Kundenrezension

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einsichten eines interessierten Laien, 16. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Ruby on Rails 3.1 Expertenwissen: Eine praxisorientierte Einführung in die Entwicklung mit Ruby on Rails (Broschiert)
Um die Umgebung klar zu machen, in der dieses Buch gelesen wurde: Beruflich benutze ich Rechner hauptsächlich um Texte zu verfassen und für Mails/Terminverwaltung

Privat bastel ich gerne mit (Datenbank-)Programmierung rum. Ein bisschen hier ein bisschen da, nichts Profimäßiges. Webentwicklung finde ich spannend. HTML, PHP und soweiter. Ruby und Rails sind für mich Neuland, dass ich seit ein paar Monaten betreten habe. Und jetzt das vorliegende Buch? Es geht doch nichts über einen gesunden Größenwahn. Aber ich war doch neugierig, ob jemand mit meinem Background daraus Honig saugen kann. Die klassischen Anfängerbücher für Programmiersprachen arbeiten in der Regel artig alle Features ab und lassen dich dann allein auf weiter Flur. Sie erklären dir alle Klassenkomponenten aber nicht (oder nur rudimentär), wie du eine Applikation sinnvoll aufbaust. So etwas lernst du in der Regel aus der Beispielanwendung des jeweiligen Buches, also mehr oder minder zwischen den Zeilen.

Genug der Vorrede, jetzt geht es um das Buch:

The Postman allways rings twice: Okay, das Buch ist angekommen. Erster Eindruck: Mann, ist ja dünn. Die meisten Bücher, die hinter meinem Heimrechner im Regal stehen sind FETT. Ich greife mir mal kurz eines über Webseitenprogrammierung: 1131 Seiten. Und die Autoren Sprenger/Hayes wollen >>Experten<< in nur 250 Seiten fit für Rails machen? Na mal sehen. Schnell wird mir klar, wie das gemeint ist: Während meine sonstigen Schwarten seitenweise komplette Listings und Bildschirmschnappschüsse zeigen, zeigt das vorliegende Buch nur Listing-Schnipsel und verzichtet größtenteils auf Snapshots. Weiterhin setzen die Autoren Fachtermini wie "perfomant" usw. voraus bzw. erläutern nur sehr, sehr knapp. Gelegentlich muss ich was nachgoogeln, aber meistens komme ich klar. Keine Hürde für Nicht-Profis. Ja und dann fehlt etwas, was jedes gute Anfängerbuch vorrätig hat: 'Ruby on Rails 3.1 Expertenwissen' hat keine Einführung in HTML, Internetmechanismen, Javascript, Ajax und was man sonst eigentlich noch so braucht, um ein Webframework bedienen zu können. Ja, nicht einmal ein Ruby-Grundkurs ist vorhanden. Das spart unglaublich Seiten und beklagen kann man sich darüber nicht. Das Buch wendet sich an Experten oder ambitionierte Amateure. Haben die Autoren auch von vornherein gesagt.

Also, wenn du Ruby für ein Girl aus der Online-Partnervermittlung hälst und sich deine Webseitenprogrammierung bisher auf Baukastensysteme á la 1&1 beschränkt... kann ich dir dieses Buch nicht empfehlen.

Nach einer kurzen und knackigen Einleitung, in der ich nicht jedes Detail verstehe, geht es gleich ans Eingemachte. Lernen anhand einer Beispielanwendung. Und auch hier merke ich, weshalb das ein Expertenbuch ist. Während ich bei den Dickschiffen locker in einer Stunde 20 oder mehr Seiten schaffe (weil sie zu einem guten Teil Bilderbücher sind), geht es diesmal deutlich langsamer voran, weil die Informationen deutlich komprimierter sind. Insofern ist das Buch zwar realiter nur 250 Seiten dick, hat aber einen Informationsgehalt... mein lieber Scholli.

Und trotzdem komme ich als Laie durchaus mit, da die Arbeitsschritte sauber erklärt sind. Okay, auch hier will ich nicht behaupten, dass ich alles bis auf den letzten Grund verstehe, aber das Anlegen der Beispielanwendung (einschließlich Zusatzfeatures wie Devise, RSpec, Ändern der Config.files usw.) kann ich nachvollziehen. Die Infos sind für mich zwar manchmal etwas zu knapp, aber dafür habe ich den Kopf und vor allem den Blick frei für das Zusammenspiel der einzelnen Railskomponenten. Ich kapiere endlich mal, was wofür und wie da ist. Das ist echt die Mühe wert. Es ist, als ob man einem erfahrenen Programmierer über die Schulter schaut und macht Spaß. Gerade das zügige Voranschreiten finde ich hilfreich, auch wenn ich gelegentlich einzelne Commands oder Parameter abtippe, die ich nicht ganz verstehe, aber nachsehen kann man später immer nochmal.

Nebenbei macht man auch mal kleine Fehler (ich habe bei der Datenbankmigration ein Komma vergessen. Es ist cool, was man da für Fehlervulkane auslösen kann *grins*), aber die lernt man interpretieren und nein, durch das Buch werde ich nicht gleich zum Power-Experten für Rails, aber man kann geradezu zusehen wie man eine Applikation angehen kann. Und ich weiß jetzt auch, wo ich in der großen (und für Anfänger recht unübersichtlichen) Online-Dokumentation von Rails antworten finden. Meinen tiefen Dank an die Autoren und den Verlag.

Die Bedienung von Rails in dem Buch ist echt witzig. Häufig wird einem ja die eine oder andere Entwicklungsumgebung empfohlen. Machen die Autoren nicht (wäre bei Experten wohl auch etwas... bevormundend/albern/vergebliche Liebesmüh?). Ich jedenfalls habe mich die ganze Zeit mit einem ganz banalen Windows-Explorer-Fenster begnügt, mit welchem ich durch die verschiedenen Verzeichnisse von Datei zu Datei sprang und habe die ganzen Änderungen etc. mit dem GVim-Editor vorgenommen. Gelegentlich war mal die Rails-Konsole vonnöten. Einen Browser habe ich so eingestellt, dass er als Startseite auf Localhost:3000 geht. Hat super funktioniert.

Ab und an hat der Lese- und Arbeitsfluss dann doch gehakt. Beispiel: Nach der Installation der Benutzerauthentifizierung (devise) steht da im Text, man könne nun den Profilbereich im Layout mit konkreten Inhalten füllen. Welches Layout bitte? Was für ein Profilbereich, fragt sich der Laie. Moment mal... da gibt es doch das Verzeichnis 'Layouts' und da ist eine Application.html.erb. Die mal öffnen. Und da packt man die entsprechende <div> rein. Mitdenken ist angesagt und wird von den Autoren auch ein Stück weit vorausgesetzt. Notfalls muss man mal ein paar Seiten rückwärtsblättern und nochmal nachlesen. Solche Punkte hatte ich immer wieder. Da macht sich doch das nicht vorhandene Profiwissen bemerkbar, bzw. die mangelnde Programmiererfahrung. Zwischendurch gab es aber auch immer wieder Passagen, die ich als recht easy empfand, z.B. Flashnachrichten einbauen. Das hebt dann das Selbstvertrauen.

Okay, manchmal sind die Hintergrundinformationen SEHR spartanisch für Laien: bei mir war das so, als ich die Dokumentation zu einer Methode namens update_with_password suchte. Es dauerte doch einige Zeit, bis mir klar wurde, dass ich dazu in der Rails-Doku nichts finden werde, weil die Methode zu dem Authentifizierungstool devise gehört. Ebenso interessant waren meine Recherchen zu virtuellen Attributen, die ich vorher auch nicht kannte.

Lustig war dann das Ausprobieren der Beispielanwendung. Nur mal so als Life-Einblendung aus dem Leben des Hobbyprogrammierers: Es ging darum, dass User Ihre Benutzerdaten ändern können. Und da stelle ich doch fest, dass sie ihren Benutzernamen (ihren Nick) nicht ändern können, das entsprechende Feld fehlt im Edit-Formular. Und nun? Ich habe die Änderungen im User-Model, habe authentication_keys in den Initializers geändert (funktionierte ja alles auch), habe die User-Views in registration und sessions entsprechend geändert und die Lokalisierung gemacht. Doch halt: steht zwar nicht im Buch, aber welcher View ist für meine Profilseite zuständig? Ich habe in views/users/registration eine edit.html.erb gesehen. Das würde passen. Also mal ein bisschen Try and Error. Da fehlt tatsächlich ein login-Feld. Ha! Schnell entsprechend der new-views eingepflegt und Server neu gestartet. Jawollja! jetzt geht es. Spannende Preisfrage, die nur die Autoren beantworten können: haben sie den kleinen Stolperstein als Quest eingebaut, oder hat der interessierte Laie tatsächlich einen Fehler im Buch gefunden (woraufhin der Laie doppelt so groß und breit wird, wie er vorher war)? Oder aber war es programmmäßig einfach nicht vorgesehen, dass man einen Nick ändern kann? Sehr schön: die Autoren stellen eine Website zur Verfügung, über die man auch mit ihnen in Kontakt treten kann und auf denen Errata dokumentiert sind. Also Anfrage ab an die Autoren. Sehr schnelles Feedback (weniger als eine Stunde): der Nick sollte tatsächlich nicht änderbar sein. Okay. Nur das der aufgeblasene interessierte Laie zusammenfurzt auf Normalgröße. Pffffrrrrrrt.
Aber der Support ist gut!

Dann geht es weiter, jetzt kommen erst die eigentlichen Inhalte. Die Models sind noch ganz locker und auch die Relations machen mir keine Probleme. Aber bei den Controllern kapier ich nicht mehr die Hälfte von dem, was ich da abtippe. Ich habe nur noch eine grobe Vorstellung davon, was da abgeht. Die Erläuterungen sind wieder knapp und angemessen, reichen aber nicht mehr hin, um meine Wissens- und Erfahrungslücken zu füllen. Ich bekomme ein Gefühl, als ob ich durch Schlamm wate. Trotzdem finde ich immer noch Goldkörner. Alleine, dass es View-Partials gibt (und was man mit ihnen machen kann) war eine von diesen kleinen Offenbarungen für mich. Hier bemerkt man wieder, wie schön es ist, wenn man etwas nicht nur von der Theorie her erklärt bekommt, sondern an einem Anschauungsbeispiel eine Ahnung davon erhält, was man mit solchen Sachen (im vorliegenden Fall die Auslagerung von View-Teilen, die man wiederverwenden kann: DRY-Prinzip in Reinkultur) anstellen kann.

Ich probiere die Anwendung aus und siehe da, ein Fehler. Methode bookmark_find im BookmarksController wird nicht gefunden. Grrrr. Ich schaue mir den Controller an, nichts zu sehen. Ich fange an, nochmal an die Autoren zu schreiben (was habt ihr da verzapft!!!), halte inne und schaue mir den Controller lieber nochmal an. Hab ich doch glatt im Before_Filter den Doppelpunkt vor der Methode vergessen und somit versehentlich KEIN Symbol erzeugt. Manno! Rein mit dem Doppelpunkt, beim nächsten Filter hätte es auch aus dem gleichen Grund geklemmt. Ausprobieren. Funktioniert. Blond ich bin. Alte Programmiererweisheit: Syntax lernste nur über Qual.

Aber es wurde immer quälerischer. Letztlich bin ich dann an einer Fehlermeldung abgestürzt. Wenn man sich mit einer Programmierumgebung nicht gut auskennt, bleibt einem nur übrig, den Quellcode Zeichen für Zeichen mit dem zu vergleichen, was im Buche steht. Ich habe nichts gefunden, was ich falsch abgetippt hätte. Funktioniert trotzdem nicht.

An diesem Punkt habe ich das Buch in stiller Bescheidenheit erstmal wieder beiseite gepackt und zur Kenntnis genommen, dass mein Wissen noch nicht (ganz) ausreicht, um in die Expertensphären vorzudringen. Sei's drum. Ich werde jetzt erstmal noch ein wenig Rails-Grundlagen pauken und selbst ein paar einfache Anwendungen schreiben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Außerdem habe ich zwischenzeitlich schonmal Lösungsansätze in dem Buch nachgeschlagen. Es wimmelt ja da drin vor guten Hinweisen. Und: es hat trotz meines 'Absturzes' eher noch mehr Appetit auf Rails gemacht, anstatt diesen zu verderben.

Mein Fazit:
Wenn du professionell Software entwickelst und auf Rails umsteigen oder dein Wissen vertiefen willst/musst, dann GLAUBE ich, dass dir dieses Buch gute Dienste leisten kann. Nicht zuletzt, weil es auch Kapitel zu Best Practices, Arbeiten mit NoSQL-Datenbanken, Behavior Driven Development usw. enthält. Genau kann ich das natürlich nicht sagen, weil ich kein Profi bin, also schau es dir selbst an.

Wenn du interessierter Laie bist... naja, dann hängt das ganz stark von deinem Vorwissen und Durchhaltewillen ab. Ich muss dir ja nicht unbedingt als Vorbild dienen. Aber Fakt ist: gewisse Kenntnisse sind hilfreich, Grundkenntnisse MÜSSEN vorhanden sein, ansonsten bringt dir das Buch nichts. Wenn du unsicher bist, schau in die Einleitung des Buches. Wenn du halbwegs verstehst, wovon die Autoren reden, dann kannst du es ja mal probieren.
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Ersteintrag: 18.01.2012 11:19:53 GMT+01:00
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