Kundenrezension

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholisches Gemälde eines alten Vampirs, 2. März 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Castlevania: Lords of Shadow 2 - [PlayStation 3] (Videospiel)
Ganz entgegen vieler Zeitschriftenmeinungen habe ich mir Lords of Shadow 2 gekauft und bin sehr angetan. Ich sage gezielt "angetan", weil ich bewundernswert und mutig finde, dass das Spiel nicht versucht, over-the-top zu sein, es ist also nicht bombastisch. Der erste Teil war, alleine schon durch die Hybris des Helden, immer einer aufregenden Reise in den Wahnsinn verpflichtet, ins Verderben einer tragischen Liebe - stetig wechselnde Settings, vollkommen bewusste Führung der Geschichte, klare Struktur der Erzählweise.

"Story ... schön gemacht!"
LoS2 kennt seine Vorgeschichte, heißt, dass sich das Spiel völlig im klaren darüber ist, welche Geschichte es weiter-erzählt. Darum werden hier nicht allzu viele Worte über den sukzessiven Aufbau der Handlung verloren. Viele Dinge verstehen sich - auch in der Figurenlogik - einfach von selbst, wenn man intensiv der Geschichte des Vorgängers gelauscht hat. Für Neulinge könnte es an der Stelle problematisch werden. Man sollte den ersten Teil also schon gespielt haben (auch heute noch eines der wenigen Meisterleistungen der letzten Jahre im Genre der Action-Adventures). Ich teile also überhaupt nicht die Meinung, dass das Spiel nicht weiß wohin es will. Es erzählt nur sehr still, mit sehr wenigen Nuancen und Worten. Teilweise auch ein wenig chaotisch, denn es setzt keine Maßstäbe wie man was zu interpretieren hat. Gut, sage ich. In dem Rahmen, in dem es operiert, nimmt es sich nicht zu viel vor, nur selten keilt es aus und verliert kurz den Faden, den man sich dann aber in 95% aller Fälle selbst wiedererschließen kann.

Obwohl einige sehr blutige Stellen im Spiel enthalten sind, ist der einstmalige Gabriel deshalb nicht für das verachtenswert was er ist, aber sehr wohl hat er der Menschheit abgeschworen und befindet sich im Zustand eines sehr alten Vampirs, der die Welt und seine Erinnerung in einer nahezu wahnsinnigen Vermischung antrifft (daher auch der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit: Wird ja auch immer mal wieder bemängelt). Das was er dabei tut, liegt außerhalb moralischer Anschauungen, ist aber nicht weniger leidvoll für ihn.
Ihm erscheinen Gesichter aus längst vergangenen Tagen, die Darcul in seiner ursprünglichen Form so sehr geliebt hat und die er nie wieder lieben können wird. Die Tragik steht dem Protagonisten zu Gesicht geschrieben, auch sein Zorn. Trotz alledem ist er nicht gleichgültig gegenüber dem was geschieht, auch wenn der Grund für seine Reise darin besteht, vor allem für sich selbst Ruhe zu finden. Die Geschichte spielt also nach seiner Rache an der Menschheit, tausend Jahre nach seinem letzten Untergang. Gewisserweise - sofern so etwas möglich ist - spielt man mit einer zunächst gebrochenen, ruhigeren Gestalt des Dracul.

Man hätte die Geschichte natürlich auch da ansetzen können, wo er seine wahnsinnige Wut hatte und Rache für die Verheimlichung und den Tod seines Sohnes übte. Dann allerdings hätte das Spiel mit den ruhigen Konventionen des Vorgängers vollkommen gebrochen und ich bin froh, dass Mercury Steam uns keinen Kratos geliefert haben, sondern sich da selbst treu geblieben sind.

"Settings ...sehr gut bis zur Gänsehaut."
Auch hier scheiden sich die Geister, dabei ist das moderne Setting jetzt weder abwegig noch schlecht umgesetzt. Die Schleicheinlagen sind (bis auf eine Ausnahme) auch nicht so anspruchsvoll, aber durchaus spaßig. Sie lockern das Geschehen auf. Ich verstehe die Gemüter, die jedem auf die Birne hauen können möchten, auch den in den Schleicheinlagen unbezwingbaren Wächtern. Aber Dracul ist nicht bei vollen Kräften und übt sich in Geduld ... Das wird auch konkret thematisiert und ist meines Erachtens ganz passend. Seltsam finde ich nur, dass man hier scheinbar (?) Metal Gear-Niveau erwartet hat; dann allerdings wäre der Fokus des Spiels wirklich gestört worden (und Die Schleicheinlagen bei Batman waren auch nicht wirklich anspruchsvoller obwohl das ein wesentliches Element des Spiels war). Ob es die Passagen an sich wirklich gebraucht hat, weiß ich nicht wirklich. Ich weiß nur, dass ich es innerhalb des Spielgeschehens nie total unpassend fand (bis auf eine Ausnahme). Die Ecke ist mir an dem Spiel sogar recht sympathisch.

"Grafik und Gameplay... sehr nett bis Gänsehautstimmung."
Mit meinem 32" habe ich weder Artefakte noch Unschärfe bemerkt beim Rundumblick. Im Gegenteil ist es ein Augenschmaus alles mit freier Kamera erkunden zu können. Auch die Kämpfe haben nie darunter gelitten. Die Areale sind immer so aufgebaut, dass man sich immer schnell und gut orientieren konnte (da helfen auch die Finisher, während denen man die Kamera neu justieren kann). Für einigermaßen geübte Spieler also kein Grund zur Beanstandung. Die Animationen und Kämpfe fühlen sich fantastisch an und sehen hervorragend aus. Die "Leere-Klinge" und die "Feuerhandschuhe" sind geniale Gameplayelemente, mit denen man taktisch umgehen muss. Das spielt sich toll und fühlt sich etwas ruhiger an als bei einem Bayonetta oder DMC.

"Musik und Sound... wow!"
Einfach schöne Klänge erfüllen die Räume, Klänge zum Schwelgen, zum Erkunden, zum Nachdenken über die Zusammenhänge, zum Mitfühlen. Ich meine, dass der Komponist vom ersten Teil wieder die Führung hatte und wieder eine Meisterleistung vollbracht hat. Wenige verstehen es, derartige Klänge zu zaubern, die Spannung und Erkundung so einfühlsam vermitteln und gleichzeitig völlig mitreißen können.

"Fazit...es ist Darcul!"
Wer den ersten Teil geliebt hat und seinen Blick nicht im Schraubstock gefangen hält, wird hier fündig werden und genießen können. Es ist ein blutiger Spaß mit dem ehemaligen Gabriel durch die schummrigen Korridore zu ziehen oder in einer modernen Welt für den Untergang Satans zu sorgen. Die Schleichpassagen sind nicht die Krone der Schöpfung, aber auch nicht wirklich stark gewichtet worden, sondern nur ein Auflockerungsbeiwerk. Die Erkundung selbst, das Klettern zudem, erfolgt übersichtlich und ist von der Dynamik her aus dem alten Teil oder den Uncharted-Spielen wahrscheinlich bekannt, jedenfalls eingängig. Alte Levels können wieder besucht werden, falls man da noch einmal stöbern möchte (für mich war das weniger interessant). Man sollte hierbei kein Metroidfeeling erwarten, aber das will das Spiel auch gar nicht, sondern hier hat man den Fokus klar auf die atmosphärischen Settings und vor allem die Tragik des Protagonisten gelegt, der Leben und Mensch augenscheinlich verachtet, in dem aber, ohne dass er es weiß, tief verborgen etwas Altes schlummert. Dabei wird eine interessante Geschichte über die Wiedererlangung alter Kräfte und das Wiedersehen mit alten Bekannten gesponnen, die nicht ohne Vorkenntnisse zur vollen Zufriedenheit verdaulich sein dürfte.
Nicht zuletzt ist die Kampfmechanik wieder erste Sahne und gehört zu meinen Lieblingen im Genre, alles garniert mit einer sehr schönen, sehr flüssigen Grafik, die einlädt, diesen Trip zu genießen und auf sich wirken zu lassen.
Jedem Fan des Genres empfehle ich: Lasst euch von den Fachzeitschriften nicht irritieren, denn es kommt auf die Gesamtkomposition an. Was dieses Spiel sein wollte hat es erreicht. Ein wunderschönes, eher ruhiges Gemälde ist dabei entstanden, was es hätte sein sollen nach Meinung einiger Kritiker, (God of War + Metal Gear Solid + LoS1) nicht.

Viel Spaß beim Zocken.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.03.2014 16:57:04 GMT+01:00
Das Problem an den Schleicheinlagen ist eher, dass diese hier den Begriff nicht verdienen. Sowas lebt davon, dass man sich einen Weg selbst suchen kann, während man hier nur eine einzige, richtige Möglichkeit hat. Der Weg zu diesem einen richtigen Weg ist Trial and Error. Wo man bei Metal Gear und Co zum Beispiel klar seine Fehler sieht (zu laut, zu offensichtlich, ...), muss man sich hier den nicht ganz ersichtlichen Regeln der Entwickler beugen. Man wird ja auch der Freiheit geraubt, dass man nichts mehr machen und nur noch schleichen kann.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2014 13:16:44 GMT+01:00
hotsalsa meint:
Sehr schön geschriebene Rezi. Mittlerweile lese ich lieber Amazon-Bewertungen als Tests von "Redakteuren". Wenn mir ein Spiel im Vorwege zusagt, helfen mir die Eindrücke von "Gleichgesinnten" 100* mehr bei der Entscheidung, als eine Bewertung unter Zeitdruck und ohne Hingabe, wie sie von den meisten Testern vorgenommen werden.

Sobald ich das Spiel durchgespielt habe, werde ich auch eine Rezi schreiben. Bisher steht das Spiel bei mir zwischen 4-5 Sternen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2014 19:51:54 GMT+01:00
Janunso meint:
Danke! Ich würde mich sehr über eine Rezension von Ihnen freuen. Die lese ich auch hinterher immer mal gerne. Ist selbst in Foren schwer "über ein Spiel" zu reden. Ein inhaltlicher Austausch trägt aber meistens gute Früchte und warum nicht über Rezensionen auf Amazon ins Gespräch kommen?

Und zum Spiel und der Wertung: Ich hatte hin und wieder auch zwischen 4 und 5 Sternen tendiert. Das lag teilweise an der Art des Erzählens, die manchmal recht ungebunden war, sich aber im Nachhinein immer wieder gefangen hat. Hätte das Spiel nur die alte Zeit gewählt wäre der Immersioneffekt wahrscheinlich auch stärker gewesen, zudem fühlen sich manche Schleicheinlagen teilweise eher an wie Lückenfüller, trotzdem nahezu immer erfrischend. Im Ganzen ist allerdings das Gameplay (die Art des Auflevelns der Waffen ist sehr motivierend: Alles wird ausprobiert, jede Attacke wird bis zur Perfektion gelernt), die Abwechslung und die Welt, genauso die Atmosphäre und die Musik so überragend schön, dass ich dem Spiel auf jeden Fall 85% geben würde. Dazu kommt, dass ich mir nicht gewünscht habe, dass die Meisterschaft des ersten Teils wiederholt wird, sondern ein ganz eigenes Ding dabei entsteht. Das Spiel hat es in jedem Fall geschafft.
Schön finde ich wirklich, dass man immer wieder genießen kann: Dann schlendere ich langsam mit Dracul durch seine alte Heimat, spüre den Schnee auf den alten Ruinen, merke die Zeit, die Jahrhunderte, die dem Leben des Fürsten seine Tragik verleihen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2014 19:56:18 GMT+01:00
Janunso meint:
Hm, ich verstehe womöglich: Dann nennen wir sie "Geschicklichkeitseinlagen"? Etwas anderes wollten die Entwickler davon wohl nicht. Man hätte da natürlich konsequenter vorgehen können und um das zu vollenden noch strukturierter zwischen den Zeiten springen müssen, damit es dann perfekt wird. Ich finde es allerdings gerade auch mit seinen Macken gut so und ich erwarte, dass da noch ein Teil kommt, der, der die angefangenen Ideen vollendet, die in LoS2 aber an und für sich "sehr gut" funktionieren und die von der grundsätzlichen Atmosphäre leben, die teilweise "wundervoll" und meistens einfach schön ist.
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