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4.0 von 5 Sternen Erschütterndes Alkoholikerdrama mit Jack Lemmon & Lee Remick von Blake Edwards, 3. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Days Of Wine And Roses [UK Import] (DVD)
Regisseur Blake Edwards ist allgemein bekannt für Filme der leichteren Unterhaltung; die PINK PANTHER-Reihe sowie FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY'S machten ihn auf diesem Sektor berühmt, mit DER PARTYSCHRECK, BLIND DATE oder auch SWITCH führte er diese Linie fort. Noch in der Frühzeit seiner Karriere 'wagte' Edwards sich allerdings gelegentlich auch in andere Genres vor und so entstand 1962 das Drama DAYS OF WINE AND ROSES (deutscher Titel: "Stärker als alle Vernunft"), das für viele Preise (darunter 4 Oscars) nominiert wurde und einige auch gewann, darunter den Oscar für den Besten Song (Text: Johnny Mercer, Musik: Henry Mancini). Der Film behandelt das Thema Alkoholsucht.

Jack Lemmon spielt Joe Clay, der in der PR-Branche tätig ist und eines Tages Kirsten Arnesen (Lee Remick) kennnen lernt. Joe ist das Trinken gewohnt, Kirsten trinkt nie. Als die beiden eines Abends ausgehen, überredet Joe sie zu einem schmackhaften Drink und Kirsten findet Gefallen daran. Joe und Kirsten heiraten, bald ist Nachwuchs unterwegs - Joe will selbstverständlich seiner Verantwortung gerecht werden und die Familie ernähren, doch nimmt der Druck durch seine Arbeit zu und er weiß sich nicht anders zu helfen, als seinen Alkohokonsum zu steigern, um abzuschalten. Mehr und mehr verliert er die Kontrolle darüber und Kirsten leistet ihm beim Trinken Gesellschaft - doch trinkt sie mittlerweile auch allein, wenn er beruflich noch bis in den Abend eingespannt ist. Eines Abends setzt sie im Rausch die Wohnung in Brand, Joe verliert zudem seinen Job, die Familie muß in eine billige Absteige umziehen - doch an Joe's und Kirsten's Trinkgewohnheiten ändert das alles nichts. Eines Tages allerdings 'erwacht' Joe, als er sein Spiegelbild in einer Fensterscheibe als das Gesicht eines 'Penners' identifiziert. Nach Jahren des Mißbrauchs, in denen er mehrfach seinen Job verlor, beschließt er, daß es an der Zeit ist, etwas zu ändern. Familie Clay zieht für eine Zeit zu Kirsten's Vater (Charles Bickford), der eine Blumenzucht betreibt. Joe's Plan sieht vor, Kirsten's Vater zu unterstützen, die Arbeit an der frischen Luft würde gut tun und Kirsten und er könnten, jenseits der gewohnten Atmosphäre, ihr Ziel verwirklichen und Abstand vom Alkohol gewinnen. Zunächst sieht auch alles erfolgversprechend aus, doch bekanntlich reicht ein einziger Drink ... und der läßt das Paar dann auch wieder 'umkippen'. Joe ist bereit, sich einzugestehen, daß er Alkoholiker ist und es ohne 'Hilfe von außen' nicht schaffen wird, Kirsten bezeichnet sich nicht als Alkoholikerin und ist der Meinung, sie schafft's schon, wenn sie es wirklich will. Das Paar entzweit sich, Joe wendet sich an die Anonymen Alkoholiker und findet in seinem Betreuer Jim Hungerford (Jack Klugmann) echte Hilfe. Er findet auch erneut die Stärke, sich von seiner Sucht zu befreien - wenigstens für eine Zeit -, während Kirsten immer tiefer fällt. Ihre gemeinsame Tochter Debbie lebt gegenwärtig bei Joe, der sich wieder gefangen hat und Joe wünscht sich nichts mehr, als daß sie alle wieder als eine Familie zusammen leben können ... doch die Gefahr des Rückfalls ist schon für ihn allein zu groß ...

Das Ende des Films bleibt mehr oder minder offen und das ist nur allzu realistisch - die tatsächliche Schlußszene nämlich bringt eine Wahrheit auf den Punkt: Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker ... ob 'naß' oder 'trocken'. Es hat bereits andere Verfilmungen zum Thema gegeben, die ebenfalls in eindringlichen Bildern das Dilemma der Problematik aufzeigten: Die Abhängigkeit, den Selbstbetrug, den Exzess, die Scham, den Kampf. Was aber DAYS OF WINE AND ROSES von seinen Vorgängern unterscheidet ist, daß es hier um kein Einzelschicksal geht, sondern um ein Paar, woraus sich die zusätzliche Problematik ergibt, daß einer den anderen wieder herunter zu ziehen vermag, wenn er/sie 'umkippt' - die Belastung der obligatorischen Trennung, solange nicht beide 'am selben Strang ziehen', kommt zur eigenen Therapierung hinzu. Die dargestellte Therapierung durch Einbeziehung einer Gruppe Gleichgesinnter, den Anonymen Alkoholikern, dürfte 1962 ebenfalls innovativ gewesen sein. Jack Lemmon liefert hier ohne Zweifel eine ungewöhnlich intensive Performance ab, Lee Remick allerdings steht ihm in absolut nichts nach. Sie spielt über den gesamten Filmverlauf großartig und stellt dabei auch die Persönlichkeitsveränderungen des Kirsten-Charakters 'gruselig' gut dar. Beide Hauptdarsteller wurden auch bereits für einen Oscar prämiert, Charles Bickford und Jack Klugman überzeugen in ihren Nebenrollen ebenfalls - der Film fand bei Kritik und Publikum Beachtung. Auffällig ist seine Zweiteilung: Die erste Hälfte wirkt oft noch komödiantisch, zeigt auch Jack Lemmon in einigen Szenen, wie man ihn aus seinen erheiternden Filmen kennt - im zweiten Teil erst schält sich ohne Verklärungen der Drama-Aspekt heraus. JP Miller schrieb das Drehbuch, von ihm stammte überhaupt im Ursprung die Story, die 1958 bereits für das Fernsehen verfilmt wurde - seinerzeit hatte Charles Bickford ebenfalls die Rolle von Kirsten's Vater gespielt. Die titelgebende Zeile DAYS OF WINE AND ROSES entstammt einem Gedicht des Engländers Ernest Dowson.

Der Film liegt auf dieser DVD in englischer wie in spanischer Sprache vor (mono) und trotz einer Flut von (insgesamt 15 verschiedenen) Untertiteln wird die deutsche Sprache komplett vernachlässigt (es gibt aber englische) - zum Bild heißt es auf dem Cover: Aspect Ratio 1.85 Widescreen. Das Bonusmaterial beinhaltet einen aufschlußreichen Audio-Kommentar von Blake Edwards, zwei Original Trailer und ein früheres Interview mit Jack Lemmon, das ebenfalls interessant ist. Regionalcode: 2. In Deutschland erschien der Film bislang nicht auf DVD - Interessierte haben also kaum eine Wahl, bei der z.T. bereits niedrigen Preislage sollte die Entscheidung allerdings nicht schwer fallen. Unzweifelhaft handelt es sich um kein angenehmes Thema, das Blake Edwards hier verfilmte, ebenso unzweifelhaft aber gaben Lemmon und Remick in der insgesamt gelungenen Inszenierung außergewöhnliche Darbietungen. Wer sich davon überzeugen möchte und sich dem 'Sucht-Horror' gegenüber gewappnet sieht, dem sei Edwards's Ausnahme-Film unbedingt empfohlen!
-- theSilentNoirFreak
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