Kundenrezension

1.216 von 1.560 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Au weia! Der arme Herr Beutlin.., 22. Dezember 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Smaugs Einöde [Blu-ray] ultraviolett (Blu-ray)
Rezension enthält Spoiler, also seit gewarnt ^^

Ich habe es von Anfang an sehr skeptisch gesehen, dass aus dem vergleichsweise kurzen Buch eine ganze 9-stündige Filmtrilogie gemacht werden sollte. Mit dem zweiten Teil Smaugs Einöde kristallisiert sich noch mehr als beim ersten Film heraus, dass dies einfach nicht wirklich gut funktioniert.

Ich bin Tolkien-Fan und kenne nicht nur den Hobbit und den Herrn der Ringe, sondern habe auch das Silmarillion und die Anhänge und Register gelesen, außerdem die Kinder Hurins. Ich liebe den Stoff und Jacksons Ring-Trilogie, ich liebe Fantasy und ich habe mit wirklich großer Neugier und Vorfreude die Hobbit-Filme erwartet. Optisch und atmosphärisch sind sie der erwartete Knaller. Kitschig, detailreich und mit großem Aufwand realisiert - genau so habe ich es nach der Ring-Trilogie erwartet und wurde nicht enttäuscht. Das Problem ist der Inhalt. Nicht nur ist dieser einfach nicht auf drei Filme ausgelegt, es wurde bei vielen Dingen enorm viel geändert, hinzugedichtet oder unnötig aufgeblasen, wohingegen andere Dinge zu kurz kommen. Beorn beispielsweise wird in etwa zwei Minuten abgehandelt, dafür gibt es aber später im Erebor eine unglaublich lange und ermüdende Verfolgungsjagd zwischen Smaug und den Zwergen (+Bilbo), inklusive Schubkarren-Flüssiggoldsurfen und Drachenschnauzen-Balancieren. Diese Szenen sind, genauso wie die total mit Slapstick überfrachtete Fässerfahrt im Fluss, eine reine Anbiederung an das Popcorn-Action-Kino. Ganz offensichtlich traut man dem heutigen Filmgucker nicht zu, Gefallen an einer Fantasygeschichte wie dem Hobbit zu finden, wenn darin nicht irgendwelche völlig abgedrehten, selbst der Logik eines Fantasyuniversums spottenden Szenen vorkommen.
Kämpfe und Verfolgungsjagden werden hier kaum bedrohlich und angsteinflößend dargestellt, sondern eher klamaukhaft und comicartig. Die Orks sind keine ernstzunehmenden Gegner mehr (wie noch in der Ring-Trilogie), die man fürchten und respektieren muss, sondern Kanonenfutter für jeden nur erdenklichen Slapstick. Soll ich das als Fan der Tolkien-Welt interessant finden? Und was ist mit diesem Kratos-Ork, der soll seit Neuestem Saurons Armee anführen? Da ist ja die Niederlage vorprogrammiert..
Und warum wird aus Radagast, wenn er denn schon entgegen der Vorlage im Film dabei sein soll, eine absolute Witzfigur gemacht, die ein Vogelnest auf dem Kopf und Vogelkacka im Gesicht hat?
In der Seestadt Esgaroth werden ein Dutzend Orks in einer 10 m2-Wohnung gekillt. Dort müsste es also wimmeln vor Leichen. Aber schon fünf Sekunden später ist dort nichts mehr zu sehen von einem Kampf, wenn die Elbin Tauriel den Zwerg Kili heilt, der übrigens auch noch verliebt in sie ist...
Und dann ist da natürlich noch Smaug, der ungeschickteste Drache aller Zeiten mit dem kältesten Feueratem aller Zeiten, das nicht mal dazu in der Lage ist, einem Zwerg die Barthaare anzusengen. Sein Bauch ist hier nicht mit Gold und Edelsteinen überzogen. Nein, hier hat man ihn während der Eroberung des Erebors eine Schuppe am Bauch verlieren lassen, die nicht nachgewachsen ist und deshalb eine verwundbare Stelle hinterlässt. Na Prost! Nach all dem übertriebenen Special-Effects-Klamauk wählt man ausgerechnet hier eine so unspektakuläre - wenn auch nachvollziehbare - Lösung.
Enttäuschend ist außerdem, dass etwas anderes enorm wichtiges unter all dem begraben wird: die Charaktere. Bilbo hat nur noch wenige Szenen, und noch viel weniger wirklich gute. Thorin ist nicht annähernd so ambivalent dargestellt wie er sein müsste bzw. Tolkien ihn ausgearbeitet hat. Die meisten anderen Zwerge bleiben dem Zuschauer völlig fremd, sind halt der Vollständigkeit halber dabei. Legolas wurde im Vergleich zu Jacksons HdR-Trilogie komplett verändert. Dort war er intelligent und vorausschauend, hier ist er verbittert und fast schon bösartig.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Film durchaus Unterhaltung bietet, vor allem optischer Natur. Inhaltlich fehlt mir der Respekt zu dem Material der Vorlage, denn selbige wurde äußerst frei adaptiert, auch unter Berücksichtigung der Zusatzinhalte aus dem Silmarillion. Smaugs Einöde ist nicht spannend. Smaugs Einöde ist in sich nicht logisch. Smaugs Einöde ist kein Film für Fans anspruchsvoller Fantasy. Im Grunde genommen ist er lediglich ein Zeitvertreib für einen Nachmittag/Abend, an dem einem sonst nichts anderes einfällt, was man tun könnte. Und das ist ein trauriges Urteil. Man spürt beim Schauen nicht mehr die Magie, wie sie noch bei der Ring-Trilogie allgegenwärtig war. Hier hat man eher das schwer zu erklärende Gefühl, sich über die Dauer des Films "hindurcharbeiten" zu müssen. Irgendwie beschlich mich der Gedanke, dass die Produktion auch für Jackson und seine Crew viel mühsamer und schwerfälliger als beim Herrn der Ringe war. Optisch ist alles da, aber es fehlt die Seele.

Update (16.01.14):
Aufgrund der vielen bösartigen Kommentare möchte ich doch um eines bitten: Nicht jedes Wort aus dieser Rezension drei Mal umdrehen, analysieren und zu viel hinein- oder falsch interpretieren.
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Kommentare

Von 12 Kunden verfolgt

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81-90 von 388 Diskussionsbeiträgen
Veröffentlicht am 23.01.2014 22:59:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.01.2014 23:01:53 GMT+01:00
Maier meint:
Die Diskussion zu diesem Beitrag ist zwar schon lang, ich möchte meine Meinung dennoch einbringen. Nachdem ich wie der Autor alles an Literatur zu Mittelerde gelesen habe, dass der gute Herr Tolkien uns hinterlassen hat, kann ich mich mit Recht als Tolkien-Nerd bezeichnen. Wer das Silmarillion, oder die Kinder Hurins im Vergleich zum Hobbit gelesen hat, bemerkt den starken Unterschied in Schreibstil und Sprache dieser Werke. Auch mich hat es beim erstmaligen Lesen vom Hobbit überrascht, wie sehr sich das Buch von den anderen Werken unterscheidet. Es ist eine leichte Kost, ein Roadtrip durch Mittelerde und (darf man nicht vergessen) als Kinderbuch konzipiert.
Davon ausgehend wusste ich schon ungefähr was mich im Film erwartet und war im Grunde begeistert wie PJ die Vorlage umgesetzt hat. Die Szene in Dol Guldur und das Auftreten von Legolas empfand ich nicht als überflüssig, sondern als stimmige Ergänzung. Martin Freeman macht als Bilbo eine weit bessere Figur als Wood als Frodo und die Tauriel Szenen stören mich auch weit weniger wie das (ebenfalls komplett erfundene) Arwen Gedüns in HDR. Zu Legolas ist zu sagen das ich ihn hier als "jüngeren" etwas wilderen und vlt etwas überheblichen "Prinz des Düsterwaldes" gut in Szene gesetzt finde. Immerhin is ja Thranduil der Vater! ;)
Zum Tempo des Films ist zu sagen, dass es mir hier auch oft "zu schnell" ging. Mittelerde muss behäbig erzählt werden, das ist Teil der Atmosphäre.
Natürlich kann ich auch die Vogelkacke in Radagast Gesicht und die betrunkenen Elben (WTF?!?!) nicht wegleugnen, die Slapstick Szenen, die hier oft kritisiert werden finde ich aufgrund der Vorlage jedoch durchaus passend. Es ist nett, ein etwas "unbeschwerteres" Mittelerde zu sehen, bevor Sauron wieder auf den Plan tritt.
Ich verstehe durchaus (zumindest einiges) von der angeführten Kritik, und bei einer Umsetzung von z.B. der "Kinder Hurins" würde ich mir auch etwas anderes erwarten. Doch ist der Hobbit: Smaugs Einöde für mich eine ebenso schöne Reise in mein geliebtes Mittelerde wie es seinerzeit HDR war. Denn auch diese PJ Trilogie hatte seine Schwächen (die Gefährten nicht ;D) jedoch kann ich mir niemanden besseres als PJ vorstellen, um dieses Werk anzufassen und freue mich schon sehr auf den dritten Teil, hoch gespannt, aber auch skeptisch und hoffe das sein "Übergang zu HDR" ebenso Stimmig sein wird wie der Rest seiner Tolkien Interpretationen.
Fazit: Ein tolles Werk das sich aus dem restlichen Hollywood Einheitsbrei abhebt und die Vorlage gut in Szene setzt. Wer sich hier eine zweite "HDR Trilogie" in der selben Stimmung erwartet wird enttäuscht, es geht rasanter und humorvoller zur Sache was manche vor den Kopf stoßen mag und einige Szenen entfernen sich sehr vom ursprünglichen "Tolkien-Geist". Diesem Film jedoch eine fehlende Seele zu unterstellen ist meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt, denn durch die Detailverliebtheit, die tolle Inszenierung von Mittelerde und die gelungene Interpretation des Buches merkt man sofort: dies ist die Arbeit eines Fans und keine geldgeile Hollywoodausschlachtung.

Soweit zur Meinung eines echten Tolkien- Jüngers.

Peace! :D

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.01.2014 11:57:05 GMT+01:00
Carsten R meint:
Sehr schlüssig, was Du (darf ich Du sagen?) schreibst. Vor allem die Tatsache, dass PJ versucht hat, "Der Hobbit" in die Erzählsprache von "dHdR" zu übersetzen ;)

Wieder einige interessante Infos, die ich als "Nicht-Nerd" nicht wusste.

Danke und ebenfalls Peace
C

P.S.: Arwen hat echt genervt! Das ist "Rosamunde Pilcher" pur!! :D

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.01.2014 15:50:17 GMT+01:00
Marston meint:
Gegenfrage: Ist es wirklich nötig gewesen, den Oberbösen Ork Azog in die Geschichte hineinzumogeln? Wenn man es ganz genau nimmt, ist Azog zum Zeitpunkt der Geschichte schon längst tot.
Im Grunde finde ich die Hobbitfilme sehr gut aber ich denke, dass Kritik an vielen Stellen durchaus zulässig ist. Es wurde einfach eine Menge verändert oder erfunden, wobei das wirklich nicht oft nötig gewesen wäre. Die Notwendigkeit die Geschichte zu verändern ergab sich daraus, dass ein 400 Seiten starkes Büchlein in 3 Spielfilmen a 3 Stunden verwandelt werden musste/sollte.
Ich finde den Hobbit, wie erwähnt, gelungen aber das die Fans, welche sich wirklich gut auskennen, sich an einigen Dingen stören, ist für mich nachvollziehbar.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.01.2014 23:59:45 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.01.2014 14:28:51 GMT+01:00
Azog find ich ehrlich gesagt auch das viel größere Übel der Änderungen Jacksons, als z.B. Legolas oder Radagast, deren Zuerfinden ja durchaus nachzuvollziehen ist, weil sie zur Zeit dieser Geschichte schon durchaus gelebt haben können. Azog dagegen war längst tot, daher hätte als Ork-Anführer sein Sohn Bolg vollkommen gereicht. Da hat Jackson wirklich Anachronismus pur betrieben, und das hinterläßt einen faden Beigeschmack.
Viele andere Veränderungen kann man dagegen aber schon nachvollziehen, und waren aus filmischer Sicht sogar sinnvoll, weil ein Film eben doch andere Schwerpunkte setzen muß, als ein Buch.

Veröffentlicht am 31.01.2014 09:28:15 GMT+01:00
Dragutin meint:
Sehr gute Rezension, exakt so habe ich mich auch gefühlt.

Veröffentlicht am 03.02.2014 13:26:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2014 15:11:48 GMT+01:00
Guy_Fawkes meint:
Perfekte Rezension.
Vielen Dank!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2014 20:09:11 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 05.02.2014 20:15:56 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 06.02.2014 18:34:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.02.2014 18:40:47 GMT+01:00
Marzipanrabe meint:
Sehr gute Rezension! Mit Ihrer Rede ziehen Sie mir die Worte förmlich aus dem Mund. Auch ich denke, dass sich Tolkien bei einer solch respektlosen und anspruchslosen Filminszenierung eines seiner Meisterwerke im Grabe umdreht. Für mich war der Kinonachmittag mit "Der Hobbit - Smaugs Einöde" eher nervende Strapaze als geniessbare Wohltat und so fühlte ich mich sogar regelrecht erleichtert, als mir der Abspann nach Stunden bedenklichen Kopfschüttelns, über die Leinwand hinweg endlich Grünlicht erteilte, um mit meinen Freunden den Saal wieder verlassen zu können. Es erscheint mir höchst traurig, dass Ehre, Achtung und Respekt gegenüber hoher Literatur, durch die Profitgier der Unterhaltungsindustrie, solche Verendung finden muss. Und dann wundert man sich auch noch, warum der Gewinn in jenem Geschäft immer stetiger einen Abgang macht ...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.02.2014 21:31:30 GMT+01:00
Dave meint:
Naja "Strapaze" finde ich jetzt aber ehrlich gesagt jetzt auch überzogen...

Veröffentlicht am 11.02.2014 11:03:12 GMT+01:00
C. Ludwig meint:
Ist doch logisch, dass dies alles nur geschah, damit noch FSK 12 bekommt.
Auch ich kenne die von Dir erwähnten alten Tolkien Bände und noch einige mehr.

Allerdings kenne ich bisher noch keinen Hobbit Teil, da ich irgendwie Sorge hatte, wie man das Material auf 6-8 Stunden strecken möchte.
Im HErr der Ringe wurden einige Figuren und Begebenheiten nicht erwähnt. Ich bin gespannt, ob es hier anders läuft.

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