Kundenrezension

1.163 von 1.490 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Au weia! Der arme Herr Beutlin.., 22. Dezember 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Smaugs Einöde [Blu-ray] (Blu-ray)
Rezension enthält Spoiler, also seit gewarnt ^^

Ich habe es von Anfang an sehr skeptisch gesehen, dass aus dem vergleichsweise kurzen Buch eine ganze 9-stündige Filmtrilogie gemacht werden sollte. Mit dem zweiten Teil Smaugs Einöde kristallisiert sich noch mehr als beim ersten Film heraus, dass dies einfach nicht wirklich gut funktioniert.

Ich bin Tolkien-Fan und kenne nicht nur den Hobbit und den Herrn der Ringe, sondern habe auch das Silmarillion und die Anhänge und Register gelesen, außerdem die Kinder Hurins. Ich liebe den Stoff und Jacksons Ring-Trilogie, ich liebe Fantasy und ich habe mit wirklich großer Neugier und Vorfreude die Hobbit-Filme erwartet. Optisch und atmosphärisch sind sie der erwartete Knaller. Kitschig, detailreich und mit großem Aufwand realisiert - genau so habe ich es nach der Ring-Trilogie erwartet und wurde nicht enttäuscht. Das Problem ist der Inhalt. Nicht nur ist dieser einfach nicht auf drei Filme ausgelegt, es wurde bei vielen Dingen enorm viel geändert, hinzugedichtet oder unnötig aufgeblasen, wohingegen andere Dinge zu kurz kommen. Beorn beispielsweise wird in etwa zwei Minuten abgehandelt, dafür gibt es aber später im Erebor eine unglaublich lange und ermüdende Verfolgungsjagd zwischen Smaug und den Zwergen (+Bilbo), inklusive Schubkarren-Flüssiggoldsurfen und Drachenschnauzen-Balancieren. Diese Szenen sind, genauso wie die total mit Slapstick überfrachtete Fässerfahrt im Fluss, eine reine Anbiederung an das Popcorn-Action-Kino. Ganz offensichtlich traut man dem heutigen Filmgucker nicht zu, Gefallen an einer Fantasygeschichte wie dem Hobbit zu finden, wenn darin nicht irgendwelche völlig abgedrehten, selbst der Logik eines Fantasyuniversums spottenden Szenen vorkommen.
Kämpfe und Verfolgungsjagden werden hier kaum bedrohlich und angsteinflößend dargestellt, sondern eher klamaukhaft und comicartig. Die Orks sind keine ernstzunehmenden Gegner mehr (wie noch in der Ring-Trilogie), die man fürchten und respektieren muss, sondern Kanonenfutter für jeden nur erdenklichen Slapstick. Soll ich das als Fan der Tolkien-Welt interessant finden? Und was ist mit diesem Kratos-Ork, der soll seit Neuestem Saurons Armee anführen? Da ist ja die Niederlage vorprogrammiert..
Und warum wird aus Radagast, wenn er denn schon entgegen der Vorlage im Film dabei sein soll, eine absolute Witzfigur gemacht, die ein Vogelnest auf dem Kopf und Vogelkacka im Gesicht hat?
In der Seestadt Esgaroth werden ein Dutzend Orks in einer 10 m2-Wohnung gekillt. Dort müsste es also wimmeln vor Leichen. Aber schon fünf Sekunden später ist dort nichts mehr zu sehen von einem Kampf, wenn die Elbin Tauriel den Zwerg Kili heilt, der übrigens auch noch verliebt in sie ist...
Und dann ist da natürlich noch Smaug, der ungeschickteste Drache aller Zeiten mit dem kältesten Feueratem aller Zeiten, das nicht mal dazu in der Lage ist, einem Zwerg die Barthaare anzusengen. Sein Bauch ist hier nicht mit Gold und Edelsteinen überzogen. Nein, hier hat man ihn während der Eroberung des Erebors eine Schuppe am Bauch verlieren lassen, die nicht nachgewachsen ist und deshalb eine verwundbare Stelle hinterlässt. Na Prost! Nach all dem übertriebenen Special-Effects-Klamauk wählt man ausgerechnet hier eine so unspektakuläre - wenn auch nachvollziehbare - Lösung.
Enttäuschend ist außerdem, dass etwas anderes enorm wichtiges unter all dem begraben wird: die Charaktere. Bilbo hat nur noch wenige Szenen, und noch viel weniger wirklich gute. Thorin ist nicht annähernd so ambivalent dargestellt wie er sein müsste bzw. Tolkien ihn ausgearbeitet hat. Die meisten anderen Zwerge bleiben dem Zuschauer völlig fremd, sind halt der Vollständigkeit halber dabei. Legolas wurde im Vergleich zu Jacksons HdR-Trilogie komplett verändert. Dort war er intelligent und vorausschauend, hier ist er verbittert und fast schon bösartig.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Film durchaus Unterhaltung bietet, vor allem optischer Natur. Inhaltlich fehlt mir der Respekt zu dem Material der Vorlage, denn selbige wurde äußerst frei adaptiert, auch unter Berücksichtigung der Zusatzinhalte aus dem Silmarillion. Smaugs Einöde ist nicht spannend. Smaugs Einöde ist in sich nicht logisch. Smaugs Einöde ist kein Film für Fans anspruchsvoller Fantasy. Im Grunde genommen ist er lediglich ein Zeitvertreib für einen Nachmittag/Abend, an dem einem sonst nichts anderes einfällt, was man tun könnte. Und das ist ein trauriges Urteil. Man spürt beim Schauen nicht mehr die Magie, wie sie noch bei der Ring-Trilogie allgegenwärtig war. Hier hat man eher das schwer zu erklärende Gefühl, sich über die Dauer des Films "hindurcharbeiten" zu müssen. Irgendwie beschlich mich der Gedanke, dass die Produktion auch für Jackson und seine Crew viel mühsamer und schwerfälliger als beim Herrn der Ringe war. Optisch ist alles da, aber es fehlt die Seele.

Update (16.01.14):
Aufgrund der vielen bösartigen Kommentare möchte ich doch um eines bitten: Nicht jedes Wort aus dieser Rezension drei Mal umdrehen, analysieren und zu viel hinein- oder falsch interpretieren.
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Kommentare

Von 12 Kunden verfolgt

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21-30 von 383 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.01.2014 20:48:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.01.2014 20:50:00 GMT+01:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.01.2014 20:48:43 GMT+01:00
M. Mennenga meint:
Es gibt immer Fanboys, die rumpöbeln.

Veröffentlicht am 02.01.2014 10:58:52 GMT+01:00
Jörg M. meint:
Ich kann der Rezension leider nur zustimmen. Der Hobbit Nr. 2 ist in weiten Teilen dümmliches Actionkino ohne Charme und Tiefgang und deutlich schlechter als sein Vorgänger. Da die Geschichte nunmehr auch weitgehend erzählt ist, habe ich zudem wenig Hoffnung für den dritten Teil. Andererseits, beim HdR war auch Nr. 2 der mit Abstand schwächste Teil der Trilogie...

Was so manch andere Rezensionen und den ein oder anderen Kommentar hier angeht, da fragt man sich ein wenig, ob die Filmindustrie wohl professionelle Schreiber beschäftigt, die nahezu jedem gewünschten Film eine - zumeist "handwerklich" sehr gut in Szene gesetzte - überschwänglich positive Kritik verpassen und "echte" Kritiker niedermachen... ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.01.2014 17:54:46 GMT+01:00
Nils meint:
Mensch Steffen,
regst Du Dich immer so auf ? - Was hälst Du eigentlich vom Recht auf freie Meinung ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.01.2014 18:25:52 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.01.2014 13:27:42 GMT+01:00
Zum Kommentar von Steffen Deubel:
Dies ist wirklich eine gute Einschätzung! Ich habe nach meinem Wissen alles gelesen, was Tolkien über Mittelerde geschrieben hat, bzw. das, was davon veröffentlicht wurde. Ich finde es auch offensichtlich, dass viele Szene soagar 1 zu 1 aus dem Buch übernommen wurden. Änderungen in einem Film sind doch immer notwendig, und bei HDR gab es auch sehr viele. Trotzdem ist ja ein Film auch ein eigenständiges Kunstwerk und sollte als solches betrachtet werden. Ich bin froh, dass das Buch nicht 1 zu 1 verfilmt wurde und einige Sachen aus den Anähngen zum HDR eingefügt wurden (z.B. Dol Guldur). Wenn das (Kinder-)Buch 100%ig adaptiert worden wäre, hätten in Beornshütte Tiere das Essen bringen müssen und Elben wie tanzende, fröhliche Kinder wirken. Wer hätte das sehen wollen?
Ich fand den Film sehr gut und bin froh das mehr Inhalt und teilweise anderer zu sehen ist als in dem von Tolkien für seine Kinder ausgedachtem Märchen über den Hobbit. (Tolkien war sich z.B. damals noch gar nicht klar, was mit dem Ring eigentlich passieren soll) Das Buch hat es einfach nötig gemacht, einiges zu verändern und hinzuzufügen. PJ hat es gut gemacht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.01.2014 00:41:06 GMT+01:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.01.2014 11:05:01 GMT+01:00
Dave meint:
> Wer hätte das sehen wollen?
Ich... Sprechende Spinnen, sprechende Drachen. Singende Zwerge. Bergriesen die sich mit Felsen bewerfen.
Alles ziemlich "Kinde-mäßig" Und trotzdem hat Jackson es geschafft, das glaubhaft umzusetzen.

@Steffen: Das Problem ist wohl, dass Du hier ausnahmslos JEDE Rezension die den Hobbit nicht in den Himmel lobt kritisiert. Und es geht wohl weniger darum DASS Du kritisierst sondern WIE....
Die Rezensionen hier sehe ich durchaus als sachlich an. Deine Antworten darauf nicht immer...

Veröffentlicht am 04.01.2014 13:25:17 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 04.01.2014 13:26:47 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.01.2014 18:05:02 GMT+01:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.01.2014 10:12:31 GMT+01:00
Steph meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

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