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Kundenrezension

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beinah ein Gott und fast ein Nichts, 23. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Eric Clapton ist Musiker. Ich erwarte nicht, dass ich mit dieser Erkenntnis nun irgendjemanden überrasche, aber wenn man seine 2007 veröffentlichte Autobiographie liest wird einem diese Selbstverständlichkeit ungemein deutlich. Eric Clapton ist Musiker, ein Mann der Töne, kein Autor, kein Mann der Worte. Weder vieler Worte, noch besonders ausgefeilter.

Auf nur etwas mehr als 300 Seiten (hinzu kommen etwa 50 Seiten mit Fotos aus allen Lebensphasen) hetzt er oft im Staccato die unglaublich vielen Stationen seines Lebens ab. Ein volles Leben! - und das zumindest bis 1987 durchaus auch im doppelten Wortsinn.
Während dieser wenig erzählerische Schreibstil anfangs schon fast etwas nervt, gewinnt er zunehmend an Charme und macht das Buch vor allem authentisch. Letzteres halte ich für das wesentliche Kriterium einer Autobiographie, denn es gilt ja den Menschen zu begreifen und ihn etwas kennenzulernen und nicht sich einem poetischen Wortrausch hinzugeben. Und Clapton ist so. Wenn man einige seiner immer seltener werdenden Interviews gesehen hat oder an die knappen bis überhaupt nicht vorkommenden Worte zwischen den Songs bei seinen Konzerten denkt, verwundert der Stil dieser Autobiographie letztlich überhaupt nicht mehr und die karge Kauzigkeit des Buches entspricht absolut seinem gesprochenen Duktus. Je tiefer man ins Buch hinein liest umso mehr erkennt man auch die Emotionen, die sich zwischen die knappen Worte pressen. Denn bei aller Wortknappheit ist Clapton nicht oberflächlich, die Detailfülle ist zuweilen erschlagend und er lässt anscheinend nichts unerwähnt. Nur entsteht und scheitert eine große Liebe durchaus auch mal binnen einer halben Buchseite und hatte mittendrin auch noch eine mehrmonatige glückliche Phase. Er nennt also schlicht alles faktische, verrät aber wenig intimes sobald es auch andere betrifft.

Clapton fokussiert ganz auf sich und rechnet nicht ein einziges mal mit anderen ab. Das Ende einer jeden Beziehung, auf welcher Ebene auch immer, nennt er nur als Ereignis, ohne Schuld zuzuweisen und wenn, dann sich. Überhaupt springt er mit sich geradezu gnadenlos um. Die Schilderungen seines privaten permanenten Scheiterns an Drogen und Alkohol bis zu seinem 42 Lebensjahr 1987 sind häufig charakterlich abstoßend. Eine Mischung aus Größenwahn und personifiziertem Nichts, arrogant und verletzend oder verzweifelt und selbstzerstörerisch und in allem zerstörerisch für die Menschen um ihn herum. Als Leser wird einem der Clapton von Mitte der sechziger bis Mitte der achtziger Jahre überwiegend unausstehlich. Gleichzeitig wächst die Anerkennung, sich selbst rückblickend so konsequent mit allen unattraktiven Konturen nachzuzeichnen.

Nach etwa zwei Drittel der Seiten bekommt das Buch dann eine positivere Färbung. Mit dem endgültigen Zusammenbruch und dem Eingeständnis der Alkoholkrankheit beginnt, wenn auch zunächst bekanntlich nicht frei von Tragödien und Erschütterungen, die bessere Lebensphase, die des Eric Clapton, wie wir ihn heute seit 25 Jahren kennen.
Gleichbleibend betonungslos berichtet er wie er bis heute (also zum Zeitpunkt des Entstehens des Buches schon zwanzig Jahre) nach wie vor regelmäßig zu Treffen der Anonymen Alkoholiker geht und über seinen Weg in ein relativ normales Leben, was für ihn der Inbegriff von Glück und Zufriedenheit wurde. Dass er den tragischen Tod seines noch nicht ganz fünfjährigen Sohnes Connor 1991 überstand ohne rückfällig zu werden grenzt an ein Wunder und ist für Clapton Pflicht und Motivation zugleich durchzuhalten, jeden Tag neu mit dem Entschluss zu beginnen keinen Alkohol zu trinken. Für jeden Leser, der keine Probleme mit Alkohol hat, gerät Claptons Autobiographie so durchaus zu einem Erkenntnisgewinn über diese Krankheit und darüber was es heißt mit ihr zu leben. Für Alkoholiker kann es motivierend sein, vielleicht sogar Orientierung geben. In jedem Fall verdient es Anerkennung, wie offen und schamlos Clapton damit umgeht, ohne je wehleidig zu wirken, noch damit zu kokettieren (wie er es früher tat, als er das Ausmaß noch nicht begriffen hatte) und auch ohne sich als Helden darzustellen. Er läßt keinen Zweifel daran, dass er schlicht auch Glück hatte durch eine Folge von Ereignissen an den Punkt gelangt zu sein trocken zu werden bevor es zu spät war.

Die Schilderungen seines Lebens ab etwa der Jahrtausendwende, seit er seine Frau Melia kennenlernte und mit ihr noch einmal Vater von drei Töchtern wurde und endlich mit Mitte fünfzig angekommen zu sein scheint, bestätigen den Eindruck, den man bei Clapton über alle Jahrzehnte hinweg gewinnen konnte: Er ist eins mit seiner Musik, sie reflektiert sein Befinden, sie ist sein Ausdrucksmittel und klingt wie er fühlt, absolut authentisch. Denn abgesehen von gezielten Projekten (Robert Johnson Cover, Cream Reunion etc.) klingen seine Alben seither entspannt, ausgeglichen und ja, weniger schwer und weniger nach Blues. Er kann den Blues noch, wenn er in seinen Konzerten die Zeiten aufleben und seine Gitarre brennen lässt, aber er hat ihn nicht mehr. Und das ist gut und ihm nur zu wünschen, denn seine Ration an Chaos und Katastrophen, unverschuldet und selbst heraufbeschworen, hat er vom Leben ausgiebig mitbekommen.

Nichts bleibt in "Mein Leben" unerwähnt (soweit man das als Außenstehender beurteilen kann), unzählige Freunde und Weggefährten finden Erwähnung, jede gescheiterte Liebe und Familienmitglieder. Gefühlt kommt die komplette Elite der Musikwelt der letzten 50 Jahre im Buch vor, weil Clapton mit fast allen irgendwann mal gespielt hat und mit vielen eine gutes Verhältnis pflegt oder pflegte. Vor allem natürlich zu George Harrison, aber auch zu Jimi Hendrix, Keith Richards und Mick Jagger, Bob Dylan, Elton John, Tina Turner, Muddy Waters, B.B.King, Paul McCartney, John Lennon, Phil Collins, Pete Townsend, Mark Knopfler, David Bowie, J.J. Cale natürlich u.s.w. aber auch zu vielen hochgradigen Side-man. Und egal von wem die Rede ist, größter Weltstar oder ein Freund von den anonymen Alkoholikern, er schildert die Begebenheiten ohne besondere Betonung. Jedes der zig Alben von den Yardbirds bis zum damals aktuellen mit J.J.Cale wird erwähnt, Tourneen werden beschrieben. Mehr Fakten gehen kaum. Man hat nach 300 Seiten Text glaubhaft den Eindruck, alle wesentlichen Ereignisse aus Claptons 62 Lebensjahren bis dato zu lesen bekommen zu haben, wenn auch ohne den geringsten Hang zur Ausführlichkeit.

"Clapton is god!" stand als Graffiti in den Mitte-60ern an etlichen Wänden in London und in der Tat ist Clapton seit nun 50 Jahren eine der herausragen Musiker-Persönlichkeiten seiner Zeit. Zeitgleich war er aber 25 Jahre lang auch ein Nichts. Dass er alles gleichmäßig ausleuchtet und eher die persönlichen Niederlagen als die musikalischen Triumphe betont, macht dieses Buch glaubhaft.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.06.2014 14:42:25 GMT+02:00
Werner Hein meint:
Ich finde diese Rezension interessanter als das Buch.
Das Buch zu lesen hat mich teilweise gelangweilt.
Eric kommt mir manchmal ziemlich arrogant vor.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.06.2014 00:00:14 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.06.2014 00:04:06 GMT+02:00
Vielen Dank, das ist fast zu viel der Ehre.
Zugegeben, Claptons Schreibstil ist alles andere als spannend, aber ich finde das macht das Buch glaubhaft, denn so redet er auch. So sehr er zweifellos einer der Musikerpersönlichkeiten ist, die man auch in 100 Jahren noch kennen wird (und er sich dessen sicher auch bewusst sein dürfte), betritt er die Bühne immer unscheinbar, ohne jede Superstar-Attitüde und ohne dicke Worte und große Gesten á la Jagger oder Rod Stewart. In Interviews das gleiche. Er sagt was zu sagen ist und Ruhe, kein Ausschmücken. So schreibt er konsequenterweise auch. Also Arroganz würde ich ihm nicht attestieren.
In frühen Jahren offenbar schon, wie ich in meinem Artikel ja auch schrieb: man ist fast schon angewidert. Aber auch das spricht, finde ich, für ihn. Wie viele Autobiographien liest man wie ein durchgängiges Heldenepos, ohne Fehl, und wenn, sollen auch die gezielt erwähnten Skandale nur den Nimbus des Coolen Outlaws untermauern. Clapton zeichnet sich in der ersten Lebenshälfte sehr wenig schmeichelhaft. Mir ringt das Respekt ab.

Nochmal danke fürs Lob, hat mich gefreut.

Grüße
Christian Günther
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