Kundenrezension

44 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene Restauration, 2. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Pate (Restauriert) (DVD)
Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass dieser Film fast nie gedreht worden wäre. Nachdem die Führungsetage bei Paramount mit "Brotherhood" von Martin Ritt mit Kirk Douglas in der Hauptrolle kurz zuvor einen fürchterlichen Schiffbruch erlitt, schien das Thema Mafia-Film zunächst erledigt. Denn der Film floppte in dem gleichen Ausmaß wie soviele mit viel Sex und Crime herausgeputzten Kolportagen des Mafia-Genres zu dieser Zeit. Aber da lagen ja noch die Rechte von Mario Puzos Buch "The Godfather" irgendwo in der Schublade, die man ihm mal für läppische 12.500 Dollar und eine 2,5 %-Beteiligung am Umsatz abgekauft hat. Ein Buch, das 67 Wochen lang die Bestsellerliste der NY Times anführte, was die Bosse bei Paramount kaum milder stimmte. Die Umsetzung erfolgte eher zähneknirschend und die Probleme setzten sich fort. Marlon Brando, dem zu dieser Zeit sein Ruf als hochtoxikologisches Kassengift vorauseilte, war den Studiochefs genauso suspekt wie das Drehbuch. Schon gar nicht mochten sie den Regisseur. Francis Ford Coppola war in ihren Augen auch nur einer dieser wichtigtuerischen Jungtalente, denen es mal eine gepfefferte Lektion erteilt gehörte. Die Produktion gaben sie schließlich Albert S. Ruddy in die Hände, der den Leuten bei Paramount eigentlich völlig unbekannt war, bis auf die Tatsache, dass er die ihm vorgegebenen Budgets strikt einhielt und von dem sie sich deshalb erhofften, dass er keinen Cent mehr als die veranschlagten 5 Millionen Dollar für den Film ausgab.

Für Coppola war das Buch von Puzo ziemlich billiger Stoff. Er strich die Vorlage für die Kinoumsetzung auf die wesentlichen Kernelemente zusammen: das Patriarchat, Amerika, die Hierarchie der Familie und deren Bedrohung von außen. In diesem Kontext setzt er auch die Kontrapunkte: Hochzeiten, Taufen und Trauerfeiern, die gemeinsam im heiligen Familienverbund zelebriert werden, stehen diametral entgegen zu Rachefeldzügen, Opferriten, Ermordungen und Pferdeköpfen im Bett. Wodurch als Folgerung suggeriert wird, dass für das Überleben in der Gesellschaft die mythische Qualität einer von Blut und Ehrgeiz durchtränkten Familie immer noch besser ist als ein Vakuum an Schutz und Geborgenheit. Entsprechend komponiert Coppola seine grandiosen Bildeinfälle, die Zerrbilder einer von Selbstbetrug und ausgehöhlten Idealen geprägten heilen Welt sind. Selbst das Sterben wird bei ihm bis ins kleinste Detail durcharrangiert. Don Corleone bricht beim Spielen mit dem Enkelkind zusammen und fällt wie ein gigantischer Baum im Wald zur Seite in die Pflanzen des Gartens und reißt alles um sich herum mit nieder. Ähnlich episch bebildert wird Sonnys Ermordung, bei der die Brutalität der abgebildeten Grausamkeiten mit einer fast schon tänzerischen Choreografie in Szene gesetzt wird und wo die Hierarchie zu den Feinden der Familie selbst im Tod noch pedantisch gewahrt bleibt. Feinde, von denen dem Zuschauer nicht viel bekannt ist, außer dass sie im Gegensatz zum Corleone-Clan groß ins Drogengeschäft einsteigen wollen. Eine anonyme Beziehungslosigkeit, die selbst beim Hinrichten noch gewahrt bleibt: "Nichts Persönliches, nur etwas Geschäftliches". Das Spiel aus Nähe und Distanz und die Beziehung des Individuums zur Gemeinschaft bilden das wesentliche Fundament in Coppolas Montage. Insofern geht es natürlich auch um die Stellung des organisierten Verbrechens in einer entmystifizierten Gesellschaft. "Ich glaube an Amerika" ist der erste Satz, der ins Kinodunkel gesprochen wird. Coppola verglich Amerika und Mafia: "Beides sind auf Profitmaximierung ausgerichtete Systeme, die in ihrem Wesen korrupt sind. Aber nur die Mafia kümmert sich um die kleinen Leute, wenn auch nur mit dem Hintergedanken, später von ihnen Loyalität einzufordern." Die Verflechtung zwischen Mafia und staatlichen Institutionen wird dann im zweiten Teil noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Ein Glücksgriff war nicht nur das Cast (Al Pacino, James Caan, Diane Keaton und Robert Duvall an der Seite von Marlon Brando) sondern auch der Score von Nino Rota mit seinen markanten Motiven (Godfather Waltz, Sicilian Pastorale), die dem eigentümlichen Rhythmus des Films seine prägnante visuelle Musikalität verleihen.

Die Restauration des Films durch Robert Harris ist prächtig gelungen. Die Bilder sind gestochen scharf in 1,78:1. Die Tonspur liegt erstmals in 5.1 Digital Surround vor. Zusätzlich vorhanden ist der sehr interessante Audiokommentar von Francis Ford Coppola, der auch auf einige Anekdoten eingeht. So erfährt man, dass Marlon Brando sich Harzklümpchen an die Backenzähne klebte, um seine Wangen stärker runterhängen zu lassen.
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.06.2013 12:05:37 GMT+02:00
Manuel meint:
immerhin weiß jeder der diese rezension liest, schon bevor er sich den film angesehen hat, dass zwei zentrale figuren des films sterben.
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