Kundenrezension

34 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vitaler als Quecksilber, 24. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Together Through Life (Audio CD)
Kaum eine Bob Dylan-Platte ist mit größerer Nervosität erwartet worden als diese. Seine vorangegangen CDs haben das Hörerinteresse vervielfacht, die gegenwärtige Europa-Tournee treibt ihm Abend für Abend ein großes Publikum zu, Zeitungen und Magazine überbieten sich seit Wochen mit Interviews, Berichten und Rezensionen. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung zeigt sich Bob Dylan im Vollbesitz seiner künstlerischen Ausdruckskraft und überrascht zudem mit einer ungeahnten Vitalität.

Eines ist sicher: "Together Through Life" ist kein Konsensalbum, und es kann wohl auch nie eines geben. Viele unter Bob Dylans Hörern gewinnen seinen frühen Platten am meisten ab, andere schätzen besonders die Alben der zweiten Phase, beginnend mit "Subterranean Homesick Blues" bis zu "Blonde on Blonde". Manche lieben seine christlichen Platten, nicht wenige schätzen besonders die in den Neunzigern entstandenen Aufnahmen. Wiederum andere sprechen mehr der Hinwendung zur amerikanischen Roots-Music zu, die Dylan auf seinen jüngsten Alben vollzogen hat.

Insofern gibt es kein einheitliches Fan-Publikum, auch wenn viele seiner Stücke für -zig Millionen Menschen auf der Welt die Begleitmusik ihres halben Lebens sind. (Besonders bei Bob Dylans Konzerten zeigt sich, dass Popmusik inzwischen sehr viel weniger mit Jugendkultur zu tun hat als in den vergangenen Jahrzehnten.) Deshalb ist auch diese CD kein Album, auf welches sich alle verständigen können. Was Bob Dylans Hörer undessen gemeinsam haben, ist sicherlich ihr Sinn für Substanz und ihre Freiheit, sich immer wieder überraschen zu lassen.

In den Texten und der Musik dieser Platte spiegelt sich eine ungewöhnliche Fähigkeit zur Beobachtung und Beschreibung sowie ein lebhaftes, sehr präzises Gespür für jene spezielle Atmosphäre, die sich mit den Geschicken der (des?) Protagonisten seiner Songs verbindet. Man fängt an, gleichzeitig zu denken und zu fühlen - das erreicht längst nicht jeder, der sich hinter ein Mikrofon stellt. Musikalisch sind auf dieser CD keine Pioniertaten zu erwarten, neu ist nur, von wem sie kommen. Es ließe sich denken, Dylans neue CD knüpfe an den großen Erfolg des Vorgängers "Modern Times" an, doch nur der Impetus ist vergleichbar.

Statt dessen strebt "Together Through Life" in eine neue Richtung und gewinnt vermittels seiner Instrumentierung sehr viel an Wärme. Seine Spiritualität schimmert immer noch durch, wenngleich er weit weniger direkt ist, als auf den Alben der Achtzigerjahre. Auf der gegenwärtigen Dylan-Tournee hat mich der grandiose Multi-Instrumentalist Donnie Herron sehr beeindruckt, wenngleich seine Einsätze in Ermangelung tontechnischer Sorgfalt allzu leicht unterzugehen drohten. Neben seiner entzückenden Mandoline wird hier dem Akkordeon ein großer Stellenwert beigemessen. Kein Titel kommt ohne David Hidalgos farbenreich melodiöse Quetschkommode aus, die das Album auf ein angenehmes Latino-Feeling hebt.

Im Mittelpunkt dieser Platte steht denn auch jene etwas düstere Ballade "Life Is Hard", die Dylan für den Film "My Own Love Song" des französischen Regisseurs Oliver Dahan geschrieben hat. Das Coverfoto der CD stammt aus einer Serie von Aufnahmen von Bruce Davidson, mit der der Künstler in den späten Fünfzigerjahren die Zerrissenheit und Ziellosigkeit einer Brooklyner Jugendgang festgehalten hat. Einigen Literaturfreunden wird es vielleicht vom Umschlag der Paperback-Ausgabe des Buches "Big Bad Love" bekannt sein, einer Sammlung von Kurzgeschichten des 2004 verstorbenen Autors Larry Brown, von dem Dylan - wie er selbst sagt - "jedes Wort" gelesen hat, das dieser je veröffentlicht habe.

Die hier versammelten Bluesnummern und Balladen erzählen Geschichten, mit denen sich Dylan von seiner romantischen Seite zeigt. Die Stücke atmen die feuchte Hitze der Südstaaten, wo der gefühlswunde Grundton des Albums zu Hause ist. Der etwas schleppende Rhythmus, den Schlagzeuger George Reciles vorgibt und Tony Garniers druckvoller Standbass verpassen dem Zusammenspiel jenen unverkennbaren Tex-Mex/Cajun-Shuffle, der sich durch das ganze Album zieht. Etwas von der Ursprünglichkeit des lateinamerikanischen, leidgeprüften Kontinents und seiner unbändigen Hoffnung auf ein Leben in Würde scheint in dieser Musik auf.

Bob Dylan hat die meisten Texte dieses Albums gemeinsam mit Robert Hunter geschrieben, der sich neben seiner Arbeit als Übersetzer quasi als "Haustexter" für Grateful Dead einen Namen gemacht hat. Dylan hat den ausgesucht poetischen Worten ein angemessenes musikalisches Gewand gegeben. Man muss aber schon sehr fähige Musiker um sich haben, um eine solch wrappierende Dynamik und einen dermaßen geschlossenen Sound aufzubringen.

Bestimmt hätten die beiden genialen Tour-Gitarristen Denny Freeman und Stu Kimball hervorragend ins Konzept dieses Albums gepasst. Doch auch Mike Campbell von den "Heartbreakers" ist eine gute Wahl. Seine Lead-Gitarre mit einem alten Röhren-Amp zu verstärken, gehört zu den besten Ideen dieser Produktion. Indem er der Aufnahme einen gleichsam urbanen Charme verleiht, lässt Campbell den Hörer beinahe das 21. Jahrhundert vergessen.

Bob Dylan singt unverhofft tongenau und sieht - sehr im Sinne eines lebensnahen, authentischen Gesamtbildes - über manchen Verspieler hinweg. Unter dem Pseudonym Jack Frost hatte er bei dieser CD selbst die Finger an den Reglern. Seine disziplinierte Produktion vermittelt eine ganz intensive Präsenz. Es ist dabei ein Album entstanden, das einer großen Liebe zum amerikanischen Süden (nach eigenem Bekunden nicht so sehr als geografischem, sondern eher als einem empfundenen Ort) Ausdruck verleiht, ideenreich in jeder Hinsicht.

"Together Through Life" ist zweifellos eine sehr persönliche Platte, die den Schmerz und den Verlust, aber auch Güte, Ehrgefühl und Nächstenliebe als feste Bestandteile des Lebens zum Gegenstand hat. Wem die Auskopplung "Beyond Here Lies Nothing" gefällt, wird Titel wie "Forgetful Heart", "Life Is Hard" und "I Fell A Change Comin' On" mögen und geht kein Kaufrisiko ein. Eine sehr schöne CD, die ihre Zeit weit überragt und der man die Aufmerksamkeit vieler Hörerinnen und Hörer wünscht.
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Kommentare


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1-10 von 15 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.04.2009 14:09:15 GMT+02:00
Dylan hat "Life Is Hard" nicht für den Film "La Vie en Rose" geschrieben, sondern für den Nachfolgefilm des gleichen Regisseurs, der "La Vie en Rose" gedreht hat. Dieser Film wird erst in einigen Monaten veröffentlicht werden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.04.2009 16:20:04 GMT+02:00
Danke für die Berichtigung. Habe den Fehler inzwischen korrigiert.
Gruß nach Westfalen!
André Beßler

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.04.2009 18:23:24 GMT+02:00
Gern geschehen. Helfe Dylan-Fans immer gerne.
Keep on keeping on!
Klaus

Veröffentlicht am 25.04.2009 11:02:24 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.04.2009 11:04:38 GMT+02:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 27.04.2009 10:47:41 GMT+02:00
song_x meint:
Also, Ihre Begeisterung kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Sie betonen immer, dass man unter den und den Umständen "kein Kaufrisiko" eingeht, aber, docj, doch, es ist ein KAUFRISIKO!!! Wenn man es nämlich "Dylan-immanent" sieht, also nicht irgendwelchen Schrott als Vergleich heranzieht, dann sind 5 Sterne ja wohl eine absolut übertriebene Wertung. Es gibt doch bekannterweise etliche Dylan-Alben, die endlos unter die haut gehen, auch heute noch, aber doch nicht diese entspannte Session mit bewährten Blues-Klängen, etwas Tex-Mex-Flair - und viel zu wenig zwingenden Songs & Melodien°!!! ich greife nochmal auf den Kollegen "Garibaldi" und meine dortigen Kommentar zu seiner 5-Sterne-Huldigung zurück: wäre diese "Besternung" mehr als nur Ihre persönliche Begeisterung, dann müsste man ja "Desire", "Time Out Of Mind" und mind. fünf andere Werke auf eine Stufe mit diesem handzahmen Auftritt stellen. Und das geht doch gar nicht, oder? Nicht wirklich. Also, liebe Leute, dieses Platte ist vielleicht was Feines für Hard-Core-Fans, aber kein leuchtender Stern im Dylan-Werke-Verzeichnis...(with all due respect!) - aber schön geschrieben ist ihr Text schon, Herr Beßler - aber lassen Sie doch die ironische Anfragen bei anderen bzg. des Rezensionszeitpunktes. Als Journalist hat man das Teil früher.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.04.2009 16:03:25 GMT+02:00
Guten Tag songs_x,

"Begeisterung", wie Sie es nennen, ist nun einmal etwas sehr Subjektives. Wenn Sie, wie Sie es tun, von den neueren Alben "Time Out Of Mind" als Vergleich zur neuesten Veröffentlichung heranziehen, erschließt sich mir jedoch nicht, warum eine Fünf-Sterne-Wertung übertrieben sein soll. "TOOM" scheint mir ein wenig düster, hat jedoch überall sehr viel Anklang gefunden und war auch unter kommerziellen Gesichtspunkten äußerst erfolgreich. Es steht in einer Linie mit Alben, auf welchen Dylan eine Hinwendung zur amerikanischen "Roots-Music" vollzogen hat und von denen "Modern Times" wohl das bislang am meisten aussagehaltige war.

Das Vorgängeralbum von "Together Through Life" hat sich im Jahr 2006 in recht kurzer Zeit an die Spitze der Billboard-Charts gesetzt und in den USA mit mehr als einer Million verkaufter Einheiten Platin-Status erreicht. In sieben weiteren Ländern fand sich "MT" auf Platz 1 der Verkaufslisten, in 22 weiteren gab es eine Top-Fünf-Platzierung. Mir scheint das neue Album sogar erheblich besser gelungen und ich hoffe, dass sehr viele Hörerinnen und Hörer ebenfalls ihre Freude daran finden. Vergleiche mit "Desire" (oder "Blood On The Tracks", "Slow Train Coming" und "Oh Mercy") wären sicher überzogen und wohl auch musikalisch fragwürdig, da haben Sie gewiss recht. Aber das sind nun wirklich Jahrhundert-Alben, für die auch die Best-Wertung von fünf Sternen kaum ausreichend erscheint.

Ich bleibe also dabei: Wem die Auskopplung "Beyond Here Lies Nothing" gefällt, geht kein Kaufrisiko ein, denn die CD ist außerordentlich geschlossen und dieser Titel steht für alle anderen. Ob das Album auch an den Ladenkassen ein Erfolg wird, muss sich zeigen, doch ich habe daran nicht den geringsten Zweifel.

Danke für Ihre freundlichen Worte zu meiner Schreibe und viele Grüße aus Bremen
André Beßler

PS: Meines Wissens war der von mir sehr geschätzte Max Dax (Chefredakteur der Zeitschrift "Spex") der einzige deutsche Journallist, der vorab in die CD hereinhören durfte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.04.2009 12:01:34 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.04.2009 15:25:19 GMT+02:00
song_x meint:
Chartpositionen sagen nun rein gar nichts über die Qualität einer Platte aus. Das ist doch völlig irrelevant. Und: "Slow Train Coming" ein Meisterstück??? Interessante Ansicht. Und: Bzgl. Max Dax irren Sie.

Um einen an anderer Stelle geposteten Kommentar noch mal aufzugreifen, und ein wenig zu remixen: ich finde hier nur wenige herausragende Songs. Die Flächen- und Fanclub-deckende Begeisterung kann ich nicht teilen. Wieder ein Fall von übertriebener "Heldenverehrung". Ein Song hat hier vielleicht mal "Klassiker"-Status. Ansonsten spielt sich Dylan einmal mehr als Bewahrer vergangener Werte auf; die Blues-Nummern haben zuviel Nett-Routiniertes an sich (und gut geklaut sind sie auch,aber er darf das!). Dieses Album ist sicher nicht so tiefgehend wie "Modern Times" (wo es auch viel Gut-Geklautes gab), eben nur "ein gemütlicher Abend in der Bar", wie ein anderer Rezensent schrieb. Es gibt anno 2009 / 2008 erstaunlich viel gute Musik von Singer/Songwritern, die auf ihren jüngsten Alben für meinen Geschmack kreativer mit der Historie amerikanischer Musik umgehen als der hier Verehrte auf diesem einfach nur ordentlichen, aus dem Ärmel geschüttelten Album. ich nenne mal Bonny Prince Billy, M. Ward, Andrew Bird, Daniel Lanois (bei letzterem denke ich an das faszinierende Album "Here Is What is"; ja, Lanois hat "Time out ouf Mind" produziert, und ist auf etliche Takes des bislang letzten, grossen "Official Bootleg Series-Werkes von Dylan zu hören). Was ich wirklich nur mit Kopfschütteln quittieren kann, ist diese Überbewertung des jeweils akztuellsten Albums eines "Altmeisters". Die können machen, was sie wollen, zuerst kommen die restlos Begeisterten aus der Reserve: Beispiel die jüngste Young (grusel!!!), Beispiel auch die jüngste Springsteen (ja, die mit dem Kitschcover). Eine kluge Rezension zur neuen Dylan-Cd findet sich in der Samstagsausgabe der FAZ. Findet man sicher bald im Netz. Da rückt Edo Reents mal die Verhältnisse recht und umreisst die Schwachpunkte dieses Werkes sehr genau. Einen "Fan" interessiert das natürlich nicht. Um es noch mal zu sagen: wenn das hier ein 5-Sterne Album wäre, wieviel müssten dann die "echten Klassiker" von ihm bekommen: 11, 12, 13 Sterne?! Das hier soll den Vergleich aushalten zu "BlOOD ON THE TRACKS", "DESIRE", "TIME OUT OF MIND", "BLONDE ON BLONDE" Wie bitte????!!! Also, wirklich....:) P.S. Ich empfehle noch einmal wärmstens, bei der Bewertung von Musik Verkaufslisten, Top Fünf-Platzierungen "in der Tüte zu rauchen". P.P.S.: Wesentlich inspirierter als dieses Album ist die Joe Henry-Produktion von Ramblin´ Jack Elliotts neuem Album "A Stranger Here" (den Blues-Fans unter den Lesern ans Herz gelegt); und, ähem, nein, besondere Verkaufszahlen weist dieses Werk eines Uraltmeisters nicht aus:)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.04.2009 16:18:35 GMT+02:00
Ihr "Kopfschütteln" fällt ja ziemlich wortreich aus! Was die Verkaufslisten anbelangt, stimme ich Ihnen insofern zu, dass ich mich bei meiner Kaufentscheidung ganz sicher nicht davon leiten lassen würde, wie häufig das Album bereits über den Ladentisch gegangen ist. Dennoch zeigen diese Zahlen immerhin an, ob eine CD ein gewisses Hörerinteresse gefunden hat. Im Fall von "Modern Times" habe ich die Verkaufszahlen herangezogen, um deutlich zu machen, dass ein neueres Dylan-Album durchaus eine sehr gute Wertung erlangen kann, auch wenn es schwer vergleichbar mit früheren Veröffentlichungen ist. Wenn eine CD über Wochen die Charts anführt, lässt sich vielleicht davon ausgehen, dass es den Käuferinnen und Käufern gut gefällt.

Wie auch immer: Mir gefällt die neue Dylan-CD, Ihnen und Herrn Reents eben nicht. Die Menschen sind nun einmal verschieden. Darüberhinaus bin ich der Ansicht, dass der Vergleich nicht der einzige Weg ist, zu einer Bewertung zu gelangen. In diesem Sinne finde ich fünf Sterne für "Together Through Life" durchaus angemessen, ein insgesamt sehr gutes Album.

Freundliche Grüße
André Beßler

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.04.2009 21:35:43 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.04.2009 07:11:40 GMT+02:00
song_x meint:
Lieber Herr Beßler: Ihr Sinn für feine Ironie gefällt mir. Der Satz mit dem "Kopfschütteln" war nun wirklich gut. Ihre Charts-Fixiertheit sollten Sie aber überwinden. Sie schreiben z.B.: "Wenn eine CD über Wochen die Charts anführt, lässt sich vielleicht davon ausgehen, dass es den Käuferinnen und Käufern gut gefällt." Na klar, aber das sagt null, das trifft doch auch auf den grössten Mist zu. Oder auf banalen Mainstream. Guter Verkauf hängt doch oft mit dem Zeitgeist zusammen, oder nostalgsichen Sehnsüchten. Bestes Beispiel: die Rolling Stones und ihre so unendlich mittelmässig gewordene Musik. Oder Kate Melua, Josh Stone, all diese gehypten Image-Musiker. Mit besten Grüssen, Song_X. P.S.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.04.2009 16:00:01 GMT+02:00
Guten Tag "Song_X.P.S.",

"Charts-Fixiertheit"? Falsch geraten. Da sollten Sie sich aber lieber nochmal den Zusammenhang ansehen. Wobei: Wenn ich - gleichsam als Nebeneffekt - einen winzig kleinen Beitrag dazu leisten konnte, dieser CD zu einer guten Charts-Platzierung zu verhelfen, soll mir das völlig recht sein. Denn kein Künstler macht eine Platte für den Grabbeltisch, ist es nicht so? Es freut mich ganz außerordentlich, wenn unter all den populären Beliebigkeiten einmal etwas Substanzielles an die Spitze findet, so wie 2006 im Falle des Dylan-Albums "Modern Times". (Etwas differenzierter dazu meine Rezension vom 28. August 2006.)

Und um vielleicht einmal auf Ihre Frage zurück zu kommen, wie viele Sterne gerechter Weise "Blood On The Tracks" (siehe meine Rezension vom 21. Mai 2006) bekommen müsste: Es sind etwa 15. Dasselbe gilt für "Slow Train Coming" (28. Juni 2006) und für "Blonde On Blonde" (6. April 2008). Wobei selbstverständlich keine Wertung der musikgeschichtlichen Bedeutung des letztgenannten Albums gerecht werden kann. Nun, zum Glück gibt es ja die Kommentar-Funktion, mit der sich solche Besonderheiten sehr viel genauer erörtern lassen.

Im Übrigen fand ich wissenswert, was Sie über Andrew Bird, Ramblin' Jack Elliott al alongue geschrieben haben und bin der Meinung, dass Sie sich nicht hinter einem Nickname verstecken müssen. In Ihrer Aufzählung kommen nicht vor: Andrew Peterson (hier zu Lande leider fast unbekannt) und Bruce Coburn, dessen neue CD bei uns erst am 10. März erscheint. (Ohne Aussicht auf eine Charts-Platzierung, versteht sich. Was die Bedeutung jedoch nicht schmälert.)

Ihnen meine besten Wünsche!
André Beßler
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