Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Viel Blut...sehr, sehr viel Blut, 15. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Ashes - Tödliche Schatten (Gebundene Ausgabe)
‟Ashes – Tödliche Schatten“ von Ilsa J. Bick ist der zweite Band einer endzeitlichen Trilogie für junge Erwachsene.

Inhalt: Immer noch herrscht Chaos in Nordamerika. Nach dem merkwürdigen Impuls vor einigen Monaten, haben sich immer mehr Jugendliche in Menschenfleisch-fressende Wilde verwandelt, doch ihre Entwicklung wird sogar noch beunruhigender, denn sie scheinen klüger zu werden. Nach ihrer Flucht aus Rule trifft Alex auf eine Horde veränderter Jugendlicher und muss um ihr Überleben kämpfen, während Tom sich weit entfernt aus einem sicher geglaubten Versteck auf die Suche nach ihr macht und in Rule, der sicheren Stadt, harte Entscheidungen getroffen werden, die einige in die Wildnis zwingen. Dort ist es nicht nur wegen der Veränderten gefährlich, denn jemand macht Jagd auf junge Leute, wie Peter, der nach einer letzten Versorgungsfahrt nicht nach Rule zurückkehrte, schmerzhaft feststellen muss. Was steckt hinter diesen Entführungen? Woher kam das Signal, dass die Veränderungen auslöste? Und was steckt hinter der Sicherheit von Rule?

Wie so oft bei Trilogien leidet meiner Meinung nach auch der zweite Band von ‟Ashes“ darunter, der Mittelteil zu sein. Nach dem ersten Kennenlernen der Figuren und der eingeleiteten Krise im ersten Band, darf der zweite diese zwar fortführen, aber unter gar einen Umständen auch nur ansatzweise lösen, um genügend Sprengstoff für das große Finale im letzten Band übrig zu lassen. Dem Mittelband steht daher einmal mehr nur die Lückenfüller-Rolle zu, die ihn dazu verdammt ohne große Höhepunkte auszukommen. So geht es auch ‟Tödliche Schatten“, das sich im Vergleich zum Vorgänger leider nicht nur zum Positiven entwickelt hat.

Schon am Anfang hatte ich große Schwierigkeiten mit dem Buch. Es gab kaum Rückblicke, welche mir Ereignisse aus dem ersten Band noch einmal in Erinnerung hätten rufen können. Normalerweise stellt dies für mich auch kein Problem dar, aber im Vergleich zu ‟Ashes – Brennendes Herz“ entwickelte sich dieser zweite Band sofort nicht etwa nach vorne, sondern ging sehr stark in die Breite. Während der Fokus vorher auf Alex lag, war Toms Schicksal nach dem ersten Band ungeklärt. Dies ändert sich gleich zu Beginn des zweiten Bandes. Der Leser erfährt, wie es Tom ergangen ist und er wird fortan zu einem aktiv erzählendem Protagonisten. Das allein wäre als Änderung sicher noch leicht nachzuverfolgen gewesen, aber es ist nicht nur Tom, der ab jetzt seine eigenen Kapitel erhalten wird, welche die Lage der Dinge aus seiner Sicht erzählen, sondern auch noch einige andere Charaktere, die ich kaum noch auf dem Schirm hatte, bekommen diese Gelegenheit.

Es sind mehrere Figuren aus Rule, die plötzlich von – für mich – unbedeutenden Nebenfiguren zu wichtigen Handlungsträgern werden. Dadurch wird die Geschichte sehr breit: viele Perspektiven von sich an unterschiedlichen Orten aufhaltenden Personen erzählen nicht direkt zusammenhängende Handlungsstränge. Dem konnte ich gerade am Anfang gar nicht folgen. Die Charaktere, plötzlich so wichtig, waren mir als Randfiguren nur noch in dunkler Erinnerung, die ich erst mühsam wieder hervorkramen musste, wobei das Buch durch fehlende Rückblicke nicht gerade hilfreich war. Bei anderen Reihen würde ich zu viele Rückblenden durchaus kritisieren, da sie ein Buch am Anfang oft ein wenig ausbremsen und es im Spannungsaufbau behindern, aber in diesem Band ist das Gegenteil der Fall: Zu wenige Rückblicke, wenn vormals Nebencharaktere plötzlich zum Fokus der Handlung wurden, verschafften mir einen sehr holprigen Zugang zum Buch..

Zudem empfand ich Alex' Aufenthalt in Rule im ersten Band schon als den schwächeren und uninteressanteren Teil der Geschichte und hatte gehofft, dass sich dieser Abschnitt mit ihrer Flucht nun erledigt hätte – immerhin gäbe es genug spannendere Fragen zu klären, als die, warum Rule ist, wie es ist. Die Herkunft des Impulses zum Beispiel, der das alles erst ausgelöst hat. Mit einer Entwicklung in diese Richtung hätte ich gerechnet, aber nicht im Traum damit, dass Rule und seine Bewohner plötzlich solch tragende Rollen übernehmen würden. Gerade der Anfang braucht in vielen Handlungssträngen – eigentlich in allen abgesehen von demjenigen, der von Alex handelt – sehr lange, bis er in Schwung kommt und war dadurch eher langweilig. Nur mit Alex ist der Leser gleich wieder mitten im Geschehen, doch durch die oft wechselnden Perspektiven kann er nicht lange bei ihr bleiben.

Spannung kam dadurch leider erst mit einer gewissen Verzögerung von etwa 150 Seiten auf. Danach wurde es aber richtig gut und hat mir sogar besser gefallen, als große Teile des ersten Bandes. Nach der ersten Eingewöhnungszeit konnte ich mich mit den neuen Handlungsträgern abfinden, von Tom war ich sogar begeistert und mit mindestens einem weiteren – Chris – konnte ich mich mehr oder weniger anfreunden. Eine der schwierigsten, aber dafür auch intensivsten Geschichten entfaltete sich allerdings um eine andere Figur aus Rule, Peter, den im zweiten Band ein schreckliches Schicksal ereilt. Leider wurde seine Perspektive eher sporadisch in die Handlung eingestreut und das, obwohl sie neben Alex und Tom eine der spannenderen und auch die einzige war, die sich sehr nahe am Kern der zentralen Fragen dieses Romans abspielte.

Nach dem schleppenden Anfang wurde es allerdings in allen Handlungssträngen sehr spannend. Aber – und das sollte man nicht vergessen, wenn man zu dieser Reihe greift – auch sehr blutig. Sehr, sehr blutig. Es ist ein Endzeitroman, zu vergleichen mit einem Zombiefilm, und es wird nicht ‟nur“ getötet: Es ist ein einziges Gemetzel. Mit Blut oder den Beschreibungen herausgerissener Körperteile sollte man also definitiv keine Probleme haben, sonst wird dieses Buch einem möglicherweise ein schreckliches Kopfkino mit großem Potenzial für einige schlaflose Nächte bescheren.
Ein wenig frustrierend bleibt die Handlung leider, vermutlich aufgrund ihres Daseins als mittlerer Band einer Trilogie, vor allem, was das Zusammenspiel der einzelnen Figuren angeht. Aber da möchte ich nicht zu viel verraten.

Sprachlich ist ‟Ashes – Tödliche Schatten“ sehr überzeugend. Die Autorin fürchtet die direkte Beschreibung schrecklicher Details nicht, versteht sich aber auch darin, nur mit leichten Andeutungen Gänsehaut zu erzeugen. Kapitel brechen oft an den spannendsten Stellen ab, was die Sogwirkung des Romans sehr stark macht. Nach dem eher schwerfälligen Anfang, konnte ich das Buch irgendwann nicht mehr aus der Hand legen. So eine düstere Atmosphäre, mit so eindringlichen Schilderungen perfekt vermittelt, erlebe ich ganz selten. Es war, als wäre der tiefste Winter Nordamerikas zu mir ins Wohnzimmer gekrochen.

Fazit: Der plötzlichen Masse an neuen Hauptprotagonisten war ich am Anfang des Buches, auch durch fehlende Rückblicke, kaum gewachsen. Leider wurde es dadurch zu Beginn etwas langatmig, bevor es zu alter Stärke zurückfand und abermals einen atemberaubenden Endzeit-Roman präsentierte. Definitiv nichts für Zart-Besaitete, aber die Spannung und die packende Atmosphäre ließen mich den langweiligen Anfang fast vergessen – aber nur fast. Dafür gibt es 4 Sterne.
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