verändern."
[”Rush of Love: Erlöst” // Abbi Glines // S. 206]

Erster Satz:
Es klopfte an der Tür, dann war nur noch leises Fußscharren zu hören.

Inhalt:
Nachdem Blaire Wynn sich von dem reichen Rush getrennt hat, hat sie so gut wie nichts mehr auf der Welt: Ihr Vater hasst sie, Rush hat sie belogen und all die anderen, die sie je geliebt hat, liegen unter der Erde. Als sie jedoch etwas herausfindet, was die ganze Situation ändert und ihre Freundin Bethy sie überraschend besucht, beschließt Blaire zurück nach Rosemary zu gehen, um ihren alten Job wieder zu bekommen und wenigstens für kurze Zeit ein zu Hause zu haben. Doch auch Rush kommt mit der neuen Situation nicht klar. Verzweifelt versucht er, Blaire für sich zurückzugewinnen, schließlich hat er nie jemanden so sehr geliebt wie sie. Dabei steht er im ewigen Zwiespalt zwischen seiner Familie und Blaire. Blaire jedoch glaubt nicht an eine gemeinsame Zukunft, schließlich hält sie kaum noch einem Schicksalsschlag stand und dennoch ist da diese Anziehungskraft, die von Rush auszugehen scheint...

Schreibstil:
Wie auch schon im Vorgänger bietet der Schreibstil von Abbi Glines ein kurzes und (weitesgehend) schmerzloses "Vergnügen". Die Geschichte liest sich schnell (was aber auch an der beachtlich kurzen Seitenzahl liegt) und flüssig, aber auch ziemlich unglaubwürdig. Ich weiß nicht, ob amerikanische Teenies so reden, aber zumindest hierzulande habe ich noch niemanden in der direkten Rede Dinge wie "Dann kreuztest du..." (S. 234) oder "Ihr beide littet..." (S. 241) sagen hören. Davon abgesehen ist Glines' Schreibstil nicht unbedingt das, was ich schön nennen würde - ganz im Gegenteil: Worte wie "anphonen" sorgen für eine ziemlich plumpe Leseatmosphäre und knacksten mein wortverliebtes Herz ein wenig an. Insgesamt ist der Schreibstil aber natürlich für das Genre relativ passend, obwohl es trotzdem möglich sein sollte, auch solche Bücher ein wenig eleganter zu schreiben.

Meine Meinung:
Es ist kaum zu glauben, aber aus dem "Reicher-böser-Sexgott-liebt-naives-Blondchen-und-verweichlicht-Schema" scheint sich tatsächlich ein neues Genre abgekapselt zu haben, das weder Abwechslung, noch Originalität bietet. Sicher, wenn man "New Adult" liest, sollte man wissen, worauf man sich einlässt, aber zwischen den Liebeleien, dem "haaarten" Sex und den Eifersüchteleien hatte sich in mir eine kleine Hoffnung entwickelt, die sich leider als völlig unbegründet herausgestellt hat und um es schon einmal vorweg zu nehmen: Für mich hat es sich nun ein für alle Mal ausge"rusht". Den dritten Teil würde ich mir nur noch antun, wenn ich a) Lust auf Dramen à la GZSZ habe (was selten der Fall ist), b) ich etwas mit sehr wenig Anspruch lesen will oder c) Lust auf das immer gleiche New Adult Schema habe. Abbi Glines bedient sich in dem zweiten (ebenso kurzen) Teil der Rush of Love Reihe nämlich wieder ordentlich der Klischeekiste und schafft es dabei noch anspruchsloser zu werden, wenn man gerade denkt: Eigentlich kann es schlimmer nicht werden. Doch, es kann! Und wie!

Vorneweg möchte ich schonmal sagen, dass ich "spoilern" werde (obwohl man das eigentlich nicht spoilern nennen kann, weil das Hauptthema des Buches bereits in der Leseprobe angesprochen wird und man es, des ersten Teils wegen, eigentlich vermuten könnte), also für all diejenigen, die sich lieber überraschen lassen wollen: Ab hier solltet ihr nicht mehr weiterlesen! Für alle anderen: Ich habe den zweiten Teil vor allen Dingen deshalb gelesen, weil ich neugierig war; neugierig, wie sich die Geschichte weiterentwickeln würde (falls sie das denn tut) und auch neugierig, weil "Rush of Love: Verführt" wenn auch nicht viel, wenigstens eines geboten hat: Unterhaltung. Mehr hat aber auch der zweite Teil der Geschichte in mir leider nicht ausgelöst, weil ich gelinde gesagt, bisher selten so stumpf unterhalten wurde - mir fielen da spontan gewisse Ähnlichkeiten zu gewissen Serien auf einem gewissen Asi-Tv-Sender ein, aber das nur am Rande.

Wer im ersten Teil schon Probleme mit den Figuren hatte, sollte sich zwei Mal überlegen, "Rush of Love: Erlöst" zu lesen, denn Erlösung findet man garantiert nicht - vor allen Dingen was die Figuren betrifft. Hier trifft man nämlich traurigerweise auf das übliche Prozedere: Der reiche und harte Sexgott Rush verweichlicht zu einem knubbeligen Gummibärchen und kommt mit seinen verschiedenen Komplexen kaum klar, während Superblondine Blaire das tut, was sie am besten kann: Gutherzig sein. Zumindest laut Rush, denn ehrlich gesagt
würde ich einen Menschen, der so wenig Rückgrat besitzt und seinem Liebhaber so vieles durchgehen lässt, eher als dämlich und gutgläubig (wobei Blaire dafür dann doch zu schwer von Begriff ist!) bezeichnen. Noch dazu kommt Blaires Schwangerschaft (auch hier kann ich nicht verstehen, wie ein neunzehnjähriges Mädchen, dass derart vieles in ihrem Leben erdulden musste und erlebt hat, zu blöd sein kann, um zu verhüten!), die der Autorin natürlich ziemlich gut in den Kram passt. Was ist das beste vorsintflutlichste Mittel, um eine Frau zurück in die Arme ihres Liebhabers zu treiben, wenn sie sonst nichts auf der Welt hat? Und was macht die meisten Frauen und auch die sonst so unschuldige Blaire sextechnisch unersättlich? Riiichtig, eine Schwangerschaft!

Und die kann nicht nur Blaire gut vertragen, weil sich irgendwie jeder Mann in diesem Buch um ihr Baby kümmern würde (wenn Blaire inklusive ist, versteht sich!), sondern auch Rush, denn Blaire wird mit jeder Seite notgeiler, womit der arme Rush sie natürlich nicht alleine lassen kann. Ich meine, stellt euch mal vor, wie die arme Blaire nachts aufwacht, völlig ausgehungert nach Sex und kein Rush in der Nähe ist, der ihre Wunden "lecken" kann? Nicht auszudenken. Sextechnisch bleibt es allerdings trotzdem völlig gleich bei den beiden. Weder inhaltlich (Dirty Talk schön und gut, aber der erzählt ihr ja tatsächlich im Wortlaut immer dasselbe!), noch auf dieser Ebene bietet die Geschichte Abwechslung, was schade ist, wenn man bedenkt, dass das Buch als "erotisch" betitelt wird. Davon abgesehen empfinde ich Sätze wie "Ist da schon Milch drin?" beim Kneten ihrer Brüste nicht wirklich als erotisch - ganz im Gegenteil, so etwas ist ziemlich arm (hatte Mr Grey nicht mal was Ähnliches gefragt?). Ansonsten steht die Frage im Mittelpunkt, wer denn nun Rushs Nr. 1 ist, was er offenbar zu genießen scheint. Die Tatsache, dass er sich nicht dafür entscheiden kann, wer denn nun bei ihm an erster Stelle steht, ist ziemlich albern und zeugt nicht unbedingt von erwachsenem Verhalten.

"Ich liebte meine Schwester, aber mit der Zeit würde sie mir vergeben. Bei Blaire jedoch bestand die Gefahr, dass ich sie für immer verlor. Das durfte nicht geschehen."
[S. 108]

Aber auch sonst konnte die Geschichte mich nicht überzeugen. Die ganze Story liest sich, als würde man die pubertierenden Gedanken eines jungen Mädchens lesen, dass gerade Barbie spielt - nur das Ken in diesem Fall etwas mehr in der Hose hat. Das Leben der reichen Kids in Rosemary ist ohnehin ein wenig überzogen: Man spielt sieben Tage die Woche Golf und nimmt von da auch immer direkt das nächste Objekt der Lust mit nach Hause. Überhaupt wollen alle ziemlich erwachsen tun, dabei wirkt die Stadt, als würde sie lediglich aus Teenagern bestehen und diese soapähnlichen Zustände trugen höchstens zu meiner Unterhaltung bei. Noch dazu kommt die Tatsache, dass das Buch jetzt aus zwei Perspektiven (Blaire und Rush) geschrieben ist und der dritte Teil ("Rush of Love: Vereint" - wohl eher "Rush of Love: Verascht" - schließlich war die Reihe vorerst als Dilogie geplant...) sogar noch mehr Perspektiven beinhaltet, was eher so wirkt, als müsste man die Seiten irgendwie voll kriegen und nicht von einem wirklich ausgeklügelten Plot zeugt. Teil 1 hatte mich noch unterhalten und neugierig auf den Folgeband gemacht, aber mit "Erlöst" glänzt Abbi Glines höchstens, wenn man auf die üblichen vorsintflutlichen Beziehungen steht, in denen er schnell zum Weichei mutiert und sie ihre Unschuld fallen lässt und schon bald nicht mehr die Vernünftige in der Beziehung ist - Baby inklusive.

Fazit:
Es hat sich ausge"rusht" - zumindest für mich, denn ich "erlöse" mich von der Rush of Love Reihe, die weder Abwechslung, noch Originalität zu bieten hat und mich eher amüsierte, denn unterhielt - wenigstens das, denn die meiste Zeit habe ich mich wie in einer schlechten Soap gefühlt, in der immer wieder irgendein Drama geschehen muss, damit die Geschichte weiterlaufen kann. Das Drama um Rush und Blaire (und Anhängsel) ist albern, unrealistisch, noch dazu nicht einmal gut geschrieben und driftet für mich auf eine Ebene ab, die zumindest für mich einfach nichts mehr ist. Wer immer gleichen Sex, Babys, Eifersüchteleien und die anderen üblichen Verdächtigen mag, ist bei dem zweiten Teil der Reihe wahrscheinlich gut aufgehoben, für all diejenigen, die sich mehr und vor allen Dingen Abwechslung erhoffen, sollten lieber die Finger von dieser nicht eingehaltenen Erlösung lassen. Gute Unterhaltung sieht für mich zumindest anders aus.
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