Kundenrezension

1.216 von 1.559 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Au weia! Der arme Herr Beutlin.., 22. Dezember 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Smaugs Einöde [Blu-ray] ultraviolett (Blu-ray)
Rezension enthält Spoiler, also seit gewarnt ^^

Ich habe es von Anfang an sehr skeptisch gesehen, dass aus dem vergleichsweise kurzen Buch eine ganze 9-stündige Filmtrilogie gemacht werden sollte. Mit dem zweiten Teil Smaugs Einöde kristallisiert sich noch mehr als beim ersten Film heraus, dass dies einfach nicht wirklich gut funktioniert.

Ich bin Tolkien-Fan und kenne nicht nur den Hobbit und den Herrn der Ringe, sondern habe auch das Silmarillion und die Anhänge und Register gelesen, außerdem die Kinder Hurins. Ich liebe den Stoff und Jacksons Ring-Trilogie, ich liebe Fantasy und ich habe mit wirklich großer Neugier und Vorfreude die Hobbit-Filme erwartet. Optisch und atmosphärisch sind sie der erwartete Knaller. Kitschig, detailreich und mit großem Aufwand realisiert - genau so habe ich es nach der Ring-Trilogie erwartet und wurde nicht enttäuscht. Das Problem ist der Inhalt. Nicht nur ist dieser einfach nicht auf drei Filme ausgelegt, es wurde bei vielen Dingen enorm viel geändert, hinzugedichtet oder unnötig aufgeblasen, wohingegen andere Dinge zu kurz kommen. Beorn beispielsweise wird in etwa zwei Minuten abgehandelt, dafür gibt es aber später im Erebor eine unglaublich lange und ermüdende Verfolgungsjagd zwischen Smaug und den Zwergen (+Bilbo), inklusive Schubkarren-Flüssiggoldsurfen und Drachenschnauzen-Balancieren. Diese Szenen sind, genauso wie die total mit Slapstick überfrachtete Fässerfahrt im Fluss, eine reine Anbiederung an das Popcorn-Action-Kino. Ganz offensichtlich traut man dem heutigen Filmgucker nicht zu, Gefallen an einer Fantasygeschichte wie dem Hobbit zu finden, wenn darin nicht irgendwelche völlig abgedrehten, selbst der Logik eines Fantasyuniversums spottenden Szenen vorkommen.
Kämpfe und Verfolgungsjagden werden hier kaum bedrohlich und angsteinflößend dargestellt, sondern eher klamaukhaft und comicartig. Die Orks sind keine ernstzunehmenden Gegner mehr (wie noch in der Ring-Trilogie), die man fürchten und respektieren muss, sondern Kanonenfutter für jeden nur erdenklichen Slapstick. Soll ich das als Fan der Tolkien-Welt interessant finden? Und was ist mit diesem Kratos-Ork, der soll seit Neuestem Saurons Armee anführen? Da ist ja die Niederlage vorprogrammiert..
Und warum wird aus Radagast, wenn er denn schon entgegen der Vorlage im Film dabei sein soll, eine absolute Witzfigur gemacht, die ein Vogelnest auf dem Kopf und Vogelkacka im Gesicht hat?
In der Seestadt Esgaroth werden ein Dutzend Orks in einer 10 m2-Wohnung gekillt. Dort müsste es also wimmeln vor Leichen. Aber schon fünf Sekunden später ist dort nichts mehr zu sehen von einem Kampf, wenn die Elbin Tauriel den Zwerg Kili heilt, der übrigens auch noch verliebt in sie ist...
Und dann ist da natürlich noch Smaug, der ungeschickteste Drache aller Zeiten mit dem kältesten Feueratem aller Zeiten, das nicht mal dazu in der Lage ist, einem Zwerg die Barthaare anzusengen. Sein Bauch ist hier nicht mit Gold und Edelsteinen überzogen. Nein, hier hat man ihn während der Eroberung des Erebors eine Schuppe am Bauch verlieren lassen, die nicht nachgewachsen ist und deshalb eine verwundbare Stelle hinterlässt. Na Prost! Nach all dem übertriebenen Special-Effects-Klamauk wählt man ausgerechnet hier eine so unspektakuläre - wenn auch nachvollziehbare - Lösung.
Enttäuschend ist außerdem, dass etwas anderes enorm wichtiges unter all dem begraben wird: die Charaktere. Bilbo hat nur noch wenige Szenen, und noch viel weniger wirklich gute. Thorin ist nicht annähernd so ambivalent dargestellt wie er sein müsste bzw. Tolkien ihn ausgearbeitet hat. Die meisten anderen Zwerge bleiben dem Zuschauer völlig fremd, sind halt der Vollständigkeit halber dabei. Legolas wurde im Vergleich zu Jacksons HdR-Trilogie komplett verändert. Dort war er intelligent und vorausschauend, hier ist er verbittert und fast schon bösartig.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Film durchaus Unterhaltung bietet, vor allem optischer Natur. Inhaltlich fehlt mir der Respekt zu dem Material der Vorlage, denn selbige wurde äußerst frei adaptiert, auch unter Berücksichtigung der Zusatzinhalte aus dem Silmarillion. Smaugs Einöde ist nicht spannend. Smaugs Einöde ist in sich nicht logisch. Smaugs Einöde ist kein Film für Fans anspruchsvoller Fantasy. Im Grunde genommen ist er lediglich ein Zeitvertreib für einen Nachmittag/Abend, an dem einem sonst nichts anderes einfällt, was man tun könnte. Und das ist ein trauriges Urteil. Man spürt beim Schauen nicht mehr die Magie, wie sie noch bei der Ring-Trilogie allgegenwärtig war. Hier hat man eher das schwer zu erklärende Gefühl, sich über die Dauer des Films "hindurcharbeiten" zu müssen. Irgendwie beschlich mich der Gedanke, dass die Produktion auch für Jackson und seine Crew viel mühsamer und schwerfälliger als beim Herrn der Ringe war. Optisch ist alles da, aber es fehlt die Seele.

Update (16.01.14):
Aufgrund der vielen bösartigen Kommentare möchte ich doch um eines bitten: Nicht jedes Wort aus dieser Rezension drei Mal umdrehen, analysieren und zu viel hinein- oder falsch interpretieren.
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Kommentare

Von 12 Kunden verfolgt

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91-100 von 388 Diskussionsbeiträgen
Veröffentlicht am 13.02.2014 20:05:55 GMT+01:00
M. Schöne meint:
Muss man auch nicht, Du hast hundert pro Recht, wenn man ein Mensch mit Anspruch und Geschmack ist, dann sind diese Filme entbehrlich und das ist bitter. Hier gehts nur darum, das Geldscheffeln noch hinaus zu ziehen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.02.2014 20:07:35 GMT+01:00
M. Schöne meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.02.2014 20:14:38 GMT+01:00
M. Schöne meint:
Mein Reden. Ordinär ist er auch noch.
Übrigens waren auch nach drei Wochen die Kinos noch voll, weil der Film mittels Werbung enorm gepusht wurde, schätze ich, und nicht, weil so mancher sich den Film (wie HdR) mehrfach ansah. Mir jedenfalls hat der erste Teil gereicht und ich erspare mir weiteres. Lese lieber noch mal das Buch.

Veröffentlicht am 18.02.2014 15:00:35 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.02.2014 15:24:20 GMT+01:00
Maier meint:
Also bei all der Kritik auf inhaltlicher Ebene, die durchaus teils ihre Berechtigung hat und natürlich auch von persönlichen Erwartungen und Geschmack beeinflusst wird, was ebenfalls nur selbtverständlich und trivial ist, stößt es mir bei all diesen "Geldmacherei" Vorwürfen sauer auf. Wer sich mit den Hintergründen der Produktion, mit den Gründen PJs auch diese Tolkien Verfilmung zu übernehmen und daraus 3 Teile zu machen befasst, wird sehen, dass PJ hier "Geldmacherei" zu unterstellen schlicht unwahr ist. Bei all dem Herzblut den dieser Mann und viele weitere Personen in diesen Film gesteckt haben, regen mich solche Vorwürfe, die zumeist aus Ärger und Vorurteilen entstehen, doch ein Stück weit auf und ich bitte darum, die jedem zustehende Kritk auf einer sachlicheren, faktenbasierten Ebene weiterzuführen und auch nicht die grundsätzliche Gabe des Anspruchs und Geschmacks eines Menschen daran zu knüpfen, diese Filme nicht zu mögen. Geschmäcker sind nun mal verschieden und auch das sollte man nicht erklären müssen.
Ich bitte zu verstehen, dass ich niemanden persönlich angreifen, sondern vielmehr darum ansuchen will der Kritik, die einige Käufer maßgeblich beeinflusst, eine nüchternere und sachlichere Basis zu geben!

Veröffentlicht am 27.02.2014 10:47:26 GMT+01:00
Elikal meint:
Ich stimme der Rezension weitgehend zu. Leider.

Nur dass der Drache keine Edelsteine hat fand ich eine Verbesserung, weil mir das schon im Buch zu schräg schien. Ansonsten stimme ich voll zu.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.02.2014 22:16:50 GMT+01:00
Anonymous meint:
Lesen Sie doch bitte mal die Kritik genau durch, sehen Sie sich den Film nochmal an und behaupten Sie dann noch, dass Bomburs "Fass-Ork-Metzel" Einlage auch nur irgendwie entfernt etwas mit Tolkiens Hobbit zu tun hat.
Ich fand den Film auch insgesamt gut, nur leider leider stellenweise lächerlich/ affig.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.03.2014 18:28:04 GMT+01:00
Golgor meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.03.2014 18:29:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.03.2014 18:32:20 GMT+01:00
Golgor meint:
@Los Reimos: Dir ist klar das die Hobbit buchreihe ein Kinderbuch ist?
Das ist auch im Buch sehr kindisch erzählt und kein vergleich zur HDR Reihe. Kein mensch hat jemals gesagt das der Hobbit ein HDR ersatz ist. Es hält sich schon sehr streng an die Buchreihe und das man Buch und Film nicht vergleichen kann das sollte auch klar sein. Zu einem guten Film gehört für mich Actionszenen,Witze und ähnliches einfach dazu. Keiner hat jemals gesagt das die reihe eine art Dokumentation wird und weiterhin ist die HDR und auch Hobbit Reihe einzigartig. Eine richtige konkurenz sucht man vergeblich

Das selbe gilt übrigends für die Game of Throne Serien reihe. Das Buch ist allgemein auch "viel" besser - aber bring doch erstmal so ein gewaltiges Projekt auf den Fernseher. Das ist nicht so einfach wie sich manche das vorstellen

Veröffentlicht am 08.03.2014 19:40:57 GMT+01:00
Jonnoid meint:
Sie sprechen mir aus der Seele!Bei mir kam definitiv nicht das Mittelerde-Feeling auf, das im HDR dominierte. Auch ich habe mich intensiv in die Tolkienliteratur eingearbeitet und kann mir kaum vorstellen, dass ein J.R.R. "Smaugs Einöde" als ansehnlich empfunden hätte. Natürlich hat der Film seine Stärken, es ist sogar ein sehr guter Film; dass die Geschehen des Films aber mit der Welt und den Vorstellungen Tolkiens in Einklang stehen sollen, lässt sich für mich nur partiel mit der Realität vereinbaren.

Veröffentlicht am 09.03.2014 12:01:11 GMT+01:00
Günter Peter meint:
...genau so habe ich das auch empfunden. Ich kenne die gesamte Tolkien-Welt. Aus meiner Sicht war es auch unnötig den Stoff in Richtung Action-Popkorn-Kino zu verändern (Fässer/Fluss, Verfolgungsjagd Smaug, und, was ziemlich absurd-kitschig kommt: die Liebes-Dreiecksgeschichte Kili-Tauriel-Legolas). Dennoch ein gelungener Film. Ich freue mich auf ein bombastisches Ende mit der Schlacht der 5 Heere.
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