Kundenrezension

53 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Überheblicher Besserwisser"..., 23. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
...das war mein erster Gedanke vom Autor dieses Buches. Harte Worte, ich weiß, aber man möge sie mir verzeihen (und ich setze sie auch, für alle politisch korrekten Menschen, in Anführungszeichen, um zu kennzeichnen, daß es ein erstes Gedankenspiel war, impulsiv und noch vollkommen unreflektiert).

Ich habe lange mit mir gekämpft, dieses Buch zu rezensieren, weil ich Sorge hatte, zu heftige Dinge zu schreiben. Aber nun muss es sein. Denn als Vielleser, der jede Menge geschichtlicher Werke verschlingt, habe ich mich so auf dieses Buch gefreut und bin dermaßen enttäuscht worden.

Ich will dem Autor gerne anrechnen, daß er viel recherchiert hat, vor allem private Schreiben und Tagebücher, die durchaus interessant sind und dem einen oder anderen Ereignis Farbe verleihen. Aber schlussendlich wirken sie (meiner persönlichen Meinung nach)wahllos zusammengeschustert und relativ willkürlich ausgewählt, ebenso wie die Quellen an sich, deren grundsätzliche Färbung auch nicht verschleiert werden kann (meiner persönlichen Meinung nach).

Ich will auch gerne attestieren, daß diese Epoche sicher nicht eine der einfachsten ist, allein schon aufgrund der verschiedenen beteiligten Nationalitäten, die sich bunt gemischt haben und teilweise damals auch noch garnicht so hießen wie heute. aber für einen Leser ohne Hintergrundwissen ist das Buch (meiner persönlichen Meinung nach)fast nicht lesbar. Ohne jegliche Einführung wird man hineingeschmissen in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts und im weiteren (meiner persönlichen Meinung nach)bombardiert mit einzelnen Namen und Titeln von Privatleuten, Adligen, Soldaten, Generälen etc., bei denen man irgendwann aufgibt, sie noch nachvollziehen zu wollen. Das "name dropping" wirkt (meiner persönlichen Meinung nach) somit nur, als wolle man damit durch Eindruck schinden, was man für tolle und umfangreiche Arbeit geleistet hat - was durchaus sein mag, aber den Leser holt man damit (meiner persönlichen Meinung nach) nicht ab bzw. läßt ihn verstehen, wo die Tücken und Probleme der Konstellationen lagen.

Was mich aber richtig zur Weißglut getrieben hat, waren die fortwährenden wertenden Kommentare und Anmerkungen, die (meiner persönlichen Meinung nach) einem Historiker grundsätzlich nicht zustehen und vor allem (meiner persönlichen Meinung nach)nicht gut zu Gesicht stehen: Generäle, die ein "Großmaul" waren, Tätigkeiten, zu denen Zar Alexander "nicht den Schneid hatte", das russische Heer, welches durch "aristokratische Nichtsnutze" geschwächt wurde, sind nur ein paar Beispiele davon. Schlußendlich masst sich der Autor auch noch Aussagen an der Art "wenn er das getan hätte, wäre der Sieg einfach gewesen" oder "wie Napoleon diese Maßnahme auslassen konnte, ist unbegreiflich, da ja jedermann klar sein muss, daß sie ganz offensichtlich den Sieg bedeutet hätte". Gute Historiker versuchen (meiner persönlichen Meinung nach), neutral zu bleiben und die Motivationen der handelnden Personen nicht vor einem eigenen Wertmaßstab abzuwerten - was im Nachhinein sowieso immer ganz einfach ist. Aber insbesondere versuchen sie (meiner persönlichen Meinung nach), das Geschehene den Menschen von heute verständlich zu machen. Daran ist der Autor kläglich gescheitert meines Erachtens.

Mir ist dieses (meiner persönlichen Meinung nach) selbstgefällige Gehabe des Autors ehrlicherweise irgendwann zuwider geworden. Ich habe das Buch zu 60% gelesen und es dann zur Seite gelegt, was mich eigentlich fürchterlich ärgert, da mich die geschichtliche Epoche sehr interessiert. Vielleicht lese ich es weiter bei Gelegenheit, aber es gibt genügend Werke, bei denen man sich nicht durch die Selbstüberschätzung des Autors quälen muss.

Zwei Sterne für die Arbeit, die dahinter stecken mag. Aber viele Minussterne für den Stil.

PS: Und wer sich jetzt fragt, warum so oft "(meiner persönlichen Meinung nach)" in dieser Rezension steht: Offensichtlich animiert die Äußerung einer anderlautenden Einschätzung als der eigenen andere Menschen dazu, persönlich beleidigend zu werden. Insofern habe ich meine Meinung als solche deutlich gekennzeichnet und hoffe nun auf Gnade durch Berufung auf Meinungsfreiheit.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.07.2012 15:24:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.07.2012 15:24:49 GMT+02:00
arno meint:
Volle Zustimmung zu Ihrer Rezension.
Hätte ich sie bloß gelesen, bevor ich mir das Buch gekauft habe.

Veröffentlicht am 20.08.2012 11:00:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.09.2012 15:33:50 GMT+02:00
Könnten sich die zwei Herren bitte irgendwo zum Duell treffen und den Rest der Leserschaft mit ihren Ergüssen in Ruhe lassen?
Jeder kann seine eigene Meinung haben und er kann sie ruhig bei sich behalten. Es ist nicht notwendig, andere damit zu belästigen.
Es hilft also nur eines: Buch kaufen oder leihen, es lesen und sich selbst ein Bild machen.

Veröffentlicht am 31.08.2012 21:00:02 GMT+02:00
Hört nicht auf diesen Wichtigtuer, das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite faszinierend und lehrreich. Für mich eines der besten historischen Werke, die bisher gelesen habe. Ihr werdet den Kauf mit Sicherheit nicht bereuen, versprochen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.09.2012 13:09:52 GMT+02:00
B. Preuschoff meint:
Sehr geehrter Herr Maller,

diese Rezension ist meine persönliche Meinung. Es steht jedem frei, sie in die eigene Betrachtung miteinfließen zu lassen oder nicht. Und ebenso steht es jedem frei, eine andere Meinung zu diesem Buch zu äußern. Aus der Vielfalt der Meinungen entsteht ja erst die Möglichkeit, sich einen ersten Eindruck über ein Buch zu verschaffen. Es wäre schön, wenn Sie das auch so sehen, dann haben alle etwas davon.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2012 15:21:35 GMT+02:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.09.2012 12:42:52 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 05.09.2012 12:43:46 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 14.09.2013 00:40:54 GMT+02:00
Lächerlich, wie Sie sich hier als Oberlehrer aufspielen und selber vermutlich nicht ansatzweise in der Lage wären, ein ähnliches Werk zu schreiben. Wie sagte es Hemingway so schön? Kritiker sind Menschen, die sich eine Schlacht aus sicherer Entfernung anschauen und wenn alles vorbei ist, das Schlachtfeld betreten, um die Überlebenden zu töten. Der Autor ist nicht, wie Sie es formuliert haben, ein "überheblicher Besserwisser", da ich bezweifle, dass Sie das überhaupt beurteilen können, weil Sie sich wahrscheinlich nicht einen Bruchteil der Zeit mit der Thematik beschäftigt haben, wie es der Autor getan hat. Außerdem ist der Historiker neutral geblieben. Er hat an verschiedenen Stellen des Buches, Fehler BEIDER Parteien dokumentiert. Seine Wortwahl mag dabei nicht jedem gefallen, spielt aber hier auch nicht die große Rolle, die Sie ihr zuschreiben. Ein großartiges Buch.

Veröffentlicht am 06.01.2014 15:33:29 GMT+01:00
Opaoma meint:
Also bei allem Respekt, aber wenn ich Ihre Rezension lese muss ich Sie leider auch für einen aufgeblasenen Wichtigtuer halten, der überhaupt keine Ahnung von Literatur oder Geschichte hat. Kritik ist gut, und dass Sie es persönlich nicht mögen so viele private Primärquellen vorgelegt zu bekommen kann ich gerade noch akzeptieren (nicht jedoch verstehen). Aber dass sie dem Autor vorwerfen zwar gut recherchiert zu haben, aber einen dem 'Historiker an sich' unangemessenen Stil zu verwenden, ist lachhaft. Es gerade das einzigartige dieses Buches, dass es die akribisch wissenschaftliche Recherche eines Universitätshistorikers mit eigenständigen, aber immer durch Belege gestützten Einschätzungen im fast belletristischen Stil verbindet.

Sie hätten sich auch die Mühe machen können, ihre Kritik an Zamoyskis kontrafaktischen Überlegungen durch echte Zitate zu belegen, oder aber wenigstens ihre freien Erfindungen als solche zu kennzeichnen. Und wenn sie auch noch von Anmaßung sprechen und im gleichen Atemzug meinen, darüber urteilen zu müssen was 'gute Historiker' tun kann ich sie leider nicht mehr ernst nehmen. Kontrafaktische Überlegungen sowie färbende Kommentare sind mit Vorsicht zu genießen und natürlich kann man der Meinung seien, dass Zamoyski hier übers Ziel hinaus geschossen ist. Aber zu behaupten, 'gute Historiker' sollten Grundsätzlich keine solchen Überlegungen anstellen ist schon allerhand.

Veröffentlicht am 11.03.2014 15:36:25 GMT+01:00
Mavs meint:
Ich habe das Buch noch nicht gelesen...aber ich moechte Ihnen kurz zustimmen, dass herablassende oder besserwisserische Kommentare in einem professionellen Geschichtsbuch nichts zu suchen haben. So wie Sie das zitieren, hat der Autor wirklich ein geschichtliches faux-pas begangen. So eine praetentioese Haltung ist fuer einen Historiker wirklich nicht angebracht...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.03.2014 16:28:22 GMT+01:00
Opaoma meint:
Der Herr Preuschoff hat aber nicht wirklich zitiert, sondern seine eigenen Paraphrasen in Anführungszeichen gesetzt.

Und wie schon betont, für mich sind gerade die Kommentare von Herrn Zamoyski von historischer Bedeutung. Geschichte ist nun einmal auch Interpretation, und ich kenne genug Bücher die durch bloße Aufzählung historischer 'Fakten' es versäumen den Zusammenhang zu deuten. Dass dabei natürlich jeder seine eigenen Schlüsse ziehen sollte, ist selbsverständlich.
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