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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gaunerkomödie mit sozialem Gewissen, 30. März 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Angels' Share - Ein Schluck für die Engel (DVD)
Die Filme von Ken Loach sind eigentlich immer sehr ähnlich aufgebaut. Thematisch geht es sehr oft um die Darstellung des modernen Proletariats in großstädtischen Ballungsräumen, von ihren Ängsten, Problemen und dem ausweglos anmutenden Wunsch, aus ihrer sozialen Tristesse auszubrechen. Was soll man auch anderes erwarten. Ken Loach ist der vermutlich einzige verbliebene bekennende Trotzkist des britischen Filmgeschäfts, ein steinzeitliches Relikt aus den politischen Wirren der sagenumwobenen Zeit vor Margaret Thatchers "Big Bang". Nun mag man von Loachs politischer Einstellung halten was man will. Seine Filme sind unabhängig davon immer wieder sehenswert und vereinzelt findet sich auch ein echtes Juwel, wie dieser Film hier. Angesiedelt im rauen Glasgow und den wunderschönen schottischen Highlands, schlägt der Film zunähst die von Loach bekannten Pfade ein. Die Hauptdarsteller sind allesamt abgewrackte Kleinkriminelle, die zu Sozialstunden verurteilt wurden und die schon gar nicht mehr in der Lage sind, die miserablen sozialen Umstände ihres Lebens wahrzunehmen. Doch einer ist anders. Der junge Robbie, der soeben Vater eines Sohnes geworden ist, erkennt als einziger, dass er in diesem sozialen Milieu nichts erreichen kann und seinem Sohn damit vermutlich die Zukunft versauen wird. Der nette Sozialarbeiter Harry bringt etwas Struktur in sein Leben und führt ihn auf einen Pfad, den er selbst so niemals beschritten hätte. Ausgezeichnet mit einem guten Gespür für erstklassige Single-Malts, macht sich Robbie zusammen mit seiner Truppe auf den Weg in die Highlands zu einem speaktakulären Gaunercoup.

Wie von Loach zu erwarten, ist auch dieser Film zumindest in der ersten Hälfte im Grundansatz eine bitterböse Sozialkritik. Loachs Paradigma besteht darin, dass der Mensch an sich gut ist und es ihm nur die Lebensumstände besonders schwer machen. Es geht also im Kern um den Kampf des "kleinen Mannes" aus seinen verkorksten Umständen herauszukommen. Und dabei darf er auch die ein oder andere kleine Gaunerei einsetzen, vorausgesetzt, sie geht auf Kosten der in Übertreibung und Überfluss lebenden Bourgeoisie, die ohne Weiteres bereit ist, 1 Mio Pfund für ein Fass uralten Single-Malt auszugeben. Wenn also Robbie davon nur "ein kleines Schlückchen" abhaben wil, so macht uns dieser Film Glauben, ist das nur ein fairer Ausgleich, eine Form der sozialen Umverteilung in einer Welt, die nach oben wie nach unten heillos aus den Fugen geraten ist.

Angel's Share ist vielleicht der gelungenste, der rundeste Film von Ken Loach nach "Sweet Sixteen" und "Looking for Eric", denn er klagt nicht nur an, sondern führt dem Zuschauer auch auf liebenswerte Art und Weise eine Lösung der sozialen Problematik vor Augen, die zwar gewiss nicht alltagstauglich ist, die Härte der sozialen Anklage aus anderen Loach-Filmen jedoch auf allgemeinverträgliches Maß abmildert. Der Ausbruch des Helden aus seinen tristen und verwahrlosten sozialen Umständen wird hier besonders schön durch den Übergang der Handlung aus dem großstädtischen Glasgow in die wunderschöne Natur der schottischen Highlands umgesetzt. Der Film ist damit nicht nur etwas für's soziale Gewissen sondern auch für die Augen und insbesondere ein Highlight für jeden Schottland- und Whisky Fan.
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